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jonesy
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Ich kam nach Hause, etwas durchgefröstelt vom Oktoberwetter in Deutschland. Es ist wirklich ein ewiges Thema, der Herbst in Deutschland. Dieses nasse, regnerische leuchtschwarz wenn die Sonne untergegangen ist, in dem das rot der Ampeln noch greller durch die Regentropfen auf gelb übergeht. Ich steige aus dem Bus, nachdem ich einen Knopf gedrückt habe. Die eine Stufe auf den Bürgersteig überwinde ich in dem ich mich quasi fallen lasse. Am Straßenrand sind mehrere Fahrräder abgestellt und mit Ketten gesichert. Es regnet. Die Tropfen haben aber noch nicht die Gemeinheit der Novemberregentage. Alles hat noch Romantik. Gerade gab es eine kurze Sonnenwoche gegen Mitte Oktober. Nun beginnt allmählich das Dunkel. Die Zeit, wo die Stadt besonders brutal sein kann.
Ich nehme den Weg so fern wie möglich dem Einkaufszentrum des Viertels. Das Licht, die Gesellschaft dort macht krank. Und ich habe keine Lust darauf. Mit ein paar mutigen, nicht unvitalen Schritten gelange ich an meine Haustür. Ich bin viel zu laut für diese Wohngegend. Ich trete durch den Türrahmen und schließe die Tür hinter mir.
Ein paar kurze Telefonate, herzlich, nicht euphorisch. Ich versuche etwas von Optimismus zu erzeugen. Dabei denke ich an nichts anderes als dass ich unfähig bin. Ich bin sterblich, der körperliche Verfall etc. Ich zünde mir fiebrig eine Zigarette an und ziehe übertrieben nervös, hier schaut niemand zu. Ich muss an die Sonne denken, einen ganz speziellen, einsamen Weg. Ich denke an die Wüste in der Mongolei. Dort ist die Sonne noch ganz frisch, bevor sie am Rest der Welt so viel geschienen hat.
Ich frage mich ein paar Mal, ob meine Geschichte von gestern gut war. Ich komme zu dem Schluss, dass sie es war. Ich sehe in die Lampe über dem Wohnzimmertisch. Ich weiß wie es weiter gehen wird: morgen ein Tag länger gelebt. Ein Tag länger versucht Freude zu erleben. Ob je wieder Bilder anfangen werden zu mir zu reden? Denn jetzt schweigen sie. Und ihr Schweigen bedrückt mich. Ich sehe ein Gemälde an meiner Wand, es ist ein festgehaltener Moment aus Sinn, aus meinem Glauben an die Richtigkeit des Ausharrens

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Elise
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Hallo jonesy,
" Nun beginnt allmählich das Dunkel. Die Zeit, wo die Stadt besonders brutal sein kann."
Ich lese wie 1 Sprecher die Stadt beschreibt, seinen Weg "nach Hause" (hat er ein zuhause?), Details, kleine Beobachtungen auf dem Weg, angekettete Fahrräder, das regnerische Leuchtschwarz, Farben:
die beschriebene Außenwelt ist Abbild für die Innenwelt des Sprechers, und auch für sein Anderssein, Nichtdazugehören (-können/-wollen).
"Ich sehe ein Gemälde an meiner Wand, es ist ein festgehaltener Moment aus Sinn, aus meinem Glauben an die Richtigkeit des Ausharrens."
Dein Text ist auch eine Art von Gemälde, mir scheint, der Sprecher ist ein Augenmensch, er "sieht" viel(es), nimmt die Welt durch die Augen auf, das Licht eines Einkaufszentrums kann ihn krank machen, "Bilder" sprechen zu ihm.
Weisst du, ich schreibe ganz unpräzise und lose auf, was mir gerade einfällt. Ich bin in Eile und muß gleich weggehen, aufstehen von einem einigermaßen angenehmen Platz, hinaus in ein wüstes nasses Wetter. Die Stimmung, die mich beim Gedanken ans Hinausmüsssen packt, passt zu deinem Text.
Dies ist kein besonders kluger Kommentar: vielleicht gerade deshalb, weil das, was du schreibst, nahe an mich heranrückt.
Viele Grüße aus einem verhangenen farblos brutalen Morgen - Elis.

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augustine
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04.11.2006, 00:14 / 2 x geändert
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Grüß Dich, jonesy -
dass Deine Texte vom 24. und 29. wie die Lichter einer Ampel zusammenhängen - klar. In beiden Texten aber ist eigentlich fast alles schrecklich, sowohl das Beschriebene (z.B. dass es nötig ist, Fahrräder anzuketten, um was relativ Harmloses zu sagen) als das inwendig Erlebte. Da die Mongolei vorkommt, fällt mir ein, was mal jemand darüber gesagt hat: Das ist ja wie schiffbrüchig zu Lande. So stellt sich der Tagebuchschreiber dar, schiffbrüchig. - Ich finde nur eine Aussage (mag was übersehen haben), die uneingeschränkt positiv ist: "herzlich", und das gerade in dem Text über rot und gelb. Denn wollte man die Bedeutung der Farben im Verkehr in die Metaphorik übertragen, bedeutete doch: grün| frei; gelb| aufpassen; rot| Halt, Gefahr; da fände ich "herzlich" viel einsehbarer bei Grün untergebracht. Und vielleicht wär's gut, die Schlussaussagen beider Texte zu vertauschen. - Beschränkt sich die Kommunikation des Berichterstatters aufs Telefonieren? So einsam und verzweifelt kann er jedenfalls nicht sein, wie er sich in grün dargestellt hat.
Viele einzelne Fragen hätte ich. Aber gut: es sind Notizen; immerhin vielversprechende.
Grüße von augustine.

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arisia (Gast)
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hi, jonsey,
dein Text steht hier als Notiz, müßte also noch überarbeitet werden, damit daraus eine Erzählung wird.
z.B. dieser Satz
"Ich zünde mir fiebrig eine Zigarette an und ziehe übertrieben nervös,"
kommt emotional nicht an. Das Fiebrige und Nervöse sollte dargestellt werde, lebenig sein,
statt nur beschrieben zu werden.
In Bezug auf das "Ausharren" hätte ich eine Empfehlung, das Buch:
"Stein und Flöte", von Hans Bemmann
In diesem Buch kommt eine Maus vor, die den Namen trägt:
"Die, die die Hoffnung nicht aufgibt".
Da ja schon einiges zum Text gesagt wurde, sehe ich meinen Beitrag nur als Ergänzung.
liebe Grüße
arisia

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