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Online
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gregor libkowsky
mmazzurro
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arisia (Gast)
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28.10.2006, 23:43 / 1 x geändert
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des einen wegen
tot schlagen wir uns
wegen des Einen
Ein-Allen
der facetten wegen
konditioniert
herz und verstand
nicht eigen mächtig
trächtig
sind wir
mit der sehnsucht
nach heil
aus den konserven

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Gretchen
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Hei, arisia,
hab bisschen geschaufelt und das hier nach oben geholt.
Steht bei Religion, also Thematik iss klar, aber: ich würde das noch weiter fassen, nicht nur Religion(szugehörigkeit) kann ein Grund sein für Tot(ge)schlag(enwerden), sondern ganz allgemein - na, ich sach mal: jede Art von Obsession.
Die erste Strophe zeigt einen möglichen Gegenstand einer Obsession: das Ein-Allen, ein Gott, der für alle sein soll. Der Streit entbrennt dann "der Facetten wegen", also "für nix". (Facetten groß schreiben?)
Wie das funktioniert und warum, das ist angedeutet in der mittleren Strophe: als Konditionierung, und zwar sind Herz und Verstand betroffen. In dem Wort "trächtig" ist die "Konditionierung" nochmal aufgegriffen, weitergeführt, potenziert: trächtig gemacht sein - das geht tief rein, vitale Formulierung. Überhaupt steckt für mich in der zweiten Strophe viel drin: diese ganze Sozialisation, die wer durchläuft, sei es in der westlichen Welt oder woanders, ist da angedeutet. Mehr als ein Roman. Eine Bibliothek.
Die Sehnsucht nach "Heil" in der dritten Strophe ist dann das, was bei der Konditionierung rauskommt: naja, das Heil hat gleich so einen Beigeschmack. Heil hatten wir schon mal ganz viel hier. Iss also ein ziemlich zwiespältiges Wort, geschickt eingepasst hier. Das Heil "aus Konserven": das iss das Vorgefertigte, was man eingetrichtert bekommt, was man liest und hört, was die Konditionierung ausmacht. Das Trächtig-Sein mit der Sehnsucht nach Heil aus Konserven iss schon eine Deformierung des Menschen. Aber ist das dann deckungsgleich mit der Sozialisation, oder nur ein Teil davon?
Die echte, ursprüngliche Sehnsucht, die müßte sich richten auf das Heil als "das Heile", auch "Heilende". Und diese Sehnsucht wäre absolut berechtigt. Menschlich berechtigt, sag ich mal.
Okeeh, war gez vllt. bisschen viel geredet. Warn Versuch.
Schöne Karogrüße von Gretchen.

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Jolante
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12.11.2006, 12:41 / 1 x geändert
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Hallo, arisia + Gretchen,
mir sind auch schon einige Gedanken im Kopf rumgesprungen, nachdem ich das Gedicht mehrmals gelesen habe. Nun kam mir Gretchens Interpretation gerade recht, denn sie drückt das aus, was auch ich aus dem Text herausgelesen habe, aber nicht in die rechten Worte zu fassen wusste. Mich stört nur eins: die Vereinnahmung durch das "Wir". In dieses Wir möchte ich mich nicht eingebunden wissen, es ist mir darin zu eng und zu warm. Ich hätte geschrieben "Tot schlagen sich Menschen....", denn es gibt sehr viele Menschen, die gerade w e g e n ihrer Religion jede Form von Gewalt ablehnen.
Das sind nur so Gedankensplitter, aber mir fehlt halt oft ein "Wir-Gefühl".
LG Jolante

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arisia (Gast)
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hi, Gretchen, hi, Jolante,
lieben Dank für eure Beiträge zu diesem "kleinen Schwergewicht."
Gretchen, du hast wunderbar herausgearbeitet um was es mir geht.
Erst werden wir konditioniert zu glauben, daß das "Heilmachende", das Heil-Sein"
in dieser oder jener Richtung läge, dann folgen wir dieser Richtung, ob sie uns nun
objektiv gut tut oder nicht.
"Irgendwann wird es uns gut gehen", so die Heilsversprechen aller Couleur, "wenn
ihr dieses und jenes befolgt." (das Glück erlangen mit 8x4)
Die einen missionieren den Weg mit Gewalt, andere folgen gar nicht mehr dem Weg,
sondern nur noch der Fiktion des Weges, indem sie heilige Schriften lesen, sich an der
Astrologie festbeißen, oder sich die täglichen Soaps ansehen, Hauptsache, daß es
vorgefertigte Antworten gibt, Ántworten aus Konserven aller Art, Bücher, Kino,
Fernsehen.
Nur wenigen gelingt es sich von Konditionierungen zu befreien, und auch nicht von
allen, deswegen, Jolante, das wir. Der Text zeichnet die Dinge zwar einerseits
überspitzt, aber andererseits auch allgemeingültig. In irgendeinem kleinen Winkel
lauern bei jedem gewisse Konditionierungen, die wir zur Not auch mit Gewalt
durchsetzten würden. Das gerade gesagte als meine Idee zum "inhaltlichen Wir".
Von der "Form" her würde der Text nicht so stark ansprechen, wenn die erste Strophe
beginnen würde mit:
"tot schlagen sich Menschen"
dann müßte in S3, Z1 folgen:
"sind sie"
Dann würde ich nur auf "die anderen" verweisen. Aber ich wage es nicht mich so
weit aus dem Fenster zu lehen, anzuklagen, die "sie", und mich außen vor zu lassen.
Ich denke in jedem von uns lauert die Gefahr, und wir sollten achtsam sein.
Vielleicht gibt es ja noch Meinungen zu dem Text. :)
liebe Grüße
arisia

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zuppanova
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servus alle!
ja, ich find auch , dass Gretchen die thematik gut ausgeleuchtet hat. ausserdem bin ich froh um deine erläuterungen dazu, arisia, und kann alles bisher gesagte nachvollziehen.
mit dem "wir" hatt ich probleme, wir find ich auf den ersten blick immer problematisch (zuppa vorurteil, ha-ha) - allerdings begreife ich nun auch, warum du es hier gewählt hast.
meine überlegung bewegt sich noch um die möglichkeit herum, statt
"nach heil
aus den konserven"
nur "nach heil" zu sagen - denn: es sollte leser/in klar sein, dass das gedicht ja genau auf "konserven-heil" zielt. und wenn die konserven wegbleiben, ist auch zugestanden, dass es menschen gibt, die eine grosse innere sehnsucht nach "echtem" heil, nach einer art wahrhaftigkeit haben - denn solche menschen gibt es auch, deren streben "rein" ist. behaupt ich etzat. und dann wären tatsächlich alle mit drin in dem gedicht, für mich wärs dadurch "weiter".
jamei, ob ich mich verständlich genug ausgedrückt hab?
von allem aber wieder abgesehen: "heil aus den konserven" ist als formulierung halt auch nicht übel, da wärs wieder schad, wenns verschwände ...
lg an alle. zuppa vom und zum (koch)herd (keine konserven!).

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arisia (Gast)
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hi, zuppa,
dein Kommentar hat mich das Gedicht noch einmal durchgehen lassen, in Bezug auf das "Heil".
Sehnsucht nach Heil ist wohl dem Menschen immanent, so weit das Forschung heute weiß
(Das sog. Gottes-Gen).
Beim Hin- und Her- Überlegung kam mir der Gedanke, daß ich statt "Sehnsucht nach Heil ..."
evtl. "Sucht nach Heil ... " schreiben könnte. Vielleicht würde diese Wortwahl die Dinge klären.
Denn erst die "Sucht" ist ja das Krankhafte, krank Machende, rüchsichtslos gegen
Bedürfnisse anderer Agierende.
Andererseits sagen alle Weisheitslehren, daß auch die "Sehnsucht" abzulegen wäre, um im
umfassenden Sinne zu Ruhe und "gelassener Heiterkeit" (um diesen Begriff noch mal zu
bemühen) zu kommen.
Bin dankbar, wenn noch Meinungen hierzu kommen.
liebe Grüße
arisia

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zuppanova
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SEHNSUCHT!
servus. ich würd die sehnsucht lassen, so vom kochtopf weg spontan gesprochen, unbedingt. mit einer sucht ist man nicht trächtig, die treibt einen nur, vom sprachlichen her, vom inhaltlichen her - kanns nicht besser begründen etzat so schnell. sehnsucht hat noch diesen wahrhaftigkeitsaspekt, geht tiefer als sucht, wiegt irgendwie schwerer, ist urmenschlicher. sucht ist schon zu sehr deformiert.
ist das zu verstehen?
lg, zuppa lasagna.

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arisia (Gast)
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hi, zuppa,
also ich tendiere inzwischen stark zur "Sucht", dann kommt das Perfide der
Konditionierung eigentlich noch mal mehr zum Vorschein. Denn genau diese
Deformierung ist durch die Konditionierung ja gegeben.
In dem Text ist das "Wir" eben nicht mehr "eigenmächtig", was ich mal mit
"heil, gesund" äquivalent setzen will in diesem Zusammenhang, sondern
vergiftet, im negativen Sinne geimpft, trächtig gemacht mit der Sucht, das
Heil in Konserven zu finden.
Welcher Art die Konditionierung nun auch sein mag, ob religiöser Art, oder ob
das Leben nur noch durch den Konsum bestimmter Produkte virtueller oder
materieller Art zu ertragen ist.
Von da her gesehen würde gerade der Zustand des "trächtig seins" im
Zusammenhang mit der "Sucht" noch mal einen schärferen, ja perfide ins
Eingeweide gehenden Kontrast herstellen, gerade weil "trächtig" ein so
vitaler Ausdruck ist.
liebe Grüße
arisia

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