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      Latenta



und täglich grüsst

   25.10.2006, 18:18



wieder geht ein tag vorüber,
nun wird der baum übermalt mit licht der laterne,
eine kerze erleuchtet das dunkel,
augen-blicke verlieren sich im raum,
getrunken wird aus vollen gläsern um die leere zu füllen,
banale dinge werden geschrieben
und müde wird in den tag geschlafen der hoffend erblickt

 

      ferdi



RE: und täglich grüsst

   25.10.2006, 22:53



Das ist ein schönes Gedicht!

Eine Sache verstehe ich nicht, und zwar das "erblickt" am Ende... kannst du mir erklären, warum du es gewählt hast? Irgendwie erwarte ich da noch ein "wen oder was" und fühle mich ob seines Fehlens nicht recht wohl.

Ansonsten "klingt" mir das Gedicht nicht recht im Ohr... Wenn du erlaubst, stelle ich mal eben etwas um, nicht weil es besser oder schlechter ist, einfach nur, um mich selbst zu vergewissern:

und täglich grüsst

wieder geht ein tag vorüber,
über den baum malt laternenlicht,
eine kerze erleuchtet das dunkel,
augen-blicke verlieren sich im raum,
aus vollen gläsern wird getrunken, die leere zu füllen,
banale dinge werden geschrieben
und müde schläft man in den Tag, der hoffend erblickt

Für meinen Geschmack würde es so etwas geschlossener, kompakter wirken. Aber natürlich, du hattest Gründe, so zu schreiben, wie du geschrieben hast, und das Ergebnis spricht ja auch für sich.

 

      Latenta²



RE: und täglich grüsst

   26.10.2006, 12:26



hallo ferdi

Schön das es dich berührt hat,

deine Umgestaltung des Gedichtes klingt auch schön und interessanter Weise auch anders, eben weil es auch von Dir kommt...spannend wie ein Gedicht so unterschiedliche facetten aufzeigt wenn man einzelne Wörter, Sätze in eine andere Reihenfolge setzt.

mit "erblickt" meinte ich den neuen Tag der schon erblickt während die Nacht langsam zu Ende geht.....hmhm jetzt so im nachlesen, hört es sich schon ein bischen merkwürdig an, meinte halt den Tag der schon leicht mit den Augen blinzelt.

welches Wort würdest du einsetzen dafür?

l

 

      windflug



RE: und täglich grüsst

   26.10.2006, 16:35



Hallo latenta,

ist schon komisch - meine Reaktion auf dein Gedicht war genau wie ferdis. Mich sprachen die Zeilen an, und ich habe mich hingesetzt, um eine Alternativfassung aufzuschreiben, die das Ganze etwas strafft, den einzelnen Worten und Bildern etwas mehr Raum zum Atmen gibt (ist aber dann doch nicht so gelungen, und ferdi war ja auch schneller).
Was in deiner Version stärker zum Ausdruck kommt, ist die lähmende Atmosphäre, die sich zum Beispiel in den vielen Passivkonstruktionen spiegelt, aber insgesamt erdrücken die überlangen Zeilenden Leser. War das vielleicht deine Absicht?
Was das letzte Wort angeht, warum nimmst du nicht einfach "blinzelt"? Das würde dem Ende auch einen hoffnungsvolleren, leichteren Ton geben.

Liebe Grüße
windflug

 

      Latenta²



RE: und täglich grüsst

   27.10.2006, 22:06



Hallo Windflug

hmh " Am Ende eine hoffnungsvolleren, leichteren Ton geben".
ja mag sein...
aber dann stell ich die Frage warum, ists oder klingts flüssiger wenn es am Ende hoffnungsvoll und leicht wird?
ist es das denn?

sprach ein bischen auch von der Eintönigeit und den Kreislauf der uns alle bestimmt, die hoffnung die wir in den neuen Tag legen, der doch eigentlich nichts anderes wie der Tag davor und die die folgen werden....naj vieleicht ein bischen pathetisch, aber vieleicht doch ein Gefühl was jeder kennt ;)

l

 

      Jolante



RE: und täglich grüsst

   28.10.2006, 11:28



Hallo, latenta,

was du mit deinem Gedicht ausdrücken willst, kann ich sehr gut nachempfinden. Inhaltlich gibt es nichts daran auszusetzen, und der kleine Text ist es wert, dass er noch etwas mehr in Form gebracht wird. ferdi und windflug haben Vorschläge gemacht, denen ich mich gerne anschließen möchte. Auch ich würde für den Schluss das Wort "blinzelt" nehmen und dafür hoffnungsfroh weglassen, das Blinzeln drückt schon so etwas wie Hoffnung aus, verhalten zwar, aber immerhin. Es bleibt dennoch dein Gedicht, nur das "Sprachgefühl" sollte hier noch ein wenig nachhelfen, meint

Jolante,
die dir natürlich nichts vorschreiben will !

 

      Elise



RE: und täglich grüsst

   28.10.2006, 12:57



Hallo,
beinahe schon peinlich, mich hier noch anzuhängen --- aber seis drum!
Und noch einmal peinlich, denn ich hatte genau denselben Impuls beim Lesen wie ferdi und windflug, nämlich: daran weiterzuarbeiten, umzustellen, zu probieren, ob nicht mehr Klang, Fluß, Form dem Text guttäte.
Nun, ferdi ist der, welcher zur Tat schritt, und das ist gut so, ein weiterer Vorschlag kam noch von windflug hinzu.
Ich meine auch, Latenta, dass eine Gestimmtheit, die du ausdrücken möchtest, nachvollziehbar ist. Was da von innen nach aussen will, ist dabei, in Bilder zu kommen, einen Prozess zu durchlaufen, den man "Formung" oder eben auch "Verdichtung" nennen könnte. So ist Sprache auf dem Weg, und immer schwingt doch auch das mit, dass sie ankommen möchte bei dem anderen Menschen, dem Leser oder Hörer. Deinen Text empfinde ich "auf dem Weg seiend".
Viele Grüße, Elise.




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