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ferdi
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der schein trügt
hinter die dinge sah ich,
hinter den dingen sah ich
lange schatten:
tief stand die sonne.

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Jolante
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25.10.2006, 21:37 / 1 x geändert
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Guten Abend, ferdi,
es ist dir gelungen, mit wenigen Zeilen viel auszudrücken. Ohne Hirnverrenkungen kann man dieses Gedicht auf sich wirken lassen: Es ist klar und wahr, und es erzeugt Nachhaltigkeit. - "der schein trügt", wer wüsste das nicht. Und doch geben sich die meisten mit dem Schein zufrieden, denn hinter die Dinge zu sehen, die Schatten zu erkennen, den Dingen auf den Grund zu gehen, wenn die Sonne tief steht, das ist halt nicht so prickelnd wie der schöne Schein.
Dieses Gedicht gerade in diesen Tagen zu lesen, die hier im Forum von einer gewissen Aufgeregtheit geprägt sind, hat mir gut getan. - Die einfache klare Form gefällt mir.
Liebe Grüße
Jolante

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arisia (Gast)
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hi, ferdi,
du hast ein altes Thema auf für mich ansprechende Weise neu gestaltet.
die Wiederholung des ersten Zeile und ihre Erweiterung malen ein Bild, das viel größer ist als diese beiden Zeilen. Wie der Baum eines Zauberers im Märchen, dessen Baum auch innen größer ist als außen, und plötzlich tuen sich Welten auf, in den Schatten.
Das hast du mit ganz einfachen, sparsamsten Mitteln geschafft.
Der lakonische Abschluß
"die Sonne stand tief"
verstärkt nochmal das Gefühl des Unheimlichen, das in den ersten Zeilen angedeutet wird,
macht einen Fakt daraus.
Die Oberfläche mag flirren, wie es die Luft oft bei Sonnenuntergang tut, einen sog. "Glanz" über die Szene werfen, aber das eigentliche Geschehen spielt sich in den Schatten ab, nur sichtbar für diejenigen, die sich die Mühe machen, hinter die Dinge zu schauen, sich nicht vom Glanz, vom Schein blenden lassen.
Kompliment
liebe Grüße
arisia

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Gretchen
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Hei, ferdi,
Jolante und arisia haben bereits geschrieben. Mir liegt daran, auch noch eine Anmerkung zu machen, obwohl ich sicher nicht viel Neues dazutun kann.
Es gefällt mir, dass es so einfach ist, so kurz und unaufdringlich. Es hat was Stilles, fast Beruhigendes, obwohl viel zum Nachdenken, Durchdenken drin ist. Ein Naturbild als Metapher für anderes, für viele Themen, die Leser/in "aussuchen" kann. Der Witz ist eben, dass das "Ich" "hinter die Dinge" sieht, und "hinter" - da steckt die Doppeldeutigkeit drin, da ist der Punkt, wo es im Leser anfängt nach-zu-denken.
Was ich dauernd hin-und herüberlege, ist, ob die letzte Zeile gedreht werden könnte:
"die sonne stand tief" statt "tief stand die sonne".
Aber vielleicht wär dat zu glatt, zu gängig? Ich weiss nicht. So wie es ist, wird der "Tiefstand" der Sonne besonders betont. Oder?
Schöne Grüße mit Schattenkaros: Gretchen.

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ferdi²
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Ich danke euch für eure Rückmeldungen :)
Wenn ich mit meinen knappen Zeilen "Nachhaltigkeit" habe erreichen können, bin ich zufrieden :)
@ Gretchen: Ja, durch die Vorangestellung wird das "Tief" betont, was in meiner Absicht lag. Ich hoffe, die etwas seltenere Wortstellung stört dich nicht zu sehr.

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juey dai jia ren
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Lieber ferdi,
das ist ja fast ein richtiges "Haiku" geworden.
Von der Art schon, nur eine Zeile zuviel.
Egal.
So schön, wie es kompakt ist.
juey

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