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      autumncat



Enttarnt

   20.10.2006, 12:22 / 3 x geändert



Nachdem du
dir mein Vertrauen
erküsst hattest
und meine Blindheit
dich sehend machte,

nahmst du mir
mein Ich.

Ich nahm
mir mein Ich
zurück,

nachdem ich
mir deine Seele
wissend entblößte
und mich dein Zielpunkt
sehend gemacht hatte.

*
(c)

 

      augustine



RE: Enttarnt

   20.10.2006, 16:21



Hallo und willkommen, autumncat!
Vertrauen erküsst - ja, gibt's oft; als Aussage von schöner poetischer Kraft. Ob das absichtlich war, bleibt offen. Kann auch offen bleiben.
War nur möglich, weil das Gegenüber des lyrischen/liebenden Ichs die blinde Liebe erkannte (LIEBE aber ist sehend), sie missbrauchte für seine Absichten/Wünsche/was auch immer.
Damit hat er dem Ich das Ich genommen.

(Mitte des Gedichts)

Dann nimmt das sich sein Ich zurück. Hier wird's problematisch: weil ja das Ich nicht bei sich ist, sondern beim andern.
Das letzte Päckchen finde ich sprachlich auch ein wenig problematisch: die Seele wissend/absichtsvoll entblößen=durchschauen: die Bosheit durchschauen, die die Blindheit benutzt hatte? aber was ist der "Zielpunkt"? wenn er die Absicht des anderen bezeichnet, macht nicht er sehend, sondern seine Erkenntnis
und - verzeih, aber doch gerade in kurzen Texten ist jede Einzelheit wichtig - : nach 'nachdem' müsste die Vorvergangenheit stehen (entblößt hatte; sehend gemacht hatte)

Sonst: das Gedicht spricht auch graphisch: es hat die Form einer Sanduhr und holt damit auch noch die Dimension des Vergehens der Zeit in seine Aussage. Man könnte sie also umdrehen und das feine kleine Werk auch von hinten (zu) schreiben (versuchen)...
Das fiel ein: augustine

 

      autumncat²



RE: Enttarnt

   20.10.2006, 16:25



Hallo augustine,

danke für dein Willkommen.
Ich freue mich sehr, dass du meinen kleinen Text gelesen und die Sanduhr erkannt
hast.

Deine Interpretation ist auch absolut richtig.
Den Fauxpas mit der "Zeit" werde sofort ändern.

Danke dir herzlich und Grüße an dich.
autumncat

 
        arisia
        (Gast)

RE: Enttarnt

   21.10.2006, 11:33



hi, autumncat,

dein Gedicht ist von Augustine schon sehr gut ausgeleuchtet worden. Dem kann ich nichts mehr hinzufügen, außer daß es mir sehr gut gefällt, und daß ich die Situation sehr gut nachempfinden kann, da ich in ihr auch eigenes Erleben wiederfinde.

" Nachdem du
dir mein Vertrauen
erküsst hattest"

diese Zeilen empfinde ich als sehr starkes lyrisches Bild, ist doch ein Kuss oft intimer als purer Sex.

Liebe Grüße
arisia

 

      lost



RE: Enttarnt

   21.10.2006, 12:07



es ist sprachlich - nun,
tut mir leid, aber sprachlich ... es ist so ...
... es ist wie ein Fisch mit sehr vielen Gräten,
zu vielen Gräten, größeren und kleineren.
immer muss man sich was verstohlen aus dem
Mund puhlen, es ist kein vollkommen
genüssliches Essen, mag auch das Fischfleisch
selbst recht deliziös ... ---
lost-message.

 

      autumncat²



RE: Enttarnt

   23.10.2006, 09:53



Hallo lost,

nun, manch einer mag kräftige Kost, der andere lieber exotische Zutaten.
Wer will entscheiden, welche Art des Essens ihm besser bekommt oder besser schmeckt?
Nur der Esser selbst. Aber Geschmack ist keine Wertung auf Qualität.

In diesem Sinne!
autumncat

 

      lost



RE: Enttarnt

   23.10.2006, 10:49



hallo autumncat!
du hast mich missverstanden. auf den Geschmack
hob ich ja nun eben nicht ab: ich sprach
von Gräten in einem (möglicherweise! sogar
schmackhaften) Fischgericht.

dein Gedicht ist gekünstelt kompliziert
(dumir ich nehmdir entblößen enttarnen
von rückwärts nachvorne kopfüber
nachhinten blind sehend und Sanduhr und drehen und wieder
vonrückwärts dann dirich die Seele gib her oder küssmein
Vertrauen die Sanduhr noch einmal gedreht ja woistdenn
dein Zielpunkt lasssehen ich treff schonnoch bleibdoch ...)
es hat ordentlich aufgerüstet. es
atmet immer nur ein. nicht aus.

ich habe hier auch schon gekonnt
komplizierte Gedichte gelesen. die haben
keine Gräten, oder nur ganz wenige.

andererseits hast du natürlich vollkommen recht,
was wäre denn auch die "Wertung auf Qualität"
bei einem Gedicht, wenn nicht "Geschmack":
dieses "ohja, das mag ich. das kenne ich auch.
ging mir schon mal genauso, dass mein Vertrauen erküßt
wurde." und schon ist es gut, das Gedicht. so schnell geht
das, so einfach ist es.

in diesem Sinne also auch!
lost
(um weitere Missverständnisse zu vermeiden:
was auch immer ich schreibe - es ist meine Art,
den Finger auf die Wunde zu legen. das
bedeutet nicht, dass ich jemanden verletzen will,
niemand muss sich angegriffen fühlen. die Wunden
heilen in der Regel nicht dadurch, dass man so tut,
als seien sie nicht da.)

 

      autumncat²



RE: Enttarnt

   23.10.2006, 12:20



Hallo lost,

ich mag diese blumige Sprache nicht bei der Beurteilung eines Textes.
Nicht jeder kann jedem gefallen.
Deine Ironie, ja Spott schon, der gefällt mir nicht.
Kritik ist gut, wichtig und ich brauche sie und freue mich drüber.
Aber dein Gerede ist länger als mein Text . Die Quintessenz davon ist: dir gefällt es nicht; das muss es auch nicht.
Aber eine Kritik, mit der ich was anfangen kann, wäre mir lieber.
Nun könntest du ja sagen, wenn ich damit nichts anzufangen weiss, dann ist es mein Problem, womit du vollkommen recht hast.

Ich hoffe, dass deine Art der Kritik nicht der Grundtenor dieses Forums ist.

autumncat

 

      autumncat²



RE: Enttarnt

   23.10.2006, 12:57



Hallo mack,

da bin ich aber sehr froh.
Haben wir jetzt vielleicht "lost" enttarnt? *smile*

Gruß,
autumncat

 

      lost



RE: Enttarnt

   23.10.2006, 14:19



nun, autumncat, fast wie in deinem Gedicht:

da mir dein
text nicht
gefiel,
gefiel
dir mein
Kommentar
nicht.


wie auch immer der Grundtenor dieses
Forums sein mag: ich werde weiterhin
blumig, ironisch, spöttisch, ja bisweilen
gar zynisch schreiben, wenn mir danach
zumute ist. sollten die Grundtenöre und mack-
er dieses Forums ein Problem damit haben,
dass meine Stimme etwas weniger gleich ist:
für Belehrungen, Maulkorbvergaben, Nettikette-
unterweisung u.a.m. gibt es ja inzwischen
den passenden Ring.

lost, immer noch.

 

      autumncat²



RE: Enttarnt

   25.10.2006, 09:03



@lost

Ich mag nicht ringen.
Nicht um Ironie, Spott und Zynismus.
Wenn du das brauchst, ringe mit wem du willst, nicht mit mir.

Ich brauche sachliche, ehrliche Kritik.
Was du machst, ist Selbstdarstellung.
Je spöttischer, je ironischer, je zynischer, desto besser fühlst du dich?

Ist dieses Forum deine Plattform dafür?

autumncat

 

      Gretchen



RE: Enttarnt

   27.10.2006, 06:48



Heia, autumncat,

will auch noch was sagen hier. Ich versuch mal, da an augustines Kommentar anzuknüpfen. Mehrmals hab ich das Gedicht gelesen, und ich kam zunächst mit dem „Zielpunkt“ nicht klar. Alles andere ging zusammen. Jetzt auf einmal denke ich so: der Zielpunkt - damit kann doch eigentlich nur die Stelle gemeint sein, wo das Du im Gedicht verletzlich ist, also der wunde Punkt, der es sozusagen ermöglicht, die Sanduhr zu drehen. Da, wo das Ich des Gedichtes das Du treffen kann. So geht es auf. Seh ich das richtig?

Also, es hinterläßt bei mir eine Traurigkeit, dieses Gedicht. Es ist, auf Beziehungen gemünzt, so wenig optimistisch. Abba so isses halt manchmal: ein Beziehungs-Gerangel.

Schöne Grüße von Gretchen.

 

      autumncat²



RE: Enttarnt

   27.10.2006, 19:11



Hallo Gretchen,

ja, es ist ein trauriger Text.
Nein, der Zielpunkt ist nicht der, wo das LI die Sanduhr dreht,
sondern der Moment der Erkennung des LI, warum sich das LD
mit dem LI "eingelassen" hat.
So zumindest wollte ich es rüberbringen.
Es ist mir, scheinbar, nur teilsweise gelungen.
Aber man lernt noch :-)

Hallo arisia,
entschuldige, ich hatte deinen Kommi wohl noch nicht zurückkommentiert.
Freut mich sehr, dass du diese gewisse Stelle als stark empfindest - so hatte ich es auch gesehen.


Vielen Dank ihr beiden und schönen Abend noch,
autumncat




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