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      neopia



der Schönheit überdruss

   17.10.2006, 22:47



Kleiner betriebsamer Hafen. Über backsteinroten Riesenklötzen,
klafft der trübblaue Himmel mit aller schwere eines Endsommer Tages.
Er ist bestückt mit klumpig, triefenden, Saurer Regenwölkchen, die
bedrohlich schwer herunterhängen.
während kleine rostige boote, sich aneinander reibend, vorbei
schleichen, glotzt mich eine verblödete Möwe an als wollt sie mich was
fragen oder einfach nur nebensächlichen Reeling Small Talk führen.
Als ihr einfällt das ich ihr nervendes Gekreische unmöglich
verstehen kann, probiert sie es bei einem nach Morast stinkenden
Althippie, was ihr dort gelingt. Er kreischt, zwar etwas verhalten,
aber genauso unangenehm wie sie, zurück.
fette alte Murmelmenschen schieben ihr Gewicht vor sich weg und kommen
kaum hinter her, alle fünf Meter, der Last wegen stehen bleibend,
glotzen sie mich genauso blöd, wie die Möwe zuvor, an und kullern dann
gemächlich weiter.
das modergrüne griesbreikonsistentische Wasser riecht wie, seit
langem, verdorrte, menschliche, Unterleibsschleimhaut. mir wird übel
davon und ich denke darüber nach, wie weit ich gelaufen bin um an diesen
miesepetrigen Ort zu kommen. Quer durch die tote, nach
Fäulnis stinkende, Westernfilmstadt. Hinter deren perversbunten Fassaden unmöglich was zu finden sein kann.
auf diesem Weg habe ich nur zwei Menschen gesehen, die sprachlos
übers leben am Rinnstein festklebten.
Jedoch ist hier, jetzt am backsteinrotem Hafen, alles voll gestopft mit
fetttriefhaarig gelangweilten Spaziermurmeln, die nach der Freiheit von
verblödeten Möwen gucken. ich geh wieder zurück und kneif
dabei die Augen zu, so das nur noch ein schmaler Spalt zum schauen bleibt
und alles verschwimmt dösig und sieht dennoch viel klarer aus als
vorher. ein schöner Ort denke ich mir und beiß dabei zufrieden in den
sauren Apfel der nach einen neuen Tag schmeckt.

 

      Gretchen



RE: der Schönheit überdruss

   18.10.2006, 00:45



Hacke auch,

dat iss die Überdrussdröhnung, da schwappt der Ekel aber so was von über. -

Liest sich für mich, als hätt dieses ErzählIch sich nicht gut genug informiert und sei zur Strafe an den pauschalen Urlaubsunort katapultiert worden, wo es nun (passendes Frischfleisch iss leider nicht vorrätig) von der gekippten IdylleImülle belauert mit sich selber, dussligen Möwen und unappetitlichen Co-Touris rumhängt. An so einem Ort MUSS jede menschliche Unterleibsschleimhaut verdorren, geht gar nicht anders. Der einzige Trost: man kann drüber schreiben.

Was ich ja prima finde: das ErzählIch kriegt am Ende die Kurve und beisst in den sauren Apfel, der nach neuem Tag schmeckt. Gut so.

Bisschen Kosmetik noch an den Text ran, so paar rechtschreibstraffende Mittel und optisches MakeUp für den äußeren Eindruck, dann kommt der richtig schön raus!

Gruß von Grete Karo.
(Wo issn dieser Ort? Nur, daß ich nicht aus Versehen in meinn nächsten Urlaub dorthin fahr ... )

 

      neopia²



RE: der Schönheit überdruss

   18.10.2006, 14:04 / 1 x geändert



hallo du eine dort,
also erstmal, der ort war die verschlafene stadt wismar....
um ehrlich zu sein fand ich es dort anfänglich ganz schön, zumindestens am alten hafen.
dennoch war ich nach einer weile da herum sitzen genervt von dem gedanken, an schöne orte zu reisen um sie zu konsumieren. So war es also das meine idee, einen schönen ort gefunden zu haben, gleichdrauf umkippte ins negative und ich alle schönen farben gegen die schlechten eintauschte....somit war das ganze schöne, "HAFEN-URLAUBS-BILD" hin.

fand ich zeitgleich aber auch belustigend, das desto mehr ich mich hab da rein fallen lassen, desto hässlicher auch, tatsächlich jede kleinigkeit wurde.
denke, an anderen tagen, hätt ich mich über die "blöde möwe" gefreut.

ansichtssache, eben

wie würdest du den äusseren eindruck verschönern?

n

 

      Gretchen



RE: der Schönheit überdruss

   18.10.2006, 16:36



Hei, du anderer wo!

So ungefähr würd ichs machen (siehe unten - was hat sich verändert? na?), abba ich bin keine Korrekteuse, nee, liegt mir nicht, mach ich auch nicht nochmal, kostet ja Zeit - - -
Also, irgendwie ... doch ... wären deine Sachen noch angenehmer zu lesen, wenn dat äußere Schriftbild weniger Kraut und mehr Rüben wär, also so mit GROSS- und klein-Schreibe, und am Ende vom Wort auch richtig ein "m" (wenn da eins hingehört) statt sonn kastriertes "n"-emm, wo gar keines sein soll, falls du gezz maa vastehst, was ich meine. Oder du machst es dir so zurecht, dass du voll konsequent alles klein und möglichst falsch schreibst, das hat dann schon sonn gewissen fetzigen Style (führt abba beim Leser auch wieder eher zum überdrüssigen Abbruch). So halb und halb jedenfalls ... wirkt wie gewollt und nicht gekonnt. Andrerseits, klar, auch nicht so wichtig. -

Wismar, okeeh, stell ich mir gar nicht so uneben vor, dat Wismar. Kommt (wie du sagst) auf den Blickwinkel und die Tagesverfassung an. Ich behaupte gez mal, ich hätte verstanden, was du da erlebt hast.

Bis denne, mit Möwenschrei: Gretchen.



Kleiner betriebsamer Hafen. Über backsteinroten Riesenklötzen
klafft der trübblaue Himmel mit aller Schwere eines Endsommertages.
Er ist bestückt mit klumpig triefenden, Saurer-Regen-Wölkchen, die
bedrohlich schwer herunterhängen.
Während kleine rostige Boote sich aneinander reibend vorbei
schleichen, glotzt mich eine verblödete Möwe an als wollt sie mich was
fragen oder einfach nur nebensächlichen Reeling Small Talk führen.
Als ihr einfällt, dass ich ihr nervendes Gekreische unmöglich
verstehen kann, probiert sie es bei einem nach Morast stinkenden
Althippie. Es klappt. Er kreischt zurück, zwar etwas verhalten,
aber genauso unangenehm wie sie.
Fette alte Murmelmenschen schieben ihr Gewicht vor sich weg und kommen
kaum hinter her. Der Last wegen alle fünf Meter stehen bleibend,
glotzen sie mich genauso blöd an wie die Möwe zuvor und kullern dann
gemächlich weiter. Das modergrüne, griesbreikonsistentische Wasser riecht wie schon lang
verdorrte menschliche Unterleibsschleimhaut. Mir wird übel davon
und ich denke darüber nach, wie weit ich gelaufen bin, um an diesen
miesepetrigen Ort zu kommen. Quer durch die tote, nach Fäulnis stinkende Westernfilmstadt,
hinter deren perversbunten Fassaden unmöglich was zu finden sein kann.
Auf diesem Weg habe ich nur zwei Menschen gesehen, die sprachlos
übers Leben am Rinnstein festklebten.
Jedoch ist hier, jetzt, am backsteinroten Hafen alles voll gestopft mit
fetttriefhaarig gelangweilten Spaziermurmeln, die nach der Freiheit von
verblödeten Möwen gucken. Ich geh wieder zurück und kneif
dabei die Augen zu, sodass nur noch ein schmaler Spalt zum Schauen bleibt,
und alles verschwimmt dösig und sieht dennoch viel klarer aus als
vorher. Ein schöner Ort, denke ich mir und beiß dabei zufrieden in den
sauren Apfel, der nach einem neuen Tag schmeckt.

 
        arisia
        (Gast)

RE: der Schönheit überdruss

   18.10.2006, 19:47



hi, neopia,

ein interessantes Stimmungsbild vom Wismarer Hafen. Zufällig ist er mir bekannt, aber nur flüchtig, aber ich kann mir vorstellen, daß er so erlebbar ist, wie du ihn geschrieben hast.

Mit dem Editor und der Zeilenlänge ist es etwas schwierig, aber wenn du mit enter und evtl. wieder backspace eine bißchen hin und her probierst, dann hast du es nach einer Weile raus.
so wie Gretchen den Text gesetzt hat, müßte noch ein break in Z15, nach Wasser, die anderen müßten wieder angeglichen werden. Oder du schreibst durch, enter nur beim Absatzt, dann settzt sich der Test von selbst in Blocksatz.

lg
arisia




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