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Latenta
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34Grad…ich steh auf und mache mir einen Kaffee. Fühle wieder latente Unlust, hab das Gefühl das alle Welt schon weiß was jetzt zu tun ist….hör von draußen das menschliche Gewimmer, schau raus auf den Balkon und sehe sitzende dickbäuchige Männer mir ihrer Wasserpfeife. Im Hintergrund verhüllte Frauen mit Kind und schweren Einkaufsbeuteln, gewohnter Blick, gewohntes Umfeld…berührt nicht mehr. Nun gut dann setz ich mich vor den Rechner in die mindestens 40grad heiße Küche, wo nun seit gestern auch eine Maus Unterschlupf gefunden hat. Während ich routiniert durch die virtuelle Welt streife, kommen die alltäglichen Gedanken, wie:
“ könnt ja mal raus gehen, in den Park, Leute treffen, nen Job suchen, aber allein?".
Hmhm, also bleib ich beim Abwaschen, Einkaufen und im 10 sekunden Takt die Räumlichkeiten wechseln. Kurz mein Bild angeschaut, kurz den Pinsel angeschaut, kurz den Stift zum schreiben in die Hand genommen und wieder zurück zum Rechner und wieder der Gedanke:
“ich könnt ja mal rausgehen in den Park, raus in die Sonne, raus unter Menschen, aber allein?" .
Wohl wissend das auch der Gedanke des Alleinseins ein Kissen is.t auf dem ich mich nur allzu gern ausruhe.….ich denk mir:
" jetzt allein raus in die Stadt, allein in den Park, allein umher streifen".
Was soll das für einen Sinn haben wenn man es nicht teilen kann, oder hab ich nur Angst vor meinem Kopf wenn ich mit ihm den ganzen Tag allein unterwegs bin? Erlebe so viele Alltage anderer Menschen, tauche dort oft unter und weile in dessen Rhythmen ..die Welt dreht sich Tag für Tag..wenn man selbst kein Ziel hat spürt man es gewaltig wie die Zeit uns davonläuft und wir nur hinterher rennen oder nutzen wir sie, nutze ich sie? Bin wohl strukturierter als manch anderer, hab meine Regeln oder meine Ängste?Weiß nicht was gibt’s zu tun. Hab oft das Gefühl mich selbst nicht mehr zu spüren, ist das gut oder schlecht, wollt ich das? Hab das Gefühl entweder sehr weit weg von mir zu sein oder nah wie nie zuvor. Kein Gefühl mehr für die Welt da draußen, hab Interesse aber kein Gefühl. Ihr macht so viele Sachen Tag für Tag, habt Ziele und Träume, geht Essen und Joggen, sucht eure Mitte und findet euch wieder im Yogakurs.
Was sind Träume?
Was sind Ziele?
Warum brauchen wir Träume? Lenken sie nicht auch nur von der Realität ab, machen das Jetzt und Hier ertragbarer aber was ist das jetzt und hier?
.....seht ihr euch im Jetzt oder träumt ihr euch davon?

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arisia (Gast)
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hi, Latenta,
mir gefällt dein Text sehr gut, kann auch die Ambivalenz, Latenz, woraus sich vermutlich auch dein Nick ableitet, sehr gut nachvollziehen.
Du stellst eine interessante philosophische Frage:
"Warum brauchen wir Träume? Lenken sie nicht auch nur von der Realität ab, machen das Jetzt und Hier ertragbarer aber was ist das jetzt und hier?
.....seht ihr euch im Jetzt oder träumt ihr euch davon? "
Meditationstechiken wollen uns zum "hier und jetzt" führen, aber was ist, wenn das hier und jetzt unerträglich ist?
Oder meinen die Meditationsmeister doch das richtige? Ist das hier und jetzt nicht immer die Nanosekunde dazwischen, selbst in der tiefsten Hölle?
Sprachlich gibt es an deinem Text gar nichts auszusetzen.
Ich mußte auch an einer Stelle schmunzeln:
"wo nun seit gestern auch eine Maus Unterschlupf gefunden hat. "
Einmal drängt sich mir die Assoziation auf, ob dein PC endlich zu einer Maus gekommen ist, andererseits erinnert es mich an mein Leben in einem alten Bauernhaus. Ich hatte mal Schockolade auf dem Nachtisch liegen, nachts hörte ich es knistern, und sah beim Hochschrecken gerade noch eine Maus vom Nachttisch verschwinden. :)
Auf jeden Fall eignet sich dieser Text dazu in den Rahmen einer Geschichte eingebunden zu werden, entweder als eigenständiges Teil, oder als Geschichte innerhalb eines größeren Rahmens.
Zum Beispiel könnte ich mir vorstellen diesen Text als ein Stimmungsbild zu betrachten, daß von einem Fenster aus erlebt wird, und dieses Fenster ist in einem Haus in Berlin.
Stimmungsbild ist noch nicht der korrekte Begriff den ich meine, eher "Psychogramm einer Stadtbewohnerin, einer Stadt"? So in der Art.
Und ich verstehe auch, daß Leben ohne es zu teilen sinnlos erscheint. Wir sind nicht Mensch ohne Menschen, ohne Spiegel.
Dieser Satz berührt mich sehr:
" Kein Gefühl mehr für die Welt da draußen, hab Interesse aber kein Gefühl."
Dieser Satz beinhaltet eine ungeheuere Menge an Ambivalenz, die den Erzählenden faßt zerreißt, aber auf der anderen Seite einen Schritt zur Weisheit bedeutet. Aber nur einen Schritt, viele müssen noch folgen.
Es gibt bestimmt noch einiges, worauf ich in dem Text nicht eingegangen bin, nicht erkannt habe, aber soviel kann ich sagen, es ist ein guter Text, er berührt mich, erzeugt einen Nachhall, läßt mich an Vergangenes erinnern und über Zukünftiges sinnieren.
liebe Grüße, eine durch die letzen 24 Stunden hier im Forum etwas erschöpfte
arisia

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