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      neopia



traumata

   09.10.2006, 19:42



Fleischig warmer Uterus, Blut nicht deines, nicht selber atmen, nur die Schnur die verbindet, die getrennt dann irgendwann,
trennt dich von der Welt, die dir entzogen, immer bleibt sie auf deinen schultern,
strömt in kleinsten Kapillaren als Erinnerung, wie gift
keiner erträgt das große Trauma, nicht einer
Das Leben definiert sich einzig in dem Versuch zu vergessen das wir in unserer Mutter unsren Garten Eden schon gehabt und ihn auf immer verloren haben

 

      zuppanova



RE: traumata

   11.10.2006, 00:29



servus, neopia,

so als gedicht kann ich deinen text nicht nehmen, er könnte eines werden, wenn er sich entschiedener von der mutterprosa abnabelte. wäre besser aufgehoben bei "Notizen" oder "Entwürfen", find ich.

pulsierende stellen sind da, 'fleischig warmer uterus', das könnte eine gute eröffnung sein. 'strömt in kleinsten Kapillaren als Erinnerung, wie gift', ja, pulsiert auch ...
was dazwischen steht, das sind bausteine, die noch bearbeitet werden sollten.
ab 'keiner erträgt ... ', spätestens ab 'das Leben ... ' knickt der text ein: (an)klage, schlussfolgerung, aber da dichtet gar nichts. das kommt prosaisch daher, da bleibt dem leser kein schlupfloch, da muss er mit ins trauma, ob er will oder nicht ('wir').

was du ausdrücken möchtest, ist mir schon klar (behaupte ich mal), der text ist ja nicht hermetisch. mir fällt dazu Otto Rank ein, der hat 1924 ein buch zu dem thema herausgegeben. hat damals ziemlich furore gemacht und schliesslich dazu geführt, dass Rank und Freud sich überworfen haben, weil jeder der ansicht war, er habe das bessere trauma entdeckt. nämlich Rank das trauma der geburt (trennung von der mutter, rausschmiss aus dem garten Eden) und Freud das trauma der ödipalen situation ("ich will da wieder rein in den garten", entwicklung des männlichen kleinkindes, für mädchen sieht es wieder anders aus ...).
mir scheint, du hast Freud und Rank in deinem text ein bisschen wiedervereinigt. will sagen, der sprecher hier muss ein männlicher sein.

jamei, das wars. ist schliesslich spät am abend. also, ich würd da noch dran weiterbasteln ... lohnen könnt es sich schon.
lg, zuppa.

 
        arisia
        (Gast)

RE: traumata

   12.10.2006, 00:09



hi, neopia,

erstmal schließe ich mich zuppas Worten an, (ist auch mal angenehm, danke zuppa).
Was mir zusätzlich noch einfällt ist, daß du aus diesen Zeilen,

"Das Leben definiert sich einzig in dem Versuch zu vergessen das wir in unserer Mutter unsren Garten Eden schon gehabt und ihn auf immer verloren haben"

anders formuliert noch mal ein eigenes Thema machen könntest.

liebe Grüße
arisia




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