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Haiku · Forum für Literatur & Germanistik
 

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      Marcelinho Doido



Beginn

   14.12.2005, 20:40



Gemähte Wiese - dort
Gänseblümchen fallen um
Freiheit der Seelen

 

      Marcel Frank



RE: Beginn

   14.12.2005, 21:54



Von Haikus habe ich keine Ahnung. Seit 2 min. weiß ich aber um das konventionelle Silbenarrangement. Ich weiß auch, dass dies nicht so wichtig sei, sich - de facto - aber jeder daran hält. Und das ist auch gut so. Diesesdeiktischedortdünkt mir: + 1 Silbe erzwingen ? Das wäre der härteste Einwand. Das hat nichts mit Haikus zu tun, an "dort" ist keine Bedeutung zu binden. Außer ! Außer man führt ein Referenzobjekt an. Das wäre die offene Frage. Wo ist das dort ? Es kann dort sein, wo die gemähte Wiese ist oder das Dort ist dort, wo der Raum der in Freiheit gesetzten Seelen sich befinde. So wäre eine Verbindung zwischen 1 und 3 eingelöst. Eine andere Referenz ist, aus dem Text heraus, nicht denkbar. Dass ein Haiku auch leicht sein, und man sich über Referenzen keine Gedanken machen sollte, wäre der laissefaire-Notausgang. Ich bleibe lieber bei den beiden genannten Möglichkeiten. / Dementsprechend bringe das Mähen, das Gemähtsein mit Infreiheitsetzung zusammen. Interessanter Link. "Die Seelen hingegen stehen mir nicht gerade an der Ampel und warten auf grün (hinter-grün-dig)."

In der Tat hat dieses den HaikuBock in mir erweckt. So muss ich morgen in der Bahn nicht mehr in die Scheißgesichter gucken ...

 

      Marcelinho Doido²



Haiku(s)

   17.12.2005, 15:02



Nun, will ehrlich sein: dieses Haiku ist das einzig Gute, das ich jemals zustande gebracht habe. Das zumindest sagte mir einmal ein Fachkundiger (Herr Dr. Reimer Eilers, bei dem ich damals studierte, wie man Haikus schreibt. Laut seiner damaligen Aussage: "Hier haben Sie gültige Literatur geschrieben, die neben bekannten Werken besteht. Meinen Glückwunsch. Das ist seltener, als Sie vielleicht meinen"). Du kannst Dir nicht vorstellen, wie mir damals das Herz fast zersprang im jugendlichen Kopfe beim Lesen dieser Worte. Seither ist es mir noch nicht wirklich gelungen, ein Weiteres zu schreiben, denn entgegen aller Meinungen, ist es nicht unwichtig, wieviele Silben, Verse und welche Bedeutung und Thema einem Haiku zu Grunde liegen.

Generell zu Haikus: bei einem Haiku ist die Silbenzahl vorgeschrieben (unschwer erkennbar 5-7-5), ebenso die Verszahl. Wichtig ist, dass diese eingehalten werden und dabei noch grammatikalisch richtig sind. Ebenso wichtig ist, dass in einem Haiku folgende Aspekte zusammen treffen: 1.) Ein konkretes Bild bzw. ein Vorgang mit Bezug zur Natur 2.) Jahreszeit 3.) eine metaphysische Aussage. Und dies alles muss in einem Spannungsverhältnis zueinander stehen.

Nun zu meinem:
Die vorgegebene Jahreszeit ist hier der Sommer. Das Mähen, der Vorgang des Sterbens, steht im Vordergrund. Der Tod erscheint nicht als ein enger Moment, sondern als Befreiung. Auf einer Wiese, wo die Gänseblümchen buchstäblich unter freiem Himmel liegen, ist dieser Aspekt relativ augenfällig. "Dort" ist nicht erzwungen, sondern deutet auf, wie Du schon vermutetest, den dritten Vers hin und verbindet damit gleichzeitig alle drei Verse und schafft so ein Spannungsverhältnis.

Ich hoffe, ich habe das einigermaßen erklären können. ;-)

 

      Marcel Frank



RE: Haiku(s)

   17.12.2005, 15:30



Bevor ich auf Absätze 1 und 3 antworte (Liga-Radio, tja):

Zu Absatz 2:

una pendejada (von mir): "5-7-5 (unschwer zu erkennen)". Im allg. oder im bes. ? (a) Das vorliegende Haiku "hat" 18 Silben. (b) Zu "Freiheit der Seelen" habe ich herausgefunden (Oberschlaue wissen es sofort): Synonyme Verwendung zu "Nirvana". Das erklärt es einerseits, andererseits wäre es ein stereotypischer Haiku-Schluß. Das geht nicht ohne Ironie ab (oder mit asiatisch-engelsgeduldiger Gutmütigkeit). Beides funktioniert, aber (a) bleibt "vakant". Zu Abs. 1 + 3 später im "edit" ...

M !

 

      Marcelinho Doido²



RE: Haiku(s)

   17.12.2005, 15:44 / 1 x geändert



Para sua pendejada: Tatsache, die 18 Silben. Ich habe das rausgekramt aus einer alten verstaubten Ecke und nicht wirklich noch mal gelesen, als ich es reinsetzte. Also doch kein echtes Haiku? Jedenfalls das einzig Gute. 5-7-5 im Allg.
Bin gespannt auf Kommentar zu 1, 3.
Hübsch aufgefallen mit dem Nirvana, allerdings kann man bei Buddhisten ja nicht wirklich von Engelsgeduld sprechen. ;-) Ironie allerdings erkenne ich da nicht wirklich...

 

      Marcel Frank



RE: Beginn

   20.12.2005, 01:00



Absatz 1 + 3:

3: Diese Jahreszeiten-Regel begreife ich jetzt. Ein exemplarisches Gedicht. Ich weiß nicht, ob sie - bei den meisten Haikus - in einem "Signum" der Worte (in Vers 2) liegt oder nur "Ansichtssache". Ich bin da nicht begnadet.

Da Du dieses Thema anschneidest:

1: "Reimer" paßt gut zu seinen altback'nen Gedichten. Zudem: Das Aussprechen einer Phrase wie "gültige Literatur" und "Dr."-Sein, zwei Stoffe, die nicht mehr zusammengehen. Oder doch ? Literatur: Fehlanzeige. Stattdessen: "Nationalökonom" (google). Aber selbst das wäre egal, wenn er nicht bei Allerwelts-Verlagen publizierte. Man muss 7 min. suchen: "Dieselbe Hand die / Den Hintern abwischt schreibt / Dieses Gedicht". Nomen est omen. So, Du CLer: Algorithmus ~ Lesen bis Schwächeanfall im Gegenstand. Dann: ALT-F4. Vergessen. Mittlerweile dürftest Du ihn Dich "vom unter dem Absatz" befachkundigen lassen. Solche Leute hängen da nunmal. Du kannst es nicht ändern » Keine Bevormundung zulassen | Am Rinnstein abtreten.




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