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Moulin
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17.09.2006, 14:05 / 1 x geändert
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Gretchen
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Nur so paar Wörters:
Da ist dieser Schmerz drin,
der damit zusammenhängt, daß
alles sich ständig bewegt und -
auflöst und wegweht.
Ich denke manchmal, es müßte
irgendwo einen ganz anderen
Ort geben, so eine Insel in Zeit und Raum,
wo alles - alles aufbewahrt wird. Nichts
soll verlorengehen, nichts auch
von meinem Leben, natürlich, kein Lidschlag,
kein Augenblick, und manchmal
bin ich sogar in der Stimmung,
an einen solchen Ort - zu glauben:
sekundenlang. Das wäre ein Seelenort.
Die Seele ist eine Rauchwolke oder sonstwas
oder ein Konstrukt menschlichen Wünschens ich
weiß nicht.
Schon auf dem Foto: war der Augenblick verloren,
gestorben, dahin, verweht.
Ist er in dem Moment, als du das Bild
aufgehoben hast,
noch einmal wach geworden?
Ich schicke dir einen Gruß, Moulin.
Wenn du ihn liest, den Morgengruß,
ist er für mich schon -
weit weg ...
Gretchen.

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arisia (Gast)
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hi, moulin,
da hast du eine ganze Menge Erinnerungen bei mir wachgerufen, mit dieser Geschichte.
Als ich einmal aus einem großen Bauernhaus in eine vergleichsweise kleine Wohnung, mit kleinem Keller zog, initiierte ich selbst so eine "Haushaltsauflösung". Ich wollte, mußte mich von einigen Dingen trennen.
Nachdem die ersten Leute herangerückt waren, wie Panzer sich durch die Dinge wühlend, habe ich nach einer halben Stunde die ganze Aktion abgebrochen. Ich schaffte es gerade noch die Leute aus dem Haus zu bekommen, bevor ich einen heftigen Wutanfall bekam. Was hatte ich eigentlich erwartet?
Daß alle freudig und pfleglich mit meinen Hinterlassenschaften umgehen, daß ich wildfremden Menschen liebevoll zusammengetragende Dinge überlassen könnte, in dieser Geschwindigkeit? Menschen, die so hartnäckig waren, daß sie auch die Dinge haben wollten, die gar nicht zum Verkauf standen?
Keine Ahnung, auf jedenfall schaffte ich es dann doch alles irgendwie in der neuen Wohnung unterzubringen, und habe dann sorgfältig Ausgewähltes selbst nach und nach auf Flohmärkten verkauft. Das war ein viel langsamerer Prozess, weniger schmerzhaft.
Jahre später bin ich dann selbst mal zu einer "Haushaltsauflösung" gegangen, und es war genau so, wie du es beschrieben hast. Ich weiß auch gar nicht mehr, was ich dort eigentlich wollte, mitgenommen habe ich eine Dose Knöpfe, die niemand wollte, und die ich dann geschenkt bekam. Aus dieser Dose und zwei Dosen Knöpfen, die ich noch von meiner Großmutter hatte ist inzwischen eine Knopfsammlung, ich schätze mal so an die 3000 Stück, geworden. Wenn ich die Knöpfe durch meine Hände gleiten lassen fühle ich mich wie Dagobert Duck, der in seinen Goldtalern wühlt.
liebe Grüße
arisia

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zuppanova
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servus, Moulin und
ja verreck, arisia,
eine grosse knopfdose hab ich auch, viel weniger stück als arisia, aber der stock der sammlung stammt (wie bei dir, árisi) von der grosselterngeneration. mein opa, den ich (leider) nie kennengelernt hab (es heisst in der verwandtschaft immer, er sei ein arger sturkopf und "bsondrer" gewesen und ich hätt viel von ihm, deshalb ... ) war schneider, und es sind so stoffüberzogene knöpfe dabei, von seiner schneiderstube ... immer wieder kommt mal einer dazu, in der dose ist auch noch platz. wenn sie je voll wär, müsst ich aufhören mit sammeln, das hab ich mir versprochen. mit den knöpfen haben meine kinder (klein) auch immer gern gespielt, sie aufgereiht, ordnungen gesucht, knopffamilien gebildet, gezählt. es ist vielleicht für kinder die faszination des "in immer neuem kleide erscheinenden gleichen" bei den knöpfen. und für mich vielleicht auch.
so, aber um die knöpf gehts ja gar nicht, wollt sagen: Gretchen und arisia, ihr habt die zwei kernstränge, die ich in dem tagebucheintrag auch sehe, schon benannt. was Gretchen beschreibt, geht ja fast unter in der gier der leute, wird so im letzten moment gerettet, nochmal ins licht gehoben, wiederbelebt durch die achtsamkeit eines "einzelnen".
so ist es. der mob spült weg, was zu fein (im guten sinn) ist, reisst fühllos mitten durch den alten seidenstoff im habenwollen. so sind sie, die men.s.en --- der text könnte also zu vielen situationen passen, in seiner aussage.
jamei, das wars von mir: zuppa.

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Jolante
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20.09.2006, 14:14 / 1 x geändert
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Guten Tach moulin, gretchen, arisia + zuppanova,
ein bisschen knopflastig erscheinen mir die letzten Beiträge, und auch ich könnte jetzt stundenlang über Knöpfe berichten, besonders gerne über jene, die ich Anderen angenäht habe im Laufe meines Lebens. Nun ja, das lass ich lieber, das hat hier nix zu suchen. Ich will dir nur sagen, Moulin, dass mir dein Text sehr gut gefällt, der Inhalt und auch die Form. Alleine hinter dem Wort Haushaltsauflösung verbergen sich Dramen der Vergänglichkeit und der Raffsucht. Die maßlose Gier von Menschen, die über einen Nachlass herfallen, hast du sehr eindringlich beschrieben. Doch in all dem gesichtslosen Gewimmel ist einer, der ein verknülltes Foto aufhebt, das die rührende Aufschrift enthält "Mit meinem lieben Schatz am See 1954". Die LeserInnen werden hier auch miit der Flüchtigkeit des Lebens konfrontiert und mit dem, was am Ende übrigbleibt, immerhin eine aufsteigende Träne, - für mich ein tröstlicher Gedanke !
LG Jolante

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zuppanova
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Jolante, das ist gut und du hast recht:
wir sollten aufpassen, dass es nicht zu knopflastig wird hier!
zuppa, lacht und weg.

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