de re praesente · arisia · ·


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        arisia
        (Gast)

de re praesente

   10.09.2006, 01:48 / 2 x geändert



9.9.2006

de re praesente

gefegte Bahnhöfe und Köpfe
rein
sollen sie sein

die Leute* und ihr Land
blütenweiß
Westen und Wäsche

Schmutz türmt verborgen
Halden
in den Himmel

färbt nie Gesehenes
schwarz
die Wolken über den Städten

absichtslos bringen sie
Atem
zum Stillstand


*hab nochmal geändert von "Deutsche" zu Leute. War mir v orher einfach nicht eingefallen

 

      Gretchen



RE: de re praesente

   14.09.2006, 06:55



Heia, arisia!

Du hast einen Edit gemacht und genau das verändert, was ich dir zu ändern hätte vorschlagen wollen: Leute und Land, Land und Leute, das gefällt mir viel besser als gleich konkret (deutsch?) zu werden.
5 Strophen, die 3. ist die Drehachse. 1 und 2 beschreiben den äußeren Anschein (und "gefegt" ist hübsch doppeldeutig, Gehirnwäsche ...), 3 zeigt, was "wirklich" ist, 4 und 5 sagen, was daraus entsteht ("absichtslos" - es läßt sich nicht verhindern, es geschieht einfach so?). Also so was wie ein Kontinuum mit zwei Polen.

1 rein
2 blütenweiß
3 Halden
4 schwarz
5 Atem

das sind die einzeln gestellten Wörter, sie enthalten die Bewegung des Textes, am Ende das Röcheln, das Ringen nach Atem: "Luft", es könnte auch heißen:

1 der schöne
2 Schein
3 das wüste Sein
4 gibt kein
5 Gedeihn

Über dem Titel grüble ich noch: de re praesente (geht das, so im Singular? mein Latein iss so abgeschabt!) = die Gegenwart, und in der Rubrik steht das Gedicht (ich finde, es könnte auch unter Politik stehen, oder unter Soziales, oder Alltag - was für ein Land gilt, trifft auch auf die einzelnen Individuen zu ... ). Aber, was mein Gretchenhirn nicht ausdeuten kann: warum ist der Titel gerade in Latein? Du hast dir bestimmt wat gedacht dabei, arisia, gibet zu!
Liebe Grüße vom Gretchen.

 

      Jolante



RE: de re praesente

   14.09.2006, 13:35 / 1 x geändert



Hallo arisia,

das Gedicht ist dir formal und inhaltlich sehr gut gelungen. Unprätenziös bringst du hier auf den Punkt, wie wenig das Äußere mit dem Inneren übereinstimmt. Je schöner der Schein, um so schmutziger das Sein. Wir können den Schmutz nicht aus unserem Leben verbannen, er holt uns - Leute und Land - immer wieder ein. Es ist nicht nur die Umweltverschmutzung, die "absichtslos" unseren Atem zum Stillstand bringt, auch Politik und Medien tragen dazu bei, dass unser Denken verschmutzt und wir bei vielen Geschehnissen den Atem anhalten. Den Titel würde ich ändern, er erscheint mir zu sehr konstruiert. - Ein Gedicht, das sich mir gut einprägt, mir Denkanstöße gibt, die auch über den Tag hinaus nachwirken.

LG Jolante

 
        arisia
        (Gast)

RE: de re praesente

   15.09.2006, 12:21



hi, Gretchen, hi, Jolante,

lieben Dank für eure Beiträge zu einem Versuch.

@gretchen
Das mit der dritten Strophe ist mir gar nicht so aufgefallen. Ganz lieben Dank für deinen Super-Kommentar. Ist mir ganz wichtig, weil ich endlich mal wieder was anderes ausprobiert habe. Ist am Samstagmorgen im Zug entstanden. Auf dem Bahnhof suchte ich nach einem Aschenbecher, es war noch früh, ich fand keinen, der Bahnhof war so sauber, daß ich mir mit meiner Zigarette wie ein Schmutzfink vorkam.
Schrecklich. Und die Leute sahen auch alle so sauber aus. Eine total unwirkliche Szenerie mit noch Sonnenlicht durchs Glasdach. Ich kam mir vor, wie in einer Filmkulisse, gleichzeitig fielen mir all die Mülldeponien ein, die immer weiter wachsen, und welch einen Dreck die Verbrennung des Mülls immer noch macht, weil die neuen Verbrennungstechnologien, die es schon gibt, nicht eingesetzt werden. Mal wieder eine Kostenfrage.

@Jolante
ja, das war genau, was ich ausdrücken wollte. Der Schein und das Sein, die gefegten Köpfe, gehirngewaschen einerseits, dann mit Medien-Müll zugestopft.
Und ich hatte ein Stilform im Sinn, mit der ich experimentieren wollte. der gefegte Bahnsteig brachte dann den "Klick".
Die Form heißt Zeugma:

"Es erscheint als beabsichtigtes Wortspiel meist in der Form, dass zwei Substantive ironisch oder satirisch durch ein Verb verbunden sind, das für den einen Fall konkrete, für den anderen übertragene Bedeutung hat." wp

Jaaaaaaa, der Titel. Das ist eine Verlegenheitslösung. Mir fiel einfach nichts ein, und da ich das Gedicht eh unter Gegenwart stellen wollte, nahm ich dann das Naheliegende.
Wenn jemandem ein Titel einfällt: Her damit. Ich bin so auch nicht glücklich mit dem Titel.

liebe Grüße euch beiden
arisia

 

      Jolante



RE: de re praesente

   16.09.2006, 11:23



Hallo arisia,

mir ist für den Titel ganz spontan ein alter Werbespruch eingefallen: ".......zwingt Grau raus, zwingt Weiß rein". Vielleicht inspiriert dich dieser Spruch zu einem neuen Titel.

LG Jolante

 

      Gretchen



RE: de re praesente

   17.09.2006, 07:19



Heia, arisia,

von dem Zeugma hab ich noch nicht gewußt.
Danke für die Horizonterweiterung.
"Ich lerne gern" - sagt
mit lieben Grüßen

dat Gretchen.

(zum Titel bin ich bis gez einfallslos.)




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