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Gretchen Darloni
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28.11.2007, 02:09 / 6 x geändert
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in die nacht
dem zarten Vogel gleich, der jäh vom höchsten himmel stürzt,
im flug betäubt von wildem trommelpuls und schrillem herzgeschrei,
fällt auch der helle abend, über berg und tal gehetzt, am ende doch
in abgrundschwarze schattenschluchten einer todestiefsten nacht:
die ohne dich zum grab mir werden muss.
den dunklen mantel ließest du zurück: er atmet, über einen
stuhl nachlässig hingeworfen, deinen dämmerduft
in meinen raum - ein schattenduft, mir
herz und sinn betörend,
seele und leib verstörend,
ach! - nein, erinnerung stillt
meinen frischen hunger kaum,
dein fleisch, dein jähes blut,
dein mund nur macht mich satt.
ursprüngliche Version:
in die nacht
dem zarten vogel gleich, der jäh vom höchsten himmel stürzt,
im flug betäubt von wildem trommelpuls und schrillem herzgeschrei,
fällt auch der helle abend, über berg und tal gehetzt, am ende doch
in abgrundschwarze schattenmeere einer todestiefsten nacht:
die ohne dich zum grab mir werden muss -
den dunklen mantel ließest du zurück: er atmet,
über’n stuhl nachlässig hingeworfen, deinen dämmerduft
in meinen raum - ein weicher schattenduft, mir herz und sinn betörend,
mich am leib verzehrend, ach! - nein, erinnerung stillt mir
den frischen hunger kaum. dein fleisch, dein jähes blut, dein roter mund
nur macht mich satt ...
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siehe auch -> Du mein Nachtmahl

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Schreibtisch
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Guten Morgen, Gretchen,
meistens ist es bei mir so, dass mir das Ursprungsgedicht besser gefällt als spätere Variationen. Aber bei deiner zweiten Nachtversion ist es nicht so. Sie kommt mir vor wie gereift im Eichenfass, der Rhythmus lässt mich den Atem anhalten, ausatmen erst bei Zeile 5, Luft schnappen und gelassener durch die nächsten Zeilen...die zweite Strophe bräuchte ich nicht mehr...ich bin nach Zeile 5 schon satt und ganz. Der Rest ist Schmuck, auch fein...aber Luxus...für mich
herzlichen Glückwunsch!
Schreibtisch

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windflug
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Hallo Gretchen,
ja, die Zeit zwischen dem ersten und dem zweiten Nachtgedicht hat den Ton verändert. Das erste wirkt schroff und kantig wie ein frischer Schmerz, das hier deutlich milder, fast melancholisch, durch Zeit und Bearbeitung gegangen.
Für mich ist die zweite Strophe nicht bloßer Luxus; das konkrete Detail des Mantels erdet das Gedicht und macht es noch eindringlicher.
Rhythmisch stoße ich mich beim Lesen jedesmal am "mich" in der vor-vorletzten Zeile. Wenn du es nach "verzehrend" stellen würdest, hättest du noch immer eine Verzögerung an dieser Stelle, aber zusammen mit "ach! - nein" fände ich sie passender.
Es grüßt dich
windflug

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augustine
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29.11.2007, 21:52 / 5 x geändert
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Nacht-Gretchen, ich glaube, dass du dich einfach an einer anderen Form, an einer 'hohen' Sprache erproben wolltest, an jambischen Langversen. Und das ist dir gut gelungen. (Einige Male stehen betonte Silben am Versanfang, das wäre leicht zu ändern, wenn du es möchtest.) Abendgrüße von augustine
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Jolante
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Gretaluna,
ich kann mich nicht entscheiden, welche der beiden Nachtversionen mir besser gefällt. Die erste halte ich stilistisch für zeitgemäßer, auch authentischer. Das aktuelle Gedicht wirkt auf mich sehr hochgestimmt expressionistisch. Ich fühle mich an die Lyrik von Ernst Stadler erinnert.
Deine sprachliche Ausdrucksfähigkeit beeindruckt mich immer wieder.
Mondhelle Grüße
von Jolante

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zuppanova
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(1) die erste strophe: ein recht geschmeidiges flechtwerk. ineinander verwoben, sich wechselweise unterstützend, drei bildbereiche, nämlich- das motiv des vogels, der (wovon auch immer) tödlich getroffen vom himmel stürzt
- das motiv des abends, der dahinschwindend in die nacht "fällt", übergeht
- das motiv eines sehnsüchtigen (verlassenen? einsamen?) menschen (= lyr. ich), nachts
(2) die zweite strophe greift die letzte zeile der ersten strophe auf, d.h in s2 wird die in z5/s1 getroffene aussage des lyr. ich (die ohne dich zum grab mir werden muss) ausgebreitet, bebildert (mantel), vertieft, näher erläutert
sprachlich geschickt, möcht ich sagen. wenn du demnächst wieder so einen textumwandlungsschub hast, Gretchen: darfst dich gern auch über meine kantigen trümmer hermachen.
. . . . . . . . . . . zuppa

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rollerball
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Gretchen!
Zunächst mal halte ich die 2. Version für noch gelungener als die 1., und die 2. Strophe keineswegs für entbehrlichen Luxus. Wunderschöne Bilder und Wortschöpfungen wie "wildem trommelpuls und schrillem herzgeschrei" haben es mir angetan, und der Grundton schafft eine melancholische Stimmung, die nie zu kitschig wird, sondern wie bittersüße Schokolade einen Geschmack hinterlässt, von dem man noch lange zehren kann ...
Einziger kleiner Einwand hinsichtlich der Metrik: Wenn die drittletzte Zeile etwa mit "und" begänne und dafür das "nein" wegbliebe, würde der Rhythmus etwas runder und flüssiger laufen, denke ich - doch das soll meine Bewunderung nicht schmälern ...
Mit besten Grüßen,
rollerball

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Vladimir
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08.12.2007, 12:37 / 1 x geändert
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Ein paar Dinge, die mir als bemerkenswert auffallen:
Das Wenden des senkrechten Fallens zum waagerechten Hinhetzen über die Erde - wirkt irgendwie klaustrophobisch, das Fallen versteht man noch, dann... zielloser auf jeden Fall. Was sind schon diese Meere? Dann lieber Einschlag auf Boden...
Der Mantel ist meiner Meinung nach das eigentliche Ereignis.
Hier wieder eine Wendung, die mir sehr gut gefällt: Aus dem vielleicht erstmal als Einatmen verstandenen Atmen, wird ein Ausatmen. Der Mantel hat noch Dämmerduft des lyr.dus in seiner Lunge und verströmt ihn nun - verströmt ihn aber eben nicht, sondern atmet!
Aber dann...? Herz und Sinn ist mir ein bisschen zu nichtssagend, am Leib verzehrend, gut, und schließlich: Dass gerade das Fleisch an erster Stelle den frischen Hunger stillen würde, nehm ich dem lyr. Ich nach all der Verzweiflung vorher, dem "Herz und Sinn", der Macht eines bloßen dunklen Mantels, nicht ab. Es ist doch da etwas anderes, wonach es sich sehnt, als bloß Fleisch.
Aber gut. Hier ist ja nicht zuletzt ein bestimmter emphatischer Ton angepeilt und getroffen. Besonders gefallen mir aus irgendeinem Grund die Zeilenumbrüche, also dies Zusammenspiel aus Vers und Syntax find ich gut gelungen.
Liebe Grüße
Vladimir

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Gretchen Darloni²
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Hei,
was ihr sagt über den neuverworteten Nachtmahl-Text, freut mich, klaro.
War sonn’en plötzlicher Schub, Umgestaltungsversuch, Erproben, wie augustine sagt. Hat mit der Diskussion über wie macht (es) der Rilke? bei Vladimirs Text zu tun. Ich überlege bei so positivem Feedback (und auch, weil es mir Spaß gemacht hat), ob ich noch mehr Texte umwandeln soll ...
Danke mal für den Glückwunsch, Schreibtisch. Danke für die Reminiszenz an Ernst Stadler, Jolante, stimmt mich echt hoch, woll.
windflug und rollerball: diese neunte Zeile, mich am leib verzehrend, ach!, und drum rum (Herz und Sinn und so), das ist ne Schwachstelle, in der Metrik und im Ausdruck. Ich tu das oben mal mit einer kleinen Veränderung hin, ist zwar immer noch hülsenhaft, aber metrisch doch bisschen glatter.
Fleisch reicht nicht, das stimmt, Vladimir. Fleisch, Blut, roter Mund - ist als Klimax gedacht, Gegengewicht zu dem Duft, der Erinnerung, dem ganzen Schattenzeugs (und klar, Bodenprall wär besser ... happ mal aus den schattenmeeren schattenschluchten gemacht ...). Fleisch, Blut usw. kann man als Metapher lesen oder, besser noch, so:
was den Hunger stillen könnte, was das lyrische Ich will, ist die Anwesenheit. Darum geht es eigentlich. Der Mantel*, die bloße Hülle, ist (wie das ganze Schattendämmerduftzeugs, sich-erinnern, denken-an) sonn’ Gegenstück zur echt richtig voll ersehnten inkorporierten Anwesenheit des lyrischen Du. Die Erwähnung von Fleisch, Blut usw. soll darauf hinweisen.
. . . . . . . . . Schöne Grüße an alle und Dank von: Gretchen
. . . . . . . . . . . . .  -> Zu denen Animalen (klicken!)
PS 1: augustine, muss denn bei jambischen Langversen immer die erste Silbe unbetont sein? Ich kenn mich mit die Verse nicht so aus, weiß also gar nicht so genau, was ich da getan bzw. gelassen hab.
PS 2: zuppa, hoffentlich bereust du dein Angebot nicht irgendwann ...
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* Der Mantel ist (wie das Fleisch) auch nur nen Bild, ne Metapher für die Nichtanwesenheit, man könnte statt des Mantels auch was anderes nehmen, irgendwas, einen zurückgelassenen Zettel auf dem Tisch, eine sms auf dem Handy, nur wär dat weniger poetisch.

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augustine
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Ganz früh am Morgen schon Antwort, Gretchen-Fädchen; passiert, wenn ich selber im Sinn an was rumstricke und dann doch aufstehe.
Nee, der Langvers muss nicht mit 'ner unbetonten Silbe anfangen, nur wenn's kurz/lang anfängt, klingt's besser, wenn immer (kurz/lang ist dasselbe wie lang/kurz mit "Auftakt").
Hab' eben die für mich schönsten Langverse mit ganz und gar eigenem Rhythmus hergeholt, sind SEHR lang: Gertrud Kolmar, Welten; du hast Recht: durchgehend macht sie das auch nicht. - Sieh noch mal bei Durs Grünbein nach. Und lass dich letztlich zu gar nichts 'zwingen'.
Und der Mantel: siehste, dies Stück ganz einfache Realität in der ersten Fassung war also das eigentlich Wichtige! (kann ick mir nich verkneifen)
Und wenn ick noch wat sagen dürfte: erprobe dich weiter im 'hohen Ton'; aber er ist - gefährlich. Er muss 'wahr' sein. Ich weiß nicht recht, was ich raten soll (dabei hast du mich nicht mal um Rat gefragt); dies hier war in gewisser Weise ein Gretchen-Spaß, das Feierliche verlor an Feierlichkeit, weil ja alle den Vor-Text kannten. Dabei verliert aber das Feierliche vielleicht auch an, ja, Würde. - Wenn du einen neuen Text im hohen Ton schreibst (ohne ihn zu verulken), werden wir uns aber alle fragen: ist das auch Gretchen? IST sie das auch?
Aber: nicht festlegen lassen und tun, was dir richtig erscheint. Es wird gut sein.
augustine mit Grüßen an den (oder einen) da hängen bleibenden Mantel

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Gretchen Darloni²
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Heia, augustine, guten Morgen!
Kaum hat eine wie ich mal paar Zeilen Rilki inhaliert, gibst du schon die nächste Aufgabe: Gertrud Kolmar. Nee, weisse ... (happ gegoogelt, ob ich paar Zeilen "Welten" finden kann zum dran Schnuppern, war abba nix).
Zum hohen Ton hab ich nen Hang, jawoll. Dass das gefährlich ist, weiß ich (kann der noch wahr sein, jetzt, heute?). Drum habb ich bisher nur geulkt damit. Einfach wen nachmachen geht ja nicht. Muss noch was mehr bei sein. Komplizierte Sache.
Danke für das, was du mir nochmal hier ins Fädchen geschrieben hast.
. . . . . . . . . Denkfaltenbestücktgeschmückt: Krötchen
. . . . . . . . . . . . .  -> Zum Soap-Sonett (klick!)

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sandyseeber
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Hallo Gretchen,
beide deiner Versionen sind voller Bilder und beim Lesen fuehle ich die Verzweiflung...auch wenn Lyrik dieser Art nicht zu meinen Favoriten gehoeren, bin ich beeindruckt
Sicher kann ich noch einiges von dir lernen.
Sandy

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Gretchen Darloni²
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heia, sandy,
jetzt will ich was sagen, wegen der verzweiflung nämlich, die du fühltest beim lesen.
da möcht ich doch sicherheitshalber anmerken, dass es prinzipiell gut und sehr wichtig ist bei gedichten, die befindlichkeiten eines textaussagesubjektes fein säuberlich zu trennen von denen der autorin, des autors. bedeutet auch, dass, wer schreiben möchte, sein material hübsch kalt halten sollte - um einmal mehr den Herrn Benn zu bemühen. - aber vllt. weißt du das schon?
und noch: muss gestehen, dass es mir einigermaßen gleichgültig ist, ob und was eine/r von mir lernen kann oder nicht. was hab ich davon? spannend wird's für mich dann, wenn ich den eindruck hab, dass da jemand ist, von dem, von der ich womöglich was lernen kann über mich, über mein schreiben, denn ich bin weit entfernt davon mich gefunden zu haben und weiß nie, wer ich bin. fühle mich so bunt und vielgestalt wie die gewächse in gretchens garten, und jeden morgen steh ich direkt vor dem nichts, fang ganz von vorne an und mach sachen, die ich gar nicht kann undsoweiter ...
schönen tag!
. . . . . . . . . gretchen
. . . . . . . . . . . . .  -> muget ir (klick!)

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Jochen18
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04.12.2011, 17:09 / 7 x geändert
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Eines der wundersamsten Gedichte überhaupt. Hier hat sich eine was getraut. Es gibt das Alte und das Neue, Und alles stimmt. Es ist die reine Freude! Nur "über'n Stuhl" sollte jeder Leser durch "da, auf meinem Stuhl" ersetzen.
Noch besser wäre allerdings statt:
"den dunklen mantel ließest du zurück: er atmet, über’n stuhl
nachlässig hingeworfen, deinen dämmerduft"
den dunklen mantel ließest du zurück, er atmet,
nachlässig hingeworfen, deinen dämmerduft ...
Aber das ist Männersicht.
Die Wortwiederholung "dämmerduft" und "schattenduft" in aufeinander folgenden Zeilen ist allerdings unverzeihlich. Zumal sich dadurch ein Betriebsfest-Reim einstellt.

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FreshMoods
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Ich muss nach der Lektüre dieses Gedichts erstmal tief Luft holen. Es mag an der erwähnten Klaustrophobie liegen, die von dem allmählichen Wechsel von Lang- zu Kurzversen ausgelöst wird. Es mag aber auch an den Dopplungen liegen, die den Text schwerfälliger werden, als er es von seiner Struktur sowieso schon ist. Als Beispiel nenne ich "in abgrundschwarze schattenschluchten einer todestiefsten nacht". Die Tautologien (schwarze Schatten, todesähnliche Nacht) nähren nicht etwa den Eindruck, die Dichterin habe zu sehr übertrieben, sondern unterstützen die Botschaft des Textes: Nachdem das lyrische Du verschwunden ist, fallen dem Ich buchstäblich die Wände auf den Kopf.

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Gretchen Darloni²
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26.01.2012, 21:39 / 1 x geändert
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Befolgte nun den von Jochen18 erteilten Rat zum nachlässig über'n Stuhl geworfenen Mantel, wenn auch nur teils. Die fiese Elision schmiss ich hinfort ("über'n Stuhl"). Stattdessen: "über einen Stuhl".
Das andere, diese von Jochen18 monierte "duft"-Dopplung, das müssen die LeserInnen aushalten, das mute ich denen zu. Habe das Gefühl, dass das Gedicht dadurch erst so richtig kunstreich wird. Verargumentieren kann ich's aber nicht, alas ...
. . . . . . . Es grüßt Gretchen
. . . . . . . . . . . . . aka -> Mary Poppins
. . . . . . . . . . . . . aka -> Margret von dem Güldenmund
. . . . . . . . . . . . . aka -> Heidrun Xirzenbach
. . . . . . . . . . . . . aka -> Pegamund
. . . . . . . . . . . . . aka -> Hexi 18
. . . . . . . . . . . . . aka -> Moonlightqueen

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Jochen18
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AN EINE JUNGE GELIEBTE
Ach Du und Dein Vogelfederleben
mit Wünschen und Plänen –
Wisse: Sokrates war
vor einer halben Stunde
in der Dämmerung. Seitdem tasten
wir im Halbdunkel umher
und haben keine Ahnung, ob es
Tag werden will oder Nacht.
Ansonsten: Kriege.
Dazwischen ein paar Kulturspitzen,
schnell hergezählt.
Humanitätskitt, meist dünn gezogen.
Und immer die Gleichgültigkeit der Himmel,
sich kalten Auges über uns beugend.
Ach Du und Dein Vogelfederleben.
Komm zu mir.

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Gretchen Darloni²
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Eben festgestellt, dass dieses in-die-nacht-Stück eigentlich ein Sonett ist.
in die nacht
dem zarten Vogel gleich, der jäh vom höchsten himmel stürzt,
im flug betäubt von wildem trommelpuls und schrillem herzgeschrei,
fällt auch der helle abend, über berg und tal gehetzt, am ende doch
in abgrundschwarze schattenschluchten einer todestiefsten nacht:
die ohne dich zum grab mir werden muss.
den dunklen mantel ließest du zurück: er atmet, über einen
stuhl nachlässig hingeworfen, deinen dämmerduft
in meinen raum - ein schattenduft, mir
herz und sinn betörend,
seele und leib verstörend,
ach! - nein, erinnerung stillt
meinen frischen hunger kaum,
dein fleisch, dein jähes blut,
dein mund nur macht mich satt.
Zur jungen Geliebten übrigens und ihrem Vogelfederleben wurde Nachlesenswertes geschrieben.
Von SimonLore und Willimox => http://www.literature-online.de/thema272...+geliebte#16479
. . . . . . . Gretchengrüße
. . . . . . . . . . . . . . . . . .  -> Das Glühen (klick)

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