Jochen18
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26.01.2012, 11:08 / 4 x geändert
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(Bezieht sich auf http://www.literature-online.de/thema1543.htm )
Es gibt Menschen, die, wenn sie auf ihre Jugend zurückblicken, sagen: Nicht die Strandfeten, nicht die Fummeleien in schummrigen Fetenkellern, nicht die Kapriolen meiner Lieblingsband waren es, die mich damals bewegten - es war die Geschichte der Wannseekonferenz, der Emser Depesche, des Westfälischen Friedens, was mich umtrieb. Diese Menschen bilden die Mehrheit und sind identisch mit jenen, die über die fortschreitende Verdummung der Jugend klagen. Seit Aristoteles.
Auch ich wurde als 16jähriger mit meiner Schulklasse für eine Woche nach Berlin beordert und dortselbst von grauen Wesen betreut, die irgendwas mit politischer Bildung zu tun hatten. Mir war das völlig gleichgültig (und nicht nur mir!). Genauso gleichgültig waren mir die hässliche olle Einäugige, die Fleischerhaken in dem schmutzigen leeren Raum, das staubige Schloss, die Mauer und was dahinter lag, aber ganz besonders der Vortrag mit Wandkarten und Dias über - tja, ich weiß es nicht. Wahrscheinlich sowas wie: Dreigeteilt niemals. Niemand hörte dem zu.
Aber der Kudamm! Dieses Licht, dieser Lärm, diese Freiheit! Stundenlang sind wir dort auf und ab marschiert. Und plötzlich - mein Gott! - kommen uns THE LORDS entgegen. In vollem Ornat! Nun ja, es waren nicht die Beatles, aber: Einfach so, auf der Straße, The Lords! Da entschied sich meine Zukunft: Ich gehe sofort nach dem Abi nach Berlin.
Den Rest der Zeit haben wir damit verbracht, heimlich aus der verdammten Jugendherberge raus zu kommen, vor allem aber heimlich wieder rein zu kommen. Dazwischen Abenteuer! Der erste Wein, die Mädchen, das Neonlicht ...
Und nun lese ich augustine und schäme mich sehr. Ich war es ja, das unbedarfte jungdumme Wesen, das da auf der Mauer sitzt. Der ewige Jugendliche.
Oh hätte ich doch zu jener Zeit augustine kennengelernt! Was hätte mir die Sechzehnjährige alles an Wichtigem näher gebracht! Die Wannseekonferenz, die Emser Depesche, den Westfälischen Frieden gar ...
Es hat nicht sollen sein. Und so habe ich dann die wichtigsten Jahre meines Lebens - meine Jugend! - vertändelt mit Mädchen-Anbaggern, Musikhören, Musikmachen und Schuleschwänzen.
Unverzeihlich!

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