Spätsommer · Jolante · ·


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      Jolante



Spätsommer

   30.08.2006, 22:12 / 5 x geändert



Zu singen auf die Melodie "Wie schön blüht uns der Maien", 1819; aus dem Volksmund (ear kennt es vielleicht noch)
----------------------------------------------------------------------


Das Morgenrot streut seine Rosen
auf einen bleichen Tag.
Im Gras die Herbstzeitlosen,
sie künden des Sommers Sarg.
Das Herz tut mir so weh,
wenn ich nur daran denke,
so weiß blüht bald der Schnee.

Es taumeln mit den Faltern
die Sommerträume dahin.
Die Nächte sind kühl und das Sterben
geht mir nicht aus dem Sinn.
So hell der Abendstern,
ist er doch längst erloschen
und Gott ist gar so fern.

Noch fallen Sonnenstrahlen
wie silberne Münzen mir zu.
Möcht`Unvergängliches malen,
versenken das Ich im Du.
Die Schwalben fliegen so weit.
Sie schreiben in die Wolken
das Lied meiner Traurigkeit.

 

      ear



RE: Spätsommer

   31.08.2006, 07:33



Hi, Jolante, dein Gedicht mit einem Rhythmus, der sich beim Singen von Strophe zu Strophe ein bisschen anpassen muss, ist dir bildlich praechtig gelungen. Ja, ich habe "Wie schoen blueht uns der Maien" haeufig gesungen: Erinnerungen an "Offenes Singen" und "Wandern mit Klassenkameraden". Wie weit das schon zurueckliegt!
Danke, dass du mir solche Gedanken zurueck schicktest, ear

 
        arisia
        (Gast)

RE: Spätsommer

   01.09.2006, 08:37 / 1 x geändert



hi, Jolante,

der Übergang vom Sommer zum Herbst paßt ja jetzt schon, so jahreszeilich.
Aber schon die Zeile
Zitat:
sie künden des Sommers Sarg.

kündet davon, daß das LI noch von einem anderen Übergang spricht, dem Übergang vom Sommer des Lebens zum Herbst des Lebens, zum Alter, dafür spricht auch diese Zeile
Zitat:
so weiß blüht bald der Schnee.
die auf das kommende weiße Haar hindeutet.

Über die taumelnden Falter zieht das LI das Gedicht ganz schnell schon in den Abend hinein, wissend, daß die Nächte schon kühl sind, geht im das "Sterben" nicht aus dem Sinn, die Wärme verläßt den Körper und es gibt keinen Trost.
Zitat:
und Gott ist gar so fern.

Diese Zeile sollte nochmal bedacht werden.
Zitat:
geht mir nicht aus meinem Sinn.

Das ist doppelt gemoppelt, mir ... meinem
geht nicht aus meinem Sinn, oder
geht mir nicht aus dem Sinn

In der dritten Strophe dann das Resumee.
Noch wird der Sommer genossen, silberne Münzen, Kostbarkeiten fallen dem LI zu, es möchte diesem Gefühl noch einmal Ausdruck geben in einem Werk
Zitat:
Möcht`Unvergängliches malen,

und noch einmal die totale Verbundenheit mit dem Partner erleben
Zitat:
versenken das Ich im Du.


Die letzten drei Zeilen kann ich jetzt nicht so nachvollziehen. Meiner Meinung nach ist es ja nicht die Sonne, die den Tag in zwei Hälften teilt, sie symbolisiert den Tag, das Schwert müßte ein drittes sein, weder Sonne noch Mond. Fällt mir aber jetzt auch nix zu ein, müßtest du evtl. noch mal drüber denken. :)
Was mir noch etwas bedenklich erscheint sind die "silbernen" Münzen. Sollten es nicht eher goldene Münzen sein, wenn es um die Sonne geht? Und das "Wie" am Anfang der Zeile kann wegbleiben, dann ist es kein Vergleich sondern Fakt, dichterische Wahrheit.

Ja, aber insgesamt gefällt mir das Gedicht, es hat starke Bilder und einen schönen Rhythmus.

Liebe Grüße
arisia

 

      Jolante²



RE: Spätsommer

   04.09.2006, 12:58



Hi, arisia,

sei herzlich bedankt für die sorgfältige Interpretation meines Gedichts. Deine Kritik ist wie immer weiterführend. Die drei letzten Zeilen der letzten Strophe habe ich umgeschrieben. Statt "Die Sonne ein blitzendes Schwert, sie teilt den Tag in zwei Hälften und weiß nicht um ihren Wert" habe ich folgenden Schluss gewählt, der der Stimmung des Lyr.I. viel stärker entspricht: "Die Schwalben ziehen dahin. Sie schreiben in die Wolken, dass ich so traurig bin."

Die ersten beiden Zeilen der letzten Strophe habe ich dagegen nicht verändert. Hier brauche ich den Vergleich "wie silberne Münzen" einmal deshalb, weil es nicht die wertvollen goldenen Münzen sind, die mir "noch" zufallen, sondern die weniger wertvollen silbernen Münzen. Auch passt das Silber besser zum "weiß blühenden Schnee" und der melancholisch geprägten Befindlichkeit des Lyrischen Ichs. Ich hoffe, so ist es jetzt stimmiger.

 
        arisia
        (Gast)

RE: Spätsommer

   07.09.2006, 12:07 / 1 x geändert



hi, Jolante,

ja, schön, daß du die letzten Zeilen geändert hast, so stimmt das Bild besser.
Die silbernen Münzen verstehe ich jetzt, und am frühen Morgen ist das Sonnenlicht ja auch noch nicht golden, ist eher silbern, und du sprichst anfänglich ja auch von einem "bleichen Tag", der auch eher die Assoziation zu Siber als zu Gold aufkommen läßt.
Dennoch stört mich noch etwas, das zweimalige "dahin"
Zitat:
die Sommerträume dahin.und
Die Schwalben ziehen dahin.

Das schwächt den Text.
Wenn du eines von den beiden noch wegbekämst, dann wäre alles in sich stimmig und rund. (arisia krittelnd :))
Ach, ja, manchmal machen die Texte einfach Arbeit. :)

Liebe mitfühlende Grüße
arisia

 

      Jolante²



RE: Spätsommer

   07.09.2006, 12:38 / 1 x geändert



Hi, arisia,

zu mir bist du aber besonders streng ! Also habe auch ich mich noch einmal an-ge-strengt und die letzten beiden Zeilen umgeschrieben. Ich hoffe, ich habe nichts verschlimmbessert. Nach meinem Empfinden ist es jetzt okay.

Grüßchen von Jolante :)

 
        arisia
        (Gast)

RE: Spätsommer

   08.09.2006, 08:32



hi, Jolante,

gut gemacht,
jaaaaaaaa, so kannst du den Text stehen lassen. Ist gut jetzt.
Ach, solche Arbeit schult und hält das Hirn fit. :)

liebe Grüße
arisia




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