John Ashbury, ear · ear · ·


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      ear



John Ashbury, ear

   20.08.2006, 07:44



Uebersetzung des Gedichtes von John Ashbury:

Was Liebe beinhaltet

Wir konnten sie ewig schon kommen sehn,
Dann war sie einfach zweilinig da,
Ergaenzend den Tagesverlauf; und wir
Schon untergetaucht im Schwarz eines Buches.

Nach Mitternacht aufstehend, lesen wir
Akutes Geschehen, warum auch nicht?
Anders als Andre, kein Betteln , kein Bitten,
Wir, die nichts weiter als Geometrie sind.

Rhomben, Zylinder, Befriedigung nicht fuer uns
Sicherlich kommen wir oft noch zurueck;
Brauchen sie haeufig, wir sind ja auch Menschen
In solcher Show, wo manch Dunkles bleibt.

Eingekreist, das, was wir wollen erkunden
Fuer jetzt ist’s genug, der Tag ist gelaufen;
Er liess uns Neues belastend und schwand.
Doch was uns jetzt betrifft, sind wir nicht hier?

John Ashbury “The Love Interest”

We could see it coming from forever,
Then it was simply here, parallel
To the day’s walking. By then it was we
Who had disappeared, into the tunnel of a book.

Rising late at night, we join the current
Of tomorrow’s news. Why not? Unlike
Some others, we haven’t anything to ask for
Or borrow. We’re just pieces of solid geometry:

Cylinders or rhomboids. A certain satisfaction
Has been granted us. Sure, we keep coming back
For more-that’s part of the “human” aspect
Of the parade. And there are darker regions

Pencilled in, that we should explore some time.
For now it’s enough that this day is over.
It brought its load of freshness, dropped it off
And left. As for us we’re still here, aren’t we?

 

      Marcel Frank



RE: John Ashbury, ear

   07.09.2006, 17:42



Das Gedicht hat IV Strophen. Die ÜB ist so gut, dass man sie g'scheit diskutieren kann, 99% d'accord, das Quentchen Genörgel:

I.

(a)

parallel / To the day’s walking
vs.
zweilinig da / ergänzend den Tagesverlauf

Eine syntaktische Intepretation (oder, im EDV-Jargon, "Interpolierung"), Tagesverlauf ist doch schon so kurzgut gelöst, "ergänzend", da gibt es zuviele Optionen, z.B. "gemäß" (das wäre parallel, ergänzend: additional). Die Preisfrage bleibt: Wie löst man "parallel to" auf ?

(b)

Who had disappeared, into the tunnel of a book.
Schon untergetaucht im Schwarz eines Buches.

"by then" fehlt. "schon" prallt hebungstechnisch auf "unter". Der Tunnel ist dunkel, wenn das Licht ausgeht. Selbst dann: Was legitimierte das Dunkel den Tunnel zu tun ? Anderes ist eleganter gelöst.

II.

Alles prima. Bei "solid" gehen aber wieder die Zügel durch die Hände. Das ist nur ein versteckter Stoßseufzer, der im engl. fehlt.

III.

Any comments ?

IV.

(a)

that we should explore some time.
das, was wir wollen erkunden

There are no schwulstig inversions in the 1st version. Rest OK.

(b)

we’re still here, aren’t we?
sind wir nicht hier?

wir sind hier, aren't we ? Das ist eine Dopplung, eine Unsicherheitspartikel. Die zu knacken ist ja das Vergnügen.

STOP

Wer hat noch eine Meinung ?

 

      ear²



RE: John Ashbury, ear

   08.09.2006, 22:25



Lieber Marcel, lieber Acerdoux, ich bin euch sehr dankbar fuer die Zeit die ihr meiner Uebertragung gewidmet habt. Ich sehe es mehr als Uebertragung an und bei mir kommt alles immer von der Musik her, vom Rhythmus.
Besonders hilfreich ist die Herausstellung der Interpolierung im "ergaenzend" und im "gemaess".
Ich weiss aus meiner Erfahrung im Uebersetzen oder Uebertragen, dass es kein endgueltig Wahres gibt, dass Jeder, der eine solche Aufgabe hat, sie anders loest.
Ich habe lange an diesem Gedicht gesessen, bin etwas "betriebsblind" geworden.
Wie waer's, wenn jemand mal versuchte, seine eigene Fassung zu schreiben?Ich wuerde mich besonders freuen ueber Beitraege zur 3. Strophe mit "Cylinders or rhomboids". Koennte das "aren't we? eventuell mit "und schwand.Was uns angeht? Wir sind doch hier,gell?" enden?Noch einmal vielen Dank, ear.

 

      augustine



RE: John Ashbury, ear

   08.09.2006, 23:08



Hallo,ear und alle, die sich mit der Übersetzung befasst haben:
Ich habe das Blatt aus der SZ aufgehoben (8./9. Juli 2006), wo die schöne Serie "Nachrichten aus der Poesie" mit diesem Gedicht und sechs Übersetzungen ins Deutsche beendet wurde. Allein schon die Überschriften sind unterschiedlich: Die Liebeszinsen (Erwin Einzinger), Vom Nutzen der Liebe (Michael Krüger), Das Liebesobjekt (Margitt Lehbert), Der Liebeszins (Jan Volker Röhnert), Der Gegenstand der Liebe (Hans Jürgen Balmes), Das Liebesbegehr (Joachim Sartorius).
Liebe Grüße augustine

 

      augustine



RE: John Ashbury, ear

   12.10.2006, 23:08



Hi ear - ich finde, es wäre zu erwarten gewesen, dass Du HIER geschrieben hättest, statt diese Beiträge durch einen neuen schlicht verschwinden zu lassen. So geht es nicht. augustine, die ihren Ärger darüber nicht verbergen wollte.

 

      ear²



RE: John Ashbury, ear

   13.10.2006, 06:07 / 1 x geändert



hi, augustine, ich war ebenso ueberrascht, die Uebersetzung erneut zu finden . Habe dann auf arisias Wunsch das Original daruebergeschrieben. Ich konnte es nicht selbst kursiv schreiben, das hat arisia freundlicherweise gemacht.
Nichts sollte an Kommentaten verschwinden.
Vielleicht kann arisia die erneut eingebrachte Version mit der Kursivschrift loeschen.Liebe Gruesse, ear.

 
        arisia
        (Gast)

RE: John Ashbury, ear

   13.10.2006, 18:07



hi, ear, und die anderen,

mir ist noch eine Idee zu "parallel" gekommen. Es ist doch eher zeitlich gemeint, warum dann nicht "gleichzeitig"?

Wenn dann noch "gemäß" statt "ergänzend" genommen würde, wie schon angemerkt, dann könnte die Strophe so aussehen:

Wir konnten sie ewig schon kommen sehn,
Gleichzeitig war sie einfach da,
Gemäß dem Tagesverlauf; und wir
Schon untergetaucht im Schwarz eines Buches.

ich vermute mal vom Originaltext her, das sich "parallel" auf die Gleichzeitigkeit des "Kommens" wie des "da seins"bezieht.

Vielleicht solltest du da nochmal drangehen, ear.

liebe Grüße
arisia

 

      ear²



RE: John Ashbury, ear

   13.10.2006, 20:32



Hi arisia, ja, ich mag deine Loesung. Gut fand ich auch Marcels Erlaeuterung zu den ersten Zeilen.
Wie waer's mit einer Uebersetzung von dir?
Jede Uebertragung wird etwas anders sein, es gibt keine wirklich einzige Loesung, das ist das Interessante beim Uebersetzen.Liebe Gruesse, ear.

 

      rollerball



RE: John Ashbury, ear

   18.05.2007, 12:08 / 1 x geändert



Augustine hat mich dankenswerterweise auf dieses Gedicht und die Übersetzung aufmerksam gemacht, nachdem mich diverse Probleme längere Zeit von der Teilnahme an der lc abgehalten haben. Nun melde ich mich gleich mit einer eigenen Übersetzung zurück, als Profi war dies für mich eine echte Herausforderung, die ich mit Freude angenommen habe. An ear´s Version möchte ich gar nicht viel bemängeln, aber vielleicht seht ihr an meiner Fassung, wo ich versucht habe, noch etwas genauer zu sein ...

Der Liebe Sinn

Wir konnten sie schon lange kommen seh´n,
dann war sie einfach da, entlang
des Tages Laufs. Da waren wir,
versunken in den Tiefen eines Buchs.

Spät nachts sind wir noch auf, verfolgen
die neuesten Nachrichten. Warum auch nicht?
Anders als andere müssen wir nicht bitten und betteln.
Wir sind einfach nur feste geometrische Figuren:

Zylinder oder Rhomboide. Etwas Befriedigung
ward uns ja doch gewährt. Naturgemäß fallen wir
immer wieder darauf zurück - das ist nur menschlich
und ein Teil des Spiels. Und da sind noch dunklere Passagen

markiert, die wir auch einmal erforschen sollten.
Für heute ist´s genug, der Tag ist nun bewältigt.
Er brachte uns viel Frische, ließ sie fallen
und verschwand. Doch wir, wir sind noch da, nicht wahr?

 

      augustine



RE: John Ashbury, ear

   18.05.2007, 21:32



Hallo ear und rollerball,
schön, dass es nun noch eine Übersetzung des Ashbury-Gedichts gibt!
Gemeint hatte ich in meiner privaten Frage an rollerball das Cassandra-Gedicht, es aber nicht ausdrücklich geschrieben. Tut mir leid, diese Unaufmerksamkeit.
Aber es ist ja nix passiert.
Grüße quer durch Europa. augustine

 

      ear²



RE: John Ashbury, ear

   19.05.2007, 07:36 / 1 x geändert



Lieber rollerball,
deine Uebersetzung heute war ein unerwartet schoener Tagesbeginn. Dass du als Professioneller dir die Muehe machst, finde ich besonders nett. Es war gut fuer mich, nach so langer Zeit darauf zurueckzukommen. Deine Uebersetzung hat auch mir mehr Klarheit gebracht. Ganz herzlichen Dank, auch an augustine,ear.




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