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augustine
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06.08.2006, 20:45 / 4 x geändert
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Es war einer dieser wundersamen Sommerabende im Juli 2006, der auch im Norden nachts noch warm blieb. Mit Freunden, die nicht allzu oft hierher kommen, saß ich in einem Biergarten ganz in meiner Nähe. Es war fast Mitternacht, als wir aufbrachen. Die beiden hatten noch zwei Stunden nach Hause zu fahren, an die Nordsee. Ich ging den kurzen Weg zu Fuß. Man kann das tun in meiner Gegend, ohne einen Überfall oder dergleichen fürchten zu müssen, obwohl kaum noch irgendwo in einem Haus Licht ist. In den Gärten und auf den Straßen – Wohnstraßen allesamt – ist es vollständig ruhig, wirklich vollständig. Selten kommt jemand noch spät nach Hause wie ich manchmal. Nur die Nachtzüge auf der Linie Hamburg-Lübeck, die durchaus nicht ganz nah ist, hört man. Das finde ich schön.
Es war also sehr erstaunlich, dass an der ersten Straßenkreuzung, die ich an jenem Abend überqueren musste, ein Auto vorbeikam und hielt und bei laufendem Motor eine massige Dame ausstieg, mit gewaltigem blondem Kopfaufbau, und mich folgendermaßen ansprach: "Wo ist denn hier ein Hotel?" Nun ist nicht nur in dieser ganzen Gegend kein Hotel, sondern es ist auch einigermaßen komisch, nach einem zu fragen, wenn man auf einer von rechts und links immer wieder verengten Straße gefahren kommt. Sie komme aus Kassel, sagte die blond aufgetürmte, allerdings – wie mir schien: auch seelisch - etwas zerzauste Dame, kenne sich in Hamburg nicht aus und brauche nun einfach dringend Schlaf. Was war zu tun? Ja, ich hätte sie fragen können, ob sie ein Handy bei sich habe, um ein Taxi zu rufen, das vor ihr hätte vorausfahren können zu einem Hotel, oder ich hätte sie zum nächsten Taxi-Halteplatz schicken können. Der wäre wohl auch für jemand zu finden gewesen, der sich nicht auskannte.
Aber die Nacht war warm, ich gar nicht müde, die Situation, wenigstens für mich, köstlich – kurz: ich stieg zu ihr ins Auto. Es war, wie ich gerade noch lesen konnte, der Firmenwagen eines Blumenhauses. Sie hatte gesagt, sie werde mich nach Gefundenhaben eines Hotels wieder nach Hause fahren. Erstmal dirigierte ich sie auf eine regionale Durchfahrtstraße, von da aus auf eine echte Hauptstraße, wo ein Hotel war, schmuck aussehend, wie ich wusste. Da klingelte von der Rückbank her ein Handy, das sie also sehr wohl dabei hatte. Ob sie nicht an den Rand fahren und sich melden wolle, fragte ich. Nein, das sei ihr Mann, der da anrufe. Heute oder vielmehr nun gestern sei ihr 34. Hochzeitstag gewesen. In den hätten sie reingefeiert. Aber vor allen Gästen habe sie sich mit ihrem Mann derartig gestritten, dass sie sich im Morgengrauen ins Auto gesetzt habe und einfach erstmal weg gefahren sei, irgendwohin, zuerst nur zufällig nach Norden, Richtung Hamburg. Sie habe da Freunde, sei ihr dann eingefallen, lange nicht gesehen, aber von denen habe sie gehofft, die würden sie wieder zurecht bringen und bei denen könne sie auch schlafen. Die hätten aber gerade zwei Enkel da gehabt, auch als Schlafbesuch, und hätten ihnen eine Hafenrundfahrt versprochen gehabt. Was sollte sie also machen? Allein bleiben, schlafen? Das habe sie nicht gekonnt überdreht, wie sie gewesen sei. Also sei sie mitgefahren - vom östlichen Stadtrand, nicht sehr weit von der Ecke, wo wir uns getroffen hatten, wie mir klar war -, Hafenrundfahrt, Fischbrötchen und all das. Ihr Auto dort draußen stehen gelassen. Wieder zurück. Geredet, nachdem die Kinder im Bett waren. Das habe geholfen. Nur das Hotel in der Nähe habe sie nicht gefunden, aber dann, zum Glück, ja mich.
Das Handy klingelte alle Minuten in schauerlichen Tönen. Dann waren wir an einem Hotel. Sie seufzte erleichtert, stieg aus, ging zur Rezeption, die immerhin noch besetzt war, und kam mit einem Zimmerschlüssel wieder. Ziemlich teuer fand sie ihr Nachtquartier, war aber dankbar, dass sie nun eins hatte. "Und 'ne Unterhose und 'ne Zahnbürste und 'n Blutdrucksenker hatt' ich ja sowieso mit, wollte ja irgendwo übernachten. Hab' ich übrigens immer bei mir, frau weiß ja nie, nich?" Alles in schönstem Hessisch. Ich war im Auto geblieben, denn nach Hause fahren sollte Madame mich durchaus, fand ich. War auch kein Problem, jedenfalls die Tour zu mir. Ich zeigte ihr Orientierungspunkte, und sie behauptete, diese Strecke auch zurück fahren zu können. Am Rand meiner Wohngegend stieg ich aus und sah sie in die für sie nun richtige Richtung wegfahren.
Das ist mir neulich passiert. Dann fiel mir ein: vielleicht macht's ja dem der einen oder dem anderen Spaß, an der Geschichte weiterzustricken, der man ja eine Vorgeschichte, etwas danach oder Seitenstücke hinzuerfinden könnte. Ausdrücklich kein copyright beansprucht!
augustine

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augustine²
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08.08.2006, 16:27 / 1 x geändert
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Ich antworte mir mal selber, ehe dies Stückchen verschwindet.
Das Vorkommnis IST also so passiert. Es muss eine Vorgeschichte haben, es muss was gefolgt sein. Ich denke, es könnte Spaß machen, daran rumzubasteln - als Sommerspaß eben. Und der Text soll ja ausdrücklich antast- und veränderbar sein.
a.
Oder, wenn er verschoben werden kann, sollte er in die Schreibwerkstatt.

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zuppanova
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servus, liebe schreiber/innen - ich probier mal, den text vom acer aus weiterzuführen, eine neue stimme kommt dazu, ein 3-eck wirds .... hier gehts los:
Shit, ich wollte mir eigentlich eine DVD mit so einem uralten Columbo reintun heut abend, Folge 63, Die Bluthochzeit, wo die Braut von diesem Psychopathen entführt wird, und Columbo ist der Onkel vom Bräutigam und macht den kranken Wichser ausfindig und verhindert, daß er die Kleine wie geplant abmurkst im Bett, das ist voll Kult, für Strupp und mich jedenfalls, und jetzt hock ich hier auf dem Sofa und guck meinem Alten zu. Rennt wie gestochen rum, piesackt das Telefon, ächzt und jammert. Wozu das Theater. Mann, Daddy, setz dich her und guck Columbo mit mir, ist doch klar, daß sie nicht rangeht, hättest dich eben beherrschen müssen, hättet ihr euch eben beherrschen müssen, aber ihr braucht das ja, diese Spielchen, kotzt mich an, Dad, fahr dich runter, na mach schon.
Irgendwo wird sie schon sein, spätestens morgen abend macht sie sich auf den Heimweg, gib ihr maximal noch 36 Stunden, dann taucht sie auf hier home sweet home, bisschen zerzaust aber okay, und ihr werdet euch schreiend und weinend in die Arme sinken und zu mir sagen: das kommt nie mehr vor, Schätzchen, wir haben draus gelernt, diesmal wirklich, Ehrenwort. Und dann werde ich zu Strupp fahren, damit ihr die Wohnung ganz für euch habt und ungestört euren Wirhabenunswieder-Fick machen könnt.
Warum habt ihr mich überhaupt noch in die Welt gesetzt? So alt wie ihr schon wart, das wär doch nicht mehr nötig gewesen. Ihr wart doch so aufeinander eingespielt, ihr hattet euch doch schon so verzahnt ineinander jahrelang, bevor ich kam, warum mußte ich da mit rein, war doch eigentlich gar kein Platz da für mich zwischen euch. Brauchtet einen Zuschauer, einen Zeugen für euer Theater, wars so? Wie das ödet. Ihr seid doch nie erwachsen geworden, nicht wirklich.
Mann, Dad, krieg dich ein, ich schmeiß den Columbo jetzt an. Entweder du fährst runter und gibst Ruhe oder du rennst im Schlafzimmer weiter. Mach ne Entscheidung.

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Elise
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Weg, bloß weg aus dem Kassel-Schlamassel! Rennen wie ein Forrest Gump - nein, fahren, fahren, irgendwohin.
Gestrandet in Hamburg spät abends. Die Schiffsbegrüßungsanlage war aus, als ich ankam. Macht nichts. Diese nette Dame getroffen. Ihr Sohn wohnt am Billgrabendeich. Hotel Nettelnburg. Resopal. Abwaschbar. Sauber, keine Flecken nirgends. Alles trübe gemütlich und clean. Hier werde ich mich einnisten. Unter dem müden Licht. Geduscht. Glattgekämmt. Alles in bester Ordnung.
Ich werde ihnen ein Lebenszeichen geben. Eine Postkarte schicken. Bin in Hamburg. Mir geht es gut. Sightseeing. Niklas kann sich bei Struppi verkriechen. Gar kein Problem. Der kommt durch. Was ER macht, muß mir egal sein. Das Handy klingelt. Macht nichts. Soll er doch rennen. Ich bin weg erst mal. Niste mich ein hier zwischen den Resopalmöbeln. Alles sauber. Alles bestens. Ruhiges Bett.
Ich brauche Ruhe, ja. Ein paar Tage Zeit, um nachzudenken. Was soll ich denn tun? Mir einen Job suchen hier? Von vorne anfangen? Alles hinter mir lassen? Ich bin so müde. Ich mag nicht mehr. Jahrelang hab ich mich angestrengt, hab ihn ausgehalten, habe Niklas geboren. Nichts ist besser geworden. Ich werde allein sein. Erst mal. In Hamburg. Oder?
(Versuch, eine weitere Stimme sprechen zu lassen ...)

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arisia (Gast)
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17.08.2006, 00:06 / 3 x geändert
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Er sitzt im Nebenzimmer, allein, betrachtet mißtrauisch das Sprudelglas,
auf weiß-changiertem Tischtuch. 'Gase, Verbreitung, Ausbreitung',
die Gedanken driften ab, die Kette reißt. 'Nein, nicht heute, nicht heute
abend.Thomas Mandelbach greift sich das Glas, leert es in einem Zug.
Prickeln auf der Zunge, Prickeln ohne Geschmack. Nur die Schärfe der
Kohlensäure.Gefühlsinvasion von der Zunge zu den Zehen und zurück.
Einatmen, ausatmen. Er wird weit. Das Lächeln, das seine Lippen umspielt,
wird breit. Ein Spaziergang, jetzt.

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arisia (Gast)
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18.08.2006, 11:10 / 1 x geändert
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Auf dem Weg zum Tresen schnappt er sich seinen hellgrauen Überzieher vom Haken, bezahlt seinen Sprudel und verläßt mit einem leichten Nicken in die Runde die Gastwirtschaft. Er wird zum Hafen gehen, sich den, zugegebenermaßen, nicht immer frischen Wind um die Nase wehen lassen.
Wenn es um diese Uhrzeit noch einen Beobachter gäbe, würde er einen forsch ausschreitenden Mann sehen, fast imposanter Statur, den Kopf leicht nach vorne gestreckt, als wenn Kinn und Nase den Weg weisen würden. Eine beeindruckende Nase, die dem großflächigen Gesicht Markanz verleiht, einen Kontrapunkt setzt zu der hohen Stirn, eingerahmt von Geheimratsecken, die den Betrachter etwas irritieren. Erst nach einer Weile kann sich der (immer noch fiktive) Beobachter seine Irritation erklären. Die Haare sind eine Pracht, voll, leicht gelockt, ein lässiger Schnitt, leuchtendes Kupfer. Dennoch die Geheimratsecken, die aber anscheinend keinen Haarausfall andeuten.

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