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augustine
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28.07.2006, 19:10 / 1 x geändert
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Bist Nahtstelle von zwee Welten jewesen,
det is bekannt;
Knotenpunkt. Nadelöhr.
Eene vielfarbije Menschheit
haste ausjespuckt
aus de S-Bahn.
Die is ranjekollert
uff ausjemerjelte Jleise
in den Bahnhof
mit seine undurchsichtije
doppelte Staatlichkeit.
Da wurd se uff Lienje jebracht,
diese Menschheit,
hat sich schnell jefädelt
oder langsam durchs Öhr.
Det hing ab von de Laune von de Jrenzer.
Nur freundlich, det durften se nich sind.
Rückwärts detselbe.
Det kollektive Warten
hat Jespräche erjeben.
Redend, wa, stand et sich leichta.
Wo det stattfand,
det heeßt heute
TRÄNENPALAST
und is eene Disco.
Ick hab da jeheult.
Der Eintritt
in den real existierenden So-ßi-a-lismus,
der kostete 30 Märker.
Die dauernde Ausreise
aus den real existierenden So-ßi-a-lismus,
die war schwerer zu ham.
Manch eener hat Jahre jesessn in Knast dafür.
Denn hat der So-ßi-a-lismus sich uffjelöst,
war janz marode jewesn.
Der Bahnhof is pieke.
Die ßweierlei Staatlichkeit,
die is jebliebn.
Det Beitrittsjebiet interessiert
den Westen nich wirklich.

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arisia (Gast)
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31.07.2006, 11:48 / 2 x geändert
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hi, Augustine,
genauso isses
| Zitat: |
Det Beitrittsjebiet interessiert
den Westen nich wirklich
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Mit dieser großen Ver-Einnahme, die "Wiedervereinigung" genannt wird, ist all das, was in den östlichen Bundesländern auch gut und nützlich war, sang und klanglos untergegangen. Profitiert haben Abzocker aller Coleur, bezahlt hat der Bürger aller Bundesländer.
Mir persönlich wären, gerade auch wegen der jüngeren deutschen Geschichte, zwei autonome deutsche Staaten lieber gewesen. Der Aufbau wäre ganz anders verlaufen. Aber is halt nicht so, wäre vielleicht auch finanziell für die "neuen Länder" nicht möglich gewesen.
Alle hamse geheult am Fernsehen, 1989, großes emotionales Gemeinschaftsgefühl, dann kam schon der Aufschrei.
"Was kostet das, wer bezahlt das, was sollen/wollen wir damit?" e.t.c.
Für die großen Firmen ist der Osten auch nicht mehr als ein Sprungbrett in noch östlichere Länder, wo dann noch billiger, noch mehr "Zeug" hergestellt wird, was sowieso niemand braucht.
Schön sarkastisch geschrieben haste das Gedicht. Sowas geht wirklich oft im Dialekt besser, da ja auch die Grammatik eine andere ist.
Was mich etwas irritiert ist die Zeile:
| Zitat: |
Nur freundlich, det durftet ihr nich sind.
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Warum da plötzlich die direkte Anrede an die Grenzer?
Kommt mir etwas wie ein Bruch vor, warum nicht:
"...det durften se nich sein." Und soll dieses "sind" nicht sowieso "sein" oder "sinn" heißen? Tippfehler?
Der Auftritt des lyrischen Ichs hingegen,
| Zitat: |
Ick hab da jeheult.
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gibt dem ganzen Gedicht gleich nochmal mehr Dichte. So lapidar wie der Satz da steht, so wie: auch das interessiert ja nun wirklich niemand, korrespondiert dann noch mal mit den letzten beiden Zeilen der letzten Strophe.
Habe das Gedicht gerne gelesen und kann die Situation gut nachvollziehen.
lg
arisia
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augustine²
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Ja, arisia, is wahr: die Anrede stammt aus eene frühere Bearbeitungsstufe und passt nich mehr. Ha'ck jeändert. - "sind" is richtich, is berlinisch. Dabei, det weeste ja ooch aus Dein'n Fränkisch (moselfränkisch, det redet Ihr doch in'n Saarland, nich?) jibtet natürlicch keene verbindliche Form von Dialekt, in de Rechtschreibung schon ja nich, wa?
Jrüße, in Jedanken aus de Hauptstadt. augustine

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arisia (Gast)
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hi, augustine,
bei uus häscht datt "sinn" im Dialekt, deswegen Verwirrung.
Ja, moselfränkisch, Hochwald und lothringisch. Der Unnnerschied ist so groß, datt wenne datt äne vasteescht, datt annere nimmee vasteescht. Ich spreche und schreibe ein gemitteltes "Saarländisch", sog. "Saarlouiser Platt". Saarlouis = heimliche Hauptstadt des Saarlandes.
Liegt N I C H T in Frankreich, :)))))))
Ja, gut die Änderung, hatte mich auch gewundert, aber kenne das selbst von Überarbeitung von Texten, mache dann manchmal die falsche Datei auf. Muß auch wieder mal den Rechner aufräumen.
lg
arisia

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