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Ali Escobar
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23.07.2006, 12:20 / 4 x geändert
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arisia (Gast)
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hi, Ali Escador,
erst mal, Willkommen hier im Forum als Neumitglied.
Zum Text:
um es mal so zu sagen:
Ein Sonett stellt bestimmte Anforderungen,
Ein Sonett besteht aus 14 metrisch gegliederten Verszeilen, Elfsilbler mit meist weiblicher Kadenz. Dem entspricht im Deutschen der jambische Pentameter, dessen Kadenz weiblich (11 Silben) oder männlich (10 Silben) sein kann.
Idealform ist nach Schlegel der jambische Pentameter mit männlicher oder weiblicher Kadenz und dem Reimschema
abba – abba – cdc – dcd
oder
abba – cddc – eef – ggf
2 Quartette, zwei Terzinen, oder die Terzinen zusammengefaßt, oder wie du es gemacht hast, 3 Quartette und ein Zweizeiler.
Ein Sonett kann durchaus im Metrum, oder in der Silbenzahl, auch im Reim mal varieren, aber diese Variationen sollten meinem Gefühl nach dann auch eine gewisse Ordung zeigen, das Sonett als solches sollte noch sichtbar sein. In deinem Text sind der Variationen so viele, als daß das Sonett noch als solches erkennabar wäre.
Am Sonett ist die Form das ausschlagebende Element, sonst wäre es gescheiter eine andere Form zu finden.
Der Reiz am Sonett besteht in seiner stringenten Form und darin, diese Form eventuell mit contrapunktischem Inhalt zu verbinden.
Kunst ist für mich, das "Auszukotzende", was ja, um mal auf der Körperebene zu bleiben, aus dem Magen kommt, durch Herz und Hirn zu leiten, ihm Struktur zu geben, statt daß es als amorphe unerkennbare Masse auf dem Tisch liegt.
Nicht durch diese Formen gegangenes "Auskotzen" ist, denke ich, in bestimmten klar umrissenen Grenzen hilfreich um einen Anstoß zu geben, ist aber genausowenig Kunst wie
| Zitat: |
| "nur noch ein wenig dichten". |
"
Ich habe eine gewisse Vorstellung davon, was du mit diesem Text ausdrücken willst, auch den Zorn der dahinter steht, daß etliche Gegebenheiten unserer Wirklichkeit nicht gerne gesehen werden wollen, ein ausdrucksstarker Text. Dennoch, meine persönliche Meinung:
Fäkalinjurien machen noch keinen Bukowski.
Mir ist nicht ganz klar, was du mit "nuttenhaftem Sinn" meinst. Für mich ist Nutte oder Hure ein Beruf wie jeder andere; ich habe eine Ahnung, daß du das wahllose Ausstreuen von Texten damit meinst und eine gewisse Billig-Kultur, aber da spricht die Feministin aus mir, die in Bezug auf diesen Berufsstand eine eigene dezidierte Meinung hat. Eventuell sollten Schreibende in heutiger Zeit moderneres Vokabular benutzen, das nicht mit überholten Klischees befrachtet ist. Kunst hat ja den Auftrag zu verändern, und die gängige Vorstellung von Nutte ist für mich durchaus der Veränderung bedürftig.
Kannst ja deinen Text mal erläutern, dann können wir darüber kommunizieren.
lg
arisia
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Marcel Frank
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Gerne schriebe ich mehr, an zwei Punkten möchte ich aber korrektiv eingreifen: Visueller Eindruck: 1 Shakespeare-Sonett (Zeilenaufteilung) ! Da fehlen einige Silben, aber wer behauptet, dass "textscheiße" silbenzählbare Krumen abwerfe ? 2: Der Kanal might be analog dem Äther (wiki: "den Funkverkehr / die Funkfrequenzbänder als abstrakten Begriff - etwas über den Äther transportieren"), das kann sein "das Netz", so seilen sich auch in jedem Internet-Forum düsterste Gedichte ab oder TV, Radio, "Öffentlichkeit als solche", also ein Walser-Brinkmann-Gedicht gegen die "Kritiker-Nutten" oder Erstlingsautoren, die Goldene Eier legen wollen, wiel a b c und diese Begründung bleibt aus, es muss sie nicht geben, sie könnte ad absurdum geführt sein ("wegspülen", Ein-Weg, Mehr-Weg, was dem Sprecher eben "dünkte" ...). Z.: 1, 5, 8 sagen nichts aus. Der Rest paßt ins "Farbschema" des Themas: Unverantwortliche (unverantwortete) Textproduktion. Kurz: Es ist so ein "Pik-Bube"-Gedicht (& der Bukowski-Einwand nicht unrichtig). Wenn man das "Thema" aber hat, ist es "durchaus" (klingt wie Kanalspülung) lesbar. Write on.

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Ali Escobar²
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15.07.2007, 18:34 / 1 x geändert
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StahlKocher
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15.07.2007, 19:20 / 1 x geändert
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hola coño,
lass mich eine vision mitteilen, die ich gerade von dir hatte: zum frühstück onanierst du vor dem für böse juniorgangster obligatorischen scarface-poster, mittags siehst du dir jeden tag blow an (an sonnigen tagen auch mal goodfellas) und abends reinigst du mit viel inbrunst deine gaspistole. nicht böse sein - wut ist ja manchmal ein guter motivator!
was deinen text betrifft, so bin ich erstmal abgeschreckt durch die wortwahl. "hunde die bellen, beißen nicht" heißt es, weshalb bei mir sofort die "nichtsalsheißeluftklappe" runtergeht und ich faul werde und die analysemaschinerie erst gar nicht anzuschmeißen versucht bin.
in der zweiten strophe geht es meines erachtens um das phänomen der scharlatanerie im kunstbetrieb, wobei ich durch die penetranten hinweise, die du außerhalb deiner texte jedem interessierten wie ein kissen ins gesicht drückst, irgendwie an eine kokain missbrauchende juppieszenerie denken muss. hier wären dann rezipienten gemeint.
in der dritten strophe ist es das gleiche thema, nur dass es jetzt um kunstproduzenten zu gehen scheint, deren geschäft mit einem ganz alltäglichen geschäft, der defäkation (sorry, ich finde den kontrast so witzig), dem "scheißen gehen", gleichgesetzt wird. anschließend kommt dem abziehen des kotes in die kanalisation das einschleusen des kunstobjekts in den diskurs gleich.
mit den beiden rahmenstrophen kann ich, abgesehen von ein wenig regelreiterei formalia betreffend, nichts anfangen.
für die zukunft würde ich mir wünschen, dass du, spricht man einigen deiner zeilen denn sinn ab, nicht dumpf polemisierst und - sei es auch auf spanisch - leute beschimpfst, sondern deinen text verteidigst. hast du dir nämlich wirklich etwas dabei gedacht und gehörst du somit eben nicht zu exakt der kunstszene, die du kritisierst, dann wird es dir nicht schwer fallen den leuten zu erklären, was deine intention war.
stahl

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Marcel Frank
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Von hinten durch die Kotze an den Kaviar:
Vers 8 ist so intelligent gewählt wie "im Fußball kann alles passieren": Das stimmt !
Vers 5 kennzeichnet den Sprecher auch als Leser, d.h. er ist kein Analphabet (zwar sehe ich auch "mehr", aber "mehr als" eine unzufriedene Attacke ist es nicht).
Oye puto baboso, ein Sinn für den ersten Vers aber drängt sich unmittelbar auf: Deine Reaktionszeit beträgt fast ein Jahr.

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lost
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- nicht unbedingt kennzeichnet Z.5 den Sprecher als Leser: denkbar gleichermaßen wäre, dass ihm (dem Sprecher) als analphabetisch unschuldigem Hörer einer sog. Vor-lesung (nur als Beispiel) ein Textfragment durch die Ohrmuschel ins Zentrum kroch und sich festsetzte dort im schleimig warmen Grauweiß.
- die stark verzögerte Reaktionszeit dürfte einem bennignen Tumor (Protuberancia Benndita) geschuldet sein. solche Geschwürchen bilden sich bei bestimmten Elitepopulationen unter Stressbedingungen, haben aber, von genannter vR abgesehen, i.a. nichts weiter zu bedeuten. wenn man die bT konsequent ignoriert, verschwinden sie wieder.
- Z.8: dass nach der siebten Line jede Nase blutig ist, weiß doch inzwischen sogar schon Lieschen M. - nur: läßt man Z.8 weg, ist es noch mehr kein Sonett - was tun? this is a point of pang ...
- die Vielseitigkeit der Anwendbarkeit dieses Textes (auf Lebensbereiche, Berufsfelder, soziale Gruppierungen, Mehr- und Minderheiten, Internetforen, Diskursthemen usw.) beeindruckt mich. es geht eben doch alles durch den Magen und nichts über die befreiende Entleerung. schön!
cordially on the line: lost.

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