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augustine
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Von Einem Fernsprechteilnehmer
Botschaften, von Brieftauben hergetragen,
Erbetene
Nachrichten aus der Zukunft,
Mit Hoffnungen beschriebene Blätter:
Gelesen, erlesen, verlesen.
Links die sinistren Links,
Richtige rechts.
Dazwischen einer,
Lächerlich: einer, ein einziger.
Diesen Brieftaubenbesitzer
Angerufen.
Seine Nummer zukünftig die ihre
Und nicht.
Dann kein Anschluss mehr.

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Gerd
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Hallo augustine,
sehr interessante Verbindungen. Brieftauben sind mir Synonym für den Versuch eine Verbindung über alles Grenzen hinweg herzustellen.
Die Nachrichten selbst sind von Hoffnung getragen und haben für mich etwas von Kontaktanzeigen. Diese beinhalten Ansätze für tiefer gehende Verbindung. Die einen suchen Kontakt/Beziehung (rechts - gut), die anderen sind sinister (dunkel), links (schlecht - amoralisch) - denkbar Sexkontakte ohne Verpflichtung.
Dazwischen ist ein Selfmarketinghighlight, das die Grenzen überwindet. Eine geglückte Kontaktaufnahme, die jedoch nicht trägt.
"Einem" sybolisiert für mich einen echten Versuch, das "Fern..." die Distanz.
Die Nummer wird zum Missinglink.
Auf höherer Ebene, Beziehungsunfähigkeit als Bedrohung der sozialen Existenz?
Gespannt auf Antwort und andere Lesarten.
Liebe Grüße
Gerd

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Gretchen
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18.07.2006, 00:49 / 1 x geändert
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Guten Abend, augustine und alle:
Dieses Gedicht lese ich mit Interesse. Und schließe mich dem an, was Gerd herausgelesen hat. Was mich besonders anspricht: dreierlei Kommunikationsmedien werden in Verknüpfung gebracht, die Brieftauben (sie stammen aus einer anderen Zeit, symbolisieren ev. eine Art von Beziehung, die es so nicht mehr gibt, die aber doch irgendwie sehr wünschenswert wäre), die Links (damit sind wir im "Heute", in der Zeit, wo alles auseinanderfällt) und dazwischen ist das Fern-sprechen, das "An-rufen" (An-ruf-ung [mehr als "Telefonieren"] eines Brieftaubenbesitzers) --- jede Kommunikationsart steht für eine Art von Beziehung?
Was ich nicht verstehe: erzählt die Sprecherin (ich nehme an, es ist eine Sprecherin) ihre eigene Geschichte, oder berichtet sie, was sie um sich herum beobachtet? (Zuordnung: wer hat den Brieftaubenbesitzer angerufen --- irgendeine andere, oder die Sprecherin selbst?)
Dann kein Anschluss mehr: das ist traurig (klingt platt, aber isso).
Ich finde das Gedicht sehr komprimiert, es passiert sehr viel in diesen 14 Zeilen. Das ist gut.
Liebe Grüße vom Nachtschicht-Gretchen.
1mal edit und PS:
Nachrichten aus der Zukunft. (Gefällt mir, wollte ich noch extra hervorheben.)

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ear
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18.07.2006, 20:32 / 1 x geändert
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"Die Taubenpost" , Seidls Gedicht in Schuberts Vertonung seines "Schwanengesanges" war ein oft beschworener Botschafter der Liebe, welcher jederzeit Zutritt hatte zur Angebeteten. Die Brieftaube als Symbol der Sehnsucht, kann nur noch in der Musik einem heutigen Publikum gefallen.
Stimmt es, augustine, dass heute Anrufe, oder noch neutraler-- Mails,bevorzugt werden als Schutz gegen einen zu nahen Kontakt? l.G.ear.

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augustine²
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26.07.2006, 16:35 / 2 x geändert
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@Gerd/Gretchen/ear:
Die Kommunikationsarten Brieftauben/Telefon/Internet sollen stehen, ja, für Phasen einer fehlgegangenen Kommunikation nach großer Erwartung, fehlgegangen nach langer Zeit mit früher Ahnung.
Mir ist aufgefallen, dass meistens nach einem solchen Selbstkommentar dann keine Stellungnahmen mehr kommen. Das müsste ja nicht so sein.
Danke für die Euren. a
P.S. Die Überschrift greift die eines Gedichts von H.M.Enzensberger auf: "An alle Fernsprechteilnehmer". Auch heute noch sinnvoll zu lesen; stammt von (ich glaube) 1960.
@ear: Mails als Schutz gegen zu nahen Kontakt? (Betrifft nicht dies Gedicht.) Ja, z.B. ja hier. Es wird ja manches von den je eigenen Lebensumständen preisgegeben, was nicht unbedingt einer konkreten Person zugeordnet werden soll. Es gibt doch Möglichkeiten, sich darüber hinaus erkennbar zu machen. a.

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zuppanova
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servus, augustine,
dein hinweis auf Enzensberger weckt bei mir assoziationen, etwa so:
gespaltensein der welt, in
technik - natur
schlafende - wachende menschen
hoffnungslosigkeit - "dennoch"
oder, pauschaler und auch auf dein gedicht jetzt bezogen
das un-heile - das heile
du beschreibst den niedergang, den prozess, der vom heileren in den unheileren zustand führt (sozial). mich beschäftigt die umkehrung: gibt es sie? es gibt sie doch auch, oder? in einzelnen fällen ....
lg, zuppa.

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augustine²
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liebe zuppa,
mich wundert's, dass dein beitrag, der nun schon mehr als zwei jahre alt ist, damals keine resonanz gefunden hat, auch nicht von mir, die ich doch dies gedicht in unsere kleine welt gesetzt habe.
doch, es gibt auch das umgekehrte, glaube ich: verheilende/verheilte narben (die als solche fühlbar bleiben).
was ich aber nicht sicher weiß: ist das so, weil einfach zeit vergeht (à la: die zeit heilt alle wunden), oder wird ein solcher prozess nicht doch durch intensives nachdenken, verknüpfen und daraus entstehende neue erkenntnisse zwar nicht beschleunigt, das ist wohl auch nicht so wichtig, aber in größerer tiefe verankert? sprechen dürfen, zuhören können, wechselweis, sind doch zwei von den wunderbarsten geschenken, die wir einander machen können. (fach-) therapeutische hilfe ist gut, aber nicht jede therapie gelingt, nicht jede spaltung wird geheilt.
klingt ein bisschen wie wort zum sonntag. soll's nicht. aber ist schon ernst gemeint.
augustine

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