Lamentatio levissima · Gretchen · ·


Constance · Forum für Literatur & Germanistik
 

Neue Beiträge   |   Registrierung   |   Lesungen Literatur auf YouTube - Gedichte - Forum für Literatur und Germanistik  |   dradio   |   Archiv   |   l o g i n

 
~ Startseite
kafkaesk
~ Neue Beiträge
~ Beiträge suchen
Literatur
~ Prosa
~ Gedichte
~ Diskussionen
~ Literaturwissenschaft
Literatur
~ Leseliste
~ Forenliste
~ Gäste-Chat
Literatur
~ Impressum

  Online

  Lesungen

  Piep, piep, piep...

  Aktuelle Themen

Texte zitieren auf literature-online.de

Kipp-Phänomene: Brillante Rhetorik

Mein Buchhändler

welt

Dichte Reime

Zwei Gedichte

Enjambements in Heyms Berlin III

G7sus4 (12-string) --> für chantal

Reise durch lit-on

Vatnajökull (prisma)

Achrad (6)

Trahisa (5)

Letzte Nacht

Straße

Glück ^^ Meine schönsten Aporismen !!!!!!!

Feierabendland

Ein Dogma

Distanz

in die nacht

Jahrestage


 

      Gretchen



Lamentatio levissima

   01.09.2010, 03:03



Bedenke, Bester, doch: Die Menschen
sind so sehr verschieden.


Der Eine find't bacchantisch taumelnd, stammelnd, grob
sich spreizend auf dem Marktplatz seine Lust.
Der Andere sieht's und wendet sich darob hinweg
mit müdem Blick und ernster Sorge in der treuen Brust.
Die Dritte, eulenäugig, sitzt am Tisch beim Fenster, hält
Türkise, Amethysten, Perlen stumm zum Licht;
schlägt dann im Buch, das vor ihr liegt, die Seite um
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . und liest und spricht:

. . . . . . .Poesie gleicht dem Pokale
. . . . . . .Aus venedischem Kristall!
. . . . . . .Gift hinein — und schwirrend singt er
. . . . . . .. . . . . . . . . . . . . . . . . .Schwanenliedes Melodie,
. . . . . . .Dann in tausend Trümmer klirrend,
. . . . . . .Und hin ist die Poesie!





LINK => http://www.lwl.org/LWL/Kultur/Droste/Wer...abe_1844/poesie

 

      SimonLore



Lamentatio levissima

   01.09.2010, 10:49 / 1 x geändert



…Und doch gibt es auch die Leute
Die das Gift im Kelche trinken;
Ohne Zahl ist doch die Meute
Derer die im Sumpf versinken
Jener Unbotmäßigkeiten,
Die mir Magengrimm bereiten.

Und wer hört der weisen Eule
Wohlbedacht gesetztes Wort?
Lieber hört man das Geheule
Der Bacchanten. Nimm sie fort!
Nimm sie fort, so war mein Flehen,
Seng sie mit Apollons Licht,
Soll‘n sie fliehen, soll‘n vergehen
Namenlos und ohn‘ Gesicht.

Mene-Ene-Mene-tekel
Doch so oft packt mich der Ekel,
In den dunklen, stillen Stunden.

Mene-Ene-Mene-tekel
Wert kein‘ Schekel, wiegt kein‘ Sekel
Gewogen, für zu leicht befunden…

Weiser Uhu, Werte wägend
vor den großen Folianten,
Nickt er leise meinem Streiten
wider geifernde Bacchanten?

 

      Willimox



Lamentatio levissima

   01.09.2010, 17:48 / 2 x geändert



Zitat:
Dann in tausend Trümmer klirrend,
Und hin ist die Poesie!


Uhu, ujui, das lässt sich ja als Verdikt gegen
so Avantgarde-Break-Gedichte wie
"Harter Brocken" lesen.

@simon lore: klassischer lore

 

      Gretchen²



Lamentatio levissima

   01.09.2010, 18:52 / 4 x geändert



Zitat:
Uhu, ujui, das lässt sich ja als Verdikt gegen
so Avantgarde-Break-Gedichte wie
"Harter Brocken" lesen.

... also, ich persönlich hab' nix gegen schwerbrockige oder auch kotzbrockige oder großkotzige oder alles in brocken hauende avantgarde, wenn sie mir richtig was befördern zu wollen und zu wissen scheint und mich mit paar handfesten argumenten direkt an der schulter packt und rumreißt und mir ordentlich 'ne botschaft ins ohr setzt, naja, wenn es eben NICHT so eine mit muttis mixer zusammengequirlte scheinavantgarde ist, die auf fahlfleischiger, pürierter hühnerbrustrestmasse salzlos serviert wird ...

diese in-nuce-definition von "poesie" ist übrigens ein zitat aus einem gedicht der oben abgebildeten eulenäugigen und hat insofern vllt. einen hauch von hommage um sich rum; ist primär nicht als verdikt gemeint gegen speziell dies oder jenes. jedoch steht es jedem frei zu lesen, was ihm und wie es ihm beliebt.



das krötel grüßt
mit traulichem schuhschuuuh
den fastschoneinadler

. . . . . . . . . . . . .

 

      Willimox



Die Eulenäugige

   01.09.2010, 19:20 / 1 x geändert



Das Spiegelbild

Schaust du mich an aus dem Kristall,
Mit deiner Augen Nebelball,
Kometen gleich die im Verbleichen;
Mit Zügen, worin wunderlich
Zwei Seelen wie Spione sich
Umschleichen, ja, dann flüstre ich:
Phantom, du bist nicht meinesgleichen!

Bist nur entschlüpft der Träume Hut,
Zu eisen mir das warme Blut,
Die dunkle Locke mir zu blassen;
Und dennoch, dämmerndes Gesicht,
Drin seltsam spielt ein Doppellicht,
Trätest du vor, ich weiß es nicht,
Würd' ich dich lieben oder hassen?

Zu deiner Stirne Herrscherthron,
Wo die Gedanken leisten Fron
Wie Knechte, würd' ich schüchtern blicken;
Doch von des Auges kaltem Glast,
Voll toten Lichts, gebrochen fast,
Gespenstig, würd', ein scheuer Gast,
Weit, weit ich meinen Schemel rücken.
[....]

Droste-Hülshoff: Gedichte (Die Ausgabe von 1844), S. 233.
De Pressione ....




Views heute: 2.252 | Views gestern: 5.897 | Views gesamt: 5.490.190