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SimonLore
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O lasse Dich niemals beirren vom Wandel des Weges!
Die Ödnis der Sorge, die Karste des Schweren Entschlusses
Und Schluchten des Zweifels an Güte und Gunst deiner Gottheit
Sind Bildnisse nur Deines eigenen Kampfs mit dem Engel
Der Dir zum Geleite gegeben als Führer der Seele.
Sieh: Wie der geschnittene Rosenstrauch fühlst Du den Schmerz nur
Des Schnittes, nicht ahnend der kommenden Blüte Vollendung.
So zeigt denn hervor den erhabensten Preis eures Lebens!
Zur Puppe von Lumpen verwelkt er im Blicke des Dichters.
Was zählen die Regeln des törichten Spieles dem Pilger,
Berufen, die tiefere Wahrheit und Schönheit zu suchen,
Voll Dankbarkeit für das Geschenk eines Lächeln des Schöpfers,
Das ringsum verborgen, von jenseits des Spieles sich gründend
Im zeitlosen Wunder des Werdens und Seins sich verwirklicht.
Und mag man es heißen Dir Rausch auch und Flucht und Verblendung:
Es sind Dir die Arme unsterblicher Geister geöffnet
In Tagen und Nächten in denen des Trosts du entbehrest.
Denn vor dem Erhabenen schwinden der Sinneswelt Trüge,
Und Klarheit erleuchtet die Fügung des Einen ins Ganze;
Nicht länger mehr haderst als Sehender Du mit dem Schicksal,
In Demut bekennend die Grenzen der Kreise des Geistes.
Drum Wende, O Wand’rer die Augen zur Weite des Himmels
Und wähle den Stern Deines Schicksals dir leuchtend zum Ziele.
Entsage dem Wahn, der an wirrende Pfade Dich fesselt,
Von denen doch keiner zum Ziel Deines Sternes Dich leitet –
Erlöst dann enthebst Du die Füße der Fessel des Weges.
Auf Hermesschuh’n fliehst Du der niederen Welten Gewese,
In höhere Sphären, dort wo die Unsterblichen wohnen.

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Willimox
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24.08.2010, 14:44 / 6 x geändert
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hm, dieser Amphibrachys-Hymnus ist wohl als eine Art Übung im hohen klassisch-pontifikalen-hölderlinesken Ton zu sehen. Und so auch zu werten.
Also nix kritisches Gequake, hier knicke der Text in nostalgie-infiziertem Kothurnengang ein, nix Gequake, das hier sei graecophiler klassischer Abklatsch.
Ne, das ist eine Stilübung, und als solche beachtlich. Und in ihren manchmal überbordenden Mikrostrukturen (Alliteration "Wandel des Weges" - "zeitlose Wunder des Werdens und Seins verwirklicht", Festdüstere Genitiv-Metapher "Karste des schweren Entschlusses") verführerisch manchmal, manchmal schlichtweg kollabierend oder japsend zumindest.
Wahrscheinlich lesbar der Text als Erleuchtungsprozess einer Dichterseele, eines Vates, der als "Sehender"
nicht nur
die Weltstruktur
und ihre poetische Emanation durchschaut,
sondern auch
- trotz der miesepetrigen Einflüsterungen seines persönlichen Umfeldes ("und mag es heißen Dir Rausch und auch Flucht und Verblendung") - den Weg gefunden hat,
und
über die "Fügung des Einen ins Ganze"
im Akt des Schreibens
ein ästhetisches Gebilde, die ästhetisch ganze Welt, ihren Schöpfungsakt,
ihr Spiel und das Spiel ihres Schöpfers
und - jetzt höre ich gleich auf mit professoraler Exaltiertheit - den Raum unsterblicher Geister
und damit die Unsterblichkeit
sich erschreibt.
Spannend - unabhängig vom "Zugang Fingerübung" - finde ich Zeile 6: Das "Sieh" signalisiert den Erkenntnisgewinn für den bisher eher depressiv verstimmten Adressaten. Der metaphorische Vergleich mit dem Skript "geschnittener Rosenstrauch" packt unsere Imagination.
Wacklig - trotz Archaismus-Lizenz - der ungebräuchliche Plural "Trüge" von "Trug", wacklig das Subjekt "Klarheit" in Kombination mit dem transitiven Prädikats-Verb "erleuchtet", dann wacklig das komplexe Verb "hervor-zeigen" (Z7);transitiv verwendet.
Fazit:
Eine Art Selbstermutigung des lyrischen Ichs, das sich selbst als Seher (Vates) und Macher und Schöpfer erfährt.
Leicht gebrochen wird diese Lesart, weil sich der Verdacht auftut, das lyrische Ich trifte in den Zeilen in autosuggestiver Illusion ab. Und es höre in seiner eigenen Stimme die gar nicht vorhandene Gottheit.
p.s.
Die leichten Abweichungen von strengen Amphibrachys sind gewollt? Auf jeden Fall umarmen die Doppelkürzen die Monolängen/Hebungen. Mögen sie halten, was sie versprechen.

greetse
ww

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