zeit und ein lied · gregor libkowsky · ·


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      gregor libkowsky



zeit und ein lied

   21.08.2010, 23:17 / 1 x geändert



als wäre ein fenster mir
nur diesen herbst noch
sähe ich felder
in wege gescheitelt
wie dein haar fiele
der regen zur zeit
und klänge
deine stimme als wäre

nur einen tag länger wohl
kein weg noch ein blick
senkte sich landschaft
über namen wie regen und feld

gleich einem lied käme
der herbst mir in deiner stimme
fänden sich worte
wie dein haar fiele
als wäre ein fenster
regen und zeit

 

      SimonLore



zeit und ein lied

   22.08.2010, 15:42 / 1 x geändert



Ich bin nicht berufen, wahrscheinlich auch nicht befähigt, den Erstkommentar für dieses Werk zu schreiben. Scheinbar traut sich jedoch niemand sonst heran und es wäre unerträglich, es unkommentiert versinken zu lassen.

Es ist wieder ein echter Libkowski mit Ypsilon, konsequent im Konjunktiv, konsequent auch in seiner Verweigerung semantischer Integrität und darum für mich sehr verwirrend beim ersten Lesen, dann bezaubernd beim Nachspüren der Bedeutungen.

Besonders ansprechend ist die Fugentechnik der Komposition, wesshalb dieses Gedicht seine größte Wirkung nicht gelesen, sondern vorgetragen entfaltet.

Ein Liebesgedicht - welche zu schreiben Libkowsky ja nicht müde wird, die Forenteilnehmer zu ermuntern - mit der Wehmut des beginnenden Herbstes, eine Liebe besingend, die schon vergangen oder doch im Vergehen begriffen ist.

Auch wenn dies Lob aus meinem Munde nicht viel gelten mag: Rundum gelungen und auf einer Stufe mit "mich wund.er", auch wenn das Letztere mich mehr angesprochen hat.

 

      Gretchen



einschub

   23.08.2010, 16:37



und nur ganz klein an den rand geschrieben, weil mich wohl grade ein hafer sticht oderwas ...

Zitat:
Ich bin nicht berufen, wahrscheinlich auch nicht befähigt, den Erstkommentar für dieses Werk zu schreiben.

warum tust du es dann?

Zitat:
Scheinbar traut sich jedoch niemand sonst heran und es wäre unerträglich, es unkommentiert versinken zu lassen.

okeeh, "es wäre unerträglich, es unkommentiert versinken zu lassen" - das kann ich nachvollziehen, so als impuls, und ein/e autor/in mag sich wohl auch über zustimmende rückmeldungen freuen, wenn die dem werk nun nicht gleich tiefbohrend ans intertextuelle wurzelwerk und die binnenchemische feinstruktur gehen, sondern mehr den oberflächlichen light-zugriff praktizieren.

was mich stört, was ich überflüssig finde, ist das, was vor der unerträglichkeit des versinkens steht.
wenn "scheinbar" (ist falsch gebraucht hier, übrigens, das "scheinbar" - nimm das nächste mal "anscheinend") sich niemand sonst heran "traut", dann könnte das womöglich nicht so sehr mit mangelndem biss bzw. mangelnder kompetenz zu tun haben als vielmehr damit, dass der eine oder die andere bei einem text wie zeit und ein lied es vorzieht, statt einiger austauschbarer floskeln, die substanzmäßig grade so in etwa candidaundconiveau erreichen, erst einmal lieber gar nix zu sagen - bis sie oder er ausreichend zeit findet für einen kommentar mit mehr fettgehalt als "Es ist wieder ein echter Libkowski mit Ypsilon, [...] Rundum gelungen und auf einer Stufe mit mich wund.er, auch wenn das Letztere mich mehr angesprochen hat."

und ja, siomonlore, du hast bestimmt jetzt eine wahnsinnig witzige oder auch überzeugend ernsthafte und alles erklärende ad-hoc-antwort auf diese meine unverschämtheit im mund. die flüsterst du mir aber via pn, diese antwort. hier im faden no more fussing and fighting my friend, woll, aus respekt vor einem "Liebesgedicht - welche zu schreiben Libkowsky ja nicht müde wird, die Forenteilnehmer zu ermuntern - mit der Wehmut des beginnenden Herbstes, eine Liebe besingend, die schon vergangen oder doch im Vergehen begriffen ist."


---

@kommandant: entschuldige das, bitte; sieh es mir nach.
@motz&@minz: kann gerne entfernt werden, falls zu störend.


. . . . . . . . . . Submissest
. . . . . . . . . . . . . die Margret . . . .

 

      Hirsch



Seelenlandschaft

   26.08.2010, 10:24



Lieber Gregor Libkowsky, dies ist ein magisches, suggestives Gedicht. Es lebt aus dem Klang, aus dem Spiel mit Bildfeldern, die verflochten werden, übereinander geschoben, eines die Matrize des anderen.

Engführung ist ein Begriff, der mir hier einfällt, Engführung mehrerer Themen, Körperlandschaft ein anderer. Auch denke ich an Porträts/Selbstporträts wie z.B. von Cranach, Dürer, Tizian, Da Vinci - Bildnisse, auf denen Menschen vor/neben einem Fenster gezeigt werden, das in eine weite Landschaft bis zum Horizont hinausführt, und wie von ungefähr bin ich beim Begriff der Seelenlandschaft. So führt mich dieser Text.

Ich wünschte, ich wäre ein geschickterer Interpretator und hätte mehr Zeit.
Einstweilen nur die paar Worte, kein gründliches Ausloten, mehr eine Geste der Wertschätzung. But - why not?

Und ja - lesen, das ... laut lesen ... vorlesen ...


Herzlichst, Doc C.

 

      ruelfig



zeit und ein lied

   27.08.2010, 01:36



Gregor,
wir kennen uns ja schon ein bißchen und ich habe lange gewartet, dass du wieder schreibst bzw veröffentlichst. Hier jetzt sehe ich einen Reifungsprozess, eine Assoziationskette, der ich mich anvertrauen kann als Teilnehmer einer Reise ohne Führer. Ein Gedicht, das fast ohne Artikel auskommt, und wenn sie verwendet werden, dann an den richtigen Stellen, der Regen, die Zeit und Verschleifung, zurück zum Beginn. Du hast hier oft und oft gebrauchte Begriffe verwendet, sie in einen anderen Zusammenhang gestellt und dadurch befreit. Also, für mich ist das Dichtung.
Mach nur so weiter,
R

 

      Jolante



zeit und ein lied

   31.08.2010, 14:44 / 1 x geändert



Gregor, seit Tagen beschäftigt mich dieses Gedicht gedanklich und gefühlsmäßig. Zwar kann ich nicht kenntnisreich ausdrücken, was seine Magie für mich ausmacht, aber ich glaube, es sind die melancholischen Klangbilder, der schwebende Ton, die unverkitscht klingende Sehnsuchtsmelodie.
Wie ich es verstehe, sinniert das lyrische Ich im Prozess des Vergehens einer Beziehung oder unmittelbar nach deren Ende über eine Aussicht auf Neubeginn, der jedoch nur in der Stimmung dieses einen Herbsttages möglich erscheint. Auch wenn das lyr.Ich weiß, dass sein herbstlich gefärbtes Wunschbild nur eine Illusion ist, beschwört es in der letzten Strophe noch einmal die Erfüllung seiner Sehnsucht - "gleich einem Lied..".
Sehr poetisch! Ich habe danach Rilkes "Liebes-Lied" gelesen. Ich glaube sie mögen sich, die beiden Gedichte.

Es grüßt Jolante




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