Beschwörung · Vladimir · ·


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      Vladimir



Beschwörung

   16.08.2010, 13:17



Der See ist bleigrau. Sicher so schwer auch der Dunst,
der langsam aus den Wolken quillt. Die Schöpfe
der stumpf geschnittenen Platanen - tröff es
herab - sie hätten: hier im Gedicht: den Duft -
die nassen Strähnen wären deine. So zaubern
- so dumm - ein paar Worte dich her - nein dich nicht: einen Teil,
Stück Welt: nasse Strähnen. Tausendfach ginge das - kein
Stück, das sich in andren nicht fände: voll Lust - doch kauert
dabei still die Seele: die unprojezierbare. Kaum
berührten sie solche Teilevergleiche - den Saum
nur zög sie zurück aus den Wörtern; die sollten dich
herbeiholen - bist ja hier, bist wortlos, bist: Nichts.

 

      Willimox



Beschwörung

   16.08.2010, 13:42 / 1 x geändert



Spannender Text.

1.
Eine Beschwörung, magisches Verfahren, lyrisches Verfahren: Das Du per Zauber. Per Metamorphose der Teile. Elemente eine Seelandschaft als Teile zu einem Ganzen, fast.

2.
Eine Inkorporation des Du, aber eben im Gedicht, im Konjunktiv, im Irrealis.

Akzentuiert im Text ist der magische Prozess und sein der Mangel: In der Fülle der Bilder, im adversativen "Doch" und in der Fortsetzung des Konjunktivs: "Kaum berührten sie".

3.
Leicht änigmatisch die Schlusszeile, polysem:

Einmal gilt, das Imaginierte ist Nichts.
Dann gilt vielleicht: Eine Art Selbstvergessenheit im Nichts und insofern Glück.

4.
Dabei aber die Wehmut, dass der Zauber des Gedichtes auf beides abzielt. Nicht mehr. Suggestion hybrid magisch ernüchtert.

 

      car*oline



Beschwörung?

   25.08.2010, 20:57



Das Du kann nicht nichts sein, scheint mir; aber es kann nicht im Gedicht sein, sagt der Autor, denn es ist lebendig. Aber es ist 'in' allem (ähnlich vielleicht wie in der Gottesvorstellung des Panentheismus). Daher können zum Beispiel die nass geregneten Zweige beschnittener Platanen einem Liebenden wie das Haar der Geliebten aussehen und an sie erinnern wie "tausend" andere gesehene Einzelheiten auch, aber sie erreichen nicht ihr Wesen, ihre Seele, sind Ausdruck der Sehnsucht vielleicht.
Ist das eine Problematisierung dessen, was ein Gedicht 'kann'?

Dieses ist schön im Gedanken und in der Ausführung, findet

augustine




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