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      wetter



ohne titel

   12.08.2010, 22:07 / 3 x geändert



der körper steif
und wächsern seine blässe
erkaltet ganz
groß,
die vertrauten hände

seele,
du weichteil
sumpfig zerwühlt
die tränen warm
und rot verfleckt,
die haut

die haut,
welche nicht wächsern
noch nicht

 

      darloni



ohne titel

   14.08.2010, 10:09



hui das verstehe ich irgendwie nicht.

 

      SimonLore



ohne titel

   19.08.2010, 20:44



Es geht in diesem Gedicht um das Sterben eines geliebten Menschen, vielleicht auch eher darum, dabeizusitzen und es mitzuerleben.

In der zweiten Strophe ist nicht mehr so leicht zu trennen zwischen dem Objekt und Subjekt, Wessen Tränen sind warm? Doch des Angehörigen am Sterbebett. Die Haut, die noch nicht wächsern ist gehört wohl eher dem Sterbenden, aber halt, dessen Körper ist ja in der ersten Strophe schon wächsern genannt. Komisch, das.

Ich finde dieses Stück nicht schlecht, vielleicht weil es mich persönlich berührt, vielleicht, weil es bis auf einige "wächserne" Stellen sehr schön eine Stimmung transportiert.

 

      wetter²



ohne titel

   20.08.2010, 20:49



ja, so war es gemeint, danke fürs erklären

 

      darloni



ohne titel

   20.08.2010, 21:45 / 4 x geändert



Als kleiner Bub bin ich zu den Totenbetten gestanden, dort wo ich aufgewachsen bin. Wo es kein Leichenhaus gab. Da waren die Toten hochehrwürdig gebahrt und man hat sie langsam gehen lassen und drei Tage lang weht noch der Geist im Leichnam, bis er mählich weicht, und du siehst es und spürst, wenn dann das Wichtigste hinausgezogen ist. Wenn die Seele gegangen ist. Das ist die Entwesung. Danach die Verwesung mit aller Macht anfängt. Oft gesehen. Oft genug.

=======================================

Zitat:
Die Haut, die noch nicht wächsern ist gehört wohl eher dem Sterbenden, aber halt, dessen Körper ist ja in der ersten Strophe schon wächsern genannt. Komisch, das.

WIE? Äh Verzeihung aber WIE war es denn nun gemeint? Wem gehört welche Haut? Vor allen Dingen - WEM gehört die sumpfig zerwühlte SEELE? Ich stehe vor einem Rätsel ---
Sumpfig zerwühlte Seele ist schon eine nette Kollokation, doch. Gibt es nicht im Schwabenland ein Gebäck, das heißt "Seele"? Das ist knusprig, wenn es frisch gebacken ist. Mit Salt bestreut und mit Kümmel. Das Seelenbrot sieht aus wie ein Löffelbiskuit in Oversize. Wie soll auch eine Seel sonst aussehen. Ich finde diese Form stimmt. Da haben die Bäcker, die das erfunden haben, ein gutes Händchen gehabt. Sieht man auch daran, dass diese Seelen bis heute verkauft werden. So viel ich weiß. Bin mir nicht 100% sicher ---
So. Und da sind die guten Seelen. Die gehören unbedingt herein in den Faden. Wenn man jetzt anklickt, sieht man sie. Nununun kann ich es mit den Formatangaben. Haha.

EDITION Äh Verzeihung die empfindsamere Rüebli sollen bittesehr nicht hinklicken und Seelen anschauen wegen der Pietät.

So eine knusprig gebackene Seele für den Leib gefällt mir besser als die unzähligen lyrisch zerwühlten Seelen, die sich in komischen Gedichten verhauchen, die ich nicht verstehe.

Eine Supersache wäre eine Seele aus Vollmilchschokolade oder ein Seelentörtchen (darfst klicken). Mit weißer Schokolade garniert und mit Pistazien. Die Pistazien wären mir persönlich wichtig wegen der Ästhetik. Bei mir muss alles immer schön sein sogar die Schokiseele. Sonst bin ich nicht glücklich. Sonst mag ich es nicht.

Hochachtungsvoll
Dario



EDITION Alles Wesentlichste mir Wichtige steht jetzt da. Den Rest weggeworfen, braucht es nicht.

 

      aswad



ohne titel

   21.08.2010, 00:02



Zitat:
Die Haut, die noch nicht wächsern ist gehört wohl eher dem Sterbenden, aber halt, dessen Körper ist ja in der ersten Strophe schon wächsern genannt. Komisch, das.




Ne, nicht komisch; denn derjenige, der hier den Tod eines geliebten Menschen ertragen muss, findet im Moment der Seelenwirrnis und Verzweiflung doch noch Halt am eigenen Leben. Da ist bei allem Schmerz auch die Erleichterung des Davongekommenen: seine Hand ist noch nicht starr und wächsern, noch pulst das Blut durch seine Adern - er hat noch Zeit, ist sich aber bewusst, dass es sich letztlich nur um eine Gnadenfrist handelt ... so in der Art habe ich das jedenfalls verstanden.

 

      Gretchen



ohne titel

   21.08.2010, 03:33 / 1 x geändert



Also, aswad, ja, ich denke, du siehst die Sache ganz ähnlich wie ich.
Ich versuche mal, das noch etwas detaillierter aufzudröseln.

Thema: Totenklage, Totenwache; ein Blitzlicht

Personen: ein/e Verstorbene/r, ein/e Hinterbliebene/r

Der/die Lebende ist das Ich, das spricht; das sich zwar nicht "Ich" nennt, aber dennoch als solches präsent ist.

Der erste Teil ist der Betrachtung des Verstorbenen gewidmet. Seiner Steife, Blässe, Kälte, Wächsernheit. Der/die Verstorbene wirkt wohl wegen Steife-Blässe-Kälte sehr "groß" auf das sprechende Ich; vllt. ist das "groß" als Metapher für "Fremdheit" zu lesen, könnte auch die entstehende und sich stetig vergrößernde Distanz zum Sprecherich ausdrücken. Am Schluss des ersten Teils werden die Hände, die vertrauten, herangezoomt; ein Detail des toten Körpers wird close up beleuchtet; das macht die Szene glaubwürdiger, intimer.

Dann ganz unvermittelt ein Break, Schnitt, Fokuswechsel, weg vom Verstorbenen hin zum Sprecherich: Der zweite Teil ist der Introspektion des lebenden Ich gewidmet. Es spricht zu sich selbst, zu seiner Seele - "du Weichteil"; das Ich fühlt sich auf der psychisch-seelischen Ebene "sumpfig zerwühlt" von der Trauer; es weint, seine Haut ist rot verfleckt.
Hier wie auch an anderen Stellen ist die Kommasetzung etwas irritierend. Manche haben's ja nicht so mit den Satzzeichen, keine Ahnung wie das beurteilen, ich kenne den Autoren nicht, weiß also nicht, ob die Satzzeichensetzung in diesem Text absichtsvoll genau so gemacht wurde oder schlichter Schlampigkeit geschuldet ist. Satzzeichen können Stilmittel sein. Dass jemand das begriffen hat, ist aber nicht selbstverständlich.

Im dritten Teil wird die Introspektion des Sprecherich weitergeführt, und zwar über die aktuelle Situation hinaus. Die Haut, die eigene Haut des Sprecherich ist nicht wächsern - NOCH nicht; Ahnung der eigenen Vergänglichkeit, des eigenen Sterbens, das kommen wird; das hat aswad bereits beschrieben.

Der Gesamtaufbau des Textes vollzieht einen Dreischritt:
- These / der Verstorbene, der Andere
- Antithese / Ich, am Leben
- beide gebunden in das Schicksal, sterblich zu sein

Ob mir der Text "gefällt"?

Nein. Gefällt mir nicht. Ist nichtssagend wie all das durchgefühlte Zeux, das hier mittlerweile massig auf Halde liegt. Ein Stück Müll mehr ...


. . . . . . . . Nachtschaffend grüßt
. . . . . . . . . . . Margret von dem Güldenmund . . . .

 

      wetter²



ohne titel

   22.08.2010, 11:42 / 1 x geändert



danke gretchen, so war es gemeint. es ist doch erstaunlich, dass so eine fremdinterpretation mir meinen eigenen text noch verständlich macht.

weiter haben mich die pole leben und tod beschäftigt, wie sie sich sich zeigen und einem begegnen.
das tote: kalt, grau, steif, trockene, usw.
und
das lebendige: farbig, feucht, in bewegung, usw.

zur kommasetzung: hatte das Gefühl, dass der mit dem komma versehene satz zusammen gehört und doch, von der betonung her, getrennt stehen muss. das komma machte durch seine trennende funktion die verbindung deutlich; denn nur verbundenes kann man trennen. Naja, vll hätte ich mir die zwei kommas einfach sparen sollen.




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