Das Bäumchen und der Sturm · synapsenchaos · ·


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      synapsenchaos



Das Bäumchen und der Sturm

   05.08.2010, 13:24



Es war einmal ein kleines Wäldchen in dem, inmitten riesiger knorriger Bäume, ein kleines zartes Bäumchen heran wuchs. Es reckte und streckte sich nach jedem Sonnenstrahl und Regentropfen, die zwischen den alten knorrigen Bäumen den Weg bis zum kleinen Bäumchen schafften, und ging sehr sorgsam mit den so seltenen Lebenselixieren um.

Die mächtigen Bäume lachten das Sträuchlein aus; sie nannten es einen kleinen Wicht und warnten es aufzupassen wenn der nächste Wind kommt. Tatsächlich waren die Wurzeln des Bäumchens sehr fein und verletzlich. Aber es war nicht traurig, sondern bewegte seine Ästchen fröhlich mal in die eine mal in die andere Richtung. Geduldig wartete es auf einen Sonnenschein oder ein paar Regentropfen.

Die grossen starren Bäume schluckten in ihrer Arroganz alles Licht und alles Wasser. Sie waren unfähig sich zu bewegen.

Eines Tages brauste ein mächtigerr Sturm dem kleinen Wäldchen entgegen. Die grossen Bäume standen ihm trotzig entgegen. Der Sturm wurde aber stärker und sie begannen zu knarren und brachen schliesslich entzwei. Sie wurden weit weg geweht und es blieben nur die ausgefransten Baumstrünke zurück.

Der mächtige Sturm fegte auch über das kleine Bäumchen hinweg, das sich lustig hin und her bewegte. Liess der Sturm etwas nach, richtete es sich wieder auf, kam er wieder legte es sich hin. Der Sturm zog weiter und suchte sich andere Orte. Das Pflänzchen genoss die reichlich vorhandene Sonne und den Regen und wuchs zu einem prächtigen im Winde tanzenden Baum heran.

chaos Y. Napse

 

      aswad



Das Bäumchen und der Sturm

   05.08.2010, 13:42 / 6 x geändert



Hi.

Wenn man sich Texte rektal einführen könnte, würde ich Dir jetzt glatt empfehlen, genau das mit Deinem Dingens zu tun.

Edit: Hm, vielleicht war ich zu hart. Aber ein bisschen schlimm ist er schon, der Text.

Edit 2: Hm, obwohl ... eigentlich ist der Text sogar nahezu perfekt in seiner Rohfassung.

 

      augustine



Der Sturm und die Bäume

   05.08.2010, 13:44 / 1 x geändert



Und was leeehrnt uns das?
Mal alles sonst weggelassen: ganz allein wird es kaum wachsen, dein Bäumchen, und es und seinesgleichen wird nicht bloß prächtig, sondern auch knorrig werden, und eines Tages wird ein Sturm es umwerfen, es und seinesgleichen. Naja.

augustine

 

      Bärbel Kokoff



Das Bäumchen und der Sturm

   05.08.2010, 16:22



HiHo

Bin ich dagegen? Meinungslos? Dafür? Ich weiß jetzt im Moment nicht so richtig wie ich mich am besten ausdrücken soll um meine Gefühle und Gedanken zu diesen Zeilen verständlich zu machen. ^^
Irgendwie fehlen mir die Worte aber fest steht bestimmt: Es gefält und es berührt auch wegen der wahren Themen, die angespiest und aufgeschnitten werden. Danke!!!
Könnte durchaus sein das ich mich in der nächsten Zeit noch einmal äußere zu diesem Gedicht wenn ich gründlicher nachgedacht habe.


B

 

      Willimox



Das Bäumchen und der Sturm

   05.08.2010, 16:43 / 13 x geändert



Liebe Anwesende in Christo!

Wir haben uns versammelt, um Gottes und seiner Kirche Wort zu hören.

Am Ufer eines Teiches stand eine Eiche: mächtig und stolz. Sie trotzte der Sonnenhitze und beugte sich keinem Sturm; denn ihre Wurzeln reichten tief ins Erdreich hinab. In der Nähe wuchs ein Schilfrohr. Es stand auf feuchtem Grund. Es sah schwach und zerbrechlich aus und verneigte sich vor jedem Wind. "Du tust mir leid", sagte die Eiche eines Tages. "Wärst du doch näher an meinem Stamm gewachsen, ich würde dich gerne vor den Stürmen beschützen!"

"Du bist sehr freundlich", sagte das Schilfrohr bescheiden, "aber sorge dich nicht um mich. Kommt ein Sturm mit Gewalt, beuge ich mich bis zur Erde und lasse ihn über mich fortbrausen: Ich beuge mich, aber ich breche nicht!"

Die Eiche schüttelte trotzig ihr Haupt: "Ich leiste jedem Sturm Widerstand; niemals würde ich mich beugen!" So wurde es Nacht. Und ein schrecklicher Sturm kam über das Land; er riss Blätter und Äste aus der aufrechten Eiche und wütete stundenlang. Das Schilfrohr beugte sich bis zur Erde. Der Sturm wurde zum Orkan. Mit seiner ganzen Wucht zerrte er am trotzigen Baum - bis er ihn samt Wurzeln aus der Ede riss. Das Schilfrohr beugte sich bis zur Erde. Und als das Unwetter vorüber war, da stand das kleine Schilfrohr aufrecht neben dem gestürzten Riesen.



links oben die hagestolze Eiche, geknickt und niedergekrümt,
halbrechts vorne Mitte das beugsame Schilf,
dazwischen ein Reisiger mit Wanderstab als Stütze
und Meister Graufuß als Tragehilfe




Liebe Schwestern und Brüder aus Bruchsal und Umgebung!

ich gebe zu, dass ich ein ganz eigenartiges Gefühl bei dieser Geschichte habe. Sie geht mir nicht ganz leicht über die Lippen. Sie gehört wahrscheinlich zu den Geschichten, die man sehr leicht ganz gründlich missverstehen kann. Sie riecht ja so ein wenig nach Aufforderung zur Feigheit, wie wenn sie einer Rückgratlosigkeit das Wort reden wollte, uns gleichsam dazu auffordern würde, unser Fähnchen in den Wind zu hängen und mit den Wölfen zu heulen, so nach dem Motto wer sich immer duckt und nie aufmuckt, der kommt am besten durch. Beugt euch einfach bis zur Erde, so wie dieses Schilfrohr, und ihr werdet nie Schwierigkeiten haben.

Aber ich denke, wenn man diese Geschichte so interpretieren würde, dann wäre sie gründlich missverstanden. Ich glaube nicht, dass es darum geht, weder um eine Aufforderung zur Feigheit, noch um Rückgratlosigkeit. Darum geht es in dieser Geschichte absolut nicht.

Diese kleine Geschichte von der Eiche und dem Schilfrohr, ich glaube sie ist ganz im Gegenteil vielmehr eine Aufforderung zur Klugheit. Feige war dieses Schilfrohr ja beileibe nicht! Es hatte keine Angst, nicht einmal vor der mächtigen Eiche, vor der manch anderer wohl erzittert wäre. Nein, ganz im Gegenteil! Der Eiche gegenüber hat sich das Schilfrohr ja sogar als ungeheuer selbstbewusst gezeigt. "Nein, deinen zweifelhaften Schutz, den brauch ich nicht!" Vor der mächtigen und starken Eiche, vor der manch anderer wohl sehr schnell in die Knie gehen würde, vor der ist dieses Schilfrohr ganz aufrecht stehen geblieben. Feige war es nicht!

Aber es war klug! Es wusste nämlich, ganz anders als die Eiche, dass es etwas gibt, vor dem man sich tatsächlich tunlichst beugen sollte. Ganz anders als die Eiche wusste es offenbar darum, dass immer aufrecht zu stehen und den Kopf ganz hoch zu tragen, vielleicht stolz ist, vielleicht etwas mit irgendeinem vermeintlichen Ansehen zu tun hat, aber wohl nicht besonders klug sein kann. Dieses Schilfrohr wusste darum, dass den Mächten des Himmels gegenüber den Kopf hoch zu tragen, alles andere als klug ist.

Wer dauernd seinen Kopf hoch trägt, und wer dies dann auch dem Himmel gegenüber meint tun zu müssen, der wird sich seinen Kopf am Ende wohl oder übel anrennen, der wird sich seinen Kopf mit Sicherheit stoßen.

Unsere Geschichte ist demnach eine Geschichte, die zur Klugheit auffordert. Der Kluge weiß nämlich darum, dass es manchmal durchaus angezeigt ist, den Kopf einzuziehen, sich selbst ganz klein zu machen, sich zu beugen. Wer nämlich gelernt hat, sich in den richtigen, wohlgemerkt: in den richtigen Augenblicken zu beugen, der wird nämlich auch dann noch fest stehen und Bestand haben, wenn der Hagestolz schon lange darniederliegt.

Deshalb preist Jesus die Demütigen, die Sanftmütigen und die Friedfertigen auch selig. Nicht weil sie dumm wären, nicht weil sie etwa ihr Fähnchen in den Wind hängen würden und kein Rückgrat hätten. Und erst recht nicht, weil sie etwa opportunistische Feiglinge wären. Jesus preist sie selig, weil sie die wahrhaft Klugen sind.

Die Demütigen, die Sanftmütigen und die Friedfertigen, die sind es nämlich, die rechtzeitig gelernt haben, wann es wirklich notwendig ist, sich zu beugen; und vor allem, vor wem es letztlich allein notwendig ist, sich wirklich ganz klein zu machen. Die das wissen, das sind die wahrhaft Klugen. Denn sie werden auch dann noch bestehen, sie werden noch lange stehen, wenn der Hagestolz bereits flach am Boden liegt.

Wohl aber wisset: Was für das Schilfrohr gilt, gilt nicht unbedingt für den kleinen Baum oder auch den Strauch. Er nämlich, der Baum jedenfalls, wird groß wohl werden, nach Gottes Ratschluss und wunderbarem Schöpfungsplan. Und dann knickt ihn der gewaltige Sturm, ob er nun sich beuge oder auch nicht. Da hat unsere Mitschwester Augustine ein Wahrwort gesprochen, unlängst erst und mit intuitiver Spiritualität, es sei hier wiederholt:

".... ein Bäumchen [...] und seinesgleichen wird nicht bloß prächtig, sondern auch knorrig werden, und eines Tages wird ein Sturm es umwerfen, es und seinesgleichen. Naja."

Bei der Treue im Herrn, da gilt es wohl zu überlegen und nicht gleich zu handeln! Schaut in euch, wenn es um Fragen der Lebensführung geht. Horcht in euch, wenn die Stimme des Stolzes mit der Stimme der Bescheidung streitet. Erinnert euch an Schilfrohr, kleinen Baum, beweglichen Busch und hagestolze Eiche. Und es wird alles gut.

Nun aber, liebe Gemeindemitglieder, geht in dem Frieden, den der Herr uns schenket, er schenkt ihn alle Zeit.

Amen.

(In weitgehender Anlehnung an die Predigt von Dr. Jörg Sieger, Pfarrer in 76646 Bruchsal, gehalten am 1. November1999 in der Peters- und Pauluskirche, Bruchsal)

 

      Gretchen



Daneben geknickt?

   05.08.2010, 19:56



Obwohl wiwa schon so schön predigend dem Text an die Wurzel gepackt hat, muss ich direkt
doch auch noch aufmucken mit einem lauten Juhu, weil hier zur Abwechslung mal wieder
ein baumstark zusammengesülztes Stück Rührseligkeit eingestellt wurde, ein veritabler
Ausbund an Weisheit, der jedes Herz schwach werden lässt, insbesondere meines,
so dass ich in jubelnder Zustimmung ausrufen möchte: Ja! Ja, so liest es sich
wohl, wenn der Sonntagsdichter in pseudo-philo-theo-logo-pathischer
Belehrungsbestform in den Wald läuft: Latte, Zaunpfahl, Vollholz,
Sturm und Knick!
Wow-au!

"Und führe uns nicht in Versuchung mit dem womöglich
noch schlimmeren Rest! Amenaberauch und
tief gebeugte Entschuldigung mit einem
Knick's!"

(http://www.spin.de/hp/Synapsenchaos/blog)


. . . . . . . . . . submissest:
. . . . . . . . . . . . . Xirze . . . .

 

      Willimox



poet´s corner

   05.08.2010, 20:59 / 1 x geändert



Ich weiß es wohl, die Eiche muß erliegen,
Derweil das Rohr am Bach, durch schwankes Biegen,
In Wind und Wetter stehnbleibt, nach wie vor.
Doch sprich, wie weit bringt's wohl am End' solch Rohr?
Welch Glück! als ein Spazierstock dient's dem Stutzer,
Als Kleiderklopfer dient's dem Stiefelputzer.

 
H.
H. reading 
 
(vgl. Heine-WuB Bd. 1, S. 65) 

 

      Willimox



Dem, der die Fabel vom Busche fand

   05.08.2010, 21:49 / 2 x geändert



 
 
Dankt dem Bösen denn es schafft das Heilige 
Verdammt das Heilige denn es schafft das Böse 
Huldigt das Böse und das Heilige 
zelebriert die Harmonie 
Lebt die Schluchten des Feuers 
die Weiten der Heiligkeit 
Schickt Euch in die Unabwendbarkeit 
Lasst das eine wenn Ihr das andere nicht liebt 
Öffnet die Seele; streckt die Hand aus 
Fühlt das Ganze erlebt die Erfüllung 
Reisst die Normen nieder, durchbrecht die Regeln 
Liebt die Normen und Regeln und reisst Sie wieder nieder 
 
http://ww
w.spin.de/hp/Synapsenchaos/blog
 
 
 
Sei mir gesegnet, Du, den Weisheitsliebe 
Im Dichter-Amte unterstützt mit Kraft, 
Du, der im Chaos dumpf verworrner Triebe 
Dem Hörer helles Licht und Leben schafft. 
 
In nimmer aufgehellten Finsternissen 
Erweckst Du hämmernd der Erkenntnis Strahl, 
Und minderst stracks durch paradoxes Wissen 
Des Mutes Mangel und der Ängste Qual. 
 
O fahre fort! - Es ziemte eine Krone 
Zum wohlverdienten Schmucke Deinem Haupt! 
Doch schöner ist der Kranz, der es bereits umlaubt: 
 
Er welket nie, weil: Deine Reden leben. 
Und diese Reden und Dein tiefes Streben 
Summieren sich und sind nicht ohne. 
 
Willimox Salutans Solothurnium 

 

      Gretchen



Paradoxa, Unio Mystica ...

   06.08.2010, 01:07



... Transformationszyklen?




Dem Gretchen aber widerstrebt es, rasch
den Kranz zu reichen. Sie zaudert, tastet, wartet, wägt.

Wenn einer Worte kaut vom alten Wissen,
weiß man doch nicht, ob er die Krone wahrhaft trägt.



 

      Willimox



Paradoxa, Unio Mystica ...

   06.08.2010, 19:16 / 2 x geändert



@ Gretchen

.... Worte kauend, altes Wissen ...

Ol Trin anne Lamp

Ol Hans innen Damp,
Ol Trina mit Brillen,
Ol Hans mit sin Grillen,
Se spinnt un se snackt,
Kaut Schev un Toback.

(Groth: Quickborn, S. 333)


Das Krokodil zu Singapur

Im heil'gen Teich zu Singapur
Da liegt ein altes Krokodil
Von äußerst grämlicher Natur
Und kaut an einem Lotosstil.

Es ist ganz alt und völlig blind,
Und wenn es einmal friert des Nachts,
So weint es wie ein kleines Kind,
Doch wenn ein schöner Tag ist, lacht's.

(Lingg: Ausgewählte Gedichte, S. 159.)



Es grüßt

Willimox




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