SimonLore
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26.07.2010, 23:19 / 10 x geändert
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Handlungsbedarf ist die chronische Diagnose der Gegenwartsreform. Auf in die Zukunft! – als ob der Zuwachs der Entropie einen solchen Aufruf bräuchte. Die Metapher feiert fröhliche Urständ in ihrer frivolsten Form; alle Kunst gedeiht uns zur Allegorie der Kopulation, des Geschlechtsaktes, der - seines Geheimnisses entkleidet - nackt, blass und haarig vor uns steht, wahlweise bierbäuchig oder hager; alle Düfte des Orients verborgen in den Falten des Geschlechtsteils.
Das kühle und sachliche Blau gibt den Hintergrund der täglichen Dosis menschlichen Leides als Prelude des allabendlichen Spielfilm - „Blockbusters“, in dem uns beide blutigen Enden eben dieses Leides auf einen frohen Ausgang zusammengebogen werden, um den Schlaf nicht zu beschweren.
Bunte Spielzeugautos huschen durch die flurbereinigte Nutzfläche dessen, was wir Städter Natur zu nennen gehalten sind. Manche schauen ernst und wichtig, andere wie ein dummer Hund. Selbst unserem Gefährt geben wir ein Gesicht; nichts - nicht einmal Gott - ist vor unserem Antropomorphisierungswahn sicher. Die Fahrer, in ihrer Kabine kaum zu erkennen, tragen den Gesichtsausdruck ihrer Automobile.
Mit der hilflosen Panik eines Weichenwärters, der zu spät die Fehlstellung bemerkt, durch die er unabwendbar die Katastrophe heraufbeschworen hat - der Punkt ohne Widerkehr ist längst überschritten, der Bremsweg ist nun schlicht zu lang - betrachten wir die Früchte des Menschheitstraumes, die Welt zu verändern. Tatsächlich. Es ist uns gelungen.
Der Medicus weiß, dass Eiweiße beginnen, bei 42 Grad Celsius zu denaturieren. Noch ist man sich nicht einig, welches der zulässige Höchstwert in der Fiberkurve des dritten Planeten unseres Sonnensystems wohl sein mag. Sicher nur, das dieser Organismus beginnt, Abwehrreaktionen zu entwickeln, um das Ausbreiten der parasitären Schädlinge einzudämmen.
Ein Weiser aus dem Morgenland, eine Schlange und einen Adler zu Gefährten, steigt abermals von seinem Berg herab, nach wohl hundert Jahren, sieht, das alles was er geweissagt eingetroffen, das alles was er mahnte vergessen ist - und erwartet den letzten Menschen.
Ein kleines Mädchen namens Alice, sich seiner nicht bewusst, ihrer eigenen philosophischen Gedanken nicht gewahr, verneint mit einem einfachen Lächeln den unerschütterlichen Optimismus des Weisen. Sie ist sich sicher: Der letzte Mensch ist der letzte Mensch; keine Brücke hin zu etwas Höherem - Er ist eine eschersche Treppe, die ins Nirgendwo führt; der Versuch eines Brückenschlags, der fehlgehen muss. Der Brückenbauer, der Pontifex selbst - mit einer vulkanisierten Latexhaube als Tiara - ist einer der ehrvollsten Grableger des letzen Menschen.
Ich möchte nun einfach mal behaupten, dies sei ein Gedicht; vielleicht nur aus dem Grund, hierin auf lehrreiche Weise widerlegt zu werden.
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