| |
|
Elise
|
Gäa
alt. alt diese mutter
dreht sich verzweifelt
schnappt nach den händen
die sie mit billigem
gnadenbrot füttern.
tagsüber schreit sie:
meine kinder was tut ihr
meine süßen geschöpfe
seid ihr am leben
oder in bildern erstarrt.
nachts hält sie wache:
tröstet die bäume
kämmt die gräser
ordnet die wurzeln
deckt die gestorbenen zu.

|  |
augustine
|
08.07.2006, 09:35 / 1 x geändert
|
|
Liebe Elis, immer wieder sind Deine Gedichte so, dass mir fast der Atem weg bleibt angesichts ihrer ungeheuren Intensität. Da ist nichts "in Bildern erstarrt", sondern kommt in Bildern von großer Kraft zu einer (Dir) eigenen Sprache: sicher zuvor "durch viele Formen gegangen" (Verzeihung für die Belehrung, aber gestern war Benns 50. Todestag, ich will nur den Zitat-Einfall erklären). Was das'billige gnadenbrot' sei, dazu wird jeder/m anderes einfallen. Auch schnellfertig gut gemeintes Ökologisches kann für die Ewig-Alte zornerregend sein. Alzheimerkrank ist sie sicher nicht.
Danke! a.

|  |
Elise²
|
08.07.2006, 13:54 / 1 x geändert
|
|
Nein, alzheimerkrank ist sie bestimmt nicht. Auch hat sie ungeahnte (doch nicht unerschöpfliche) Reserven.
Allerdings: sie leidet. Sie schreit vor Schmerz. Wenn sie könnte, würde sie sich aus ihrer Bahn werfen, um in Flammen aufzugehen. Das ist ihr verwehrt, nun, sie wird weiterkreisen wie alle Zeiten lang, was sollte sie auch machen. Die Spezies, die sie bewohnen, wechseln. Man kann davon ausgehen, daß auch die menschliche Plage irgendwann getilgt sein wird.
Manchmal kommt so ein müdes Gedicht aus mir heraus. Ja, ich empfinde es als müde. Es war auch nur so ein Nebenbei-Produkt.
Danke aber, augustine, für deinen Kommentar.
Elis (mehr als müde).

|  |
Jolante
|
08.07.2006, 21:16 / 1 x geändert
|
|
Elise,
von einem müden Gedicht kann keine Rede sein, mich hat es hellwach gemacht. Wenn das ein Nebenbei-Produkt ist, dann ist es jedenfalls eines, das man nicht so schnell beiseite legt, eines, das betroffen macht und Zeit zum Nachdenken fordert. Die letzte Strophe nehme ich heute mit in meinen Schlaf (wenn er denn kommt).
Gruß Jolante

|  |
Elise²
|
Hallo Jolante,
nun, hoffentlich keine Alpträume oder Schlaflosigkeit wegen Gäa. Ich dachte nach über den Menschenkörper, diese Ballung von Materie mit Seelenschichten drumherum - und da dachte ich dann noch: so ist die Gaia auch: ein Materie-Körper als Kern und drumrum Atmosphäre, All .... naja, das wars dann schon. Warum sollte sie nicht mal sprechen oder schreien dürfen - ! Nicht wahr?
Liebe Grüße von Elise.

|  |
arisia (Gast)
|
11.07.2006, 23:03 / 1 x geändert
|
|
hi, Elise
ja, Gäa ist schon eine Urgewalt und doch so verletzlich, wenn wir Menschen doch nur mal begreifen würden, daß wir letztendlich nur uns selbt vernichten, wenn wir Gäa vernichten.
Ich habe vor sehr vielen Jahren mal eine Geschichte gelesen, in der Gäa als Inkarnation auftrat, kann mich an den eigentlichen Hergang der Geschichte nicht mehr recht erinnern, aber doch daran, wie imposant die Gestalt der Gäa gezeichnet war. In dieser Geschichte hat sie auch geschrien, getobt, gebebt, und war dann auch wieder freundlich und mitfühlend, so wie in der letzten Strophe deines sehr einfühlsamen, mit Gäa mitfühlenden Gedichtes.
Als ich mich vor einiger Zeit in Gedichten mit dem Thema auseinandersetzte, bin ich, so wie ich das heute sehe, leider nur im Anklagen hängengeblieben.
ich stelle es heute abend mal ein
liebe Grüße und daß dein Gärtnern dir weiterhin Kraft schenkt
arisia

|  |
|
|