In unserer heutigen Gesprächrunde: · SimonLore · ·


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      SimonLore



In unserer heutigen Gesprächrunde:

   20.06.2010, 14:04 / 3 x geändert




Friedrich von Goethoven

und

Wolfgang G.Schwätz

zum Thema

Dekonstruktivistischer Neoklassizismus

der Postpostmoderne



Moderator: Sehr geehrte Damen und Herren, willkommen hier im Studio und zuhause, ich begrüße auch meine Gäste hier, zu meiner linken Herr Friedrich von Goethoven, der beliebte Songschreiber und Dichter...

FvG: Was ist? Reden sie mit mir?

Moderator: Und zu meiner Rechten Wolfgang G.Schwätz, der berühmte Kulturkenner und Kritiker.

FvG: Sie müssen wissen, ich höre nicht sonderlich gut…

WGS: Herr Goethoven, ich freue mich ja so, den Autor des Gedichtes „Kraweelensegel“ persönlich kennen lernen zu dürfen. Ich halte dieses Werk für einen Höhepunkt der zeitgenössischen dialektischen Dekonstruktion der Veräumlichung und Verzeitlichung, eine Apotheose der angewandten Grammatologie nihilistischer Schule, wenn sie so wollen. Lassen sie mich…

FvG: Was soll das?

WGS: Lassen sie mich ihre Hand schütteln. Lassen sie sie küssen!

FvG: Wer ist dieser Mann? Was will er? Fort von mir! Zuhilf!

Moderator: So beruhigen sie sich doch, Herr von Goethoven. Herr Schwätz teilt ihnen nur seine Bewunderung mit.

WGS: Aus diesen Händen floss die luzide Vollendung der okzidentalen Poetik, diese Finger stehen für narrative Omnipotenz.

FvG: Was will er nur? Ich verstehe ihn nicht. Sein schwitzendes Fleischgesicht widert mich an. Versteht er nicht, dass ich ihn nicht höre, zum Teufel?

WGS: „Angelsächsische Lagerpflöcke / bereichern triebgonze Beklömmelpulgen“
hören sie Rhythmus und Melodie dieser Zeilen, erkennen sie die geschickte Applikation der essenziellen Dichotomie, die revolutionäre Energie der Sprache…

FvG: Wo bin ich hier überhaupt?

WGS: „Tarkinge filzen am frühen Mogenpfuhl“; hier entwirft der der Dichter ein surrealistisches Idyll in morgensternscher Tradition, das er in Kontrast stellt zu dem eher gesellschaftskritischen Ton der ersten beiden Zeilen. Es ist einfach zu exquisit…

FvG: Wenn er nicht sofort ablässt von mir, werde ich ihm eine Kugel vor den Kopf schießen!

Moderator: Herr von Goethoven, stecken sie doch bitte die Waffe weg!

WGS: Diese Willensstärke! Diese Unerbittlichkeit! Meister! Ich muss ihn umarmen!

[Schuss]

Moderator: Auf Grund einer technischen Störung unterbrechen wir hier unsere Gesprächsrunde und schalten zurück in unser Studio in Neu-Glipferdingen.

 

      Willimox



In unserer heutigen Gesprächrunde:

   22.06.2010, 16:48 / 2 x geändert



ächz, wirkt vielleicht überladen-bemüht-grotesk, will mir scheinen, jaja, das blaue Auge des Betrachters.

greets an jemand, den gretchen mal mit dem ersten (s.u.) Pseudonym des jungen Hofm. betitelte und das s kappte:

Loris, Loris Melikow, Theophil Morren



w

 

      Heidrun X.



Dieser Goethoven hat was, i-wie ...

   22.06.2010, 20:44







1.
Ein Dramolettchen oder Comedy-Quicky (Loriot? Bully Herbig?), vorstellbar auch als in einen größeren thematischen Zusammenhang eingebundene Szene; aufgeführt (vielleicht?) als Puppenspiel mit den Muppets aus der Kiste, oder wie dadort von ->Gunzie Heil, und selbstverständlich ist es ein einziger Puppenspieler, vielleicht sonn' armer vagierender Schweifschlemihl oderwas, der alle drei Puppen bewegt und mimetisch passend seine Stimme verstellt undsoweiter; Moderator, Autor und Kritiker: direkt alles all in one.

2.
Missverständnisse, Missverstehen: fatale Folgen. Eiserner Starrsinn (eines Friedrich Hugo v. Goethoven z. B.): ebenfalls sehrsehr fatalfolgig. Andererseits könnte man diesen Goethoven auch nehmen als einen, der dem Sympathischistmirwermichlobt-Reflex nicht (mehr) ausgeliefert ist, da unbestechlich taub, stocktaub geworden auf dem Schmeichelsabberinput-Ohr, und die Kraft ist mit ihm (Ohjayoda! Vivat Goethova!), also, sein Daimon so stark, dass ihm (über-)flüssige Ehrerbietungsdarbietungen aus dem Munde eines W. G. Schwätziger nichts anhaben können. Womöglich hat das was mit "Charakter" zu tun, keine Ahnung, ach, nescio ... - nescia pauperitissima indoctisissima maximita sum ...

3.
1.+2. => Insofern passt das Überladene, Forcierte, Grotestke vielleicht sogar irgendwie (Stilmittel?)?



. . . . . . . . . . Xircinette . . . .



NB
Ja, verdammmichaberauch, wegen der verschärften Pseudonymophilie hier auf diesem närrischen Boardl kommt man überhaupt nicht mehr dazu, sein Arschloch mal zu entspannen (Stilmittel der eingeworfenen Obszönitäten, jawoll).

 

      SimonLore²



Dieser Goethoven hat was, i-wie ...

   24.06.2010, 15:15 / 4 x geändert



Eigentlich soll dieser Text vor allem Spaß machen. Nebenher nimmt er natürlich noch die Kunstkritik als solches ein wenig auf die Schippe, genauso wie der genialistische Habitus eines so großen, vielgerühmten Künstlers wie Goethoven. Die Schwerhörigkeit, an der er leidet ist den letzten beiden Silben seines Namens geschuldet. Selbstverständlich erkennen wir in ihm auch die tief verstörende Verständnislosigkeit des musischen Menschen gegenüber einer ihm entfremdeten Umwelt blah, blah.
Der jähe Tod des Kritikers wurde vor allem durch die Vorgaben dieses Formates bestimmt. Eine DIN-A4-Seite, nicht länger. Vielleicht wirkt er deshalb so überladen. Doch solche kurzen, grotesken Dialoge sind eine schöne Spielwiese, um allerlei Unsinn auzuprobieren.

Die entsprechende Passage, auf die sich der Kritiker Schwätz in seinem Begeisterungstaumel bezieht (Erschienen in "Goethoven, Friedrich H. von: Vogonische Episteln Bd. 1") , lautet im Ganzen übrigens:

"Angelsächsische Lagerpflöcke bereichern triebgonze Beklömmelpulgen,
Tarkinge filzen am frühen Mogenpfuhl;
Totemtarpen transzendieren tulkige Tigertrempen
Und ein warkender Wotwal wurde womöglich warköldet."

Gerade dieser Wechsel der Bilder von einer spätkapialistischen britischen Industrielandschaft hin zu der beinahe schon dokumentarischen Beschreibung einer Naturszene - endend mit den dunklen Andeutungen über das ungewisse Schicksal eines Wotwals - Dieser Wechsel, sage ich, war es, der den 2010 wegen eines technischen Defekts an einer Filmrequisite verstorbenen Herrn Schwätz so begeisterte.

Die "Kraweelensegel" derweil sind tatsächlich ein kleiner Hinweis auf Loriot und seine unvergessliche Dichterlesung ("Kraweel! Kraweel!").

EDIT:
Bischn Klugscheißn: Eine Kraweel ist nix weiter als eine eigedeutschte Caravella, also'n Schiff. Wasichnichallesweisne? Aber: Wer ist Melusine?

SPÄTERES, GRÜBLERISCHES EDIT:

Vielleicht ists der Herr G.Schwätz, dessen Aufdringlichkeit einem irgendwie unangenehm erscheint.

 

      zuppanova



Kraweelensegel und Vogonen ...

   30.06.2010, 00:03



a)

Zitat:
wirkt vielleicht überladen-bemüht-grotesk, will mir scheinen

Ach komm, geh, Willimox, sei nicht so streng mit dem Neophyten. Es gibt viel schlimmer überladen Bemühtes, schau, hier z.B.: http://www.literature-online.de/thema2136.htm



b) Krawehl, Kraweel:



Ist Loriots Lothar Frohwein in Pappa ante Portas etwa von Peter Handke inspiriert? In Bezug auf das äußere Erscheinungsbild des einen wie des anderen Dichters scheint dieser Gedanke nicht ganz abwegig.
Zum Vergleich ein Foto von P.H.:





c) Vogonen und Lyrik:

Ja, der Grunzwanzling-Text, auf den der vom leider tödlich verunfallten W.G. Schwätz ins Gespräch gebrachte Beklömmelpulgen-Wotwal-Text Friedrich v. Goethovens wohl intertextuell Bezug nimmt (vgl. Gretchen, da-da), ist bekannt, berühmt mittlerweile und steht kurz vor der Kanonisierung.
So viel, so wenig nur, vorsichtig angemerkt (ich möchte keinesfalls in irgendwelche Verschwörungstheorien verwickelt werden).



d) Spaß machen

Nicht dass ich irgendeine Ahnung vom Literaturbetrieb oder von Kunstkritik hätte - aber Dein satirisch angehauchtes Kurzdramolett las ich gar nicht so ungern, SimonLore.

zuppa

 

      aswad



In unserer heutigen Gesprächrunde:

   30.06.2010, 11:34 / 2 x geändert



Ich find's so ganz witzig. Ich könnt mir direkt vorstellen, dass "Die Gesprächsrunde" seine Premiere in einer Abizeitung gefeiert hat.

Ja, in der Abizeitung meines Jahrganges gab's auch Sachen in der Art zu lesen, deswegen hat mich "Die Gesprächsrunde" in eine angenehme Stimmung versetzt, weil es eine schöne Zeit war. Damals, als der Stress erst mal vorbei war.

Grüße,

ich




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