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vanderPursch
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13.06.2010, 12:24 / 1 x geändert
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Fragen, Fräglein
Was ist ein Ich, was ist ein Wir?
Bin ich nicht manchmal dies und dann auch wieder jenes?
Wer, ach wer nur wüsste, wer er wirklich ist!
Wer bin Ich denn?
Bin Ich mein Körper? Mein Geschlecht?
Die Haut, die Stimme? Das Empfinden, Denken, Wollen?
Bin Ich mein Herz, mein Hirn, mein Solarplexus? Oder bin Ich
meine Sprache - Atem, Klang und Laut? Meine Gesinnung? Werte? Normen?
Mein Erlebtes alles? Oder doch die Eltern, Ahnen, das Ererbte?
Bin ich gar mein Geld? Mein Stand? Mein Glauben? Meine
Religion? Oder bin Ich, was die Anderen mir spiegeln?
Bin Ich, was Andere nicht sind?
Warum wach' Ich des morgens auf und weiß
verlässlich: Holla, Hanns van der Pursch, da bist!!?
Warum vergess' ich mich denn nicht im Schlaf?
Ich bin ein Rätsel - oder? Nicht?

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Willimox
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13.06.2010, 17:05 / 2 x geändert
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Allerlei Gesellen der Carmina Burana singen & sinnieren mit dir
und der Magister Martinus von Bieberbach
da tief unten auch.


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Willimox
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13.06.2010, 17:23 / 1 x geändert
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NELKENSTEIN. Wie kommt's denn, daß du der letzte bist, der mir in meinem Schlosse entgegenkommt?
HEINRICH. Ach, gnädiger Herr -
NELKENSTEIN. Fehlt dir etwas? Du bist auch nicht mehr der aufgeräumte, heitere Pursche, der du sonst warst - dir ist etwas begegnet?
HEINRICH seufzend. Ach ja!
NELKENSTEIN. Vielleicht gespielt und verspielt? Nun, der Schade wird so groß nicht sein. Ich habe mir vorgenommen, dir jetzt deine treuen Dienste zu lohnen; bei dem räuberischen Überfall, als wir vergangenen Herbst von Neapel zurückkehrten, dankte ich nur deiner Unerschrockenheit mein Leben. Ich entlasse dich daher deines bisherigen Dienstes und gebe dir die schöne Försterei hier in der Nähe meines Stammschlosses.
HEINRICH. Bester gnädiger Herr! So viele Güte - ach! -
NELKENSTEIN. Was? Auf diesen Antrag erwiderst du noch mit »Ach«? - Halt! Jetzt hab' ich's - du bist verliebt?
HEINRICH. Euer Gnaden haben's erraten.
Nestroy: Eulenspiegel,
vgl. Nestroy-GW Bd. 2, S. 371-372

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Willimox
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O, ich seh es in der Ferne,
Es verhüllen sich die Sterne,
Es erlischt des Tages Licht,
Der erzürnte Donner spricht,
Und mit schwarzen Eulenschwingen
Fühl ich es gehaltnen Flugs
Sich um meine Schläfe schlingen.
Wohin seid ihr goldne Tage?
Wohin bist du, Feenland?
Wo ich ohne Wunsch und Klage,
Mit mir selber unbekannt,
Lebte an der Unschuld Hand.
Wo ein Hänfling meine Liebe,
Eine Blume meine Lust,
Und der schmerzlichste der Triebe
Noch ein Fremdling dieser Brust.
War der Himmel auch umzogen,
Heiter strahlte doch mein Sinn
Und auf spiegelhellen Wogen
Taumelte das Leben hin.
Grillparzer: Die Ahnfrau
SW Bd. 1, S. 653-654

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Willimox
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13.06.2010, 18:26 / 2 x geändert
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Grau war die Nacht, nicht öde und schwer,
Ein Aschenschleier hing in der Luft;
Der Wanderbursche schritt flink einher,
Mit Wollust saugend den Heimatduft;
O bald, bald wird er schauen sein Eigen,
Schon sieht am Lutterberge er steigen
Sich leise schattend die schwarze Kluft.
Er richtet sich, wie Trompetenstoß
Ein Holla ho! seiner Brust entsteigt -
Was ihm im Nacken? ein schnaubend Roß,
An seiner Schulter es rasselt, keucht,
Ein Rappe - grünliche Funken irren
Über die Flanken, die knistern und knirren,
Wie wenn man den murrenden Kater streicht.
Droste-Hülshoff: Gedichte Droste-Sämt Werke Bd. 1, S. 200


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Jolante
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14.06.2010, 13:16 / 1 x geändert
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Grüß dich, Wanderbursche, wie habe ich mich gefreut, dich hier nach so langer Zeit wieder anzutreffen. und dazu noch mit einem Gedicht, das mich sofort in seinen Bann zog und ins Philosophische schweifen ließ. Gut in Form gebracht hast du die Fragen, die Fräglein, endlich mal wieder ein Gedicht, das mich mitgenommen hat auf die Wanderschaft der Gedanken. Station hast du hier gemacht und ich muss an lost denken (lost and found).
Eher irritiert haben mich hingegen die Kommentarausschüttungen von willimox. Bin weder Germanistin noch Lateinerin. Ich lese lieber Kommentare, die sich unmittelbar auf den Quelltext beziehen.
Ich hoffe, du schenkst uns weitere Aus- und Einsichten deines Wanderlebens, das würde mir gefallen.
Jolante

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augustine
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14.06.2010, 14:10 / 1 x geändert
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Ach, Jolante, ja - und:
es schreiben ja flott auch Leute Latein, die nicht Latein schreiben können, es verwandeln sich angeblich umerzogene Hexen wieder in hexennahe Xircen, die Sinnfreies produzieren und verteidigen, nur um präsent zu sein - und einige haben den Garten schon verlassen, in dem in anwachsenden Bereichen solcherlei Nacht- und Taggewächse - gedeihen??
Sei gegrüßt von augustine

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Willimox
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15.06.2010, 09:07 / 1 x geändert
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Salve Wanderpursch, den Bahrt laßt uns zu Zwürbeln drehn!
1.
ich sehe gerade: Dein prosanaher Text ist eine leichte Variante einer deiner früheren Botschaften.
So magst du denn vielleicht weiteren Zuspruch finden bei: Arno Holz, du kennst wahrscheinlich seine Retro-Vaganten-Lyrik, macht (mir) unheimlichen Spaß, sogar bei massiver Dauerlektüre.
N.B.: Jolante, sorry, das mag ein bisschen wie germanistische Bildungshuberei aussehen, aber sie ist es nicht nur.
2.
Er lobt sich sein Purschen-Leben!
Ode Trochaica.
Mich sah so Leipzig/ Wien/ wie Prag/
so Rostock/ Königsberg/ wie Jene;
doch wo ich auch zu drällern pflag/
es ging mir überall höchst bene.
Noch keinen schuf so frohen Sinns
Apoll/ der muntre Musen-Printz.
He/ Brüder/ bräucht euch eurer Zeit!
Sie saust dahin/ nichts läßt sich halten.
Die heut blohß Zokker-Rösgens schneyt/
bekränckt euch morgen schon mit Falten.
Zurletzt schlurfft uns ein schwartzes Loch -
fy Teix/ wer nie nach Dabbak roch!
Den Bahrt laßt uns zu Zwürbeln drehn!
Sprengt hoch zu Gaul! Jagt in Carreten!
Auff Silber-Schüsseln will ich sehn
Dukahten-Nudeln und Lampreten!
Rosingens wüntsch ich alß Geschlekk/
auch schafft mir ja Canari-Sec!
[...]
Holz: Dafnis, , S. 4-5
http://www.zeno.org/Literatur/M/Holz,+Arno/Gedichte/Dafnis
3.
Weitere Appetizer?
Carmina non prius audita
Musarum sacerdos
Virginibus puerisque canto.
Horatius Flaccus.
Nohtwendiger Vor-
bericht an den guht-
hertzigen Leser
Wer in seiner grünen Jugend hat wohl nie den Pegasum geritten? Dihses ädle Thier ist seit Olims Zeiten / inssondre seit der lihbe Herr Opitius uns durch seine kluge aber zihrliche Leyer von denen schrökklichten Schulmeistren befreyt hat / dermahßen hergenommen worden / die Pritzschenmeistrische Poëtastri und Wortefolterer haben sich mit Reveräntz zuvermälden / so Hümpelweis an seinen Schwantz gehänckt / daß es fast Verwundrens ist / wie das geqwählte Lufft-Pferd nicht schon lengst seinen letzten Othem von sich gegäben.
Dannenhero hätte auch ich es fürgezogen / meine schlächten Mißgebuhrten billig unter der Banck vermodern zu lassen / alß meine wenige Fehder durch den Trukk ans Licht zu gebären / wenn einige lose Leute / die ihre Weißheit mehr dem Ovidio alß denen Scriptoribus Sacris verdancken / meine einfältige Wihsen-Lider nicht schon auff allen Märckten und in den Schäncken sängen.
Sich auf dihse Ahrt bey der Posterität fortzupflantzen / erachte ich aber for eine eusserste Gefahr. Der Vinum terribile zu Teutsch Land-Wein verkehrt seine Momus-Brüder nicht blohß zu stinckente Huren-Jäger und Ehebrecher / er bewegt sie auch gleichsahm nur all zu offt / unter die zihrlichste Inventiones ihr eigen albres Gemächte zu mängen; wordurch dan auß einem vihlleicht lobwürdigsten Pindus-Rösgen im Huy eine Sau-Distel geworden.

Vale et rescribe!
willimox

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vanderPursch²
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Liebe Jolante, lasset Euch bedanken für die freundlichen Worte, und dass Ihr gar so gütig seid, meine Notizen ein Gedicht nennen zu wollen. Dank auch Herrn Willimox, der gern hinzu traget mir feinsinnig Gesuchtes vom Purschentum, damit die Fragen Gesellschaft fänden. Weiß es wohl zu schätzen! Und steigen, da ich des Herren jüngsten Zutrag sehe, die Gedanken auf mit Wehmut und möcht rufen - ja, der Pegasos, das arme Tier, durch aller Zeiten Lauf geschunden mannigfach, bedränget wie es da beim Holz geschrieben steht, gepresst von dummen Teufeln fühllos ohne Herz, die nit verstehen, was dem Tierlein frömmet, wie es auch zu halten wär, wie man leicht sich machen muss und zart an ihm, und wie man sich verbinden muss mit seinem Zittern, dass der Gewalt'ge aufsteigt.
Saht Ihr denn jenen Großfilm "Avatar", Herr Willimox? Da gibt es Bilder, die ich sahe, da stiegen Flügelwesen auf mit Reitern, Reiterinnen, und ich dacht in meinem Sinn: "So wird's wohl sein, den Pegasus zu reiten." Ja, lacht nur über mich, was ich mir denke! - Genug schwadronieret aber! Hier in diesem sonderbaren Buche, das Ihr, Willimox, mit anderen schreibt, da war, in jenen Anfangszeiten, als ich erste Einkehr nahm, auch einmal von dem Pegasus zu lesen (http://www.literature-online.de/thema319.htm&hilight=pegasus).
Was aber nun, geschätzte augustine, wollt Ihr uns sagen mit Euren unmuthigen Worten? Woher der Groll? Tat ich nicht recht? Was hat es auf sich mit den Leuten, die Latein nicht schreiben können?
Mag sein, mein Fürwitz war zu flink und hätte besser weiterhin mich still bedeckt gehalten, durch das Fenster nur gespähet, dass keinen Schimpf ich mir fange.
Sei's drum. Mein Weilen soll nicht dauern. Muss niemand sorgen, dass der vanderPursch sich ungebührlich spreizen wolle. Bin nur gekommen, einen Gruß zu winken, weil vier Jahre um, weil's wieder heißt: "WM". So heißt's doch? Nicht?
Noch einmal Dank und lasst's Euch wohl ergehen, so Ihr könnt.
Hanns van der Pursch

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