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augustine
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TRAUMREISE (ZEITREISE 2. Fassung)
Fortgeflogen bin ich, leise, eines Abends.
Lag beschwingt auf einem Blumenteppich,
Blau und silbern war er, glanzvoll, traumerlesen.
Einen groben wollnen Mantel hatt' ich noch um mich.
Durft' in nie gesehenes Bekanntes reisen,
Sollte Schwestern haben, ihre Schwester sein,
Sollte weiße lange Leinenkleider tragen …
Zwielicht kam, der Teppich glitt hinab zur Erde,
Und ich fand im dichten Wald ein weiches Bett aus
Moos. Ich hüllte mich in meine warme Wolle.
Siegel Salomons, ganz schnell gewachsen, wachten
Nah bei mir, ein zahmer Hirsch lag mir zur Seite.
Dann, unfassbar schnell, dann stand ich, weiß gekleidet,
Stand ich wirklich vor dem Bild der Göttin. Isis
Oder Artemis ist sie, vielleicht Astarte.
Große Mutter. Mag es nun so sein, wie's will.
Ich dien' der Großen Mutter jetzt im Licht des Mondes.
Im Glanz der Sonne auch, und leb' mit meinen Schwestern
Nah bei ihrem Tempel, wo der Ölbaum wächst,
Der Weinstock auch und roter Mohn im Frühling.
In der Heimat meiner Seele angekommen bin ich,
Bin zu Hause. Niemand dort ficht eine Wahrheit aus. –
So hab' ich's geträumt. – Doch der Grund des Seienden:
Unverfüglich war er, bleibt er. - Jeder Kult verfügt …
Einigen von Euch habe ich zu danken für Kritik; einige von Euch haben mir eine gewisse Schärfe zu verzeihen. Darum bitte ich.
Ich habe mehr und anderes bearbeitet, als Euch gestört hat und als Ihr vorgeschlagen habt. Die Bearbeitung sucht und versucht durchgehend das Metrum des 6-hebigen Trochäus. Fehlerlos ist er nicht.
Die nächtliche Erfahrung war gut und intensiv. Ohne Eure Kritik hätte ich sie nicht machen können.
Mit Dank und Grüßen also: augustine
(Für Informationen empfehle ich: Gerhard Kurz, Macharten. Über Rhythmus, Reim, Stil und Vieldeutigkeit, Kleine Reihe VR, Göttingen 1999)

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arisia (Gast)
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Hi, Augustine,
schön, daß du dich dazu durchgerungen hast das Gedicht zu verändern, es ist viel stimmiger so, wie es jetzt ist.
Die Veränderung vom wollenen Mantel zum weißen Leinenkleid bestätigt gut die Dramatik der Situation. Das ist gut, und das wunderschöne "traumerlesen" ist gerettet. :)
Die letzten 1,5 Zeilen verstehe ich allerdings nicht richtig, aber das mag an mir liegen, vielleicht kommt es noch.
Eine Sache noch, 1. Strophe, 4. Vers, habe nochmal in schlauen Büchern nachgelese, man/frau darf durchaus das Metrum durchbrechen zum Behufe der Flüssigkeit des Textes.
Daher bin ich immer noch für :
"Ein grober wollner Mantel schützte mich"
Das Hilfsverb ist meiner Meinung nach für diesen Text viel zu schwach, und die Zeile zu holprig
liebe Grüße
arisia

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Elise
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Darf ich mich mit 3 kleinen Statements beteiligen:
- das Gedicht hat durch die Bearbeitung gewonnen
-"wollener (ja, besser als seidener) Mantel": ev. wäre "schützte mich" zu einengend von der Bedeutung her - "hatte ich um mich": da bleiben dem Mantel mehr|noch andere Funktionen. Deine Intention, augustine?
- die letzten anderthalb Zeilen: doch, doch, ich glaube sie wohl zu verstehen. Ich sage mal so: wenn das Gedicht ein Bild ist, dann wird in den letzten anderthalb Zeilen ein Stück von der Wand sichtbar, an der es hängt. Oder, womöglich auch als Chiffre zu verstehen: du sollst dir kein Bild machen .....
Viele Grüße, E.

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augustine²
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Dein Kommentar war meine Freude, Elise, als ich eben heimkam.
"Seide" passte nicht in den Nord-Süd-Gegensatz, der ja gemeint ist: Wolle für den Norden, Leinen für den Süden; daher bei der Wolle auch das "noch"; daher auch die Retardierung, vielleicht Angst, die sich in der Rast noch im Norden zeigt. -
Geträumt haben ist eins (z.B.: Seide); die eigene Wirklichkeit eines Gedichts zu gestalten versuchen - ein anderes. - Auch die letzten Zeilen hast Du in der Richtung verstanden, wie sie gemeint sind; kein Bildnis, also auch: kein Kultus, also AUSHALTEN, dass wir vom 'Grund' nichts wissen können; den Kultus (sofern er selbst tolerant ist, möchte ich hinzufügen) dennoch tolerieren. (In diesem Kontext wird Toleranz schwieriger, nicht leichter.)
Mit den letzten Zeilen wollte ich dem Gedicht auch den Ernst noch deutlicher einschreiben, den ich meine; jedenfalls keine Folklore. 'Heimat der Seele' wiederum ist trotzdem 'richtig' - aber das würde zu lang und wohl auch langweilig.
Dank und Gruß! a.

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