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Gretchen
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09.03.2010, 08:08 / 1 x geändert
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Bei der Beerdigung goß es wie aus Kübeln. Die Trauergäste sanken während der Ansprache des Pastors in den Morast - manche steckten knöcheltief im Lehm, hatten Mühe, den Friedhof zu verlassen, später. Aber dass SIE sich bewegte wie in Trance, lag natürlich nicht am Schlamm: Wer hätte gedacht, dass ein schlichtes Stück Seife schließlich bewirken würde, wonach SIE und Klausi seit Wochen vergeblich trachteten: IHN aus dem Weg zu räumen, um endlich frei füreinander zu sein!
SIE stieg zu Klaus ins Auto, holte das Seifenstückchen aus ihrer Handtasche, roch daran und flüsterte, die Augen gen Himmel gerichtet: "Perfekt inszeniert, DU! Danke!"
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Mein erster Drabble! Dank an Hohlbirne und den Kommandanten!
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ruelfig
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09.03.2010, 21:53 / 1 x geändert
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Gott wohnte eine Zeit lang über meinen Spiegeln. Dort quarzte er Havannas und schrieb mir kurze Seifenstückchengedichte. Ich haderte mit ihm bezüglich des Metrums und bezichtigte ihn des Hinkefußtums und einer gewissen Laxheit im metaphorischen Bereich. Er ejakulierte regelmäßig Flockenlocken in meinen Schmutzwäschebehälter. „Dies sei dir Rein“ erschien in Flammenschrift auf dem Display der Waschmaschine. Meine Nachbarn erwarben Nasenklammern.
Bald war ich gut im Hinken und begann, die falschen Götzen auszutreiben. Faules Volk verwest in hinterster Kommode. Doch denkt ihr auch, es wäre leicht, im Anstand zu bleiben, wenn alles verfällt, woran man nie geglaubt? Das ist es nicht.

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augustine
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09.03.2010, 22:24 / 1 x geändert
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Eignete sich, fand ich, für die Umarbeitung in ein Drabble.
Saß ich da vor einiger Zeit in der U-Bahn. Steigen zwei Penner ein, zerstruppte Haare, dreckige Jacken, unrasiert, Schweißgeruch verströmend. Einer setzt sich mir gegenüber, mit einem Hund, der andere an den Rand des anderen Vierers, also beide am Gang. Der bei mir steckt sich zum Gespräch mit dem Kumpel seine Ohrwürmer rein. Aber der steigt gleich wieder aus. Die falsche Bahn, sagt er. Hund, Schäfer, gepflegt ausschauend, sitzt manierlich zwischen dem Verbliebenen und mir. Dreht artig den Kopf zum Herrchen. Ich denke: will gestreichelt werden. Aber streckt seine Zunge heraus. Herrchen auch. Schlecken sich beide lange ab.
augustine

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zuppanova
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Wenn Elisabeth eines wusste, dann dies: Klaus würde die kapriziöse Mimi, die nun im Volvo neben ihm saß und Dankgebete raunend ein schmutziggraues Stück Seife beroch, auf Dauer nicht halten können. Klausi, diese Hohlbirne! Versprühte vor jedem Sprechakt praecocktisch sein subjektiv zusammengetextetes Eau de Parfüm und war danach so gefühlsfeucht zufrieden, dass einem das Distinktionsorgan beschlug, wenn man denn eines hatte (Mimi hatte!). Nein, das konnte nicht gutgeh'n.
Elisabeth klopfte Kubanerinnenasche auf Haffners Grabhügel und plötzlich, ganz plötzlich, wurde ihr mittendrin inbrünstig sentimental. Hugo Haffner! Der war ein Mann gewesen! Aufrecht! Standhaft! Stoßstark! Fünfmal konnte der, aber wie! - Scheiß Elefant!

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Hirsch
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12.03.2010, 10:15 / 1 x geändert
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Haffner hasste diesen Zustand erzwungener Untätigkeit. Er fühlte sich abgeschnitten vom Leben, isoliert, hoffnungslos, klaustrophobisch. Das Gefühl für Zeit war ihm abhanden gekommen in der feuchtkalten Dunkelheit seiner Eichenholzkiste, die so eng war, dass er sich nicht einmal eine anständige Erektion gönnen konnte. Schon die kleinste Erregung wurde schmerzhaft gedeckelt.
Also vermied er es, an Elisabeth zu denken, wie sie beispielsweise in Boxershorts bei ihrem Kosmetiktischchen stand und sich lasziv ihre prallen ... ach, nun dachte er doch an sie! Und wie! Kaum auszuhalten, diese körperwarmen Erinnerungen ... fast glaubte er, ihren Duft zu wittern: Kubanerin, Talkum, Vanille und Kirsch. - Scheiß Elefant!

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zuppanova
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Für Mimi war die Ehe mit dem krankhaft eifersüchtigen, tyrannischen, dabei schwer depressiven und latent suizidalen Gernot Wuttke, der sich nun auf einem Stückchen Seife so unverhofft den Hals gebrochen hatte, schon seit langem extrem unbefriedigend und belastend. Ein gewisser Ausgleich dazu war diese Affäre mit Klausi zwar gewesen, aber sollte sie nun den Rest ihres Lebens mit einem sprechenden Hohlkörper verbringen, einem substanzlosen Möchtegern, einem parfümierten Waschlappen? - "Nein! No way!" - schwor sie sich, glitzernden Auges von der Seite nach Klausi schielend, welcher - wie typisch! - schwächlich vorgebeugt den schwarzen Volvo lenkte.
"Alea jacta!" - zischte Mimi und biss kernig in die Seife.

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zuppanova
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"Hätt ich", ging es Haffnern durch den Kopf, "hätt ich nur hin und wieder einen Zombiefilm angesehen. Vielleicht wüsste ich dann, wie jetzt weiter."
Er fühlte sich ungewohnt ratlos, ja, überfordert von der Situation. So kannte er sich gar nicht. Was war nur los mit ihm? Was war geschehen? Erinnerungen stiegen ihm auf: Ein rasender Elefantenbulle mit wild schwingendem Rüssel, Schreie (seine eigenen?), Tumult, Sirenengeheul, dann Stimmen, "Puls null, EKG flach ...", schließlich ein unangenehm penetranter Dauerpiepton, so nachhaltig, dass er Tote wiedererwecken ---
Leutnant H. fuhr hoch, sprang aus dem Bett.
Verflixtnochmal, er hatte verschlafen! Die Beerdigung! Gernot! Jetzt aber hurry!

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