Drabbles! · Hohlbirne · ·


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      Hohlbirne



Drabbles!

   08.03.2010, 09:02



Das Stück abgegriffener Seife war vom Badewannenrand gerutscht, sich auf die Stelle vorarbeitend auf der in wenigen Sekunden sein Fuß landen wollte.
Als er seinen Schritt auf die drohende Gefahr zu tat bemerkte er das bevorstehende Unheil im letzten Moment und stieg darüber hinweg.
Ein Lächeln, kombiniert mit dem Blick des Glücklichen zum Himmel, zierte sein Gesicht.
Das dampfende Wasser kondensierte sofort am kalten Stahl des Messers, förderte zugleich die arterielle Durchblutung und trieb die Venen subkutan.
Im Badewasser breitete sich ein roter Ölteppich aus und er war froh, nicht aufgrund der Seife in eine sichere Querschnittslähmung gerutscht zu sein.



Die offene Schublade des Schuhschrankes stakte unschuldig in den Flur hervor. Sie verhielt sich ganz ruhig während der Wischmopp an ihr vorbei glitt. Der rechte Winkel idealisierte den formlosen Inhalt der kaum wahrnehmbar darin kauerte. Wieder pendelte das moderne Reinigungsgerät, von einem menschlichen Körper gefolgt, am geöffneten Schubladenrand vorbei. Gerade war das Paar Augen damit beschäftigt auf die geometrische Verformtheit des Schuhschrankes aufmerksam zu werden als an selbigen befestigte Füße das Ringen mit der Schwerkraft verloren. Eins der beiden Augen peilte unbewusst die oben erwähnte Kante an um sie mit hoher Geschwindigkeit wieder zu schließen. Leider ohne Aussicht auf Erfolg.



Die Loggia wurde von der aufkommenden Sonne aufgeheizt, wodurch das Sitzen des frisch leierten Pärchens zu einer angenehmen Sache ausartete. Nur von den quengelnden Vögeln gestört wägten sich die Beiden Liebenden in manischer Beduseltheit, die selbst von den störenden Sägegeräuschen des Brötchenschneidemessers kaum gestört wurden und schauten verliebt in die Oculi des Jeweiligen gegenüberschwärmenden. Kurz streiften sich zwei fremdzugehörige Hände um in unzensierter Ekstase auf Körperkartografie zu gehen. Als wäre erquickender Freude nicht genug zum Anlass gegeben schmeckte die Butter heute nicht ranzig weil sie frisch war. Nur der einstürzende Stützpfeiler der Loggia drückte die Stimmung der Anwesenden ins unermessliche.



meinungen?kritik?überlegungen?ratschläge?ängste?nöte?sorgen?
bin für alles offen

 

      HEXI 18



try troubles (drei drabbles)

   08.03.2010, 15:04



hi!

hab gehört, dass drabbles hypen zur zeit, jede/r will auch mal eines geschrieben haben.

das spannende am drabble ist ja: man muss sich
- beschränken (100 wörters) und trotzdem die sache so hinkriegen, dass
- lesegenuss vom ersten bis zum letzten wort entsteht; dass außerdem
- eine pointe da ist, ein finaler knaller; und dass schließlich insgesamt beim leser der eindruck entsteht, da sei
- kein wort zu viel, kein wort zu wenig und jedes perfekt am richtigen platz.

gezz wenn ich mir die drei hier angugg, denk ich so: okeeh, war auch mal nen versuch.

positiv ist doch, dass nicht für jedes drabble ein eigener faden aufgemacht wurde, sondern alle hier hübsch beinander liegen in ihren krankenbettchen; so kann man auch alle auf einmal verarzten.

das erste krankt an durchschaubarkeit. also, ich versteh's nicht. gut, ich bin nicht die hellste; kann sein, es liegt ganz an mir, aber menno, ich wüsste schon echt gern: wo kommt das messer so plötzlich her? wer sticht? der sprecher? oder wer anderes? und warum? unfall? selbstmord? absicht? schicksal? weil das nicht klar wird, funzt auch die pointe nicht. nur wenn der leserin die umstände klar sind, kann sie sich dieses müde good-will-lächeln in die fresse ziehen, diese grade noch eben vom gähnen zum grinsen verformte bewegung der mundpartie: mehr ist der prot-da, der sich - verblutend - glücklich schätzt, sicherer querschnittslähmung entgangen zu sein, nicht wert.

nummer zwei ist kanzerös. so sprachlich, mein ich. da soll mal so ein ganz anderer blickwinkel vorgeführt werden, so etwa: die perspektive der möbel und haushaltsgeräte, und der mensch ist nichts anderes als ein lose verbundenes körperteilekonglomerat oder auch eine wischmoppbedienende funktionseinheit, die sich dann zum schluss doch noch die fresse an der schublade polieren wird, hahaistdaslustig, soeingoldenerhumoraberauch ... und der ganze spaß in aberbloßnichtmehrals100wörter-schwurbelschachtelsätze gezwängt, die sich so krampfhaft bemühen, "lustig" zu sein, dass die leserin zehennägelkräuseln kriegt vor mitgefühl. und die sprache: immer knapp daneben (beispiel: "Eins der beiden Augen peilte unbewusst die oben erwähnte Kante an um sie mit hoher Geschwindigkeit wieder zu schließen." -> da stellt sich der satzbau selber ein bein; wer wird geschlossen? die kante? die augen?) ...

über das dritte trouble kann man alles sagen, was über eins und zwei gesagt wurde. die mangelnde gedankliche originalität soll ausgeglichen werden durch "sprachwitz" (das ist prinzipiell schon in ordnung, nur können muss man's halt), was aber nicht gelingt, so dass der stil blütet, blutet, blödet, ödet. anödet: die leserin. unerheitertes kopfschütteln.

da ist 0 lesegenuss vom ersten bis zum letzten.



HEXI 18



Es ist tatsächlich nicht einzusehen, warum nicht ein Gedanke
die Attraktivität von Titten einer 19-Jährigen haben sollte, an die man gerne fasst.
(Rolf Dieter Brinkmann, ACID)

 

      gregor libkowsky



Hoffnungslos

   08.03.2010, 23:02 / 4 x geändert



Ein Alptraum, das ist alles nicht wahr, denkt sie. Wie er da lag mit gebrochenem Blick. Was für ein Alptraum. Mechanisch wiederholt sich das Wort in ihrem Kopf, während sie die weiße Pendeltür keinen Moment aus den Augen lässt. Wellenartig spült die Verzweiflung Tränen über ihr Gesicht. Jede Öffnung der Tür ein angstvolles Aufschrecken und das Gefühl, ihre Gedanken zerrten an ihrem rohen Fleisch, auf dass ihr Körper von innen her auseinanderbreche. Und plötzlich wieder das Geräusch eines Krankenbettes, noch hinter der Tür, doch schnell sich nähernd. Schon spricht der Arzt, traurig und müde: Wir kamen zu spät. Ein Drabble.

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Hatte nur Zeit für hundert Worte, bin momentan im Manöver, bitte dies zu entschuldigen. Jedoch Sie, Hohlbirne, sollten sich nicht in das Hundertwortekorsett hineinzwängen. Versuchen Sie doch vielleicht den Kerngedanken der ersten Hundertworte zu behalten und ihm in einer Geschichte Platz zu geben (ein zwanghafter Selbstmörder, die Gefahren auf dem Weg zum selbstbestimmten Suizid, die Grenzen der Selbstbestimmung, die Macht des Zufalles). Ohne den Zwang der Form gelänge es vielleicht auch das krampfhaft Bemühte des Textes zu glätten.
Ansonsten siehe oben Hexi 18 - in allen Punkten Übereinstimmung.

Gregor Libkowsky (z.Zt. im Manöver)

 

      Hohlbirne²



Hoffnungslos

   09.03.2010, 06:11



vielen dank.
die kritik hat mir sehr geholfen. ein arschtritt ist immerhin auch eine art voran zu kommen.

 

      Gretchen



Gott ist so groß in 100 Worten!

   09.03.2010, 08:07 / 1 x geändert



also, diese idee mit dem zwanghaften selbstmörder und der seife find ich schon ganz knuffig, aber was die sprachliche umsetzung und formale darbietung angeht, muss ich mich doch hexi18 und gregor anschließen.

ich selbst, omg, happ noch nie ein drabble geschrieben, hab das gezz aber gemacht, weil mein kommandant sagt, zu jedem ordentlichen manöver gehört mindestens ein sonn' teil, deshalb ... -> da, da hab ich's abgelegt, trägt den titel "Gott ist so groß in hundert Worten!", ist gestern in der nachmittagsmanöverpause entstanden, ganz spontan, weil, der kaffee, den die marketenderInnen von der Nashi And More ausschenkten, der schmeckte so nach seife, deshalb ...



Pegagrüße ... ... ...




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