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      Deutschflüster



Fernseher kaputt

   26.02.2010, 09:06



_________________________________________________________

Edit 25.07.2010

- Faden von *.TXT nach Entwürfe verschoben - Elise
_________________________________________________________


Natürlich soll es Leute geben, die gar keinen Fernsehapparat besitzen, aber persönlich habe ich noch nie jemanden kennen gelernt. Vielleicht können die Leute ja lesen, oder lösen gerne Kreuzworträtsel, oder meiden die Stromkosten eines TV-Gerätes, um mit dem Ersparten in Urlaub zu fliegen.

Allein an der Stehweise des Inventars lässt sich der Platz eines Fernsehers ausmachen. Strahlenförmig treffen unsichtbare Linien direkt auf die Mattscheibe. Die Sitzposition des Hausherren ist allen anderen voran am deutlichsten zu erkennen. Ohne sich zu verrenken erreicht er mühelos die Fernbedienung, die Schale mit den Salzstangen und das Knie seiner Frau, nebst der verdienten Pulle Bier.

Und so kommt er wie an Tausend anderen Tagen völlig abgespannt nach Hause und sehnt sich in seinen ach so gemütlichen Sessel, greift wie paralysiert zur Fernbedienung und... nichts passiert. Hektisch wird es jetzt. Die Fernbedienung wird in der Hand gewogen. Sollte sich jemand erdreisten, die Batterien für den MP3-Player entwendet zu haben? Nein. Alle da.

Warum immer ich?

Das Gezeter geht los. „Wer hat am Fernseher rumgespielt? Betroffene Gesichter machen die Runde, doch niemand bekennt sich schuldig, im Sinne der Anklage. Nun kommt der Fachmann in Person des Hausherrn dran. Mit herabgesenktem Blick geht man auf das Gerät zu, als wolle man ihm drohen und zur Einsicht bewegen. Der Apparat ist davon eher weniger beeindruckt.

Einen Schlag mit der flachen Hand oben drauf, einen links und einen rechts, aber der Fernseher ignoriert die sportiven Motivationen und bleibt stumm, wie auch bildlos. „Der ist kaputt“, hört man deutlich aus dem Munde des Gefrusteten. „Und jetzt...?“ fügt er noch hinzu, bloß um die Frage gestellt zu haben, denn eigentlich ist sie völlig bedeutungslos.

„Wir könnten ja mal was spielen“, wirft die Dame des Hauses ein. „Mensch ärgere dich nicht“ bestimmt..., fügt der mit knallrotem Kopf bewaffnete Gatte hinzu. „Und wenn wir uns mal einfach nur unterhalten?“ meint die Große. Unterhalten ist so eine Sache. Worüber bloß und warum genau dann, wenn die Flimmerkiste ihren Geist aufgibt?!

Alternativen als Ausgleich gesucht.

Welches Unterhaltungsthema könnte jetzt so spannend sein, wie das laufende TV-Programm, ganz egal welcher Sender. Auch schaut man in dieser Situation keinesfalls in die Zeitung. Womöglich läuft gerade etwas von epochaler Wichtigkeit und man würde es glatt verpassen.

War heute das Pokalendspiel, wird einer aus dem Container geworfen, oder stehen Wahlen an? Könnte man zum Nachbarn gehen und dort fernsehen? Nein, der wartet noch auf seinen Rasenmäher und ist bestimmt sauer, weil man vergaß ihn zurückzugeben, seit drei Jahren.

Vielleicht lässt er sich mit einem Bierchen bezirzen...? Ach was. Man kann den Trottel eh nicht leiden und seiner Frau wächst ein Damenbart. Den Rasenmäher bringt man ihm zurück. Im Herbst. Wann sonst. Aber was ist mit dem leidigen Fernseher? Der ist immer noch hinüber.

Kein Bild kein Ton, ich komme schon...

Natürlich, das ist es. Ein Service muss her und zwar flott. „Wo zum Geier ist die Tageszeitung?“ herrscht es in die Ohren der familiären Mitbewohner. „Wir bekommen doch gar keine Zeitung, seit wir vor acht Jahren umgezogen sind“ meint die Frau. „Dann ruf die Auskunft an, die wissen das!“ grölt der Gestörte weiter.

Ja, man wird zum Nägelbeißer, ließ man diese Unart als Kind doch irgendwann sausen. Doch nun holt es einen wieder ein. Die 45 Minuten Wartezeit auf den Servicemann können ganz schön lang werden. Und erst die Kosten. Die liegen einem jetzt schon wie ein Amboss im Magen. Da sind die Löhne eines Gehirnchirurgen glatt Dreck dagegen.

Anfahrt, Abfahrt und die Reparatur vor allem. Was das wieder kosten wird. Den Urlaub kann man getrost knicken. Es klingelt. Das muss er sein, der Mann vom Sofort-Service, was auch immer die unter dem Wort „sofort“ verstehen. Egal. Rein in die Gute Stube mit ihm.

Wo steht denn der Patient?

„Na?“ fragt der Graubekittelte, „was hat er denn?“ „Er macht keinen Mucks mehr“ klingt es unisono. „Dann schau’n wir mal“ tröstet der schraubenzieherschwingende Servicefuchs. Wichtig stellt er seinen Werkzeugkoffer neben den Schrank, auf dem der „Stumme“ ruht und blickt zunächst einmal um das Gerät herum.

Serviceleute und Ärzte sprechen generell im Plural. Wie es uns geht, will ein Arzt wissen. Auch ein Service’ler spricht in der Mehrzahl. Sogar mit Geräten, die vermeintlich defekt sind und gar nicht antworten könnten, so gerne sie es auch wollten, einen intakten Lautsprecher vorausgesetzt.

„Funktioniert das Gerät mit Sonnenenergie?“ fragt er scheinheilig. „Nö“ erwidert der Hausherr mit dem technischen Verständnis eines Sauriers, „ganz normal mit Strom...!“ Nun setzt unser überstundenhungrige Servicefreund noch einen drauf und meint: „warum stecken Sie dann das Kabel nicht in die Steckdose...?“ „Äh, ja – weil...“ stammelt die Frau, „weil ich am Mittag gesaugt hatte und immer diese Steckdose benutze... aber noch nie vergaß...“

 

      augustine



Fernseher kaputt

   26.02.2010, 15:44 / 2 x geändert



Wären Sie doch da geblieben, wohin Sie sich geschmissen haben, Herr Lügner Welte.
augustine

Man vergleiche dies hier, 26.2., 15.05.

 

      Pegamund



alle achtung!

   26.02.2010, 17:57 / 3 x geändert



boar, klasse, den text hier kann man als brave soldatin
monatelang umzingeln, ohne dass der witz raus kommt ...


pegagrüße

Nah ist
Und schwer zu fassen der Gott.

... ... ...

Wo aber Gefahr ist, wächst
Das Rettende auch ...

(Friedrich Hölderlin, Patmos)



________________________________________________

edit:
Fernseher aus von Bernhard Welte ist aber auch sehr fein!
Vivat!

 

      Datura



Fernseher kaputt

   26.02.2010, 18:29



haben sich da zwei gefunden, die eines Geistes sind, oder sind das wieder Selbstgespräche, die da jemand führt?
hab grad ´n dejavü oder so^^

Datura

 

      augustine



Weltescher Personenwechsel

   26.02.2010, 18:33 / 3 x geändert



Zeitenwechsel 14.10.2009, 12:12

Sprießen und Reifen in der Natur. Frühling und Sommer des Jahres,
beschenkt und betört meine Sinne.
Nach vorher kargen Monaten der Winterskälte und leblos scheinenden Natur.
Neues wird sich zeigen nach jedem Ende.

Es gibt kein bleibendes Ende, nur Wandlung von gewohntem und Vertrautem Sein.
Zeitenwechsel im Jahreszyklus von Frühling, Sommer, Herbst und Winter.
Deutlich erkennbar spüre ich den Zykluswechsel zwischen Sommer und Herbst.
Die Wärme des Tages reicht nicht mehr für lauschig wärmende Nächte unterm
Sternenhimmel.

Die Tage werden spürbar kürzer und die Dunkelheit bekommt mehr Zeit für sich.
Erinnerungen an gerad Vergangenem, lassen das Herz erwärmen.
Blätter färben sich in vielerlei Farben, vom gewohnten Grün
ist nur noch wenig geblieben.

Den Sonnenschirm bereits verstaut auf dem Dachboden.
Jeder Sonnenstrahl wird jetzt ungefiltert aufgesogen.
Vorbei die Frühstückmorgende genießend im Garten.
Die Sommerdekoration wird verschiedentlich verstaut, an so manchem Orte.
Die Aufenthalte im Freien sind nicht mehr selbstverständlich und oft.
Gefühle von Umbruch und Begrenzung bahnen sich den Weg
in dieser Herbstest Zeit.

Und doch kein Grund zur Trübsal, denn Erntedank sei gefeiert in dieser Zeit.
So bleibt die Vorfreude auf ein neues Erblühen der Natur.
Sei geduldig und dankbar für Erlebtes und für´s Sein.
Herbst sei uns willkommen.
.

Das war "autor*****". Mein Herr, Sie haben vergessen, uns ein Wintergedicht zukommen zu lassen.

augustine

 

      Pegamund



auweiaaberauch!

   26.02.2010, 18:49



aye, Datura, dass du nicht schreiben kannst, ist schon sehr traurig.
aber dass du kein rezeptionsorgan für ironische töne zu haben
scheinst, das ist noch vielviel trauriger.

weinend: Pegamund


Nah ist
Und schwer zu fassen der Gott.

... ... ...

Wo aber Gefahr ist, wächst
Das Rettende auch ...

(Friedrich Hölderlin, Patmos)

 

      Datura



auweiaaberauch!

   26.02.2010, 19:06 / 1 x geändert



liebe Hexi, Pegamund und Gretchen un alle,
du warst garnetmeint, sondern der kluge Herr Welte.... und Ironie , die kann ich schon detektieren, mit dem Gerät aus Golgostan, dem grzdrtiu, weissu, und dass ich net schreiben kann, isschon traurig genug, oda?

gaaanz tief enttteuscht
Datura




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