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Datura
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23.02.2010, 12:44 / 2 x geändert
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Was Schicht um Schicht---
getreten in die Tiefe meines Schattensees
der trüber, eis´ger Spiegel mir geworden
aus täglich abgestreiften Häuten
meines Anzugs,
den ich abends dorthin lege
um Tritt zu fassen
am Morgen
----nun auftaut
freigibt
fließt
ist das Frühling?
(die schönen Kröten am Grunde dürfen dort bleiben)
Datura
geändert:
Was Schicht um Schicht
getreten in die Tiefe meines Schattensees
der trüber, eis´ger Spiegel mir geworden
aus täglich abgestreiften Häuten
meines Anzugs,
den ich abends dorthin lege
um Tritt zu fassen
am Morgen
nun auftaut
freigibt
fließen lässt
ist das der Frühling?

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augustine
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26.02.2010, 00:52 / 1 x geändert
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Hallo, Datura -
1) Es gibt einen (Frage-) Hauptsatz:
Was Schicht um Schicht---
nun auftaut
freigibt
fließt
[...]
ist das der Frühling? ("was"=das, was]
Den halte ich so für problematisch, weil die Sperrung sehr (zu) groß ist.
2) Die Reihung der drei Verben, die man sogar als Klimax lesen kann, in drei Zeilen finde ich gut. Nicht gut: auftaut und fließt sind intransitiv, freigibt nicht, sondern transitiv; das reibt sich.
3) Den HS sperrst du mit einer Partizipialkonstruktion; da ist etwas 'Getretenes'; aber ich wüsste schon gern: wer hat getreten?
4) problematisch, sehr problematisch die Metaphorik:
a) Schattensee - irgendwo im Ich, soll seelische Problematik (~Winterdepression oder so?) angedeutet werden? - dafür spräche die nächste Zeile
b) täglich abgestreifte[] Häute[n]
meines Anzugs - ja, was ist das? wieso bilden abends abgelegte Anzüge Schichten und wo?
c) dorthin - wohin?
d) Genitivmetaphern solltest du dir eine Weile verbieten; mit denen nämlich kann man alles mit allem scheintiefsinnig verbinden
5) Zeichensetzung!!
6) Gedankenführung: zuerst müsstest du dir drüber klar werden, was eigentlich die Empfindung/der Gedanke sein soll/ist; dann: ob ein Bild, das dir eingefallen ist, trägt. Das bedeutet: Einfälle notieren, ergänzen, aber auch wieder: liegen lassen, um Distanz zu gewinnen; evtl.: verwerfen; evtl. bearbeiten.
Die Schlußfrage wirkt - auf mich - unfreiwillig komisch. (Ich hab' irgendeinen Rhythmus im Ohr, komm' aber nicht drauf.)
Das erste Gedicht, was du hier gezeigt hast, fand ich besser. Weitermachen solltest du, aber immer deine erste Kritikerin sein.
Gruß augustine
Vielleicht kannst du ja aus dem Faden was entnehmen.

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HEXI 18
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26.02.2010, 08:01 / 1 x geändert
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schattensee. schattensee klingt spannend. so wie silbersee. schatz im silbersee, aber eben der gegenentwurf, das gerade nicht-silberne, die dunkle seite der macht sozusagen, der seelische abgrund, lichtlos, dunkel, mysteriös, ungelüftet, verloren, verborgen und abseits aller bewusstseinsdurchhellung.
auf jeden fall zieht dieser schattensee mich (als leserin) sofort rein ins gedicht und runter, weil, ja, nun ja, weil da was hoch quillt aus einer tiefe, wie nur wenige sie erreichen!
die syntax ist ziemlich artistisch, also, dieser fragehauptsatz geht, wie von meiner vorrednerin bereits ausgeführt, so dermaßen in den spagat, dass er beinahe blutet.
das, was dazwischen steckt, zwischen den spagatschenkeln, besteht aus einer pradamäßig eleganten partizipialkonstruktion, an die ein relativsatz drangehängt ist, an den dann wieder ein relativsatz drangehängt ist, an dem dann noch ein finalschwänzchen klebt, also, konkreter: dieser schattensee, in dessen tiefe was getreten wurde, irgendwie von irgendwem aus irgendeinem wahrscheinlich ganz nichtigen oder auch ganz gewichtigen anlass, das weiß man leider nicht so genau, da ist man auf's pure spekulieren verwiesen, also, - mhh, was wollt ich denn gleich nochmal gesagt haben? ach so, ja - mhh, dieser schattensee, der schattensee, der ist, in schichten getreten, ein erstens trüber und zweitens eis'ger spiegel geworden - naja. ein unglück kommt selten allein! - also, schattensee => trüb, eis'g => spiegel, welcher nun aber aus nichts anderem als den täglich abgestreiften häuten des anzugs des lyrichs besteht, häute eines anzugs? anzugshäute? anzug von heute? egal, anzug oder haut eben, den oder die das lyrich abends dorthin legt an die ufer des schattensees oder vielleicht sogar in den schattensee hinein, oder womöglich tritt das lyrich selbst die täglich abgestreiften anzugshäute in den schattensee, wo sie dann, wie gesagt, aufgrund nicht weiter beschriebener transformationsprozesse erst zu schichten und schließlich zu einem trüben und eis'gen spiegel werden, damit, wenn der frühling kommt - wenn es denn der frühling ist? genau das, ob es der frühling sei, ist ja doch der POI, auf den der text so zielstrebig hinarbeitet - damit die ... äh - haut oder häute des anzugs, der heutige anzug, getreten in die tiefe des schattensees, andererseits aber auch dorthin gelegt, nein, wahrscheinlich eben nur scheinbar dorthin gelegt, um den leser zu narren, zu verwirren, auf eine falsche fährte zu locken und die sache noch spannender zu machen, in wirklichkeit aber wurden die häute des anzugs getreten zu schichten, täglich abends, und zwar nicht aus jux und dollerei, sondern um tritt zu fassen am morgen, und auch, damit überhaupt im gedicht etwas auftauen, freigeben und fließen kann. genau.
okeeh, so hab's ich jedenfalls verstanden. keine ahnung, ob es auch so gemeint war ...
das mit dem anzug ist vielleicht bisschen verwirrend, aber der rest, dieses
auftaut
freigibt
fließt
ist das frühling?
kommt sehr verständlich rüber, ist außerdem so originell und knuffig vertüchtet, dass die in den vorangehenden zeilen angerichtete leserinnenverstörung mehr als wieder gut gemacht wird, und deshalb würd ich da überhaupt nirgendwo nie nix dran ändern an dem gedicht oder verbessern, nein, ich finde, das ist ein wurf aus einem guss und sollte genau so authentisch stehen bleiben für die ewigkeit.
bis auf die kröten am grunde vielleicht. die könnte man streichen. ersatzlos.
denn die bringen sowieso nix.
... ... grüße ;) vom hexi

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Datura²
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26.02.2010, 08:34 / 1 x geändert
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Hi augustine,
danke für deine konstruktive Kritik. Den Fragesatz am Schluss finde ich stilistisch gesehen auch etwas misslungen, im Nachhinein.
Der See ist, wie du schon annimmst, das Unterbewußtes, das Verdrängte ( das z.B.bewußt "weggetretene" ) Gefühle enthält, aber auch die "Verkrustungen", die täglich enstehen, weil ich mit genormten Verhalten funktioniere, in dem ich eine Larve / Maske trage, die das Ich verbirgt.
Diese Anzug = Funktion sichert ( trittfassen) aber auch das (Über)leben in der Gesellschaft, die bestimmte Formen des Verhaltens abfordert.
Das Bild des Auftauens wählte ich, in Anlehnung an das, was uns gerade die Natur zeigt: das Bloßlegen von Abgestorbenem, unter dem neues Leben keimt.
Was da fliesst sind Gefühle, Erinnerungen.. Auflösung von Verkrustungen, aber auch mit einer Frage am Ende, ob das ein Neubeginn sein kann.
Den " Spagat", der vielleicht das Gedicht strapaziert, ist auch ein Hinweis auf einen Gedankenfluss
(Tauwettergedanken)
Übrigens muss der Text nicht autobiographisch verstanden werden.
Ich "feile" nochmal...
LG
Datura
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Hi Hexi,
danke für deine tiefgründelnden Überlegenungen, sie treffen eig ganz gut ,was ich ausdrücken wollte
( s.o. ). Nur weiss ich bei dir immer net sogenau, ob du eig mich net ein bissl verarschen willst, nimms mir net übel :). So z. B das "Lob" für den Schluss...hmmmm...das ist doch Ironie, oder sogar Häme mal wieder ?? naja ...kannst wohl net anders ...
übrigens die Kröten im See find ich so wertvoll, mit ihrem Edelstein ( vl verzaubern sie ja meine Dichterzunge zu etwas Besserem?)...
die hab ich auch extra für dich da im See gelassen
liebe Grüße
datura
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--- Edit 28.02.2010: Einzelbeiträge zusammengefügt. Elise ---
Hallo Datura, antworte in Zukunft bitte auf die Zuschriften verschiedener KommentatorInnen in einem Post. Du kannst in einem einzigen Beitrag der Reihe nach alle mit Namen ansprechen oder auch die [quote]-Funktion benutzen, um Dich zu den Bemerkungen verschiedener Mitglieder zu äußern. Elise

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