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        arisia
        (Gast)

Liebe

   21.06.2006, 17:33 / 1 x geändert



Liebe

einer willigen Welle gleich
kam die Liebe
und schmiegte sich sacht
zu meinen Füßen
in den Sand der Zeit

"Laß mich ein,"
bat sie,
"daß ich Dich durchscheine
und sichtbar werde
dem Geliebten."

 

      Jolante



RE: Liebe

   28.06.2006, 18:21 / 1 x geändert



Hallo, arisia,

den Anfang find ich wunderbar: "Einer willigen Welle gleich kam die Liebe und schmiegte sich sacht zu meinen Füßen in den Sand der Zeit". Ein schönes Bild, in das ich gleich hineingezogen wurde. Bei der 2. Strophe irritiert es mich, dass du nicht im Bild der Welle geblieben bist, sondern schreibst: ".....dass ich dich durchscheine". Klar, das bezieht sich auf die Liebe. Sie ist es, die es sagt, aber sie kam schließlich als Welle, die nicht durchscheinen kann, .. vielleicht durchrieseln, wie es auch der Sand der Zeit könnte. Aber selbst, wenn du an "durchscheinen" festhalten willst, wofür es sicher nachvollziehbare Gründe gibt, weil es die Sichtbarmachung der Liebe ausdrückt, so fehlt mir doch etwas in diesem Gedicht, ich weiß selbst nicht was, vielleicht ein stärkerer Schlussakkord ? Ich habe einfach noch Lust auf mehr !

Liebe Grüße
Jolante

 
        arisia
        (Gast)

RE: Liebe

   29.06.2006, 13:32 / 1 x geändert



Hi, Jolante,

13 Uhr
habe den ganzen gestrigen Abend und heute morgen im Garten versucht an dem Gedicht weiterzuschreiben, da ist nichts zu machen, nichts passt.
Das mit der Welle ist nur eine Vergleich, sie, die Liebe kam gleich einer Welle, wie sie sich dann darstellt ist Sache der Liebe, was soll ich machen, wenn sie mich dann durchscheinen will? :)
Alles, was ich versucht habe zu Papier zu bringen, war viel zu schwach gegenüber dem, wie es jetzt ist.
Das ganze Gedicht ist ja auch nur eine Ahnung von etwas, auch nur eine eher geahnte Handlung. Wenn ich es jetzt fortführen würde, ich hatte da schon ein paar Ideen, dann müßte ich ins Handeln gehen, das wäre viel zu grob.
Ich denke, ich schreibe besser ein neues Gedicht .
13:20 Uhr
Hm, jetzt gerade ist mir eine Idee gekommen, bin aber nicht ganz glücklich damit, ob ich es überhaupt fortsetzen soll, oder ob es einer Fortsetzng bedarf.
Hier das Ergebnis:

einer willigen Welle gleich
kam die Liebe
und schmiegte sich sacht
zu meinen Füßen
in den Sand der Zeit

"Laß mich ein,"
bat sie,
"daß ich Dich durchscheine
und sichtbar werde
dem Geliebten."

einer willigen Welle gleich
kam die Liebe
wogte weich zu mir herein
durchschimmert mich bis heute
mit ihrem sanften Schein.

arisia erschöpft
lg
wäre schön, wenn ich ein paar Kommentare dazu bekäme, bin mir doch sehr unsicher :)

 

      Jolante



RE: Liebe

   30.06.2006, 12:30



Nein, arisia, ich nehme alles zurück. Das Gedicht ist meines Erachtens besser ohne die neu hinzugefügte Strophe. Aber es ist trotzdem immer gut, nachzudenken und auszuprobieren. Nee, lass es nur so, wie es ist, auch Kritik will gelernt sein, und ich bin immer gerne bereit, zu hinterfragen und hinzu zu lernen.

LG Jolante

 

      augustine



RE: Liebe

   01.07.2006, 03:05 / 3 x geändert



Der alte Wagner wusste sehr wohl, natürlich, was die Wogen der Rheintöchter bedeuten sollten: "traulich und treu ists nur in der Tiefe" (auswendig, daher vielleicht fehlerhaft zitiert). Allitterationsreime haben es manchmal schwer, nicht ins Komische zu verfallen.
"willige welle" hat bei mir 2 Assoziationen ausgelöst:
1) die Koalition "der Willigen", die US-Bush gegen den Irak lügerisch zusammenbrachte; das Wort hat dadurch eine politische Konnotation bekommen, die man nicht außer Acht lassen darf, wie ich finde
2) die Metapher an sich ist aber schon nicht stimmig: Wellen, wie jeder Blick aufs Meer demonstriert, sind alles andere alsd 'willig', sind nicht lenkbar;
außerdem:
3) Liebe ist nicht lenkbar, an sich nicht, wie das Leben lehrt (wenn ich so sagen darf), und nicht in diesem widersinnigen Vergleich
4) angeblich schmiegt sie sich sacht zu Füßen (warum dorthin, wenn überhaupt sie sich sollte schmiegen können? ist sie nicht eine so gewaltige Macht, dass sie sich gerade nicht 'schmiegt'?)
5) "Sand der Zeit" - eine abgenudelte Metapher
Pardon und nicht Pardon fürs Folgende: Dein Gedicht halte ich für Edelkitsch.
augustine

 
        arisia
        (Gast)

RE: Liebe

   01.07.2006, 08:40 / 3 x geändert



Hi, Augustine

1. die Wagner'schen Wogen gehen mir ziemlich an etwas vorbei, - vielleicht war er nie in der Bretagne, - da ich meine eigenen Erfahrungen mit Wogen und Wellen habe.
2. Das Gedicht ist lange vor Georgies Busch Amtsantritt geschrieben worden, ergo konnte da noch keine Assoziation bestehen, es darf ja auch jede und jeder ihre/seine Assoziationen haben, das liegt nicht in den Händen der Schreibenden, des Schreibenden.
3. Ich kann mich nicht daran erinnern, von einer gelenkten Welle geschrieben zu haben, sondern von einer willigen, aus eigenem Antrieb kommenden, eigen willigen, die eher mich lenkt. Ich glaube, da hast Du etwas falsch gelesen.
4. Stell dir mal einen kleinen flachen Sandstrand vor, - das gibt es in der Bretagne, sogenannte Taschentuchstrände - ruhiges Wetter, warm. hinter dir roter Felsen, in dessen verwittertem Sand du stehst, Sand den die Zeit aus diesem Felsen erodiert hat. Da hast du den Sand der Zeit.
5. Wohin sollte sich eine Welle wohl sonst schmiegen, als zu den Füßen, schließlich leben wir hier auf dieser Welt unter den Gesetzen der Schwerkraft, und kleine Wellen, die sanft den Strand heraufgleiten, können durchaus den Eindruck erwecken sich an Füße zu schmiegen.
6. Eben diese nicht Lenkbarkeit der Liebe, sondern ihr Handeln nach eigenen Gesetzen, ist ja in iher Bitte zum Ausdruck gebracht.
7. Die zuletzt geschriebene Strophe bleibt auch weg, habe sie nur geschrieben, weil Jolante gerne mehr davon wollte; sie würde die leichte Ahnung einer Anhnung der beiden anderen Strophen zerstören. Habe sie aber erstmal so stehen lassen um auch aufzuzeigen, wie ein Gedicht kaputt gemacht werden kann.
8. Jedes Erleben von Liebe ist individuell, sogar so individuell, daß Liebe je nach Partner immer in anderem Gewand erscheint. Eben nicht lenkbar.
9. Ich halte dieses Gedicht für ein zauberhaftes kleine Liebesgedicht, aber jedem Leser und jeder Leserin stehen selbstverständlich ihre eigenen Meinungen und Assoziationen zu. Dafür sind Gedichte da.

lg
Arisia

PS: Was ich ja gar nicht verstehe ist, warum Du, wenn Du Kritik ausübst der Text plötzlich jeglicher freundlichen Anrede und Abschlusses entbehrt. Das ist hier doch kein Duell? Oder habe ich da was falsch verstanden?

 

      Werner



RE: Liebe

   23.08.2006, 10:17 / 3 x geändert



Hi Arisia,

natürlich kann eine Welle nicht wollen, aber Du hast recht, wie ich finde - sie kann einem, da sie einem s o begegnet, wie Du es weiter oben beschrieben hast, wie willig erscheinen, anschmiegsam und warm... Das Röslein auf der Heiden kann ja in Wahrheit auch nicht sprechen! Und dennoch... Sie kam D e i n e m Empfinden eben gefällig daher, sie, d i e s e Welle, wie willig - und Liebe k a n n durchaus gefällig sein w o l l e n , auch wenn man dieses Wollen, das sie in ihrem Wesen(auch) ausmacht, nicht lenken kann! In der Regel widerfährt einem das Wollen auch der Liebe als das, was es nun mal ist, wodurch immer es auch wurde. Und ein Wellenspiel am Strand k a n n einem auf vergleichbare Weise widerfahren! Sind wir Menschen, obwohl wir wollen und gerade auch i n unserem Wollen nicht oft auch Getriebene? Woher kommen die Stürme, die manchmal in uns toben? Woher kommt die Liebe, die in uns strömt mit dem, was sie w i l l ?
Und auch klanglich so schön, wie ich meine: "wie eine willige Welle"!

Dass eine Welle aber aus sich heraus nicht leuchten kann, wenn sie nicht wie ein Spiegel beschienen wird, könnte als Problem in Deinem Gedicht aufgefaßt werden. Da kommmt eher etwas Unstimmigkeit auf. Aber dies stellt in meinen Augen kein Problem dar, denn - es geht um die L i e b e , die nun erscheinen will, die nur a u c h wie eine Welle ist. Man beachte in diesem Zusammenhang auch
den Welle-Teilchen-Dualismus in der Physik!

Ich hätte das Gedicht so oder ähnlich geschrieben, wenn es m i r in den Sinn gekommen w ä r e :

einer willigen welle gleich
kam liebe
und schmiegte sich sacht
um meine füße
in den sand der zeit

laß mich ein,
bat sie weich,
daß ich dich wie
Sonnenlicht durchscheine
und sichtbar werde
dem geliebten

oder: laß mich ein,
bat sie weich,
daß ich dich wie
Sonnenlicht / Morgenrot / Abendrot durchflute
und sichtbar werde
dem geliebten

Ich weiß nur nicht, ob der Inhalt, den Du zum Ausdruck bringen wolltest, damit noch ohne Akzentverschiebung getroffen ist...

l.g.
Werner

 
        arisia
        (Gast)

RE: Liebe

   25.08.2006, 11:28



hi, Werner,

schön, daß die das kleine Gedichtchen gefällt. Es ist aber nicht ganz so einfach gestrickt, wie es aussehen mag. Deshalb schmiegt sich die Welle der Liebe nicht "um" meine Füße, sie will mich ja nicht fesseln, sie schmiegt sich "zu" meinen Füßen, sagt erst mal hallo, da bin ich.
Und das Durchscheinen ist absichtlich ohne "Wie" Vergleich, die machen sich selten gut im Gedicht, wie auch in der Prosa.
Nein, die Liebe kann schon ganz selbstständig einen Menschen durchscheinen, nur aus ihrer eigenen Kraft heraus.
Wenn wir Menschen die frisch verliebt sind, oder auch solche, die immer noch in ihrer Liebe leben beobachten, dann erkennen wir dieses "Durchscheinen", solche Menschen strahlen eine ganz besondere Energie aus, die keinen Vergleich mit anderen Naturerscheinungen nötig hat. Ich habe jedenfalls solche Phänomene schon beobachten können, daß jemand plötzlich, von Liebe oder Erkenntnis durchdrungen aufleuchtet.

lg
arisia

 

      Werner



RE: Liebe

   25.08.2006, 12:32 / 4 x geändert



Hi arisia,

ja, natürlich, Liebe leuchtet aus eigener Kraft, sie ist etwas grundsätzlich anderes als Licht. Aber "leuchtet" sie dann? "Strahlt" sie dann? Wir vergleichen, verdeutlichen, beschreiben sie oder ihre Wirkung auf oder in uns doch gerade dann gerne mit etwas besonders Schönem aus der sichtbaren oder hörbaren Wirklichkeitsebene, w i e etwa der Sonne, wenn ihre (der Liebe) Kraft und Reinheit besonders intensiv von uns erlebt wird.
Ich weiß wirklich nicht, warum es eine ausgemachte Sache zu sein scheint, daß sich das Wörtlein WIE, besonders in lyrischen Texten, "oft nicht besonders gut macht" (aubgesehen von Texten, in denen es z u häufig und vielleicht zu ungeschickt oder nur als Füllwort verwendet wird). Ist das nicht eher eine subjektive Angelegenheit? Du selbst schreibst: " Einer willigen Welle "GLEICH" kam die Liebe..." Ist das in unserem Zusammenhang nicht unter der Hand dasselbe (trotz des Unterschiedes in der Bedeutung der Begriffe Identität und Gleichheit), als würde man ein WIE verwenden - auch wenn es, da allgemein seltener im Gebrauch, vielleicht etwas anspruchsvoller klingt? Wir VERGLEICHEN etwas, es ist etwas WIE... Wenn sicherlich, streng genommen, auch nicht in jeder Hinsicht.

Liebe strahlt. Liebe strahlt sonnengleich. Liebe strahlt gleich einer Sonne. Liebe strahlt wie eine Sonne. Bitte, erkläre mir den Unterschied in der Bedeutung, nicht nur den klanglichen.

Den Bedeutungsunterschied zwischen "schmiegte sich um meine Füße" und "schmiegte sich zu meinen Füßen" sehe ich - und bin höchst einverstanden mit Deiner Variante. Ich hatte mein Augenmerk wohl eher auf das Ende Deines Gedichtes gelegt und mich hier wahrscheinlich einfach aus Unachtsamkeit vertippt.

Ist es eigentlich unhöflich, das Gedicht eines Anderen zu nehmen, um es dann, eigenständig, nach eigenem Gutdünken, abzuändern - bzw. einen Verbesserungs-oder einen Änderungsvorschlag zu machen? Oder kommt es auf die Absicht und den Zusammenhang an?

lg
Werner

 

      Werner



RE: Liebe

   25.08.2006, 12:47



Zusatz: ganz allgemein: Eine Schwierigkeit beim Texten scheint mir oft die Wahl zu sein zwischen Formulierungen, die allein einen bestimmten Sinn ergeben oder zu ergeben scheinen - und solchen, die zwar allgemeiner, unpräziser, doch subjektiv gesehen flüssiger klingen.

lg
Werner

 
        arisia
        (Gast)

RE: Liebe

   25.08.2006, 13:12



hi, Werner,

ja, da ich schon einen Vergleich im Gedicht drin habe, aber in verkürzter Form, so daß das "Wie" wegfällt, sollte nicht noch ein Vergleich drin sein, er wird m.E. auch nicht gebraucht, die Liebe strahlt wie die Liebe und bedarf keines Vergleiches.
Ein Text erscheint lebendiger, dynamischer, wenn auf direkte Vergleiche, die eher beschreibend sind, verzichtet wird, und statt dessen Metaphern oder der Vorgang selbst berichtet wird.
Es ist schon ein Unterschied ob ich schreibe:
einer willigen Welle gleich kam die Liebe, oder
die Liebe kam wie eine willige Welle
das 2te ist Alltagssprache und ruft nicht dieselbe Emotion hervor. Die sog. "Wie-Vergleiche" sind in allen literarischen Gattungen zu meiden, untersuche mal Texte daraufhin, dann wirst du den Unterschied in der Sprachqualität feststellen. :)

lg
arisia

 

      Werner



RE: Liebe

   25.08.2006, 14:52 / 14 x geändert



Hallo arisia,

Du hast wohl recht. Das "Wie" klingt banaler, flacher, alltäglicher... Wenigstens in vielen Zusammenhängen. Und in Deinem Gedicht - überflüsig.
Aber - wenn die Liebe aus sich heraus strahlt und deswegen keines Vergleiches
bedarf, warum vergleichst Du ihr Kommen dann, das ja wesenhaft zu ihr gehört, mit einer "willigen Welle", auch wenn Du dafür ein gefälligeres Wort verwendest? Das verstehe ich nicht.

Könnte man/frau nicht auch schreiben, da Liebe in sich etwas Wellenartiges i s t :

Willige Welle, Liebe
kam und schmiegte sich
sanft zu meinen Füßen
in den Sand der Zeit?

(Ich fragte nicht, ob es besser so ist!
Doch ich schätze Du wirst antworten: Liebe strahlt zwar aus sich selbst heraus, doch tritt sie sehr unterschiedlich in unser Leben... Sie ist nicht immer willige Welle! Oder doch? W e n n man aber so differenziert, müßte man dann nicht auch fragen - strahlt sie denn immer wesenhaft g l e i c h ; kann sie es nicht auf sehr verschiedene Weise tun - sonnenlichtartig, morgenrotgleich... Aber ich überspanne den Bogen; es muss nicht stets alles auf engstem Raum mit verschiedenen Bildern festgelegt oder gar wiederholt werden. Die Liebe als willige Welle s t r a h l t sicherlich schon, der Andeutung nach, auf s p e z i e l l e Weise... Oder doch nicht? Es bleibt F r e i raum zur individuellen Interpretation des Lesers - und der ist auch von Wert...)

Übrigens: Ich möchte nicht widerspenstig oder schwierig erscheinen, auch wenn
ichs manchmal bin (wahrscheinlich frage ich so, weil ich im literarischen
Regelwerk nicht bewandert - aber wißbegierig bin): Auch Welle ist, wie Wie und Sonnenlicht ein alltägliches Wort. Doch ich beginne zu verstehen, was ich im Grunde schon weiß: Es kommt nicht allein auf die Wahl des einzelnen Wortes an, sondern auf den Bezug der gewählten Worte zueinander und auf ihren Bezug, auch ihren klanglichen, zum Sinn, der zum Ausdruck kommen möchte...

lg
Werner

 

      Freya



RE: Liebe

   25.08.2006, 20:46



Also ich finde die erste Version immer noch am schönsten und das was mir dabei so stark vorkommt ist die Synchronität von Gefühl und SingSang, Rhytmus und Wohlklang der Wörter.

Bei

Willige Welle, Liebe
kam und schmiegte sich

da ist mir die erste Zeile zu hackelig, da ist nicht die Welle das Gefühl und die Liebe willkommen. Ich finde auch keinen Bezug mehr (willige Welle = Liebe??) und kein Bild, so ist es jetzt dasselbe, für mich.

LG

Freya




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