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Duda
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22.02.2010, 06:01 / 2 x geändert
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Hallo,
ich habe eine Frage zur Interpretation von Khalil Gibran´s "Der Narr".
Hier erstmal den ganzen Text:
Du fragst mich , wie ich zum Narren wurde? Das geschah so: Eines Tages, lange bevor die vielen Götter geboren waren, erwachte ich aus einem tiefen Schlaf und gewahrte, dass meine Masken gestohlen worden waren - die sieben Masken, welche ich in sieben Leben verfertigt und getragen hatte. - Unmaskiert rannte ich durch die vollen Straßen und schrie: "Diebe, Diebe, die verdammten Diebe!"
Männer und Frauen lachten. Einige liefen aus Angst vor mir in ihre Häuser.
Als ich zum Marktplatz kam, rief ein Junge von einem Hausdach: "Er ist ein Narr!" Ich blickte empor, um ihn zu sehen: Da küsste die Sonne erstmals mein bloßes Antlitz. Zum ersten Mal küsste sie mein bloßes Antlitz, und meine Seele entflammte in Liebe zu ihr, und ich wünschte mir keine Masken mehr. Wie in Trance rief ich: "Segen, Segen über die Diebe, die meine Masken gestohlen!"
So wurde ich zum Narren.
Und in meiner Narrheit fand ich Freiheit und Sicherheit: die Freiheit der Einsamkeit und die Sicherheit vor dem Verstandenwerden. Denn diejenigen, welche uns verstehen, versklaven etwas in uns.
Aber ich will nicht zu stolz sein auf meine Sicherheit. Denn auch ein Dieb ist im Kerker sicher vor einem anderen Dieb.
Ich verstehe den letzten Satz nicht. Er bezeichnet sich selbst als Dieb aber ich verstehe nicht weshalb/wo er in dieser Geschichte ein Dieb ist ?
Wäre um Hilfe dankbar.

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Gretchen
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Hei Duda!
Also, es ist einfach so, dass der Sprecher oder Protagonist der Geschichte hier sich im letzten Satz mit einem Dieb vergleicht.
Ein Dieb, der im Gefängnis ist, ist sicher vor jedem anderen Dieb, weil er eben durch sein Eingesperrtsein isoliert ist von allen anderen Menschen; ihm kann nichts weggenommen werden, denn er ist gefangen und im Gefängnis allein.
In ähnlicher Situation sieht der Sprecher im übertragenen Sinne sich selbst auch - er hat einen Platz im Leben gefunden, nimmt eine bestimmte Rolle, nämlich die des "Narren", ein und erlangt dadurch so etwas wie ein Gefühl der Sicherheit, Zugehörigkeit, Stabilität im Leben - aber der Preis, den er dafür bezahlt, ist eine Art Gefangenschaft, so etwas wie eine innere Gefangenschaft oder Getrenntheit von den Menschen, er stellt sich nicht der ganzen Fülle des Lebens, sondern spart etwas aus, lässt etwas nicht heran an sich ("die Freiheit der Einsamkeit", "die Sicherheit vor dem Verstandenwerden"), so wie an den Dieb, der im Gefängnis sitzt, kein anderer Dieb herankommt.
Pauschalisierend und grob vereinfachend gesagt: Jeder Vorteil hat mindestens einen Nachteil im Rucksack und alles hat seinen Preis.
Nur jetzt so viel mal, um Deine Frage ganz unmittelbar zu beantworten.
Ich hoffe, dieser letzte Satz ist Dir nun bisschen verständlicher geworden.
Das Motiv des "Diebes" spielt eine wichtige Rolle in diesem Parabeltext. Es ist ja noch an zwei anderen Stellen die Rede von "Dieben". Aber das kann erst mal außen vor bleiben, denk ich.
Gretchen

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Duda²
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Vielen Danke Gretchen, das hat mir sehr geholfen den Satz zu verstehen. :-)
liebe Grüße

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Duda²
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Vielleicht sprengt das hier jetzt den Rahmen - aber dieser letzte Satz könnte man auch so interpretieren:
Die Diebe waren letztendlich diejenigen die ihm seine sozialen Masken genommen haben und ihn "entblößt - nackt" erscheinen ließen. Aber soziale "Diebe" müssen sich auch vor andere Diebe schützen.
Nur so eine Gedanke - das geht jetzt zu tief in die Materie. (Mein Gedanke deshalb weil ich mal gelesen habe, das K. Gibran gegen soziale Oberflächkeiten war).
OK..... Vielen Dank nochmals!

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