heinz4 (Gast)
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by lost:
„deep impact: die Bedrohung der Erde
durch Kometen und Kleinplaneten wird allgemein unterschätzt; jedermann
starrt gebannt hinab in österreichische Kellerverliese; blickt
erschüttert in chinesische Erdbebenspalten; verfolgt fassungslos
den global-triumphalen Tanz gewaltiger Flutwellen,
das Wüten widerwärtiger Seuchen: tausende Opfer
befürchtet! - betroffen blättert man diese Statistiken durch, die
das Artensterben im Regenwald dokumentieren; liest
in sauber geschriebenen Armutsberichten, je nach Temperament
beunruhigt oder voll Mitleid, Fakten, welche Gewaltexzesse
eines perspektivlosen Prekariats zeitigen könnten; dann wieder,
angerührt, sieht man dem freundlichen Dalai Lama zu, wie er
die Menschen beeindruckt durch Friedfertigkeit; viele auch sehen
olympisches Feuer; oder, auf einem Parallelsender, die brennende Philharmonie
zu Berlin; manche betrachten besorgt das Bröckeln der Alpen, die allmählich
zerfallen, weil der Permafrost taut, schalten dann um nach Athen, nach Zimbabwe:
die Cholera liegt gut im Rennen, getoppt aber doch von einer Kinderleiche
im Eisschrank, Kevin, zwei Jahre; da schaut keiner weg, keiner -
ich jedoch wende, als einziger (Mensch), ab meinen Blick
von den irdischen Gräueln; ich richte
die Augen zum Himmel: ich weiß, dass Gefahren lauern
dort draußen im All; ich schaue ins All: jederzeit,
sagen die Astronomen, könnte ein Asteroid uns treffen; Asteroiden
sind rasende Projektile; kosmische Spermien, und es gibt
bislang noch keine verläßliche Verhütungsmethode; und sollte
ein wahnwitzig rasender Kleinplanet diese köstliche Erde befruchten, dann
sterben wir aus: wie die Saurier, damals ...“
... ldas las ich soeben. Verfasst von „lost“ – bisher dachte ich, es handle sich um den norddeutschen Vornamen Iost, aber gemeint ist wohl das englische Partizip Perfekt „lost“, verloren. Womit freilich sofort die Frage auftaucht, inwiefern verloren bzw. wodurch oder für wen bzw. wer der Garstige war, der unseren „lost“ so wüst vor's Köpfchen gestoßen hat. Der Text, der an Weihnachten 2008 in der Lyrik(!)rubrik „Underground“ abgelagert wurde, gibt darüber Auskunft.
Der Form des Gedichts an sich eignet die Struktur der Wiederholung – in Antithese zur auf ihr basierenden Differenz natürlich, sonst ist es nur langweilig.
„lost“ schafft es, die Differenz nicht nur langweilig erscheinen zu lassen, sondern auch, mangels ihm verfügbarer Alternativen, auch langweilig zu präsentieren: in Form einer Liste. Doch leider nicht nur dies.
„jedermann starrt gebannt hinab in österreichische Kellerverliese; blickt erschüttert in chinesische Erdbebenspalten; verfolgt fassungslos den global-triumphalen Tanz gewaltiger Flutwellen“
Egal, ob der perverse Fritzl oder die anhaltende globale Plattenverschiebung dem Menschen ein Leid getan haben: „lost“ geht es überhaupt nicht um die jeweiligen Unglücke für die Menschen, sondern um die Art und Weise, wie die medial darüber informierte Öffentlichkeit gemäß der Interpretation der Medien auf jene reagiert: „gebannt, erschüttert, fassungslos“ . Ein Glücksfall für den Darübersteher „lost“, dem in seiner Aufzählerei nichts zu peinlich ist. Die Cholera muss sich von einer Kinderleiche toppen lassen – wirklich, die Menschheit ist abgrundtief blöd. Der kann sich ein solcher Schlaumeier nur als ihr verloren (lost) deklarieren (= auf sich aufmerksam machen), um von ihr, doof wie sie ist, (wozu eigentlich?) nur um so toller ('cool' sagt man wohl heute) gefunden zu werden: „ich jedoch wende, als einziger (Mensch), ab meinen Blick von den irdischen Gräueln“. Logisch, darunter („als einziger“) tut’s unser Edelsteinchen nicht.
Und was hat er denn nun Grandioses entdeckt (bzw. davon gehört)? Dass vielleicht mal ein Asteroid auf die Erde knallt. Naja, shit happens. Und? Dass dadurch gemäß seiner spätpubertären Phantasie eine Art kosmische Vergewaltigung stattfinden könnte . . . Luschtig! – Ach so? Es war ironisch gemeint? Die Auflistung der Leichen nur ein Späßchen?
Hat denn das Œuvre wenigstens literarisch etwas zu bieten? Kann man unserem Nachwuchstalent denn in der einen oder anderen Hinsicht auf die Sprünge helfen? Schwierig, schwierig, es fehlt halt an allen Ecken und Enden! Die unvoreingenommenen Leser mögen selbst urteilen.
Zu diesen gehört nicht unbedingt die Hardcore dieser Website, die das Textelchen weiland als den Literaturevent schlechthin feierte und insofern fraglos dazu prädestiniert ist, anderen übers dumme Maul zu fahren: http://www.literature-online.de/thema1427.htm
However: Weiterhin alles erdenklich Gute!
Best regards,
das Samanthinchen
(Schnell lesen, bevor’s gelöscht wird!!!)

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