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augustine
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20.06.2006, 15:34 / 1 x geändert
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O meine Mutter, die ich so nie nannte,
Die mir so fremd geblieben ist wie irgendwer,
Die ich bloß ohne Freude, ohne Lachen kannte,
Und zwischen uns blieb's ohne Neigung; leer.
Ich weiß nicht viel. Denn früh begann das Schweigen.
Und später war da keine Kraft zu fragen.
Entkommen endlich ihren dummen, feigen
Befehlen, hab' ich nur von ferne sie ertragen.
Warum nur war sie so? Sie war nicht liebevoll
Zu ihrem Mann und um ihr Kind nur übersorgenvoll.
Jedoch die Frage bleibt: Warum geschah dies alles?
Die Antwort weiß ich nicht. Was bleibt: ich kannte sie nur hart,
Und ich, ihr Kind, ich litt an solcher Art. -
Es gab sie nicht: Versöhnung des heillosen Falles.
(Mit besonderem Gruß an Jolante)

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zuppanova
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servus sag ich hier nicht nur zu augustine, sondern eben genauso zu Jolante und arisia!
möchte zum ausdruck bringen, dass diese reihe von "mutter"-bearbeitungen mir gefällt insofern: es ist ein reagieren aufeinander, die eine greift den faden der anderen auf. das gefällt mir.
dein sonett als solches, augustine, finde ich eben auch gut gemacht, kann es selber nicht, sehe aber, dass es einen reiz haben kann, diese form aufzugreifen.
Jolantes gedicht war der ausgangspunkt, wie arisia reagiert hat, gefiel mir schon, nun ein drittes dazu. kommen noch von anderen mehr mütter? mal schauen ... mütter von männern ... ?
interessieren würde mich noch, ob arisia und augustine ihre "mütter" schon fertig in der schublade hatten - oder ob die 2 texte "ad hoc" entstanden sind: bei mir entstehen die sachen meistens durch einen ganz bestimmten "anstoss", wie ists bei anderen, das möcht halt gern wissen ---> ´s neugierige zupperl. lg!

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Jolante
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Hallo augustine,
dein schönes Sonett hat mich sehr berührt und durch die schnörkellose Offenlegung der Mutter-Tochter-Problematik auch erstaunt. Ich musste meine "Erfahrung" verkürzen und verdichten, um sie auf den Punkt zu bringen und für mich erträglich zu machen. Auch arisia hat mit Metaphern jongliert und ein Pendant zu meinem Gedicht geschaffen. Alle drei haben wir unterschiedliche Probleme mit unseren Müttern benannt: Meine Mutter: mir nichts zugetraut, Arisias Mutter: sie überfordert, deine Mutter: dich mit ihrer Kälte abgestoßen. - Mit zuppanova bin ich gespannt, ob es noch weitere Mitglieder gibt, die den Mutter-Faden aufgreifen und zu einem Netz gleicher oder unterschiedlicher Erfahrungen verknüpfen.
LG Jo

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augustine²
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21.06.2006, 21:01 / 1 x geändert
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Dank Euch für die Beiträge! Mein Text lag fertig da. Weil er mir aber so erschreckend leicht gefallen war (meine Familienproblematik hatte ich da bewältigt in vernetzten Geschichten von Wahrheit und Dichtung; Dichtung: was ich lieber erlebt hätte), habe ich ihn nicht unter 'Sonett' eingestellt und habe auf eine Gelegenheit gewartet, die dann das Gedicht von Jolante für mich war.
Ja, diese Vernetzung gefällt mir auch. Und nochmal ja: haben Männer nichts zu dem Thema zu sagen??? Da das nicht sein kann: traut sich keiner?
Mindestens drei sehr (zu?) aufmerksame Leserinnen hätte er ja schon.
Grüße in die Runde - augustine

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arisia (Gast)
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Hi, Augustine,
welche Männer, lach, lach, meinst Du? Ich seh z.Z. hier nur einen aktiven, den acerdoux, der Hausherr ist entschuldigt, der Gerd der schaut als nur herein, schreibt nix, der Herr Wanderer kommt evtl. aus einem anderen Universum, wer weiß, ob's da Mütter gibt, andere Gäste?, keine Ahnung, was die als treiben.
Habe mein Dialektgedicht gefunden, muß es noch in den PC bringen. Vielleicht sah ich das etwas zu eng, als ich die PN schrieb, weiß nicht, Mütter sind ein heißes Thema, gerade dein Sonett zeigt das sehr klar.
Jetzt mal rein sprachlich gesehen: warum wird eigentlich immer nur von "Versöhnung" gesprochen und geschrieben, wo bleibt die "Vertöchterung"?
Stirn in besorgte Falten legend
arisia

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augustine²
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arisia, nur eben zweierlei:
1) Was heißt hier: "Der Hausherr ist entschuldigt." Kann er sich nicht selbst entschuldigen? Braucht er eine Sprecherin?
2) 'Versöhnung' kommt von 'Sühne' und hat mit 'Sohn', soweit ich, auch im Grimm, sehe, nichts zu tun.
'arisia' kommt von ' to arise'???

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ear
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Auch, wenn ich keine Problematik einbringen kann,hier kommt mein kleiner Beitrag zum Thema "Mutter":
Meine Mutter war sehr zart,
Voller Anmut sonder Art,
Gab als Saengerin viel Freud,
Hat die Gabe nie bereut.
Oratorien,Opern, Lieder,
Brachten Trost im Kriege wieder,
Ehemann und meine Brueder
Kehrten aus dem Kriege wieder.
Zwillinge geboren--;tot,
Jeder Krieg schuf bittre Not.
Dritter Bruder noch geboren,
Als der Weltkrieg laengst verloren.
Sie trug alles ohne Hadern,
Optimismus in den Adern,
Blieb Persoenlichkeit im Leid,
Strahlte aus viel Heiterkeit;
Lyrik, Lesen uns verband
Und Musik aus erster Hand.
Als sie starb, war ich die Mitte,
Nach zwei Bruedern ,als die Dritte;
Und ich weiss es ganz genau,
Dass als reife Ehefrau
Aeusserlich und vielleicht mehr
Ich der Mutter aehnel sehr.
ear.

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Jolante
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28.06.2006, 12:53 / 1 x geändert
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Ja, ear, auch mir gefällt dein Gedicht sehr gut und ich finde es schön, wie sehr du dich mit deiner Mutter identifizierst. Sie war wohl ein Vorbild für dich und hat dir mit ihrer Kunst, ihrer Liebe zur Musik und zur Literatur viel kreatives Potential mitgegeben, aus dem du auch heute noch schöpfen kannst. Ich habe auch nicht nur schlechte Erfahrungen gemacht, gewiss nicht, und ich habe meine Mutter sehr geliebt. Aber im Mittelpunkt meiner Schreibversuche stehen häufiger Probleme, die ich schreibend besser bewältigen kann. So auch in meiner "Mutter-Prosa", die ich vielleicht auch ins Forum einbringen werde.
LG Jolante

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ear
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Dank dir. Man kann als Tochter nicht umhin, Manches geerbt zu haben, ich habe es gerade wieder an meiner erlebt.
Im Norden stuermte es so, dass die Firth -of-Forth-Bridge gesperrt werden musste,die "Graduands in black gowns with hoods in different coloured silks" wurden arg zerzaust.Viele Schotten in Kilts, es wurde oft einem "gown" vorgezogen. North Yorkshire -Drystonewalls-viele Schafe und herrlicher Wensleydale-Cheese.
Sagt man nicht klischeehaft, dass Mutter und Sohn besonders eng verbunden seien? Wer weiss, was wir noch als Beitraege erwarten koennen .ear.

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