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Frankfurt/Main Montag 11 Uhr
Alles läuft bestens. Der ICE fährt pünktlich im Fernbahnhof des Flughafens ein. Er ist voll besetzt, obwohl am späten Vormittag die morgendliche rush-hour vorbei sein sollte. Menschen mit viel Gepäck verlassen den Zug und eilen zur Rolltreppe. Ich suche einen Gepäckwagen für meinen Koffer und die schwere Fototasche. Ich habe genügend Zeit eingeplant habe und habe mir vorgenommen die Reise nach Laos entspannt anzugehen, ohne die Aufregung der Kubareise im letzten Jahr. Doch der erste Stress stellt sich schon bald ein. Um zum Abflugterminal zu kommen, muss man mehrfach Rolltreppen hinauf und hinunter fahren, aber Rolltreppen und beladene Gepäckwagen sind natürliche Feinde, sie wollen nicht so recht miteinander, vor allem beim Abwärtsfahren. Ich halte den Wagen aus lauter Angst, er könnte die Stufen hinunterholpern krampfhaft fest. Und tatsächlich, der einzelnstehende Koffer gerät ins Schwanken, fällt gegen die vordere Haltestange und nur mit Mühe kann ich den Wagen in Position halten. Zu allem Überfluss weiß die Frau fünf Stufen vor mir nicht wohin und bleibt einfach am Ende der Rolltreppe stehen. Es kommt fast zu einem Zusammenstoß, erst im letzten Moment schiebt sie auf mein lautes Rufen hin den Wagen von der Treppe weg.
In der Abflughalle treffe ich auf die Schlangen. Sie stehen vor den Abfertigungsschaltern, obwohl die Hauptreisezeit noch gar nicht angefangen hat. Besonders lange Schlangen bei den US-amerikanischen Fluglinien mit den doppelten Sicherheitsvorkehrungen für ihre verängstigten Bürger und die armen Menschen, die in dieses Land reisen müssen. Noch mehr Sicherheit gibt es nur bei El Al, dort stehen Polizisten mit Maschinenpistolen im Anschlag, wie in billigen Actionfilmen. Langsam schieben sich die Gepäckwagen auf das kleine Tor der großen Durchleuchtung zu. Dahinter werden die Koffer versiegelt und die Gepäckwagen werden eingesammelt und so ineinander geschoben, dass sie lange Schlangen bilden. Von einer Art Gabelstapler geschoben kriechen die Lindwürmer durch die Abflughalle. Nach dem Tor geht das Schlangestehen nun ohne Wagen weiter. Der Einscheckschalter ist weit, die Windungen in den mit Bändern vorgegebenen Korridoren zahlreich. Ich habe viel Zeit, die großen bunten Reklametafeln ausführlich zu betrachten, ganz im Sinne der Erfinder. Sie werben für Gucci, Hermes, Boss, Louis Vuitton und wie all diese Firmen mit ihren überflüssigen und überteuerten Produkten sonst noch heißen. Alle paar Minuten wird der ohnehin hohe Lärmpegel durch das Geratter der Anzeigetafel für die Flugbewegungen weiter erhöht. Klappen fallen rasend schnell und neue Informationen bauen sich auf. Es tauchen Namen auf, die Sehnsucht erwecken, Namen die ich noch nie gehört habe und natürlich die Namen aller Weltstädte, die von Frankfurt aus angeflogen werden. Ab und zu erscheint „delayed“, ganz selten „cancelled“. Endlich ist die Schlange vor mir keine mehr und hinter mir ist sie seltsamerweise auch sehr geschrumpft. Ich folge der Aufforderung eines Angestellten, der den Schlangenkopf auf die Schalter verteilt und kann dann endlich meinen Koffer auf die Waage hieven. Wo kommen nur die 22,3 Kilo her? Ich fahre doch in ein warmes Land, brauche nur wenig Klamotten und wollte auch nur ganz wenige mitnehmen. Wenn beim Rückflug noch ein paar Souveniers hinzukommen, sehe ich mich schon hektisch den Koffer entrümpeln und alles Überflüssige wegwerfen, um den teuren Zuschlag für Übergepäck zu vermeiden. Ich erinnere mich an eine Dienstreise nach Japan. Auf dem Rückflug hatte ich viele schwere Papiere im Koffer. Ganz klar Übergewicht, aber die nette Geisha sagt mir, ich solle einfach eine weitere Tasche kaufen und umschichten, raus aus dem Koffer, rein ins Handgepäck. Es hat geklappt, aber die Logik dahinter habe ich bis heute noch nicht begriffen. Auch hier ist die junge Frau am Schalter eine Asiatin und vermittelt einen Hauch der Exotik, die mich erwartet. Die Abfertigung erfolgt dank e-ticket schnell und problemlos. Warum dauerte das Einschecken bei den Leuten vor mir nur so endlos? Es kann doch nicht nur daran liegen, dass man in der Schlange ein anderes Zeitgefühl hat. Ich bekomme sogar noch einen Platz am Fenster mit besonders großer Beinfreiheit. Das ist gar nicht so selbstverständlich, meistens sind die guten Plätze immer schon weg, selbst wenn man früh am Flughafen ist.
Es bleibt noch genug Zeit für ein Bier und eine letzte deutsche Bratwurst. Während ich an der Theke der Sky-Inn sitze, betrachte ich das exotische Publikum, ein repräsentativer Querschnitt der Weltbevölkerung, zumindest des Teils, der sich auf Flughäfen findet. Inder mit Turban, Araber in weißen Dschellabas, Amerikaner mit Cowboyhut und –stiefeln, orthodoxe Juden mit Schläfenlocken, steifen Hüten und Bratenrock, hübsche Afrikanerinnen mit knallbunten Wickelröcken und jede Menge lässiger, knapp bekleideter, penetrant frohgelaunter Urlauber. Dann die nächste Schlange, am Sicherheitsscheck. Teilstriptease ist angesagt, Jacke ausziehen, Gürtel ablegen, alle Taschen leeren, die Armbanduhr abnehmen, keinen Schlüssel, keine Münzen in den Taschen lassen, sogar ein Kaugummipapier aus Alufolie hat schon mal zum Piepen geführt, die Schuhe darf ich gnädigerweise anbehalten. Zum Glück habe ich heute morgen daran gedacht, das Taschenmesser in den Koffer zu stecken. Parfümfläschchen und andere Flüssigkeiten im Handgepäck sind für mich kein Thema. Ich kann entspannt und herablassend zusehen, wie andere teure Fläschchen, winzige Scherchen und andere hochgefährliche Gegenstände schimpfend in Müllsäcke stecken, weil sie offensichtlich immer noch nicht den Verhaltenscodex für Flugreisen mitbekommen haben. Ich gehe durch die Schleuse, kein Pieps. Diesmal wurde ich auch nicht für die offensichtlich notwendige Leibes- und Gepäckintensivvisitation ausgewählt, die nach dem Zufallsprinzip erfolgt. Links und rechts stehen die angepiepsten Menschen auf Podesten, wie die Modells im Kunstunterricht und werden mit ringförmigen Detektoren oder mit bloßen Händen abgetastet. Ein Akt der Liebe und Zuneigung, wenn man so will. Ich gehe, immer noch gut im Zeitplan, zur Passkontrolle. Am EU-Schalter geht es zügig voran. Ein kurzer Blick, ein kurzer Scan des Passes, dann bin ich verwaltungstechnisch nicht mehr in Deutschland, ich bin exterritorial. Die Schlange am non-EU-Schalter ist lang und interessiert mich nicht, ich profitiere als EU-Bürger vom Heimspiel. Es bleibt mir immer noch genug Zeit für einen Besuch im Duty-Free-Shop, so kenne ich ihn noch, jetzt heißt er anders und verspricht auch ohne Zollfreiheit Superschnäppchen. Mir fällt mein letztes Superschnäppchen im Duty-free von Havanna ein. Zwei Flaschen uralten Rum, ziemlich teuer, aber immer noch ein Schnäppchen. Was ich nicht bedacht habe war, dass ich in Paris umsteigen und dafür den Sicherheitsbereich erst verlassen und dann neu betreten musste. Die Putzfrau, die den Rum bekam, hat ihn hoffentlich zu würdigen gewusst.
Langsam wird es nun Zeit zum Terminal zu gehen. In 10 Minuten beginnt das Boarding. Es dauert nun mal bis so ein riesiger Airbus fertig ist und man will ja schließlich unter den ersten sein, die an Bord gehen, wegen der freien Zeitungswahl und der freien Ablagefächer. Wo ist denn nur der Wartebereich für den Flug nach Bangkok? Da stimmt doch was nicht. Die Nummer gibt es gar nicht. Aber hier auf der Bordkarte steht klar und deutlich A23. Warum hören die Wartebereiche bei A 21 auf? Siedendheiß merke ich plötzlich was los ist. Ich habe die Platznummer mit der Nummer des Flugsteigs verwechselt. Jetzt bricht doch noch Panik aus. Nichts wie zurück und in das richtige Terminal B rasen. Neuer Sicherheitsscheck, neue Passkontrolle, neue Schlangen. Die letzte Schlange, die sich üblicherweise beim Einsammeln der Bordkarten bildet, ist keine mehr. Ich bin der letzte, hinter mir wird die schwere Flugzeugtür geschlossen. Ich falle schwitzend und aufatmend auf den Platz mit der großen Beinfreiheit und kurz darauf fängt das Riesending zu rollen an.
Gedanken beim Flug
Während der langen Flugzeit denke ich an einige Erlebnisse auf Flughäfen. Die Reise nach Kuba im letzten Jahr fing damit an, dass ich am Samstag eine e-mail bekam. Sie besagte kurz und knapp, dass mein Anschlussflug von Frankfurt nach Paris am Montag früh wegen eines Streiks des Bordpersonals gestrichen sei und dass Air France dies bedauere. Was tun? Ich entschloss mich, am Sonntag mit dem TGV nach Paris zu fahren, das wollte ich schon immer mal. In Paris regnete es, die besseren, noch bezahlbaren Hotels um den Gare de l’Este waren ausgebucht. Ich landete schließlich in einer Bruchbude mit quietschenden Flurgängen und einem Zimmer, das so eng war, dass ich mich kaum drehen konnte, dafür war das Hotel in Bahnhofsnähe. Und auch das überteuerte, äußerst spärliche Menü in einem Restaurant, das ganz gut aussah, trug nicht zur Verbesserung der Laune bai. Abzocken von Reisenden in Zwangslagen. Am Montag früh mit der überfüllten Metro zum überfüllten Airport Charles-de-Gaulle, dort fing dann das Bibbern an. Lange Schlangen vor den Air-France-Schaltern. To be or not to be, Havanna or no Havanna. Alles hängt davon ab, ob genügend Streikbrecher für eine Notcrew zusammen kommen, bei dem Kubaflug fehlte nur noch eine Person. Gespräche in der Schlange, man lernte sich kennen, beklagte die Situation, zeigte Galgenhumor und je nach Charakter Optimismus oder Pessimismus. Ein Paar aus dem Ruhrgebiet machte schon den dritten Anlauf, bisher kam die Minimalgröße nicht zustande und sie mussten immer wieder zurück in das Hotel, aus dem sie schon ausgezogen waren. Ich hatte Glück. Mit mehrstündiger Verspätung und minimalster kulinarischer Versorgung während des Fluges kam ich kurz vor Mitternacht, aber gut und sicher in Havanna an.
Andere Flugerlebnisse waren erfreulicher. Einmal, und nur dieses eine Mal, wurde ich vor einem Flug nach Kopenhagen gefragt, ob ich zum Gewichtsausgleich in die erste Klasse wechseln wollte. Ich wollte und habe es, was das Kulinarische betrifft, nicht bereut. Allerdings, wenn man bedenkt wie oft man in sehr guten Lokalen speisen könnte, bis man den Unterschied zwischen erster und Economy Klasse abgefuttert hat, könnte einem der Appetit vergehen. Oder die Rückreise von Paris nach Frankfurt am Tag vor dem ersten Mai. Wer fliegt an solch einem Tag schon von Paris weg? Die wenigen anderen Fluggäste und ich wurden von einer Schar höchst charmanter Stewardessen mit Champagner und Kaviar und anderen Köstlichkeiten regelrecht traktiert. Und noch ein letztes, wieder weniger erfreuliches Flugerlebnis, es spielte auf dem Washington Dulles International Airport. Ich musste für einen Weiterflug nach Florida umsteigen. Der Koffer war schon an Bord, ich hatte nur noch meine Fototasche, diese war wie immer schwer und ich legte sie auf einen flachen Gepäckwagen, solch einen, den man im Getränkemarkt verwendet. Ich ging durch eine lang Mall, zog den Wagen hinter mir her, schaute die Geschäfte an und das Treiben um mich herum. Auf einmal entstand ein kleiner Auflauf. Einem Mann war schlecht geworden, er setzte sich auf den Fußboden, Helfer bemühen sich um ihn, Leute gafften, ich auch. Als ich weiter gehen wollte, sah ich plötzlich, dass der Gepäckwagen leer war, die Fototasche war weg. Ich wurde bleich. Geklaut natürlich, irgend so ein Dieb hat sie mir weggenommen als ich gegafft habe. Mist, großer Mist. Ich ging zur Polizei, deren Büro zum Glück ganz in der Nähe war und klagte mein Leid. Ich wollte Anzeige erstatten, aber gegen wen? Der Beamte war freundlich und sagte, dass Diebstähle hier eigentlich nicht vorkämen. Er ging mit mir dann den langen Gang zurück, den ich gekommen war. An einer Stelle stand ein Kollege von ihm, heftig in ein Handy redend und beäugte einen Gegenstand, mitten im Gang, ein höchst verdächtiges, allein gelassenes Gepäckstück, meine Fototasche. Sie war, von mir unbemerkt, vom Wagen gerutscht. Die Polizisten ermahnten mich, in Zukunft besser aufzupassen und vor allem sofort zu kontrollieren, ob nicht jemand Rauschgift darin versteckt habe.
10 Stunden später, Bangkok
Aber jetzt bin ich auf dem Anflug nach Bangkok und bekomme einen Vorgeschmack auf die Regenzeit in Südostasien. Die grauen, riesigen Hallen des neuen Flughafens sind im dichten Regennebel kaum zu erkennen als das Flugzeug ausrollt. Die Landung erfolgte pünktlich, ich muss mich aber trotzdem beeilen, weil der Anschlussflug nach Vientiane schon in 30 Minuten startet. Zum Glück bleibe ich im Transferbereich, keine Pass- und Zollkontrolle, dafür aber am Ausgang eine Kamera mit Infrarotsensor, die erkennt, ob jemand der Vorbeieilenden Fieber hat, Vogelgrippe, Schweinegrippe oder sonst was, auf jeden Fall wird es dann sehr kompliziert. Ich habe so was noch nie gesehen und mache ein Foto. Das gefällt der Dame, die den Monitor betrachtet, gar nicht. Sie schimpft und zeigt auf ein Schild mit einem durchgestrichenen Fotoapparat. Das Flughafengebäude ist groß, das größte in Asien. Der Taxifahrer, der mich beim Rückflug zum Flughafen bringt, wird mir stolz viele Zahlen nennen und mir erzählen, dass die freie Halle weltweit die größte in einem Flughafen ist. Er wird mir auch sagen, dass man lange geplant und gebaut hat und dass für den Beton der Landebahnen falsche Mischungen verwendet wurden und dass auch sonst noch einiges schief gelaufen ist, was die Eröffnung lange verzögert habe. Aber noch bin ich auf dem Hinflug. Ich gehe zügig und unbeschwert, mein Koffer ist nach Vientiane durchgecheckt. Der Blick wandert auch hier von Gucci zu Hermes, von Boss zu Armani und Omega, nicht nur Plakate, sondern Edelshop and Edelshop und natürlich auch zu den Piktogrammen und den Monitoren, die mir den Weg weisen. Ich orientiere mich zudem an Leitfarben, fahre Rolltreppen hinauf und hinab, gehe durch lange Gänge, an endlosen Glaswänden entlang, um auf der anderen Seite denselben Weg wieder zurück zu gehen. Als ich mein Ziel glücklich erreiche, hat der Einstieg schon begonnen. Wir müssen das klimatisierte Gebäude verlassen und zu einem Bus gehen, der uns zu dem kleinen Flieger bringt, weit draußen auf dem Areal. Schon auf dem kurzen Weg merkt man, wo man ist. Es ist heiß und schwül und dämpfig und man fängt an zu schwitzen. Dann geht die Bustür zu, die Klimaanlage ist an und es wird sehr kalt.
1 Stunde später, Vientiane
Das Flugzeug kommt vor dem Internationalen Flughafen der Hauptstadt der demokratischen Volksrepublik Laos zum Stehen. Vor dem Terminal befindet sich nur noch eine weitere Maschine mit dem exotischen Emblem einer unbekannten Airline auf dem Leitwerk. Ansonsten fallen Palmen und einige Kühe auf, die friedlich am Rand der Rollbahn weiden, ohne dass ein Zaun ihre Bewegungsfreiheit einengen würde. Die Ankunftshalle ist ein Raum mit dem Ambiente und der Größe einer mittleren Turnhalle aus den 50er Jahren. An ihrem Ende sind vier Ausgänge mit den Schaltern der Passkontrolle, dahinter sieht man bei geöffneter Tür das Gepäckförderband und die Zeichen für die Zollkontrolle. Und es gibt, endlich mal wieder, Schlangen, zwei vor dem Schalter für das Visum und eine vor der Passkontrolle. Schon im Flugzeug, beim Ausfüllen der Einreiseformulare, habe ich gemerkt, dass ich dummerweise die vorgeschriebenen drei Passbilder nicht dabei habe. Ich hoffe auf eine Fotokabine, wie bei uns auf dem Bahnhof. Leider gibt es keine, aber es gibt auch kein Problem. Man schickt mich in ein Büro. Ein nettes Fräulein macht eine ganz normale Fotokopie von meinem Pass, kassiert einen Dollar und freut sich über die kleine Orchidee, die ich wie alle Passagiere beim Anflug auf Vientiane erhalten habe. Im Besitz des wichtigen Dokuments, ein Blatt Papier mit drei Bilder, auf denen ich mich kaum erkennen kann, reihe ich mich in die Visumschlangen ein. Ein Uniformierter nimmt meinen Pass, studiert die ausgefüllten Einreiseformulare, schneidet sorgfältig die drei Fotokopien aus und klebt sie an die vorgesehen Plätze. Dann reicht er die Unterlagen an den Kollegen Stempler weiter. Auch der prüft, aber bevor er stempelt fordert er mich auf, die Schlange zu wechseln. Nun stehe ich einen Meter versetzt am selben Schalter, jedoch vor der Kollegin Kassiererin. Als Deutscher zahle ich 20$, als Amerikaner deutlich mehr und wenn ich aus dem befreundeten Kuba oder einem anderen sozialistischen Land käme, wären es nur 10$. Die Kassiererin prüft den Pass und die weiteren Unterlagen, wieder sehr sorgfältig, nimmt meine 20 $, gibt mir eine Quittung und reicht dem Kollegen Stempler den Pass und die Unterlagen hinüber. Das ganze dauert und inzwischen bin ich mal wieder das absolute Schwanzende, daher kann ich problemlos wieder zum vorherigen Schalter wechseln und erhalte endlich Pass und Visum. Das Ganze Hin- und Her hat aber auch einen Vorteil. Sowohl am Pass- als auch am Zollschalter steht kein Mensch und es gibt auch keine Schlange mehr und nun wird alles vollends rasch und glatt und schnell gehen. Denkste! Der Passbeamte starrt auf meine Papiere, ruft einen Kollegen. Sie beraten sich. Was ist nun los, stimmt was nicht? Das Englisch des Beamten ist gewöhnungsbedürftig, aber ich höre immerhin heraus, dass er wissen will, ob ich schon ein Hotel in Vientiane habe, vermutlich bekommt er für die Vermittlung Provision. Ich habe schon eins.
Und noch einmal kommt Stress auf, bevor ich durch den Zoll gehen und den Fahrer suchen kann, der mich erwartet und ein großes Schild mit meinem Namen hochhebt. Der Raum ist fast leer, keine Passagiere mehr, nur ein paar Angestellte. Das leere Förderband steht, nirgendwo Gepäckstücke, mein Koffer ist nicht da. Als ich die Verlustmeldung ausfülle, sagt der Beamte „no problem“, das käme öfters vor. Er zeigt mir ein Bild mit 3 unterschiedlichen Gepäckstücken und will noch wissen, welche Farbe mein Koffer hat und in welchem Hotel ich untergebracht bin. Ich erhalte die Zusicherung, dass mein Gepäck ganz bestimmt mit dem nächsten Flugzeug aus Bangkok kommen würde, ich könne es dann hier abholen. Sie würden im Hotel anrufen. Der Koffer kommt weder mit dem nächsten noch mit dem übernächsten Flug und ein Anruf kommt auch nicht. Ich fange an nachzudenken, was man in solch einem Land tatsächlich braucht und wo man Kleidung in XL kaufen kann. Man braucht wirklich nicht viel, das Wichtigste, meine Fotoausrüstung habe ich ja und alles andere gibt es in jeder Größe und spottbillig, beste Markenqualität aus China. Der Koffer kommt dann doch, wenn auch erst am übernächsten Tag.
10 Tag später Luang Prabang, Bangkok und Frankfurt
Wenn sich der Internationale Flughafen von Vientiane in seiner einfachen Schlichtheit noch übertreffen lässt, dann vom Internationalen Flughafen der alten Königsstadt und ehemaligen Hauptstadt Luang Prabang. Noch kleiner, noch weniger Flugbewegungen. Auch hier läuft alles problemlos ab. Kaum Kontrollen, keine Schlangen, keine Fragen, nur ein freundliches Lächeln und ein großer Leihregenschirm für den Fußweg zum Flugzeug. Die Regenzeit verabschiedet sich eindrucksvoll mit einem heftigen Schauer. In Bangkok dann wieder endlose Schlangen in der riesigen Halle, hektische Menschen schieben voll beladene Gepäckwagen, sortieren Kofferinhalte, dazu ständig unverständliche Lautsprecherdurchsagen. Zehn Stunden später in Frankfurt ist wieder alles wie immer. Beim Aussteigen erste Vorkontrollen, Drogenhunde schnüffeln am Gepäck, exotisch aussehende Leute werden auf die Seite für eine intensivere Kontrolle gebeten. Am EU-Schalter ein kurzer Blick auf den Pass, ein kurzer Scan. Am non-EU-Schalter die letzte Schlange. Dann noch der lange Weg zur Gepäckausgabe. Der Koffer ist da. Deutschland hat mich wieder.

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