Elise
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19.06.2006, 09:56 / 1 x geändert
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10 min oder 12 kann ich mir stehlen.
laufe also in den garten, lege mich bäuchlings auf die silberschilfrig verwitterten holzplanken in die knallsonne mit nacktem rücken, denn: auf meiner rückenhaut: befinden sich abertausende von winzigen trichterförmigen poren - nein! nein: münder sind es mit geöffneten lippen: sie saugen die sonne an, das sonnen-licht: in mich hinein.
hautporentrichtermundlippen saugen sonnenhitze (welche ja wie jeder weiß zwar nicht so gut schmeckt; nämlich nach terpentin; aber die pure lebensenergie trägt) in mich hinein, in meinen körper, osmotisch, und überall hin transportiert wird selbige energie mittels eines irrwitzigen netzes von fadenfeinen kanälen: in die großkleinundstammhirnzellen, in die lungenalveolen, in die rotschlierigen herzkammern, in die klopfdunkelheit der gedärme, zum elastischfedernden beckenboden natürlich und ins mark des fersenbeinknochens. überall hin eben ganzkörperlich.
während dies geschieht, ohne mein zutun einfach so nebenbei geschieht, steige ich in das kleine boot, um mich treiben zu lassen: den saum meines bewußtseins entlang. im boot liegt noch immer das riesige netz. ich fürchte, es könnte zerrissen sein, ich bin nicht ermutigt, gestatte mir nicht, dieses netz zu gebrauchen, nicht heute, nicht morgen. ich wage es nicht. ich machte gewiss alles falsch.
gleite nun also ganz für mich selber, ganz ohne gefährten dahin im bewußtseinsboot: zum ufer hinüberblickend, wo sich gerade turmhoch eine gedankenstadt vorbeibäumt, laut, überfüllt - all diese gedanken, die mich anflogen, um sich endlich denken zu lassen: sie sind zu schwellenden bauwerken geworden, bahnhöfe, burgen, wohnhöhlen auch mit vielen übereinandergeschichteten stockwerken: gedankensteinhäuser. verlebt.
das boot treibt weiter, die gedankenstadt fällt zurück. ich gleite flußabwärts in flüsterstille waldgebiete hinein: mittagsheiß verlautloste tierstimmen-regionen, welche weite bereiche meines bewußtseins bedecken. interessant.
keine zeit aber, diese wälder jetzt kennen zu lernen. ein andermal, denn: die gestohlenen 10 oder 12 min sind um. meine rückenhautlippen verschließen sich: das sonnenbad ist zu ende.
ich muß aufstehen und zurück gehen in das eiskalte haus. den widerlich leckeren terpentingeschmack trag ich in einem mund mit hinein.

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