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ruelfig
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Durch sternlose Nacht, durch Regen und Wind,
blind für den Sturm, durcheilt er die Stadt,
im Sinn nur den einen Gedanken: zur Liebsten.
Getrieben von Sehnsucht, von heißem Verlangen,
gelangt er aufs Land, folgt dunklen Alleen,
ihm kann es nicht schnell genug gehen.
Am Fenster steht die Liebe seines Lebens,
sie wartet und wartet und wartet vergebens.
Man sollte halt nicht mit zweihundert Sachen
gegen eine Linde krachen.

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zuppanova
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Ohje, ruelfig, dass er ausgerechnet an einer Linde, dem Liebesbaum (Aphrodite, Freya zugeordnet) mit Herzblattblättern, sich derrennen musste, das ist schon besonders tragisch und gibt dem Gedicht noch einen extra Schuss finale Würze. Jessas. Jessas.
(Die Beate-Camilla hat weinen müssen, heut in der Früh, als die Emmi ihr die Junge Liebe deklamiert hat am Telefon - laut geschluchzt hat die Beate-Camilla.)
Aber ohne Schmarrn, ruelfig, ich finde, dieses Liebesgedicht jagt dramaturgisch solide seiner Pointe entgegen: Sechs Verse lang wird "Er" beschrieben, LeserInnenerwartungen werden aufgebaut, Bilder von unter sternlosen Nachthimmeln durch romantische Landschaften liebrasend reitpreschenden Jungmännern werden heraufbeschworen, dann ein kurzer, spannungssteigernder, klimaxverzögernder Kameraschwenk auf "Sie", die dreimal lang am Fenster steht und doch vergebens wartet --- danach endlich: erlösendes Lindenknallen (Obacht! Oxymorongefahr!) --- und die ganze hoch angretrabte Szenerie fällt in sich zusammen - Exitus.
Ja, so kann das Leben sein. Die Liebe iist ein gefährliches Spiel. Und die Ewigkeit und die Vergänglichkeit, meint meine Beate-Camilla, teilen sich ein- und dieselbe Maske.
LG von zuppa, Emmi und Beate-Camilla

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ruelfig²
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Hallo Zuppanova,
bitte trockne das Gesicht deiner doppeltbenamten Freundin: es ist nur ein Gedicht und ja, auch Männer haben Gefühle und bitte teile Beate-Camilla mit, dass die Erkenntnis der Maskenteilung von Ewigkeit und Vergänglichkeit mich marktief getroffen und zu einer neuen Poeterei inspiriert haben werden.
Ich bedanke eure Nachfühlerei und reiche ein Päckchen papierener Tücher.
Respektvoll,
R

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Datura
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02.02.2010, 20:29 / 1 x geändert
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jaa Zuppanova und ruelfig,
das Leben ist kurz und kann noch viel kürzer sein...
diese Maskengeschichte hat mich auch inspiriert... zu " ewiger Vergänglichkeit"...
( das wär vielleicht ein schöner Schluss für den Eichbaum ^^...)
janz jerührt auch
Datura

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zuppanova
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Dankdirschön, ruelfig, für die feinen papiernen Taschentüchlein. Sehr ritterlich!
Beate-Camilla hat gleich zwei genommen, weil ihr die aufgedruckte Lindenblattbordüre so gefällt. Sie findet jetzt Trost in dem Gedanken, dass die Vergänglichkeit und die Ewigkeit bei Dir auf fruchtbaren Boden gefallen sind, und blickt hoffnungsvoll neuen Poemen entgegen. Emmi lässt Dich auch grüßen. Sie ist so erkältet, dass sie sich gar nicht her traut, die reinste Virenschleuder, und schnupft jetzt halt auch die Lindenblattbordürentüchlein voll, bis es wieder besser wird.
Ja, und von mir sowieso Grüße: zuppa.

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Jolante
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Ein echter Ruelfig-Knaller, dieser Liebeslindenraser und sein jähes Ende. Was du so scheinbar leicht in ein Wortpaket schnürst, wiegt umso schwerer, wenn man es von der Verpackung befreit. Ein pralles schwarzes Gedicht, ruelfig, das meinen Nerv trifft mit seinem knalligen Wahrheitsgehalt.
Liebe Grüße
Jolante

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ruelfig²
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Hallo Datura,
selbst bei Vergänglichkeit kann man sich ihrer Ewigkeit nicht sicher sein. Vielleicht hört ja eines fernen Tages das Vergehen auf und alles bleibt auf ewig? :-). Freue mich über deine Rührung.
Hallo Jolante,
gerne auf deinen Nerv geprallt. In einem anderen Forum wurde dieses Teil heftig kritisiert, wegen Vermischung von Reimarten und der Vorhershbarkeit einer Pointe zum Schluss. So kann es auch gehen.
LG,
R
Hallo Zuppa, wünsche allen gute Genesung. Jetzt hat es mich auch erwischt, Husten, Kratzen im Hals, ach, es ist ein Elend.

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Gretchen
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05.02.2010, 17:31 / 1 x geändert
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also, ruelfig, ich sag ja immer: man kann sich in korsette zwängen, in reimtechnische, metrische undsonznoch, aber man muss es nicht.
und womöglich issett spaßiger, espritvoller, sündiger, mit althergebrachten reimzwängen und schonimmerso eingeschnürten versfüßchen bisschen zu spielen: lockern, mischen, frische farbe drauf ... wie soll sich denn sonz was weiterentwickeln?
(ich nehm mir auch die alte sonettform und mach damit, was die lust mir eingibt, dies oder jenes und sonznochwas, egal, ob das etwelchen strengen silbenzählern in die schnürung passt oder nicht.)
dein lindenknallbonbon ist als ganzes stimmig und hat sowas wie einen eigenen sound.
gugg mal, du arbeitest im ersten sinneinheitenpaket mit assonanzen, dazu immer schön männliche und weibliche kadenzen, inhaltlich ganz gut passend (zur Liebsten ist weiblich, beispielsweise).
a - Wind / männlich
b - Stadt / männlich
a - Liebsten / weiblich
b - Verlangen / weiblich
c - Alleen / männlich
c - gehen / weiblich
im zweiten sinneinheitenpäckchen sind dann reime angesagt, und den plötzlichen bruch, das umschwenken von assonanzen zu reimen kann man wieder begründen, das macht sinn, weil inhaltlich ja auch ein totalschwenk passiert und ein bruch.
lässt sich lesen und knallt auch. find ich.
linde grüße
vom gretchen

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