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Tintolino
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08.01.2010, 19:48 / 3 x geändert
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Edit 26.07.2010
- Faden von *.TXT nach Entwürfe verschoben - Elise
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Du sitzt am Fenster, im Sessel mit den Ohrlehnen.
Ich durchquere den Raum und lächle schon mal vorab.
Alles schön hier, warme Farben und freundliche Bilder an der Wand.
Großzügige, hohe Fenster, mit einem Garten dahinter.
Dein Blick streift mich, dann guckst du weg, zum Fenster hinaus.
Ich hocke mich neben dich, ergreife deine Hand und sage: „Hallo Mama.“
Deine Hand ist kalt und so knochig, alt und so beängstigend nah und fremd.
Deine Hand zittert etwas in meiner, dann ziehst du sie weg.
Du schaust mich nicht an.
Die Pflegerin nickt aufmunternd.
Wozu?
Der Kaffe wird serviert.
Frau Webber rechts neben mir schüttelt unaufhörlich mit dem Kopf und führt langsam die Tasse zum Mund.
Ich bin erstaunt, dass sie es schafft, daraus zu trinken.
Ich lächle wieder und sage: „Mama möchtest du auch einen Kaffee?“
Du schaust mich jetzt an, als wolltest du sagen „ Was soll ich denn sonst wollen?“
Und ich höre wieder einmal deine unausgesprochenen Vorwürfe.
Ich schenke dir Kaffe ein und Frau Eimer links neben dir krümelt den Keks in ihre Tasse.
Die Pflegerin zwinkert mir zu.
Das tut gut.
„ Wann komme ich nach Hause?“ fragst du und ich falle wieder bodenlos, hilflos… mein Magen zieht sich zusammen.
„Mama, das ist hier dein Zuhause „ sage ich und ich weiß, dass es eine Lüge ist.
Du schaust wieder weg von mir, zum Fenster hinaus, aus dem man nicht mehr schauen kann, weil es inzwischen dunkel draußen ist.
Ich verschwinde mal wieder für dich.
Wieder deine Hände. Sie umschlingen sich, umkosen sich, dein Finger spielt mit dem Ring an der rechten Hand.
„Ist der nicht schön?„ strahlst du mich an.
„Den darfst du nie weggeben.“
geänderte Form:
Du sitzt am Fenster, im Sessel mit den Ohrlehnen.
Ich durchquere den Raum und lächle schon mal vorab.
Alles schön hier, warme Farben und freundliche Bilder an der Wand.
Großzügige, hohe Fenste, mit einem Garten dahinter.
Dein Blick streift mich, dann guckst du weg, zum Fenster hinaus.
Ich hocke mich neben dich, ergreife deine Hand und sage: „ Hallo Mama.“
Deine Hand ist kalt und so knochig, alt und so beängstigend nah und fremd.
Deine Hand zittert etwas in meiner, dann ziehst du sie weg.
Du schaust mich nicht an.
Der Kaffee wird serviert.
Frau Webber rechts neben mir schüttelt unaufhörlich mit dem Kopf und führt langsam die Tasse zum Mund.
Ich bin erstaunt, dass sie es schafft, daraus zu trinken.
Ich lächle wieder und sage: „Mama möchtest du auch einen Kaffee?“
Du schaust mich jetzt an, als wolltest du sagen „ Was soll ich denn sonst wollen?“
Ich schenke dir Kaffee ein und Frau Eimer links neben dir krümelt den Keks in ihre Tasse.
Die Pflegerin zwinkert mir zu.
„ Wann komme ich nach Hause?“ fragst du.
„Mama, das ist hier dein Zuhause „ sage ich und ich weiß, dass es eine Lüge ist.
Du schaust wieder weg von mir, zum Fenster hinaus, aus dem man nicht mehr schauen kann, weil es inzwischen dunkel draußen ist.
Ich verschwinde mal wieder für dich.
Wieder deine Hände. Sie umschlingen sich, umkosen sich, dein Finger spielt mit dem Ring an der rechten Hand.
„Ist der nicht schön?„ strahlst du mich an.
„Den darfst du nie weggeben.“

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lost
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Altenheim, ja. Ein bei den Freizeit- und Hobbyautoren der Schreibplattfor(m)en immer wieder beliebtes Thema.
Warum eigentlich? Weil es Gelegenheit bietet, auf "Missstände" aufmerksam zu machen? Weil es hilft, "etwas" zu verarbeiten (Erfahrungen, Ängste ...)? Weil man - das tut gut! - in dem Schreibforengassi, in welches man seinen hochfrequent vorwurfsvoll penetrant kopfwackelnden Alt-sein-ist-Scheiße-Text schließlich ausführt, andere Missstandssensibilisierte trifft, die einen mit warmer Zunge und feuchten Augen ihres Beileides bzw. Beifalles versichern, dahingehend, das sei ein Thema, welches man nicht oft genug ... sie seien berührt und betroffen, erschüttert, zutiefst ... von den Zuständen, die man aber wirklich nun mal endlich ... und auch vom Text, vor allem vom Text, der einen nun mitten in die Pandorabüchse links oben im Brustkorb ... äh ... gedolchstoßt ... und zum Nachdenken - ja, anregend ... sehr ... doch, nachdenklich ...schlimm!
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Zur Erläuterung und um Missverständnissen vorzubeugen:
[1.] Das Thema ist wichtig, brennend, gewiss; mag auch sein, dass der gesellschaftliche Diskurs dazu nicht so geführt wird, wie er geführt werden sollte.
[2.] Womöglich hast Du, Tintolino, hier eigene Erfahrungen verarbeitet. Es liest sich - für mich - nach Befindlichkeits- / Betroffenheitsschreibe. Hobbyautoren neigen dazu (ich lege 52,73 Euro in das Vorurteilskässchen!), sich seufzend, ächzend, schwurbelnd und säuselnd "etwas von der Seele zu schreiben"; wer das braucht und will, mag es gerne tun, unbenommen. Angemerkt sei allerdings: "Der Dichter muss sein Material kalt halten", wie Gottfried Benn (ein relativ bekannter Dichter und Hobbyarzt!) einmal sagte. Und zudem bitte ich darum, wohl zu unterscheiden, dass hier (von mir) nicht die Erfahrung bzw. das "sich etwas von der Seele schreiben" an sich kritisiert wird, sondern das Ergebnis des Prozesses: (oben stehen)der(, öffentlich der Kritik zugänglich gemachter) Text.
[3.] Wie schwer Punkt [1.] und Punkt [2.] auch wiegen mögen als Motivationskatalysatoren, wie wichtig das Thema auch sein mag - dieser Text gehört für mich zu denen, die ich bei mir insgeheim Reproschwulst nenne; manche sagen auch Trivia oder Kitsch (um Dir, Tintolino, diesmal das Googeln zu erparen). Ein trivialer Kitschtext also, welcher sich im Sämigkeitsgrad beispielsweise jenen dreidimensionalen Kunststoff- oder (selbstgegossenen?) Gipsnachbildungen der berühmt-berüchtigten Betenden Hände von Albrecht Dürer vergleichen lässt.
Aber! Es hätte schlimmer kommen können:
...Beispiel 1 ->
...Beispiel 2 ->
...Beispiel 3 ->
best, lost

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Tintolino²
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ok, ich habs verstanden. Dürers Gipshände... grusel.
Kitsch will ich nicht produzieren, deshalb lass ichs besser. Danke für die Kritik . Werde mich dann wieder meinem Hauptberuf zuwenden.
Etwas entschärft obiges zurücklassend verabschiede ich mich aus diesem Forum
mit Grüßen
Tinto

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smooth_velvet
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Ich finde den Text sehr schön, allein schon weil er Gefühl zeigt. Er lässt Raum zum Nachdenken und Interpretieren, statt dem Leser sofort alle un- und erwünschten Informationen vor die Augen zu klatschen.
Davon abgesehen kann man so manche Bekundung von Missfallen bei genauerer Betrachtung durchaus als Kompliment nehmen! ;o)

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Tintolino²
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es war keine Mißachtung der Mühe die sich der Kritiker gemacht hat und ich wollte keinen verägern, deshalb stelle ich den Originaltext nochmal rein.
LG
Tinto

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lost
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10.01.2010, 23:55 / 1 x geändert
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| Zitat: |
| es war keine Mißachtung der Mühe die sich der Kritiker gemacht hat und ich wollte keinen verägern |
deine veränderungen am text, Tintolino, habe ich in keinster weise als affront gegen mich (als kritiker) empfunden.
dennoch: beide versionen einzustellen ist besser, diskurstechnisch korrekter und sinnvoll in hinblick auf die dokumentation des "werkprozesses".
lost
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Enola
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Hallo Tinto,
für mich steckt in dem Text keine Anprangerung von Missständen in einem Altenheim sondern ein Gewissenskonflikt, eine sehr persönliche Geschichte. Die spürbare Betroffenheit stört mich als Leser nicht, im Gegenteil.
Was mir nicht so sehr gefällt, ist die fehlende Sprache der Hände. Sie werden erwähnt, wiederholt auch, aber sie bleiben für mich als Leser unsichtbar.
Zum Beispiel:
| Zitat: |
| Deine Hand ist kalt und so knochig, alt und so beängstigend nah und fremd. |
Was willst Du mit nah und fremd sagen? Kalt und knochig, das beschreibt noch etwas. Nah könnte eine Ähnlichkeit zur eigenen Hand sein, tatsächliche Nähe durch Berührung. Fremd könnte eine Veränderung sein, vielleicht Adern, die stärker hervortreten als in der Erinnerung, oder die Ungeschicklichkeit in der Bewegung.
Genauso hätte ich auch den Ring als Beispiel nehmen können. Wäre er zu Beginn aufgetaucht, vielleicht noch mit einer Beschreibung, wäre er nicht am Ende aus dem Nichts entstanden.
An ein paar Stellen hat sich die Leertaste neben den Satzzeichen selbstständig gemacht und der Kaffee hat mehrmals ein e verloren.
LG
Enola
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Tintolino²
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12.01.2010, 07:58 / 1 x geändert
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ja Enola,
es ist kein Anprangern der Missstände, es ist meine persönliche Geschichte.
Ich danke dir für dein einfühlendes Lesen.
Ich denke, dieser Gewissenskonfikt ist bestimmt auch anderen bekannt.
Den Hinweis, die Sprache der Hände noch zu verdeutlichen, werde ich versuchen umzusetzen.
" beängstigend nah und fremd " steht für die Beziehung, die ich zu diesen Händen als Kind hatte, als sie für mich Schutz, Zuwendung und Geborgenheit bedeuteten... nun sind sie abweisend durch ihre Geste, entfremdet durch die Veränderung durch das Alter und durch die Distanz, die zwischen meiner Mutter und mir entstanden sind, auch durch die Demenz, die sie so verändert hat. Diese widersprüchlichen Gefühle können beängstigend, verstörend sein.
Den Ring sollte ich natürlich auch besser einführen.... übrigens ist die wörtliche Rede meiner Mutter am Ende original so gesprochern worden und das nicht nur einmal.
Und in diesem simplen Satz stecken jede Menge an Interpretationsmöglichkeiten... auch für mich.
LG
Tinto

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