Killbilly · yupag · ·


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      yupag



Killbilly

   19.12.2009, 00:28 / 1 x geändert



„Billy“ hörte er das Mädchen rufen „Billy, komm zurück. Komm her. Bei Fuß“. Und wieder „Billy komm“, lauter, dringlicher. Er drehte sich auf den Rücken und sah sie am Ufer stehen, ein junges, zierliches Mädchen, das immer aufgeregter umherhüpfte, die Arme schwenkend und dann wieder die Hände als Schalltrichter nutzend. Nun sah er auch den Hund, dem ihr Rufen galt. Besser gesagt, er sah den Kopf des Hundes aus dem Wasser ragen. Diesem Kopf nach zu urteilen war es ein großes Tier. Er war jedenfalls überzeugt, dass es ein kräftiger, stämmiger und gefährlicher Hund war, wohl eine Art Kampfhund. Und er bemerkte, dass das Tier auf ihn zu schwamm, zwar noch in gehöriger Entfernung, aber es schwamm auf ihn zu. Schon hörte er ein heiseres Bellen und Jaulen und wunderte sich, dass ein Hund beim Schwimmen Laut geben konnte. Und langsam griff die Angst nach ihm.

Diese verdammte Angst, die ihn schon sein ganzes Leben lang verfolgte und immer wieder ausbrach. Angst vor der Dunkelheit, vor schwierigen Situationen, vor fremden Menschen und nicht zuletzt Angst vor vermeintlich gefährlichen Tieren. Wenn er an einem großen Hund vorbei gehen musste, wurde ihm jedes Mal mulmig. Er bildete sich dann ein, den wütenden Blick, das geifernde Maul, die bleckenden Zähne zu sehen und ein heisere Bellen und Schnappen nach Luft zu hören. In Wirklichkeit ging das Tier friedlich an der Leine seines Herrchen und scherte sich nicht im geringsten um den Angstneurotiker, der einen weiten Bogen um ihn machte. Es gab keinen Grund für diese Angst vor Hunden. Noch nie war er in eine bedrohliche Situation geraten, nur als Kind war er einmal von einem Straßenköter in die Wade gezwickt worden und dennoch hatte sich das Trauma in ihm fest gesetzt.

Die aufkommende Angst beflügelte ihn. Er war kein guter Schwimmer. Sein Stil war ohne Eleganz und er schwamm ziemlich langsam. Wenn er schneller werden wollte, wechselte er von der Brust- in die Rückenlage, aber seine ausladenden Armbewegungen trieben ihn kaum zügiger voran. Jetzt aber strengte er sich an. Er streckte seinen Körper, drehte den Kopf zum Himmel, seine Arme kreisten rascher und wühlten das Wasser auf. Als er wieder zu dem Hund hin sah, hatte sich der Abstand etwas vergrößert, aber nach ein paar weiteren Minuten intensiven Schwimmens war er erschöpft. Er wurde langsamer und der Hund kam wieder näher. Bald war er so nahe, dass er die Augen, das offene Maul, die scharfen, weißen Zähne und die aufgerichteten Ohren deutlich sehen konnte. Das fiktive Bild, das sich in ihm aufgebaut hatte, vermischte sich mit der Realität. Und wieder hörte er aus der Ferne die Rufe des Mädchens, leiser werdend, aber auch aufgeregter und ängstlicher: „Billy komm endlich zurück! Mach keinen Scheiß!“ Aber Billy hörte nicht auf sein Frauchen, sondern schwamm unbeirrt und zielstrebig auf ihn zu. Verzweifelt drehte er sich in die Bauchlage und versuchte mit unbeholfenen, hektischen Kraulbewegungen den Abstand zu vergrößern, aber er wusste, dass er damit nicht entkommen konnte. Wohin hätte er auch entkommen können? Der Weg zurück zum nahen Ufer war durch den Hund versperrt. Vor ihm lag der offene See, das gegenüberliegende Ufer weit entfernt, viel zu weit für sein erbärmliches Schwimmvermögen. Und auch seine Hoffnung, dass der Hund endlich aufgeben oder dem drängenden Rufen des Mädchens folgen würde, erfüllte sich nicht.

Er hörte mittlerweile das schwere, atemlose Keuchen und Bellen buchstäblich in seinem Nacken und als er voll Panik zurückschaute und direkt in die bösen Augen dieser Kreatur sah, fasste er instinktiv einen Entschluss. Er holte tief Luft, tauchte und schwamm unter Wasser einige Meter im rechten Winkel davon. Als er prustend und nach Luft schnappend wieder an die Oberfläche kam, stellte er erleichtert fest, dass der Hund offensichtlich irritiert war, er drehte sich im Wasser und suchte sein Opfer. Aber er hatte ihn rasch wieder entdeckt und nahm die Verfolgung erneut auf. Wegtauchen war auch kein Ausweg, es würde die sichere Katastrophe allenfalls für kurze Zeit verzögern.

Doch überraschenderweise lähmt ihn die nun übermächtig gewordene Angst nicht, im Gegenteil, sie mobilisierte seinen Verstand und seine Kräfte und trieb ihn zum Handeln. Er sah nur noch eine Möglichkeit, dieser gefährlichen Situation zu entkommen. Er strampelte heftig mit Armen und Beinen und wirbelte dabei das Wasser mächtig auf. Der Hund wich zurück. Dann atmete er einige Male tief ein und aus, holte schließlich soviel Luft wie seine Lunge fassen konnte und tauchte erneut. Er schwamm aber diesmal nicht davon, sondern direkt auf den dunklen Körper zu, den er in dem grünen Wasser über sich deutlich sah. Nach zwei, drei Zügen hatte er sein Ziel erreicht, packte den Hund an den Hinterbeinen und zog ihn unter Wasser. Er musste kräftig ziehen, das Tier bot ihm heftigen Widerstand. Er fürchtete, dass er ihn unter Wasser beißen würde, aber das war nicht der Fall. Er zog und zog bis seine Lunge zu platzen drohte, dann ließ er los, tauchte auf, keuchte, spuckte Wasser und atmete die frische Luft tief ein. Der Hund blieb verschwunden. Langsam schwamm er zurück an das Ufer.

Das Mädchen weinte und sah ihn voller Wut an. „Was haben Sie mit Billy gemacht. Er war doch noch so jung und wollte nur spielen.“ Er stieg aus dem Wasser. Seine Knie wackelten, er war von der Angst und der Anstrengung benommen und hatte zugleich ein schlechtes Gewissen. Um seine Feigheit zu rechtfertigen, murmelte er etwas von Köter, Bestie und Lebensgefahr. Dann trocknete er sich ab, zog sich an und fuhr mit seinem Fahrrad davon. Das Mädchen kauerte am Ufer und weinte.

 

      Gretchen



Kill Billy: der Orgasmus des kleineren

   19.12.2009, 09:06 / 1 x geändert



Mannes.



Heia,

in dem Text steckt mindestens ein Quantum hemmingway'sche Stierkampfseligkeit drin, und deshalb darf hier natürlich nicht fehlen "diese verdammte Angst", die unseren Mann "schon sein ganzes Leben begleitete" wie die aufdringliche Note eines billligen Aftershaves und "ihn immer wieder überfiel" - zyklisch? jeden Monat ein Mal? - hinter, unter der Männerschale, der rauen, was dem Prot aber nicht zum evolutionsbiologischen Nachteil gereicht, weil nämlich: die überfallmäßig "aufkommende Angst beflügelte ihn" (obwohl sie, abgegriffen und angerostet, einem seit Jahren im Salzwasser liegenden Kronkorken glich).

Mir gefiele ja mal sonn'ne mehr weibliche Hauptfigur, eine blutrünstige Gegen-den-Strom-Racheschwimmerin, eine Killerkraulerin, eine Butterfly-Wasserbraut mit Würgehänden, oder eine Kettensägenmeer(jung)frau, weil, naja, die Leserinnenschaft ist's doch irgendwann leid und wird eiferzüchtig, wenn die weiblichen Figuren nur immer so blassbleiche Nebenrollen haben in den Stories, so schwach illuminierte Aushilfslolitaauftritte in der Opernpause oder am Strand, und die Männer stehen im Rampenlichtfokus des Plots und lassen sich lesen mit anstrengungsgegerbtem Brustkorb und geschwellten, geschwollenen Muskeln und Hirnen, und spielen an ihren Vorzügen rum und diese auch aus und so weiter ...

Gretchengrüße

____________________________________________

Link des Tages ->

 

      derSibirier



Killbilly

   19.12.2009, 20:06 / 1 x geändert



„Billy“ rief das Mädchen „Billy, komm zurück. Komm her. Bei Fuß“. Und wieder „Billy komm“, lauter, dringlicher. Er drehte sich auf den Rücken (wer?, der Hund?)und sah das Mädchen am Ufer. Es war ein junges, zierliches Mädchen, das immer aufgeregter am Ufer umherhüpfte, die Arme schwenkend und dann wieder die Hände als Schalltrichter nutzend(Punkt) Nun sah er auch den Hund, dem ihr Rufen galt. Besser gesagt, er sah den Kopf des Hundes aus dem Wasser ragen. Diesem Kopf nach zu urteilen war es ein großes Tier. Er war jedenfalls überzeugt, dass es ein kräftiger, stämmiger und gefährlicher Hund war, wohl eine Art Kampfhund. Und er bemerkte, dass das Tier auf ihn zu schwamm, zwar noch in gehöriger Entfernung, aber es schwamm eindeutig(zweideutig geht nicht, streich das) auf ihn zu. Schon hörte er ein heiseres Bellen und Jaulen und wunderte sich, dass ein Hund beim Schwimmen Laut geben konnte. Und langsam stellte sich bei ihm die Angst ein. ("die Angst stellt sich ein" schlecht gewählt, besser: und langsam griff die Angst nach ihm.)

Diese verdammte Angst, die ihn schon sein ganzes Leben lang begleitete(verfolgte) und ihn immer wieder überfiel. Angst vor der Dunkelheit, vor schwierigen Situationen, vor fremden Menschen und nicht zuletzt Angst vor vermeintlich gefährlichen Tieren. Wenn er an einem großen Hund vorbei gehen musste, wurde ihm jedes Mal mulmig. Er sah dann(Er bildete siche ein ...) den wütenden Blick, das geifernde Maul, die bleckenden Zähne und er hörte ein heisere(s) Bellen und Schnappen nach Luft, obwohl das Tier friedlich an der Leine seines Herrchen ging und sich nicht im geringsten um den Angstneurotiker scherte. Es gab keinen konkreten(besser: erklärenden) Grund für diese Angst vor Hunden. Noch nie war er in eine bedrohliche Situation geraten, nur als Kind war er zwar(zwar- streichen)einmal von einem Straßenköter in die Wade gezwickt worden und dennoch hatte sich das Trauma in ihm fest gesetzt.

Die aufkommende Angst beflügelte ihn. Er war kein guter Schwimmer. Sein Stil war ohne Eleganz und er schwamm ziemlich langsam. Wenn er schneller werden wollte, wechselte er von der Brust- in die Rückenlage, aber seine ausladenden Armbewegungen trieben ihn kaum zügiger voran. Jetzt aber strengte er sich an. Er streckte seinen Körper, drehte den Kopf zum Himmel, seine Arme kreisten rascher und wühlten das Wasser auf. Als er wieder zu dem Hund hin sah, hatte sich der Abstand etwas vergrößert, aber nach ein paar weiteren Minuten intensiven Schwimmens war er erschöpft. Er wurde langsamer und der Hund kam wieder näher. Bald war er so nahe, dass er die Augen, das offene Maul, die scharfen, weißen Zähne und die aufgerichteten Ohren deutlich sehen konnte. Das fiktive Bild, das sich in ihm aufgebaut hatte, vermischte sich mit dem realen(mit der Realität). Und wieder hörte er aus der Ferne die Rufe des Mädchens, immer leiser(immer-streichen, "leiser werdend"), aber auch immer aufgeregter und ängstlicher: „Billy komm endlich zurück. Mach keinen Scheiß.(Rufezeichen)“ Aber Billy hörte nicht auf sein Frauchen, sondern schwamm unbeirrt und zielstrebig auf ihn zu. Verzweifelt drehte er sich in die Bauchlage und versuchte mit (seinen) unbeholfenen, hektischen Kraulbewegungen den Abstand zu vergrößern, aber er wusste, dass er damit nicht entkommen konnte. Wohin sollte er auch schwimmen(eine etwas klägliche Aussage)? Der Weg zurück zum nahen Ufer war durch den Hund versperrt. Vor ihm lag der offene See, das gegenüberliegende Ufer weit entfernt, viel zu weit für sein erbärmliches Schwimmvermögen. Und auch seine Hoffnung, dass der Hund endlich aufgeben(Komma) oder dem drängenden Rufen des Mädchens folgen würde, erfüllte sich nicht.

Er hörte nun (nun-streichen)das schwere, atemlose Keuchen und Bellen buchstäblich in seinem Nacken und als er voll Panik zurückschaute und direkt in die bösen Augen dieser Kreatur sah, fasste er instinktiv einen Entschluss. Er holte tief Luft, tauchte und schwamm unter Wasser einige Meter im rechten Winkel davon. Als er prustend und nach Luft schnappend wieder an die Oberfläche kam, stellte er erfreut(du meinst wohl erleichtert) fest, dass der Hund offensichtlich irritiert war, er drehte sich im Wasser und suchte sein Opfer. Aber er hatte ihn rasch wieder entdeckt und nahm die Verfolgung erneut auf. Wegtauchen war auch kein Ausweg, es würde die sichere Katastrophe allenfalls für kurze Zeit verzögern.

Doch überraschenderweise lähmt ihn die nun übermächtig gewordene Angst nicht, im Gegenteil, sie mobilisierte seinen Verstand und seine Kräfte und trieb ihn zum Handeln. Er sah nur noch eine Möglichkeit, dieser gefährlichen Situation zu entkommen. Er strampelte heftig mit Armen und Beinen und wirbelte dabei das Wasser mächtig auf. Der Hund wich zurück. Dann atmete er einige Male tief ein und aus, holte schließlich soviel Luft wie seine Lunge fassen konnte und tauchte erneut. Er schwamm aber diesmal nicht davon, sondern direkt auf den dunklen Körper zu, den er in dem grünen Wasser über sich deutlich sah. Nach zwei, drei Zügen hatte er sein Ziel erreicht, packte den Hund an den Hinterbeinen und zog ihn unter Wasser. Er musste kräftig ziehen, das Tier bot ihm heftigen Widerstand. Er fürchtete, dass er ihn unter Wasser beißen würde, aber das war nicht der Fall. Er zog und zog bis seine Lunge zu platzen drohte, dann ließ er los, tauchte auf, keuchte, spuckte Wasser und atmete die frische Luft tief ein. Der Hund blieb verschwunden. Langsam schwamm er zurück an das Ufer.

Das Mädchen weinte und sah ihn voller Wut an. „Was haben Sie mit Billy gemacht. Er war doch noch so jung und wollte nur spielen.“ Er stieg aus dem Wasser. Seine Knie wackelten, er war von der Angst und der Anstrengung benommen und hatte zugleich ein schlechtes Gewissen. Um seine Feigheit zu rechtfertigen, murmelte er etwas von Köter, Bestie und Lebensgefahr. Dann trocknete er sich ab, zog sich an und fuhr mit seinem Fahrrad davon. Das Mädchen kauerte am Ufer und weinte.


Hallo @yupag

Ich bezweifle, dass ein Mensch mit einer Hundephobie in einer Paniksituation die vermeintliche Gefahr untertaucht und die Bestie ersäuft.
Der Angstzustand des Protagonisten wird dem Leser zu wenig nahe gebracht. Ich spüre nichts von einer hilflosen Furcht. Sprachlich könnte man aus der Geschichte einiges mehr herausholen. Das Ende der Geschichte überzeugt mich nicht. Es kommt mir vor, als wäre dir nichts besseres eingefallen, und mit diesem Umstand im Hinterkopf hast du ein solches Ende hingesudelt.

schöne grüße
derSibirier

 

      yupag²



Killbilly

   19.12.2009, 22:49



Danke, Sibierier, für deine detaillierten Anmerkungen. Ich werde sie berücksichtigen, soweit sie mir einleuchten (nicht die Kommas etc, sondern die zum Text). Ich weiß natürlich auch nicht, ob man so etwas in einer entsprechenden Situation machen würde, aber wenn man genug Angst hat, tut man vieles. Das Ende der Geschichte ist so gewollt und ich meine, auch nicht ganz unlogisch. Ich weiß nicht, ob es gut wäre, die Angst des Protagonisten noch mehr auszutappen.

Ja Gretchen, tut mir leid, dass die Geschichte schon wieder aus der männlichen Sicht geschrieben ist. Vielleicht versuche ich mal eine aus weiblicher Sicht, aber da wird mir ja garantiert fehlendes Einfühlungsvermögen um die Ohren gehauen, so wie jetzt die Machosicht der Dinge. Dennoch danke, dass du dich gemeldet hast.

Gruß yupag




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