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      kirmesbollo



der kleine mann

   11.12.2009, 21:54 / 3 x geändert



lange schaff ich täglich in der agentur
obwohl es nicht das ist was ich gern wollte
so träum ich vor dem schirm von der revolte
und ich schau in einer tour auf meine uhr

weil gegen sechs da treff ich die genossen
wir trinken bier und kucken einen porno
dann liest man marx marcuse und adorno
und sind wir stralle wird auch mal geschossen

wenn endlich feierabend ist ja dann
bin ich nicht werbeknecht nein sozialist
und breche meinem cheffe das genick

doch manchmal fang ich auch zu zweifeln an
ob revoluzzer sein das wahre ist
wahrscheinlich fehlt mir nur ein guter fick

 

      Gretchen



revoluzzen entspannt

   12.12.2009, 02:58



au, bollo, ein schönes hobby hilft so nett, die frustrationen der werktätigkeit zu ertragen.
das teil prollt pottmäßig ausm hemdsärmel prekaritativ in die hood. nix ist dir heilig.

irgendwie schwingt da was durch, so von wegen: marx, marcuse und adorno sind "der andere porno" - wichsvorlagen fürs brain-fucking. und natürlich fiel mir sofort dem mühsam sein revoluzzer ein, und wer da hin klickt und von da dann noch weiter, kommt zu anderen unheiligen dingern.

gretchen grüßt






 

      ögyr



revoluzzen entspannt (und romantisch)

   12.12.2009, 05:05



Na, da habt ihr auch noch den ollen Ernst Busch ausgegraben (übrigens auch einer, der sich am Kieler Theater seine Sporen schärfte). Ich - als bekennender Revolutionsromantiker - würde dann aber auch http://www.youtube.com/watch?v=4QdRKBUUAr8 noch zitieren wollen.

Hört es und werdet innerlich stramm ;-)

deint und meint: ögyr


fein gemacht - d'accord. Und fein gereimt: "Adorno" auf "Porno", das hat was.


--- zusammengefügt ---

ögyr, für kleine Veränderungen an Beiträgen bitte den "Bearbeiten"-Button benutzen.
Elise

 

      Jolante



der kleine mann

   12.12.2009, 13:28



Grüß dich Bollo,

und lass dir von einer jolantisch behinderten Sozistin sagen, dass dich dein LyrIch-Genosse zu einem inhaltlich wie handwerklich gelungenen Spott-Sonett inspiriert hat. Ja, so pointiert geschrieben, macht ein Text Spass und wenn man ihn ernst nimmt, was ich ausdrücklich empfehle, macht er sogar nachdenklich.

Jolante,
eine noch keine 68erin

 

      Gretchen



ernst busch ausgraben

   12.12.2009, 21:18 / 1 x geändert




ögyr:

Zitat:
Na, da habt ihr auch noch den ollen Ernst Busch ausgegraben


joa, für irgendwas muss youtube ja gut sein. ;)


aber, hör mal, ögyr: "ihr"?
kein kolchotisch-anonymes "ihr" hat den ollen buschernst ausgegraben, sondern ich war das, gretchen, ganz allein in tiefster, von keiner lampe erhellten nacht, ohne irgendwen neben mir als stab und stütze, getrieben aber von einem winzigen hintergedanken an dich, jawoll.



-----

da du, was ja voll im grünen bereich iss, darauf bestehst, dass du und deine freunde als je "eigenständige" autor(inn)en und sprecher(innen) betrachtet werden sollen, könntest du schon mal mit gutem beispiel vorangehen und die leute hier, wenigstens die, die dir was geantwortet haben - gretchen, Jolante, ruelfig, lost, zuppanova, Marcel Frank, augustine, kirmesbollo, gregor libkowsky, habichwenvergessen - auch bisschen differenzierter wahrnehmen: alles eigene, einzelne stimmen, woll.

 

      lost



relaxed

   13.12.2009, 01:48



Sonetten gibt es in vielen Facetten.

dieses hier ist angenehm "relaxed" geschrieben. wohltuend unverquastet.
geradlinig, ohne unnötig ab zu schweifen, kommt es auf den Punkt.
auch ich empfehle, es ernst zu nehmen. Vermutung: es gibt sich
naiv, weil es von Vorteil ist, wenn man unterschätzt wird.

sprachverspieltes Detail:
der geknechtete Weber des 19. Jahrhunderts wird
zum globalisierten Werbeknecht "jetzt".

best regards, lost

 

      zuppanova



der Freud und die Freude

   16.12.2009, 00:18



Lieber Herr Kirmes,

am liebsten tät ich jetzt einfach schreiben, dass mir so ein Feierabendrevoluzzer gefällt und Punkt.

Aber die Beate-Camilla, meine Freundin, Sie wissen schon, Biebering-Bäumele, die hat wieder gelesen hier im Forum, und bei Ihrem Sonett, Herr Bollo, ist sie gleich ganz furchtbar scharfsinnig geworden und hat auf mich eingeredet noch und nöcher und gesagt, ich soll schreiben, da sei der Freud drin, der Sigmund.

Im zweiten Quartett, das sehr schön als Gegenbewegung zum ersten entworfen sei, stecke der Freud mit drin, hat sie gesagt, und zwar als einer seiner eigenen Abwehrmechanismen. Da gehe es nämlich ganz eindeutig um die Kompensation, indem beschrieben werde, wie Ihr Lyrich die in der Agentur beim Arbeiten erlebte Minder-Wertigkeit abends mit den Genossen - ja, mei: kompensiere halt, revoluzzerisch.
Und außerdem, sagt die Beate-Camilla, sei das ein hervorragendes kulturpsychologisches Sonett wegen der darin enthaltenen Sublimierung, und wer das nicht glaube, der solle einmal bedenken, dass "revoluzzen" eine Kultur schaffende und künstlerische Tätigkeit sei, und dann den Schlussvers lesen, und dann müsse er's glauben.

Ich hab die Beate-Camilla gefragt, was denn eine "Sublimierung" eigentlich sei, aber sie war schon so in Fahrt, dass sie schier geschäumt hat, und in dem Zustand wird sie meistens englisch, das bringt dann nimmer viel, und prompt ist's herauskommen aus ihr ganz entflammt:

"Freud believed that the greatest achievements in civilization were due to the effective sublimation of our sexual and aggressive urges that are sourced in the Id and then channeled by the Ego as directed by the Super ego."

Ja, die Beate-Camilla macht immer alles so kompliziert wie möglich, gell.
Mir ist der Freud von der Beate-Camilla ja relativ wurscht.
Ich hab eine Freud g'habt beim Lesen.
Das ist doch viel besser!

Viele Grüße, Ihre
Emmi Donnerkogl-Schlagindweit




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