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ruelfig
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Ich suche und google, ich kann sie nicht finden,
sie war doch ganz neu, sie stieg noch im Wert.
Wie kann sie denn bloß so einfach verschwinden?
Sie liegt nicht im Kühlschrank und nicht auf dem Herd.
Mir ist meine Meinung abhanden gekommen,
sie war nicht besonders, es war ja nur meine.
Ich denke an sie, wenn auch verschwommen -
vielleicht genügt mir in Zukunft die deine?

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Christiane
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Heyho - stimmt, Dein Gedicht (oder eher Reim) ist etwas untergegangen im Kampfgetümmel, ich hab's aber bemerkt, ohja.
Jedenfalls gefällt mir die Idee, etwas "Deinung" und nicht Meinung zu nennen, ich werd den Begriff auch dreist in meinem Wortschatz unterbringen und bei Gelegenheit zum Besten geben.
Und: es erinnert mich irgendwie an meinen verrückten (genialen) Schulphilolehrer, der meinte, dass fast alles, was wir "Meinungen" nennen, den Titel gar nicht verdient haben, denn es seien mehr "Aneignungen", und dass unser ganzes Denken sich an diesen von außen eingegebenen -einungen entlanghangelt. Er hat sogar Selbstexperimente gemacht, ist in die Einsamkeit gegangen, mit Abschottung, Verwilderung und allem Drum und Dran und hat in sich gehorcht, ob es da Gedanken sind, die nur von ihm kommen, ganz aus ihm selbst. Zutiefst enttäuscht kehrte er zurück und erkannte, dass alles, was er dachte, Angelesenes war.
Ein Grund auch, warum der Nietzsche nur ganz wenig Bücher las. Er wollte sich in seinem ihm eigenen Denken ja nicht beeinflussen oder lenken lassen!
Ohne die zwei Vierzeiler hätte ich den Titel nicht verstanden, aber es liest sich doch mehr wie eine gereimte, lustige Erklärung zum Titel, denn wie ein mühsam zusammengeblutetes Gedicht - aber ich glaubte auch nicht, dass das deine Absicht war?
Jedenfalls begeistert vom Begriff "Deinung" zeigt sich:
Christiane

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zuppanova
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Herr ruelfig,
das ist eine schöne und tief aus dem Leben geholte Erkenntnis, mit der Sie hier aufgereimt haben.
Bei mir ist es so, dass ich meine ganzen eigensinnigen Meinungen schon lang beim e-bay verkauft hab für ein paar runde Taler.
Ja mei, eine Weile hab ich dann noch ein paar Deinungen gehabt, aber mit denen war es auch nur ein Kreuz. Eine davon ist dauernd zum Brunnen gegangen, so lang, bis sie brechen musste, jessas, war das eine Sauerei, grad vor unserer Haustür ist es ihr passiert, am helllichten Tag.
Ich hab dann gleich den Besen geholt und herzhaft gefegt.
Dann, gar nicht lang später, hat eine andere Deinung, als ich grad drunten im Keller auf dem Wäscheberg war, im Schlafzimmer oben hinterrücks den Kleiderschrank ausgeräumt und sich als Meinung verkleidet, ist hinausgelaufen im dünnsten Neglischee und hat mir die ganze Nachbarschaft rebellisch gemacht. Hab sie kaum wieder einfangen können! Der Herr Gutherath von gegenüber hätt beinah die Polizei geholt!
Und dann, wieder so eine andere Deinung, hat eines schönen Sonntagmorgens angefangen, sich stock und steif auf einen Standpunkt zu stellen, mitten im Wohnzimmer. Hat ein Riesengschiss gemacht, sich schließlich ausgedehnt und ausgedehnt, immer mehr und mehr und noch mehr und weiter - und ist geplatzt.
Javerreck!
Alles voll, Herr ruelfig, alles versaut.
Das war eine Putzerei! Da war bei mir der Ofen am Ende!
Seither hab ich nur noch Keinungen (klick), und mit denen bin ich rundum zufrieden. Die machen keine Scherereien.
Und meine Freundin, die Beate-Camilla Biebering-Bäumele, hat auch nur noch Keinungen.
Alles andere, meint sie, ist ja heutzutage von gestern.
Auch recht honigzungig mit herzlichen Grüßen
verbleibe ich als Ihre
Emmi Donnerkogl-Schlagindweit

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Gretchen
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Ui, Emmi,
da haben Sie aber Glück gehabt, ich meine, mit dem ge-e-bay-ten Meinungsverkauf!
Ich meine, inzwischen gibt ja kein Schwanz mehr Bares für eine Meinung, und wenn sie noch so geschmeidig ist. Ich hab meine Meinungen ja leider nicht rechtzeitig abgestoßen, und jetzt sitz ich drauf und niemand will sie haben. Als poeta non docta et non laureata hause ich in einer winzigen Dachstube, und der Restraum da oben ist noch viel restiger, weil die unnützen Meinungen überall rumliegen und maulen. Und ich kann zusehn, wo ich bleibe, joa ...
Jetzt hab ich aber mal angefangen, die Knackigste von allen so bisschen neu zu stylen. Will die als Schweinung zurechtmachen, weil, wie heißt es so schön: sex sells.
Morgen Abend bin ich zu sonn'ner Lesung geladen, so mit Lyrik, Schnittchen und intelligenter Kommunikation. Da nehm ich sie direkt mit, meine Schweinung, mal kuckn, was passiert. Vielleicht kann ich sie als Gesprächspausennutte laufen lassen und hinterher für ihren Auftritt paar Kröten kassieren.
Also, Dankeschön, ruelfig, dass Sie das Thema mal angereimt hamm. Warjawoll über fällig, ne!
Geschäftstüchtig grüßt
das @gretel

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ruelfig²
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11.12.2009, 19:59 / 1 x geändert
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Hallo Christiane,
das hübsche Wortspiel stammt leider nicht aus meinen Windungen, sondern wurde mir vom Kirmesbollo (Gruß!Wink!) zugetragen, also nicht zusammengeblutet. Das erinnert mich an eine Geschichte, die sich auch mit dem Thema: Wer bin ich, wo bin ich und wer ist daran Schuld? beschäftigt.
http://www.literature-online.de/thema1614.htm
Ja, das ist immer so ein Kreuz mit der Selbstfindung, wenn man sich dann endlich hat und feststellen muss, dass man sich nicht verstehen kann.
Den Unterschied zwischen Reim und Gedicht, magst du mir den noch erklären?
Ja, und ich bin froh, nie Nietzsche gelesen zu haben, er hätte mich beeinflussen können und wer weiß, was ich dann schreiben würde.
Sehr geehrte Frau Emmi Donnerkogl-Schlagindweit (ein Name, ein Programm?),
das mit dem Ebay habe ich auch mal versucht, Gedicht plus Bild angeboten und musste das dann für 6,35 Öcken lassen. Der Reim geht so:
Auf eBay
Ich versteiger hier mein Leben,
nur ein Euro Startgebot;
kann es mir nicht länger leisten,
esse täglich trocken Brot.
Sicher fragst du, lieber Bieter:
und was soll ich mit dem Mann?
Folgend will ich kurz beschreiben,
was man mit mir machen kann:
Setz mich ein als Lampenständer,
Stütze für den Gartenzaun,
lebendes Ersatzgeländer,
für die Kinder auch als Clown.
Garantie wird nicht gegeben.
Auf dem Photo, das bin ich.
Zwar gebraucht, doch gut erhalten.
Die Gebühren gehn auf mich.
Vielen Dank für die lebendigen Erzählungen über den Ärger mit den Meinungen. Bei mir zerfallen die immer zu Staub und liegen alles voll und dann muss ich wieder putzen und habe den ganzen Tag eine so was von schlechte Meinung, also, das würde ich nicht meinen ärgsten Feinden zumeinen. Danke auch für den Link, sehr erhellend.
Hallo Gretchen,
ich wünsche dir recht viel Erfolg dabei, deine Schweinung durch die Lesung zu treiben. Berichte doch bitte gelegentlich davon. Und das mit dem Sex sells habe ich nicht verstanden, bei uns gibt es nur noch Kassierer(innen), also so bei AldiLidlPlus, wäre das dann: Sex collects?
Gute Geschäfte euch noch, in der Vorweihnachtszeit läuft Literatur & Germanistik bekanntlich wie besemmelt.
LG,
R

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