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Bananenfisch
mmazzurro
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arisia (Gast)
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10.06.2006, 21:48 / 2 x geändert
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Warum läuft der Mond vor mir davon?
Bekümmert, doch auch belustigt schaut der Vater auf die schwarzen Flechten. Gerade sechs Jahre alt, möchte Camilla wissen, warum ihr Vater den neuen Turm nicht so hoch baut, daß sie endlich den Mond erreichen kann. "Warum," fragt sie den Vater, "komme ich dem Mond niemals näher, so hoch ich auch auf die Berge klettere, ihm über weite Ebenen, an deren Ende er zu warten scheint, entgegenlaufe? Warum läuft der Mond vor mir davon?"
In der Kammer wird das Licht trüber, die Abenddämmerung zieht herauf, und der Mond erscheint voll und golden am Himmel.
"Komm, mein Kind. "Der Vater faßt Camilla bei der Hand, "laß uns noch ein wenig im Mondlicht spazieren gehen. Ich will dir die Geschichte vom Mond erzählen.
"Vor langer Zeit, als der Mond die Menschen noch regelmäßig besuchte, und die Kinder auf seinen silbernen Wiesen tollten bis es Zeit war schlafen zu gehen, lebte ein böser Zauberer. Bösen Menschen aber war es verwehrt den Mond zu betreten. Das ärgerte den Zauberer so sehr, daß er es nicht ertragen konnte, die Kinder auf dem Mond spielen zu sehen. Er heckte eine Plan aus, um den Mond zu vertreiben.
Jedes mal, wenn die Kinder in den Vollmondnächten auf dem Mond spielten, warf er von einem Versteck aus feurige Kugeln und giftige Pilze auf die silbernen Wiesen, so daß diese verbrannten und verdorrten. Niemals sah jemand den Zauberer. So glaubte der Mond, die Kinder täten ihm dieses Übel an. Und er verschwand.
Einer deiner Urahnen aber, Camilla, war ein bedeutender Finder. Der Finder war auch ein gütiger Mann und so machte er sich an die Arbeit den Mond für die Kinder zu finden. Er fand den Mond hinter dem Rand der Welt noch am nächsten Tag. Er bemühte sich, den Mond zu überzeugen, daß die Kinder ihm nichts Böses wollten. Lange hörte der Mond dem Finder zu, und nach einiger Zeit wagte er sich langsam wieder hinter dem Rand der Welt hervor. Aber, als er vollends sichtbar wurde, und die Kinder ihn gerade betreten wollten, da packte ihn wieder die Angst und zog ihn zurück.
Seit tausenden von Jahren wird der Arme nun schon von seiner Angst vor den Feuerkugeln gefangen gehalten, aber immer wieder, wenn er hinter dem Rand der Welt verschwindet, zieht es ihn zurück zu den Kindern. So geht er rastlos auf und unter, und kein Turm, Camilla, ist hoch genug, um ihn zu erreichen.
"Verstehst du, Camille, er läuft nicht vor dir davon, sondern vor den Feuerkugeln und den giftigen Pilzen des bösen Zauberers."
Da weint das Mädchen, nicht nur, weil es selbst niemals auf dem Mond spielen kann, es begreift, wie einsam der Mond ist, weil es selbst einsam ist ohne seine silbernen Wiesen.

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Jolante
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Liebe Arisia,
ein reizendes, gut formuliertes Märchen, ich bewundere immer wieder deine schöpferische Phantasie. Ich würde aber vorschlagen, die Rahmenhandlung etwas zeitgemäßer zu gestalten und nicht ins 19. Jahrhundert zu verorten. Wo gibt es heute noch ein elfjähriges Mädchen, das einem alten Lehrer so eine Geschichte abnehmen würde ? Ich würde das Kind sechsjährig machen und es sollte die Frage an seinen Vater, der ja diesen Turm baut, richten. Auch die Flechten würde ich durch Zöpfchen ersetzen. Den letzten Satz würde ich komprimieren, etwa so: "Da weint das Mädchen, denn es begreift, wie einsam der Mond ist, weil es selbst ja auch einsam ist ohne seine silbernen Wiesen."
Es grüßt Jolante

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arisia (Gast)
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Hi, Jolante,
das Märchen selbt ist schon für jüngere Kinder gedacht, aber die ProtagonistInnen müssen doch nicht im selben Alter sein wie die ZuhörerInnen. In den meisten mir bekannten Märchen sind die handelnden Kinder eher um die zehn bis zwölf Jahre alt.
Das Märchen spielt in einer Zeit, in der die Erde noch eher als Scheibe gedacht wurde. Bin verschiedene Märchen mit diesen "Warum" Fragen am schreiben, spielen alle in verschiedenen Zeitaltern, auch in der Moderne.
Auf die Idee kam ich vor einiger Zeit, als mir noch mal einfiel, daß, als ich meinen Vater eben diese Frage mit dem Mond stellte, ich war 5, 6 Jahre alt, ich mir einen astronomischen Vortrag anhören mußte, bei dem ich wahrscheinlich nach einer Minute höchstens die Ohren zuklappte.
Dann habe ich mir vorgestellt, wie ich persönlich, zu dieser Zeit, die Frage gerne beantwortet gehabt hätte.
Daraus ist dann die Idee entstanden, diese "Warum" - Fragen der Kinder in Märchenform zu beantworten.
Über den letzten Satz denke ich noch einmal nach.
lg
arisia

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Jolante
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liebe arisia,
dass du deinem Vater im Alter von 5-6 Jahren die Mondfrage stelltest, bestätigt mich in meiner Auffassung, dass auch das Kind, das im Märchen die Frage stellt, in diesem Alter sein sollte. Natürlich sind das Marginalien, aber trotzdem, ich bleibe dabei: Weg mit den 11 Jahren, weg mit den schwarzen Flechten, weg mit dem alten Lehrer, hier mit dem Vater ! Gerade, weil mir das Märchen so gut gefällt, wünschte ich mir die Rahmenerzählung etwas zeitgemäßer. Ansonsten kann ich dir nur Rosen streuen !
LG Jo

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