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ögyr
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das volksgefängnis für die mörder
von gestern, errichtet von den mördern
von heute. befragend, wann wir
nicht mehr morden müssen,
um dem morden ein ende zu bereiten.
immer noch stehen die revolutionen
aus, als immer nur nachholende.
die antwort auf das jahrzwölft
(77-89) steht noch aus.
die tränen kamen jenen, die
die schlacht gewonnen hatten,
wetzend das messer an den mauern.
die opfer blieben tränenstumm.
trocken hingen sie an den gittern
stammheims, kein blut vergossen.
und die befreiten beugen sich weiter
unter das joch des verzichts. und singen,
nicht mehr vorhanden, das leid der freiheit.

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Gretchen
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Heiala, ögyr, willkommen, und gleich mal zu Deinem Text!
1. Frage
Dieses "wir" in Zeile drei: Wer ist da gemeint? Wer sind wir denn? Also, bin ich bzw. sind wir da automatisch drin enthalten, wenn ich oder wir alle Dein'n Text lese(n)? Irgendwie verwirrt uns das wir ...
2. Feststellung
Partizippraesens ist was Tolles und generell unterbewertet in der Lyrik. Hier in Deinem sprachlich insgesamt leider bisschen altbacken(d?) ("tränenstumm" undso) und zeigefingerstümpfelnd(!) daherkommenden(!) Text sind leider nur drei so Partizipräsense drin, wenn ich so aufn ersten Blick richtig geguggt hab: befragend, wetzend, nachholend.
Da könntest Du vllt. was machen, um Dein Gedicht aufzuwerten in Richtung innovative Sprache (Titel auch gleich miteinbeziehen!).
3. Mein Vorschlag
zum renngrabend 8-end
das volksgefängnis für die mörder von gestern errichtet von den mördern von heute.
befragend, wann wir nicht mehr morden müssend dem morden ein ende bereitende sein werden.
immer noch ausstehend die revolutionen als immer nur nachholende.
die antwort auf das jahrzwölft (77-89) noch ausstehend.
in tränen kommend jene, die die schlacht gewonnen habend wetzend das messer an den mauern waren.
die opfer tränenstumm bleibend trocknend an den gittern stammheims hängend kein blut vergiessend.
und die befreiten beugend sich weiter unter das joch des verzichts.
und singend, nicht mehr vorhanden seiend, das leid der freiheit.
4. Fazit
Wie Du wahrscheinlich direkt merkst, kriegt Dein Teilchen durch die veränderte Zeitstrukturierung und die ungewöhnlichen Verbkonstruktionen erstens richtig drive und zweitens wird in meiner Version auch die Aussage, also der Inhalt, i.e. das brisante politische Moment im Text, noch mehr herausgearbeitet bzw. formal unterstützt oder unterstrichen und hervorgehoben, was ja doch wichtig ist.
Die Zeilenumbrüche hab ich übrigens gleich mal mitrenoviert, weil, die find ich in Deiner Version noch nicht so ganz stimmig.
5. Schlusssatz
Also, hoffend, Dir paar schöne Denk- und Dichtanstöße zum weiteren Befeilen Deines Textansatzes gegeben zu haben und stets zu Diensten mich empfehlend verbleibe ich nun endlich endend
Gretchen

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lost
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Liebe Margret,
du fixierst dich meiner Meinung nach zu sehr auf diese Partizipiensache und das "wir", welches freilich mit äußerstem Bedacht zu gebrauchen ist und so, wie es hier verwendet wird, womöglich den Text schwächt.
Nun, ja, da ist formal Ungelenkes, dem gebe ich gerne statt, womöglich auch eine Spur zu viel Moralin, was aber bei einem "politischen" Gedicht zugestanden sein sollte. Die Bildsprache ist nicht unbegingt durchgehend originell; dennoch - dennoch: Ich las schlechtere Texte hier und möchte diesem eine gewisse suggestive Kraft nicht absprechen, auch zugute halten, dass die Thematik nicht leicht zu greifen ist.
Der Autor bezieht Stellung, indirekt, und vermag immerhin seinen Standpunkt zu vermitteln.
best, lost

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Jolante
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05.12.2009, 11:16 / 1 x geändert
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Hallo, ögyr,
sei mir willkommen in "unserer" Runde. Nichts von dem, was Gretchen stört an deinem Gedicht, stört mich. Das mag am Altersunterschied liegen oder am unterschiedlichen Sprachgefühl. Auch finde ich nichts "Altbackenes" in diesen für mich inhaltlich und formal überwiegend stimmigen Versen, und auch das "Wir" ist für mich durchaus nachvollziehbar, denn ich unterstelle, dass es hier für den Begriff "Menschheit" steht. Gelungen finde ich es, aus dem "Lied der Freiheit" das "Leid der Freiheit" zu machen.
Tut mir leid, Gretchen, aber ich finde, dass in diesem Fall dein "Vorschlag" das Gedicht nur verschlimmbessert. Wir können ja auch mal unterschiedlicher Meinung sein, woll !
Es grüßt Jolante

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Gretchen
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Jolantchen, nur nochmal kurz, um eventuelle Missverständnisse wegen meines "Verbesserungsvorschlags" zu vermeiden:
Mein Vorschlag war doch nicht wirklich ernsthaft als Verbesserung gedacht, sondern eher als ne Art Persiflage des Textes; war gedacht als sonn'ne "Verkrassisierung" des Ganzen, um deutlicher herauszustellen, was meiner Ansicht nach an der Sprache nicht funktioniert, wo die Schwachstellen sind. Also nein, auf keinen Fall sollte das ein ernsthafter Vorschlag sein, es in der Richtung zu verändern, das wär ja vollends furchtbar.
Manchmal werden die angefaulten Stellen erst sichtbar, wenn man eine Lupe drüber hält - verstehst du, so mehr war mein Vorschlag gedacht, als Lupe zum Sichtbarmachen von Partizipialkonstruktionen geschuldeten, textbedrohenden Sprachgefährdungen ("Schwurbelwürmer"); ist also eine Verbesserungsversion, die man um die Ecke gedacht lesen sollte, entfaltet ihre "Konstruktivität" gleichsam "durch die Hintertür".
Ja, hm, ja, ich geb zu, dass ich vielleicht inzwischen bisschen übersensibilisiert bin.
Alles, was auch nur eine Spur nach Betroffenheitslyrik stinkt, aktiviert bei mir gleich die killerkrötigen Schmelzlyrik-Abwehrreflexe, also, da genügt bereits ein Molekül Säuselpheromon in 1228 ccm³ Lyrikwolke, und schon ballt meine innere Kampfkröte die Fäuste ... ;) ... wird sich ja zeigen, wie und womit ögyr sich weiter hier einbringt ...
Viele Gretchenkrötchengrüße und einen schönen Samstag!

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Jolante
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05.12.2009, 18:33 / 3 x geändert
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Greta Ranicka,
wie peinlich! Nahm ich doch deinen Verschlimmbesserungsvorschlag für bare Münze. Nun muss ich bezahlen mit schlechtem Gewissen, weil ich diesmal nichts ge-checkt habe und jetzt ge-chockt bin. Das nächste Mal lese ich aufmerksamer. Versprochen, woll !
Jolante
(schamrot)

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Gretchen
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neenee, Jolanta Cara, nix schamrot, bitte. dein nichtverstehen liegt wohl in dem fall eher daran, dass mein kommentar nicht gut genug ausgearbeitet war/ist, und die persiflage natürlich dementsprechend eine sehr schwache (aber, naja, kannundmusswohlnichtimmersosein, dass im kommentar genausovielodermehr feilarbeit steckt als im quelltext ...).
deine kröte.

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zuppanova
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Guten Abend allerseits.
Ohne jemanden irritieren oder verletzen zu wollen, möchte ich doch ohne Umschweife gestehen, dass mir beim ersten Lesen dieses Gedichtes der Ausdruck "pseudointellektuelles Geschwurbel" durch den Kopf schoss.
Für mich ist dieser Text eine Art von gehobenem Junkfood, ein wohlfeiles Gedicht, das nichts riskiert und vor allem Bedürftigkeiten bedient (es tut gut, sich ein wenig zu entrüsten, den Kopf zu schütteln, betroffen zu sein, ohne etwas riskieren zu müssen: rein lyrisch eben), durchaus auf einem gewissen Niveau der Verkünstelung angekommen, aber ohne eigentlichen Nährwert, sprachlich unbefriedigend (vgl. Gretchen), in der Bildführung verwaschen bis disparat - und inhaltlich? Mir scheint, es habe mit Politik ungefähr so viel zu tun wie ein Christstollen mit Religion zu tun hat, bzw., um präzise zu bleiben, mit Religiosität oder Spiritualität.
Als Analyse oder Stimmungsbild einer bestimmten Ära "dieses unseres Landes" taugt es meiner Ansicht nach nicht, da weder stringente, starke Metaphern vorhanden noch klare Gedankenführung erkennbar.
Mir ist (und man verzeihe mir das Vorurteil), als ob es geschrieben sei für ein bestimmtes, relativ saturiertes Publikum Nichtganzhalbgebildeter, die zu ihrem "guten Glas Wein" außer Weißbrot und Grissini (schreibt man die so?) gern auch etwas "Kunst" - gern auch Lyrik; gern auch "was Politisches" - nehmen, welche gefällig den "Zustand" der "Welt" beklagt: dieses ganze sinnlose Morden zum Beispiel, das "wir" wohl einfach nicht lassen können, oh je, oh ja, und seit Jahrtausenden geht das schon, also wann endlich nimmt das ein Ende? So what - ?
Ruelfigs Gedicht Raus (entschuldige bitte, Ruelfig, und sei mir nicht böse, dass ich deinen Text hier anführe) finde ich, um einen Vergleich zu setzen, wesentlich "politischer", da es ehrlicher, direkter und viel frischer und lebendiger ist sowohl auf der sprachlichen als auch auf der inhaltlichen Ebene: Ruelfigs Gedicht weiß, was es sagen möchte und findet vordergründig vielleicht einfache, aber tragfähige und kraftvolle, bei näherem Hinsehen auch subtile Worte; es könnte imho jederzeit auch als Beitrag zu der hier von ögyr angerissenen Thematik gelesen werden.
Noch einmal:
Dies soll kein Affront gegen jemanden sein, es ist ein persönliches Statement und ein Versuch, mein subjektives Unbehagen an diesem Text zu formulieren. Nicht mehr, nicht weniger.
LG, zuppa
lost, wie würdest du denn den "Standpunkt" des Autors beschreiben?

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lost
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06.12.2009, 16:20 / 4 x geändert
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zuppanova fragt:
| Zitat: |
| lost, wie würdest du denn den "Standpunkt" des Autors beschreiben? |
nun, ich sagte weiter oben, der Autor beziehe indirekt Stellung und verstehe es, seinen Standpunkt zu vermitteln.
das ist - wie ich jetzt erkenne, da du nachfragst, zuppanova - sehr unglücklich formuliert.
ich versuche zu erläutern.
dem Text meine ich anzumerken, dass der Autor sich darin gefällt, eine bestimmte Attitüde einzunehmen:
Mahner, Warner, Ankläger, Wachrüttler, Entlarver - den Finger legen in die Wunden der Epoche, die schlimmen Zustände auf den Punkt bringen.
dies gelingt ihm immerhin insofern als der Duktus dieses Gedichtes an Brecht, den leidenschaftlich politisch denkenden Kämpfer, den leidenschaftlichen Liebhaber, den kindlich gebliebenen Mann, und an seine von Leidenschaft und Leben strotzenden, das Ohr an eine schreckliche Zeit legenden, durchaus auch zum Lachen verführenden, nicht selten ein großes Pathos bedienenden, immer wieder innig zärtlichen und anrührenden, tief in die menschliche Seele schauenden und daher zeitlosen Texte gemahnt; mich zumindest. so wie man ein Stück trocken gewordenen Dresdner Stollens verzehrend doch allemal unbeschadet auch an Religion, Religiosität, mönchische Kasteiung, das ewige Leben, unhintergehbare Wahrheiten und menschliches Verstricktsein denken kann, so denke ich diesen Text lesend zärtlich an Brecht'sche Lyrik.
ist es so klar genug, zuppanova?
best, lost

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kirmesbollo
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07.12.2009, 19:36 / 2 x geändert
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Hallo Zusammen,
ich kann sowohl zuppas, als auch losts Kritik etwas abgewinnen, doch funktioniert der Text für mich weitestgehend als Momentaufnahme eines Lebensgefühls heraus. Wer selbst schon einmal Angst hatte, ins Fadenkreuz der Exekutive zu geraten (§129a), nur weil er/sie sich öffentlich kritisch zu den Haftbedingungen unter der im Titel des Textes vorweggenommenen Adresse geäußert hat, kann das im Ansatz nachvollziehen. Schön wäre für mich noch zu erfahren ob das „Leid der Freiheit“, das da gesungen wird nicht etwa ein Tippfehler sein mag.
Nur mal so: der bollo

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ruelfig
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07.12.2009, 19:53 / 1 x geändert
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Hallo ögyr,
ich empfinde deinen Text als eine Frechheit. Du verteidigst die Freihheit, die die Arschlöcher von der RAF und vom 2.Juni und wer sonst noch einforderten, um die Freihheit des Denkens, der Rede, des Lebens, der Liebe unter dem Diktat irgendeiner Klasse begraben zu können. Keiner muss für irgendwas morden, darum ist deine Frage: "wann wir nicht mehr morden müssen" ein Blödsinn. "Wir" müssen schon mal gar nicht morden und hier stehen keine Revolutionen aus. Was für ein doofes Revolutionjetztkommhimmeloderhöllegeschmonzes! Das Leid der Freiheit? Kommunisten kennen so was nicht. An den Gittern von Stammheim hängen dumme Geister, gescheiterte Diktatoren.
Technisch ist dein Beitrag nicht gerade der Apfel vom Ei, aber das haben dir Berufenere schon mitgeteilt.
@Zuppanova: man freut sich, gelesen zu werden.
LG,
R
P.S.: Bollo: der meint das Leid, nicht das Lied. Geht aus dem Text hervor.

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augustine
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Ich danke dir, Ruelfig!
Ich habe durchaus den eingestellten herausgebrechteten Text gelesen, sprachliche und gedankliche Mängel registriert und erwogen, beide - an Anfängen macht man das ja mal - im Einzelnen auseinanderzupflücken. Kostet aber Zeit, und über meine verfüge ich nicht gerne großzügig, wenn ich mir denken kann, dass sie damit vertan wäre. Denn wer Texte solcher Art zu Dutzenden verfertigt und vmtl. aus seinem Umfeld heftigste Akklamationen dafür erntet, wird kaum bereit sein, sich auf eine negativ-kritische Analyse einzulassen.
Darum der Dank oben für eine klare Ansage.
augustine

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Christiane
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Guten Tag allerseits,
anhand der letzten beiden Reaktionen zu diesem Gedicht von ögyr, drängen sich mir, als ebenfalls neues und neugieriges Mitglied (wobei dieser Titel hier durchaus ein noch zu erringender ist), einige Fragen auf (und euch aufgrund der folgenden Verschriftlichung nun auch, juchhe!):
ruelfig,
Du schreibst: „ich empfinde deinen Text als eine Frechheit. Du verteidigst die Freiheit, die die Arschlöcher von der RAF und vom 2.Juni und wer sonst noch einforderten…“ und fährst danach noch sehr erregt fort.
Erst einmal stellt sich mir die Frage, ob hier von vornherein davon ausgegangen wird, dass Autor und lyrisches Ich eines Gedichtes identisch sind. Mir ist der schmale Grad, gerade auch aus psychologischer Sicht betrachtet, durchaus bewusst, dennoch dürfte doch jedem hier, der ernsthafte Schreibversuche unternommen hat (und das unterstelle ich euch), die Eigendynamik der Sprache und der Ideen aufgefallen sein, die sich beim Schreiben entwickelt?
Nächstens: Du gebrauchst den Begriff „Verteidigung“ ziemlich eindeutig in der Absicht, ögyr auf ein bestimmtes Feld zu stellen, das der RAF-Sympathisanten (allerdings werfe ich hier ein, dass ein „Verteidiger“ in der Justiz beispielsweise nicht von der Unschuld des Angeklagten überzeugt sein muss, daher ist die Bezeichnung im Deutschen etwas schwammig) und positionierst Dich ebenfalls (aber auf ein anderes Feld) indem Du Kraftausdrücke („Arschlöcher“) und Nachlässigkeitsphrasen („und wer sonst noch“) zur bewussten Betonung Deiner Ablehnung und Herablassung gebrauchst – sind ideologische Ansichten oder Gegenansichten bei der Beurteilung der Qualität eines Gedichtes von maßgebender Relevanz? Kann also die Thematik selbst (gemeint ist nicht die Umsetzung) den Wert eines Gedichtes herabsetzen?
Augustine,
auch Dich würde ich gern etwas fragen. Du schreibst „Denn wer Texte solcher Art zu Dutzenden verfertigt und vmtl. aus seinem Umfeld heftigste Akklamationen dafür erntet, wird kaum bereit sein, sich auf eine negativ-kritische Analyse einzulassen.“
Ist es nicht erlaubt, hier Texte der Kritik auszusetzen, die bereits woanders erschienen sind?
Wenn ja, weshalb?, wenn, wie in ögyrs Fall, im Forum der 13, auf das Du Dich wohl beziehst, weder Verbesserungsvorschläge noch Kritik irgendeiner Form kamen – zeigt dann sein Verhalten nicht vielmehr den Wunsch, sich tatsächlich einer Kritik auszusetzen?- jeder, der hier ein bisschen gestöbert hat, weiß, dass die Autoren nicht in Watte gepackt werden.
Und wieso nimmst Du sofort diese ablehnende Haltung ein? – so sprichst Du beispielsweise nicht zu ihm selbst, sondern nur in dritter Person über ihn zu jemand anderem, mit dem Du Dich gleichwohl solidarisierst; und stellst Vermutungen an.
Ich weiß, man verfällt gern in bestimmte Sprech- (hier Schreib-)muster, wenn man sich eine innere Meinung gebildet hat und die möchte ich nicht anfechten – aber handelt es sich dann noch um sachliche Kritik?
Doch: vielleicht soll ögyrs Text soll ja polarisieren (!) und da dieses Gedicht offensichtlich Diskussionen auslöst, wäre dieses Ziel bereits erreicht. Und hey, das ist doch immernoch besser, als nur ein müde-schläfriges Belächeln zu ernten! =)
viele Grüße,
Christiane

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ruelfig
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08.12.2009, 17:12 / 1 x geändert
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Hallo Christiane,
eingangs schrieb ich: ich empfinde deinen Text als Frechheit. Nicht: ich empfinde dich oder ich empfinde dein LI als irgendwas. Dies ist das Internet, wir sind alle Anonymusse und meine Kritik richtet sich an den Inhalt des Textes. Die Form ist mir in diesem Fall egal bzw hat Gretchen schon alles dazu gesagt.
Das, was die RAF und die anderen Möchtegerns damals gemacht haben und was sich nun in einigen "Szenen" wiederholt, geht weit über plündern, morden und brandschatzen hinaus, es trägt Zwietracht in die Welt, es diskreditiert jede friedliche Form der kritischen Auseinandersetzung, es vergiftet das Klima und dies gerade eben von einer Seite, die sich als die bessere erklärt, die angeblich für Aufklärung und Selbstbestimmung eintritt und doch wieder nur beim eisernen Besen von Stalin, Mao, PolPot und anderen Soziopathen landet.
Dieser Text versucht, Sympathien zu wecken für eine politische Ausrichtung, der ich mit Widerwillen gegenüberstehe, wie auch den anderen -ismen Faschismus und Islamismus. Ich habe kein Verständnis für Mörder und Selbstmörder, die die Gründe für ihr Scheitern anderen in die Schuhe schieben. Und wenn das dem Hersteller dieses Textes nicht passt, na und?
Und dass das alles nur meine Meinung ist und sich nicht gegen tatsächlich existierende Personen richtet, betone ich gerne immer wieder. Zu einer anderen Lesart kann mich dein Beitrag leider nicht bringen.
P.S. Erregt war ich hier keineswegs. Solcher Schmonzes regt mich auf, aber erregen tut mich ganz wat anneres.
Hallo Augustine,
gerne wieder.
Liebe Grüße,
R

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augustine
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ruelfig, danke für deine Antwort.
Christiane: ich frage mich bei deinem ohne Zweifel (doppelter Wortsinn) gekonnt geschriebenen Text, welches Interesse DU daran hast, einen Text zu verteidigen, der gar nicht deiner ist.
augustine

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Gretchen
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08.12.2009, 17:42 / 2 x geändert
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Heiala Christiane, willkommen im härtesten Weltverschlimmererforum netzaufnetzab!
| Zitat: |
| zeigt dann sein [ögyrs] Verhalten nicht vielmehr den Wunsch, sich tatsächlich einer Kritik auszusetzen? |
So weit her kann ett mitti Kritikbegierde von "ögyr" abba nich sein, wenn er, statt persönlich zur Verteidigung seines Schmelzwerkes zu erscheinen, bloß ne Sprecherin schickt. Oder? Na, egal. Wie auch immer:
Mich langweilen unsinnige Diskussionen und künstlich in die Länge gezogenes Gelaber um einen Kuhfladen von Text ganz ungemein.
Hab null Bock auf "bodenloses Gequassel" (-> Celan-Zitat; danke, Vladimir!).
MfG in die Runde aller sonst noch so Mitlesenden,
das Krötchen

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Christiane
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Hallo zurück:
augustine, Deine Frage ist gut, aber die Antwort ist nicht, wie von Dir vermutet, Gretchen, dass ich als Christiane Nägler (verzeih, aber das bin ich wirklich nicht =/ - ich habe noch kein einziges Gedicht und auch keinen Prosatext in die Weiten des Internets geschickt [ein paar zaghafte Versuche per Mail vielleicht]) stellvertretend für ögyr spreche; der wird sich schon melden! *bangt sie *
Aber, das ist nun wirklich off-topic, wie man so schlecht sagt, und gerät auch ins tendenziell eindimensionale Rechtfertigungsblabla, bevor ich also spitzfindig werde ob der Formulierung ruelfigs, die auch nachträglich in ein anderes Licht ver-rückt ihre Eindeutigkeit nicht (!) verliert, wende ich mich anderen Gedichten und Texten innerhalb dieses Forums zu, denn hier gibt’s wahrlich noch viel Stoff, der ebenso betrachtet, befühlt, betastet, bewundert und auf seine Schönheit Oder seine Nützlichkeit hin untersucht werden will –
Es grüßt reichlich honigzungig:
Christiane

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Elise
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Hallo Christiane,
an dieser Stelle zur Information der Hinweis, dass Beiträge, die allzu sehr abseits vom eigentlichen Thema geraten, schiere Provokation, Spam und dgl. mehr, nicht erwünscht sind und gegebenenfalls entfernt werden (kommentarlos).
Falls Du mir dazu etwas sagen möchtest: per PN. Nicht hier im Faden.
Elise

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ruelfig
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08.12.2009, 20:08 / 1 x geändert
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Hallo Elise,
ich hätte gerne von Hallo Christiane eine nähere Ausführung, inwiefern meine Formulierung ver-rückt erscheinen mag in ihrer Eindeutigkeit. Auch bei anderen Lichtern betrachtet: Faschismus ist Scheiße, wie immer er sich neu benennt. Meinhof, Baader, Meins: Idioten. Sie waren der Meinung: man muss nur genug Feinde des Volkes ermorden, um das Volk zu befreien. Ist das idiotisch oder was? Der/Die Letzte Volksbefreier(in) bringt sich selber um, er/sie könnte selber Verräter/in sein. Schön dazu zu lesen die Kassiber aus den Zellen (wo von Frauen nur zu lesen ist als von Fotzen, jedenfalls aus Baader's Feder).
Also bitte nicht verschieben, das kann noch sehr interessant werden. Ich liebe Beiträge von Kommunisten/Faschistenfreunden.

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Elise
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ruelfig, mein Hinweis an Christiane war mehr allgemein-prophylaktischer Natur.
Der Moment schien mir gerade passend für einen kleinen diesbezüglichen Einwurf.
Wenn nun Du, Christiane, Dich ruelfig erklären und ihm antworten möchtest - nur zu.
Elise

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ögyr²
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09.12.2009, 01:31 / 1 x geändert
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liebe kommentator(in)en
viel stoff zum diskutieren und somit auch etwas fahrig meine antwort:
ad 1: ich kommentiere ungern eigene gedichte, weil gedichte nicht eine form des kodierens dessen sind, was ich eigentlich sagen wollte. nicht ich spreche, auch nicht das so genannte lyrische ich, das gedicht spricht aus sich selbst - und sagt mir dabei auch einiges neues über sich.
ad 2: es ist hier vielfach zu begriffsunschärfen gekommen, nicht nur weil manche im (un-)sinne einer nur oberflächlich verstandenen totalitarismustheorie faschismus und kommunismus (in der konzeptuellen ausprägung der stadtguerilla der 70er jahre) in einen topf werfen, einmal munter durchrühren und dann im kaffeesatz lesen. dass man sich entlang der frontlinie faschismus/kommunismus schon mal verirren kann, liegt daran, dass auch der faschismusbegriff der stadtguerilla einigermaßen unscharf war. sichtbar auch an begriffen wie „volksgefängnis“, in denen der begriff „volk“ so wenig definiert ist wie sein vermeintliches mandat für die aktionen der revolutionären avantgarde. das „volksgefängnis“ als retourkutsche für den freislerschen „volksgerichtshof“? parlamentarische demokratie als widerpart des proletariats, das erst jetzt, mehr als 30 jahre danach, wieder gestalt annimmt, auch als revolutionäres subjekt sich wieder konfiguriert. wie dem sei: weder die stadtguerilla noch der verfasser haben ihren marx gründlich genug gelesen, um das aufzuklären, wohl aber - und das habt ihr richtig erkannt - ihren brecht, zumal dessen schlüsseltext „die massnahme“, aus dem abgewandelt die figur vom „morden, um das morden zu beenden“ stammt: „das gras noch müssen wir ausreißen, damit es grün bleibt“, heißt es da. jetzt käme es darauf an, auch noch horkheimer/adorno poetisch einzulesen (aber das nur am rande).
ad 3: der text als frechheit empfunden: schön, wenn er so rüberkommt, zeugt das doch zumindest von einer gewissen gewalt der sprache, die ich hier verwende, mir ausleihe. ja, er SOLL frech sein, er soll zu widerspruch anregen, denn - auch brecht - „die widersprüche sind die hoffnungen“. er soll auch polarisieren - ebendrum.
ad 4: zum projekt stadtguerilla gehörte, den krieg zurück in die imperialistischen metropolen zu tragen. der imperialismus verrichtet die notdurft seiner ausbeutung und okkupationen in den hinterhöfen der sog. „3. welt“, nicht im warmen wohnzimmer der besserverdienenden und kriegsgewinnler. stadtguerilla scheißt euch ins wohnzimmer, diese strategie war auch die des gedichts. und dazu bedarf es der kraftausdrücke und gewisser holzschnittartiger brachialitäten, auch brutalitäten. entsprechend wundere ich mich nicht, wenn seit vers 5 zurückgeschossen wird.
ad 5: standpunkt: weder der autor, noch das lyrische ich, noch das gedicht haben einen „standpunkt“. es ist vielmehr in voller fahrt geschrieben und aus dem magazin geballert. es kommt aus der fassung, statt haltung zu bewahren oder eine zu gewinnen. standpunkte sind orte geringer ausdehnung. es geht aber darum, sich auszudehnen, denkend und im denken und sprechen handelnd. es geht um fortschritt (des gedichts) im sinne von fortschreiten, nicht im sinne von fortgeschrittenheit (vgl. dazu wiederum brecht: „der dreigroschenprozess“). insofern ist es auch nicht fertig. es wird fortgeschrieben - hier in diesem diskurs. die revolutionäre geste wird im gedicht fortgeschrieben.
ad 6: gedichte sind (oder: sollten sein) radikal. sie wägen nicht ab, sie wagen etwas (im fall des gelingens), auch die gefahr der verirrung. und nochmal: es gibt keine aussage „hinter“ dem gedicht, das gedicht ist das gedicht, es selbst ist wenn nicht die, so eine aussage, eine aussprache. es ist die nachholende revolution, es holt nach (her und zurück), was noch aussteht. das gedicht sitzt über sich zu gericht - im volksgefängnis am renngraben 8.
p.s.: zur frage weiterer derartiger gedichte: ich poste in kürze weiteres.

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kirmesbollo
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ögyr
mir tut es schon ein wenig leid, weiter oben auf das gedicht reagiert zu haben. nicht einzig weil es sich als zeitverschwendung herausgestellt hat, nein auch weil es offenbar dazu beigetragen hat, dass in naher zukunft weitere reklamelyrik des autors folgen wird. das gedicht hatte mir schon etwas mitzuteilen, das oben stehende pamphlet als reaktion auf kritik geht mir aber in seiner unerträglich dozierenden art ungeheuer auf die nerven. zuviele flugblätter in diesem ton hat es schon gegeben, vor zwanzig jahren und davor und danach immer wieder. zuende gelesen hat die keine sau, außer den verfassern. da sitzt man gemeinsam nach der volxküche im infoladen und tüftelt an texten, um den dummen bürgern zu erklären warum sie gegen ihren willen befreit werden sollen. die revolution nach ögyr hat in mir einen leser verloren, denn selber denken macht mehr spaß.
der bollo

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ruelfig
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09.12.2009, 09:32 / 1 x geändert
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Hallo zum renngraben,
wenn ich es richtig verstehe, hast du dich selbst geschrieben und die Figur ögyr nur benutzt, um dich zu posten. Du behauptest, quasi eine jungfräuliche Geburt zu sein. Das glaube ich dir nicht, ich glaube vielmehr, dass du vom jenseitigen Brecht geschrieben wurdest und hierhin teleportiert bist, um uns begriffsunscharfen Kaffesatzlesern mal zu zeigen, wo die Stadtguerilla (was für ein anmaßendes Wort für so ein Häufchen Bescheppter) den Most am Hängen hat. Na, wenn mir einer mit der Brechtstange kommt, dann bitte ich doch den Krieg in mein Schlafzimmer.
Tschüß, zum renngraben,
R

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gregor libkowsky
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09.12.2009, 11:06 / 2 x geändert
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Sehr geehrter Herr Ögyr,
ich möchte Sie gern in mein Herz verschließen, sie sprechen über alles, als würden Sie heimlich in meiner Seele hausen, ja, so fühle ich mich, wenn ich Ihre schönen Erklärungen lese. Sie müssen wissen - aber wahrscheinlich wissen Sie dies längst - ,dass ich schon mehrere Revolutionen erfolgreich bekämpft, beendet, angezettelt oder auch verraten habe; alles eine Frage des Standpunktes. Und einen Standpunkt - das muss ich Ihnen ganz ehrlich gestehen - konnten wir uns damals in Golgostan nicht leisten. Onkel Brimbuszki sagte immer: Ein guter Standpunkt kann teuer, besser ist Sitzen, aber auf Dauer auch nicht billig. Und verdammt nochmal, mein Onkel hatte Recht.
Aber zurück zu Ihrem schönen Gedicht und Ihrer Erlärung dazu, denn da muss ich Ihnen gleich noch etwas gestehen: bei mir im Kopf, da ist was los, das kann ich Ihnen freizüngig bekennen, da dehnt sich so einiges, von dessen Existenz ich bis dato nichts wusste, wahrscheinlich ist es das Denken, welches Sie bei mir angestossen haben. Als Kommandant fällt mir das nicht so leicht, wie vielleicht anderen Menschen, wie Ihnen zum Beispiel. Das drückt und dehnt sich mittlerweile gar fürchterlich und ich muss Ihnen sagen, ich muss mich entlasten, notdürftig sozusagen, sofort.
Ihr Gedicht macht in meinem Kopf Revolution. Ich muss dichten, die revolutionäre Fackel weiterreichen.
notdürftiger stand (punkt)
scheiße schwappt
aus den hinterhöfen
in die wohnstatt des gedichtes
volksdurchfall: gering gedehnt
wie gedacht:
die revolution läuft
leer
werden wir fortschreiten
Wie Sie selbst sagen, Herr Ögyr, das Gedicht schreibt sich selbst, es schreibt sich fort, entwickelt Eigendynamik und am Ende macht es Platsch oder Gong (von mir aus auch wobbegong) und schon ist es da, macht Revolution mit sich selbst und wir dehnen uns aus, immer weiter, bis es wieder Platsch oder Gong macht. Ich muss leider aufhören, es gongt schon wieder, diesmal aber an der Haustür.
| Zitat: |
| gedichte sind (oder: sollten sein) radikal. sie wägen nicht ab, sie wagen etwas (im fall des gelingens), auch die gefahr der verirrung. und nochmal: es gibt keine aussage „hinter“ dem gedicht ... |
| Zitat: |
| weder der autor, noch das lyrische ich, noch das gedicht haben einen „standpunkt“. es ist vielmehr in voller fahrt geschrieben und aus dem magazin geballert. es kommt aus der fassung, statt haltung zu bewahren oder eine zu gewinnen. standpunkte sind orte geringer ausdehnung. |
Ihr Kommandant Libkowsky
P.s.: Augen auf und die Ohren gespitzt, zum Kampfe bereit - allezeit.
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Gretchen
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09.12.2009, 19:38 / 2 x geändert
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heiala und guten abend!
will auch den diskurs noch bisschen weitertreiben und bitte höflichst um nachsicht für meinen gretcheneignen zungenschlag.
nun muss zum glück auch "Christiane" nicht mehr "bangen", denn du, ögyr, stiegest selbst hernieder aus dem olymp fortgeschrittener lyrikerInnen, um den prolls und gretchen müllers hier draußen auf der plattform in ihre vermufften dicht- und dachtkammern frischen wind zu blasen mit (d)einem persönlichen poetologischen be- oder erkenntnishauch, "fahrig" (?) notiert in ad 1 bis ad 6 stichpunkten, und - soweit eine wie ich das verstehen kann - brechtgestützt u.a. oder v.a. auf "eingreifendes denken" abhebend.
ich begreife deine aussage
"weder der autor, noch das lyrische ich, noch das gedicht haben einen 'standpunkt'. es ist vielmehr in voller fahrt geschrieben und aus dem magazin geballert. es kommt aus der fassung, statt haltung zu bewahren oder eine zu gewinnen. standpunkte sind orte geringer ausdehnung. es geht aber darum, sich auszudehnen, denkend und im denken und sprechen handelnd"
plus dasdavor und dasdanach als synonym(e) für etwas, was als auf ästhetische kategorien (hier: "lyrik") angewandtes "eingreifendes denken" zu verstehen sein könnte. eingreifendes denken, eine einstellung, die nicht nur nach kontemplation und erkenntnis verlangt, sondern auch nach anwendung und wirkung, hätte sich demnach im bereich "des schreibens" wohl (auch) als suche nach besonderen ästhetischen formen zu zeigen (hier z.b.: suche nach gedichten, die "aus der fassung kommen" [m.m.n. übrigens eine sehr unscharfe formulierung], "polarisieren" [ebenfalls verschärft unscharf], "ins wohnzimmer scheißen" [wemauchimmer] undsoweiter) - ästhetische formen jedenfalls, welche imstande sind, den adressaten (leserInnen, publikümmern u.a.m.) zu einem analytisch-distanzierenden prozess zu verhelfen ("Brecht sei mit uns!"), indem sie ihn/sie/uns in bewegung versetzen (=> "revolution nachholen", "diskurs", "fortschreiten", "fortschreiben" etceterapeepee).
okeeh soweit. ist nicht neu, aber kann man machen, kann man versuchen.
ob es hier gelungen ist, kann/will ich nicht beurteilen.
was mich ziemlich stört (meine vorredner wohl auch), ist dieser ätzend herablassend wirkende habitus, mit dem du, ögyr, deine botschaft transportierst. könnte natürlich sein, "das herablassende" ist simpelment eine projektion von gretchen müller und den anderen lyrikprollis (gerade die noch nicht befreiten im geiste projizieren - datt iss ja bekannt! - vorzüglich und gern). könnte aber auch sein, das gedicht hat ins falsche wohnzimmer geschissen. oder der autor wirft nutztiern seine perln zu.
ich weiß es nicht. wird sich weisen.
nfu - die Kröte
ps
1 tipp: außer Adorno und Horkheimer auch noch bisschen Heiner Müller mit reinlesen.
schadet bestimmt nicht.
achso, ja, hat just the moment auch so ein schmelzdings im vollen galopp eben mal radikal notdürftig sich aus mir raus
gesprochen, geschrieben,
gewunden, entbunden,
geballert,
gedrängt und entzwängt ...

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ögyr²
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10.12.2009, 05:23 / 2 x geändert
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Antizionistisch vielleicht, antisemitisch auf keinen Fall. Wenn auch jene Verwechslung von antizionistischem und antisemitischem Appeal in der gegenwärtigen Rest-Linken ein virulentes Problem ist, verweigere ich mich dennoch, mich derart RAF-eingemeinden zu lassen. Schlau gegooglet, aber dennoch vorbei am Thema,
meint und grüßt sozialistisch: ögyr

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Christiane
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Hallo ruelfig,
da es mir von Elise erlaubt wurde, hier meine Antwort auf eine anscheinend fast verjährte Aufforderung von Dir, mich näher zu erklären:
Ich muss leider sagen: Deine Forschheit steht diesmal Deinem Kopf im Weg. Ich hatte gar nicht Deine politische Einstellung (die ich doch nicht mal kenne - denn Gegner der RAF zu sein, kann immernoch alles Mögliche heißen - vielleicht gehörst ja zu den Violetten, was weiß ich) kritisiert, sondern dieses nachträgliche Retouchieren:
„eingangs schrieb ich: ich empfinde deinen Text als Frechheit. Nicht: ich empfinde dich oder ich empfinde dein LI als irgendwas.“
Deiner vorangegangenen Aussage:
„Ich empfinde deinen Text als eine Frechheit. Du verteidigst die Freiheit, die die Arschlöcher von der RAF und vom 2.Juni und wer sonst noch einforderten…“.
Was ich mit meinen beiden Nebensätzen:
„bevor ich also spitzfindig werde ob der Formulierung ruelfigs, die auch nachträglich in ein anderes Licht ver-rückt ihre Eindeutigkeit nicht (!) verliert“
bloß habe andeuten wollen, ist, dass ich Dir nicht abkaufe, von Anfang an den Unterschied zwischen dem Autoren und dem lyrischen Ich erkannt oder ihn besser „gemacht“ zu haben.
Mehr nicht, sorry.
Doch: genau solche Diskussionen um ein Gedicht zu führen, sprich: spitzfindig die Kommentare anderer User auseinanderzunehmen, ist doch eher fad, deswegen unterließ ich es.
Und: Du musst jetzt nicht gleich in eine Antihaltung gehen. Ich habe mich bisher nur zu Deinen Aussagen innerhalb der ögyr-Gedicht-Diskussion geäußert. Das heißt nicht, dass sich in diesen wenigen Kommentaren meine gesamte Meinung über Dich widerspiegelt, so finde ich einige Gedichte reichlich interessant!
Mich wundert ohnehin etwas, wie gleich aufs Ganze gegangen wird: entweder ganz dafür, oder ganz dagegen, das, finde ich, ist doch eine ziemlich undifferenzierte Herangehensweise.
Was soviel heißt wie: wenn ich eines von Dir kritisiere, musst Du es nicht auf Deine ganze Person hochrechnen.
Gruß,
Christiane

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augustine
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10.12.2009, 23:21 / 5 x geändert
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| Zitat: |
immer noch stehen die revolutionen
aus, als immer nur nachholende.
die antwort auf das jahrzwölft
(77-89) steht noch aus.
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Kleinigkeiten:'ausstehen' zweimal zeigt die schnell hingehauene Machart;
'immer noch'/'immer nur' - auch eher schlampig als emotional bekräftigende Wiederholung
edit: Keine Kleinigkeit: Was issen eine andere als eine nachholende Revolution???? Kann es logischerweise vorlaufende geben, also welche, die zwangsläufig noch unbekannte Ereignisse der Zukunft mit Gewalt zu ändern suchen?
Bitte, Herr Ögyr, lassen Sie das doch eins Ihrer groupies bzw. Randfiguren erläutern, am besten Christiane, die hat so viele Zeit
augustine
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Jolante
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11.12.2009, 14:53 / 2 x geändert
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Mit Verlaub augustine, in dem von dir beanstandeten Zitat kann ich keine Schlampigkeit erkennen. Die Wiederholungen geben der Aussage eine Nachdrücklichkeit, die mir durchaus gewollt erscheint. Überhaupt kann ich die Aufregung um dieses Gedicht nicht ganz nachvollziehen. Die politische Auffassung, die zugegebenermaßen agitatorisch daherkommt, muss ich als Leserin ja keineswegs teilen. Das ändert m.E. aber nichts an der Auffassung über die Gestaltung des Gedichts, die mir -ich erwähnte es schon in einem früheren Kommentar- als durchaus gelungen erscheint.
Liebe Grüße
Jolante ohne Deinung

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ögyr²
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nur zur Klarstellung:
Ich lasse keine Groupies für mich antworten, ich habe keine - auch keine Sekretärinnen, die meinen Schriftverkehr übernehmen. Ich brauche keine Randfiguren und keine Lillifeen. Was für eine Unterstellung, dass solche nicht selbstständig dächten und sprächen, sondern nur in meinem Namen. Selbiges gilt auch für Christiane, über deren Verteidigung meines Gedichts ich mich freute, mehr noch aber über ihren diskursiv-sachlichen Gestus, die aber nicht mein Sprachrohr ist, sondern eine eigenständige Autorin und Sprecherin.

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Elise
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Hallo ögyr,
Deine Klarstellung hättest Du besser dort untergebracht, wo - wie Du sicherlich bemerktest - eine entsprechende Diskussion eröffnet ist. Du darfst Dich dort gerne mit weiteren Statements einbringen. Hier in diesem Faden nur noch strikt textbezogene Beiträge, wenn er nicht im Small Talk-Bereich landen soll.
Elise

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