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augustine
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01.12.2009, 17:54 / 1 x geändert
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Heute habe ich Päckchen weggebracht. Als ich fertig war, sprach mich ein älterer Mann an: Welches wohl die richtige Größe bei den Päckchen-Sets sei für das, was er in der Hand halte. Er zeigte es, zwei kleine Packungen Pralinen und Marzipankartoffeln, ein kleiner Dresdner Stollen. Ich suchte für ihn. Das kleinste Set war zu klein, große waren noch reichlich da, aber auch noch eine Größe, die mir passend erschien. Ob ich ihm die Sachen auch einpacken würde? Ja. Es gelang. Auf eine Seite legte ich die Süßigkeiten, daneben den Stollen, der die Verpackung etwas wölbte. Würde ich ihm auch die Adresse schreiben? Ich schrieb sie von einem Stück Karton ab, das er mir hinhielt. Ein weiblicher Vorname, ein schwedisch-griechischer Doppelname, eine Straße in Stockholm. Und bitte auch den Absender: er diktierte seinen Namen, einen Allerweltsnamen deutsch, seine Straße; nur die eigene Postleitzahl wusste er nicht. Es sei sein Weihnachtspäckchen für seine geschiedene Frau, sagte er, mit der er über 30 Jahre an der Adresse in Stockholm zusammengelebt habe. Sie möge doch all dies so gern.
augustine
AugenblickeBlickwinkel 16

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ruelfig
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Hallo Augustine,
du weißt, dass das ziemlich gemein ist? Den Blick dahin zu richten, wo tatsächlich noch so etwas wie der "Geist der Weihnacht" stattfindet, Mühe auf sich zu nehmen, Strapazen zu überstehen, um selbstlos ein echtes Geschenk zu geben, ohne den Gedanken an ein "Danke" zu verschenken, was das Gefühl gebietet? Ganz gemein, dein Text. Bei mir funktioniert er, ohne Ironie.
Ich hoffe, das Päckchen des älteren Herrn kommt unbeschadet an.
LG,
R

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Gerd
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02.12.2009, 01:19 / 1 x geändert
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Liebe augustine,
für mich ein feiner vorweihnachtlicher Schnappschuss, der Dir da gelungen ist.
Hier geht ein Mann los, um ein Weihnachtspäckchen zu verschicken. Er ist schon älter und braucht bereits für die Verrichtung dieser Alltäglichkeit Hilfe.
Bis dahin unspektakulär, doch für wen strengt sich der alte Herr so an? Für seine geschiedene Ehefrau. Da haben zwei über 30 Jahre zusammen gelebt, lassen sich scheiden, können nicht mehr miteinander und er leistet für diese Frau einen Liebesdienst, der schon durch die bloße Entfernung nichts erwartet und durch den Dopplnamen auch nichts erwarten kann.
Als Leser erfahre ich nicht, ob den Leckereien auch ein paar persönliche Zeilen beilagen. Aber selbst wenn dies nicht der Fall war, frag ich mich unwillkürlich, ob es denn bei all den Mühen und Umständen, die er auf sich nimmt, so gar keine Gesprächsbasis mehr gibt, für zwei, die ihr halbes Leben miteinander verbracht haben? Viel muss da noch sein, was ihn, einsam, alt und beschwert, mir ihr verbindet, sonst würde er all dies nicht tun.
Nachdenklichkeit schwingt bei mir nach und ja, mir geht es wie ruelf, auch bei mir hat der Augenblick „funktioniert“.
Herzliche Grüße an alle, deren innere Adventskerze gerade brennt oder die darüber nachdenken, was da noch mehr ist als nichts, das sie mit dem/der anderen verbindet
Gerd

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Jolante
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02.12.2009, 21:05 / 1 x geändert
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Ein augustinischer Blickwinkel, wie ich ihn liebe. Nur wenige lakonische Sätze geben dieser Kürzestgeschichte ein inhaltliches Gewicht, das über das des besagten "Päckchens" hinausgeht. Es werden ja zwei Gut-Taten fein ineinander verwoben: die des alten Mannes, der seiner Ex-Frau mit der süßen Weihnachtsüberraschung trotz getrennter Lebenswege eine Freude machen will, und die der Ich-Erzählerin, die ihm uneigennützig beim Verpacken und Versenden hilft. Solche Augenblicke sind kostbar, vielleicht weil wir sie als selten empfinden, vielleicht, weil nur sie dem sogenannten "Fest der Liebe" in unserer zunehmend kaltschnäuzigen Gesellschaft auch heute noch Sinn geben.
Das hat gerne gelesen
Jolante

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Vladimir
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Interessant finde ich auch, dass er darüber spricht: also vielleicht doch das Bedürfnis hat, der stummen Sprache der Dinge etwas überzubauen - und seis bei jemand fremdem; auch: eine Art Antwort zu erhalten, da vielleicht von ihr keine zu erwarten ist.
Es macht mich nachdenklich, wie das kommt, dass solches zu schenken doch oft mehr bewirken kann, als Worte das können, dass es mich beinah tiefer rührt, obwohl es eigentlich oberflächlicher ist. Vielleicht ist es doch dies bloße, ganz materielle "Da-Sein", das hier gegenüber dem flüchtigen Wort einen Triumph feiert (so wie die tatsächliche, also handelnde Hilfe beim Verschicken des Pakets auf eine Art mehr ist, als Empathie für dessen Hintergrund).
Vladimir

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derSibirier
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ich mag den Text, gelungen.
Kritikpunkt: "Heute habe ich Päckchen weggebracht. Als ich fertig war, sprach mich ein älterer Mann an: "
Der Job ist erledigt. Der Lyrich hat sie weggebracht und ist fertig mit der Arbeit, also ist schon wieder zurück vom Postamt.
ändern.
der Sibirier

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gregor libkowsky
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08.12.2009, 09:37 / 2 x geändert
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| Zitat: |
| Der Job ist erledigt. Der Lyrich hat sie weggebracht und ist fertig mit der Arbeit, also ist schon wieder zurück vom Postamt. ändern. |
das steht so nicht im text. päckchen wegbringen liest sich als postamtshandlung, als die tätigkeit der abgabe am schalter, zumal der folgesatz (als ich fertig war) direkt bezug darauf nimmt und das ende der besagten tätigkeit anzeigt. daraus kann ich nicht entnehmen, dass das lyrich schon zu hause weilt.
hallo augustine,
obwohl der text für mich zunächst etwas konstruiert wirkt, zeigt er wirkung.
so sind die wahren geschichten, die tragödien verzweifelter menschlicher sehnsucht und die kompensationsversuche bei nichterfüllung weitaus unglaubhafter und absurder in den verstrickungen und hilflosigkeiten und den sich gegenseitig zugefügten gemeinheiten als so manche künstlerische darstellung desselbigen.
doch in diesem wissen wird dein text für mich zur blaupause und weist über das eigentlich erzählte geschehen, d.h., der text berührt und in dieser berührung - assoziativ - verliert er den leicht anhaftenden geruch einer fiktiven konstruktion.
wir wissen sehr wenig voneinander. so vieles geschieht, obwohl wir es uns nicht vorstellen mögen.
gern gelesen,
kommandantengruß
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augustine²
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08.12.2009, 14:13 / 4 x geändert
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Hallo, Gregor,
der hier ist der am wenigsten konstruierte Text, den ich überhaupt geschrieben habe. Alles hat sich so abgespielt, wie hier steht; es war so sehr schon 'Literatur', während es sich ereignete, dass ich mich geschämt habe, das z.B. während des Päckchenpackens und vor allem: des Beschriftens schon gemerkt zu haben. Zu Hause habe ich nur noch aufgeschrieben.
lg augustine

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kirmesbollo
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hallo augustine,
ich wollte gestern abend noch ganz nassforsch spekulieren, dass es sich möglicherweise um eine aus dem alltag verschriftlichte begebenheit handelt, da kamst du mir zuvor. wenig konstruktiv relevantes habe ich hier beizusteuern. diese auf essenz eingedampfte miniatur hat die gleiche wirkung, wie ein unvermutetes lächeln von einer fremden person an einem bis dahin beschissenen tag. ein kurzes aufblitzen moralischen handelns, welches man nicht allzu oft so beschreibenswert erlebt. das rechtfertigt schon allein den text und macht ihn lesenswert. interessant ist für mich dabei der gedanke, für wieviele leser das wohl als kitsch erscheint.
dankesehr: der bollo

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augustine²
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Dank an alle, die sich hierzu geäußert haben (der Herr aus Sibirien freilich hätte in der Tat erstmal genau lesen müssen, bevor er so forsch "ändern" forderte).
Also die Geschichte war "da" (bollo, derlei würde ich mich gar nicht trauen zu erfinden). 'Für nachdem' er dann auch sein Päckchen expediert haben würde, hatte mich der Mann (wirklich kein 'Herr') noch zu einem Bier eingeladen. Das habe ich abgelehnt. Nicht eigentlich, weil ich noch anderes zu erledigen hatte, sondern weil ich dann nochmal so lange hätte auf ihn warten müssen, wie ich für mich gewartet hatte; weil ich glaube, aus wenigen Sätzen das mögliche Gesprächsniveau erkennen zu können, und das wäre hier wohl niedrig gewesen; weil ich fürchtete, das wohl am meisten, nun die ganze Geschichte 'hinter' dem Päckchen erzählt zu kriegen; ich könnte also auch sagen: weil ich eigennützig und arrogant die Geschichte unüberlagert 'behalten' wollte.
lg augustine

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