Ironie und Postmoderne · Homer · ·


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      Homer



Ironie und Postmoderne

   29.11.2009, 12:55



Hallo zusammen!

Ich habe letztens irgendwo gelesen:
Ironie ist eines der Kritierien Postmoderner Kulturproduktion.
Kann mir jemand sagen, in welchem Text ist das als zitierbar finden kann?
beste grüße,
martin

 

      Gerd



Ironie und Postmoderne

   29.11.2009, 17:50 / 1 x geändert



Hallo martin,

nun ja, viel hast Du zu dem benannten Satz nicht geschrieben, zu welchem ich Dir in dieser Form leider keine Fundstelle anbieten kann. Doch hat es hier noch einige bewanderte Geister, welche vielleicht Abhilfe schaffen können. Nur möchte ich Dich auch nicht gänzlich ohne Erste-Hilfe-Versuch zurücklassen. Thematisch könnten evtl. folgende Quellen interessant sein:

"Postmodernismus, Ironie und Vergnügen" von Umberto Eco, aus "Nachschrift zum Namen der Rose“, Hanser, München 1984, ISBN 987-3423105521

"Postmodernism, or, The Cultural Logic of Late Capitalism" von Fredric R. Jameson

Grüße in der Annahme, Dir damit voraussichtlich noch keine rechte Hilfe gewesen zu sein
Gerd

 

      Homer²



Ironie und Postmoderne

   29.11.2009, 19:33



Hallo Gerd!

erstmal vielen Dank für die Antwort! mag sein, dass ich im Umberto-Eco Interview auf 3Sat letztens draufgestoßen bin...dass ich den kontext nicht schildere tut mir auch leid, ich hoffe, das ist nicht unhöflich (?) - es geht um slampoetry. aber auch so, um kulturtheoretische beobachtungen, und ich finde das für mich persönlich sehr interessant. Da ich erst langsam in "meiner" Zeit ankomme - ich bin noch jung, 26, und diese verstehe, wie sie ist.
beste grüße,
Martin.

 

      augustine



Ironie und Postmoderne

   29.11.2009, 19:47



Hallo Martin,
nein, beantworten kann ich deine Frage auch nicht.
Aber dass du nie "deine Zeit" wirst verstehen können, "wie sie ist", das kann ich dir versichern. Jeder hat und hatte immer seine eigene, die dennoch Teil von Wertvorstellungen, Hoffnungen, Ängsten u. a. ist, die er mit 'Zeitgenossen' teilt.
Verstehe ich dich richtig: du bist dabei, irgendwie über dich selbst und den vielleicht engen Kreis deiner Herkunft hinauszuwollen, willst das Im-Saft-der-eigenen-Jugendlichtkeit-schmoren überwinden?
Dann nur zu!
Gruß augustine

 

      Gerd



Ironie und Postmoderne

   29.11.2009, 23:06



Hallo Martin,

die Fragestellung schmal zu halten ist nicht unhöflich, erschwert nur Dir eine passende Antwort zu liefern. Darüber hinaus freuen wir uns hier natürlich immer über ein Feedback, was denn am Ende aus der Sache geworden ist - dies aus meiner Sicht auch nicht gerade unhöflich. Nachdem wir nun die Hintergründe Deiner Frage etwas genauer kennen, Danke dafür, ist mein Quellenhinweis vielleicht doch nicht völlig unbrauchbar.

Buon viaggio - wünscht Dir
Gerd

 

      zuppanova



Ironie und Postmoderne

   30.11.2009, 00:06



Grüss Dich, Homer.

Auf Umberto Eco (!) hat Gerd schon hingewiesen; von mir ein Link für Dich, vllt. brauchbar als erster (online-)Einstieg ins begriffsgeschichtliche Wurzelwerk.

Ironie, eine Grundstimmung im Übergang von der Moderne zur Postmoderne, "[...] ist genau jene Haltung, wodurch man Abschied nimmt von einer vermeintlichen Unschuld oder Naivität – hermeneutisch: von einem Standpunkt der Vorurteilslosigkeit – ohne aber auf die Mitteilung zu verzichten. Diese wird dann indirekt [...]."

"Ironisches Denken ist zeitweiliges, revisionsbedürftiges und vor allem gegenüber pathetischen Scheinzielen frohmütiges Denken. Politische Ironie ist die Stimmung geistiger Freiheit."

Und einige Gedanken zum Verhältnis Ironie - Humor, beide verstanden als Strategeme der Konfusion und der Diffusion, als Decodierungstechniken, findest Du -> hier, Punkt 2. und folgende.

Ironie ~ Verlust der "Unschuld" => Kriterium der Postmoderne: Das ließe sich vllt. auch einkreisen, indem man "Moderne" und "Postmoderne" ein bisschen gegeneinander hält, etwa so:

Wo modernes Denken zielgerichtet und zweckgeleitet erscheint, da tendiert postmodernes dazu, die Ziele und Zwecke selber zum Gegenstand zu machen, ohne sich von je einem leiten zu lassen. Wo die Moderne nach Werken strebt, nach Kunstwerken von eigenem Status, mit "Sinn", "Gehalt" und fertiger Form, da präsentiert die Postmoderne Vorgänge, Prozesse, die zwischen verschiedenen Sinnaussagen ablaufen und die keine abgeschlossene Form finden. Und wo moderne Literatur Elemente der Wirklichkeit auswählt, determiniert und auf einen einheitlichen Sinn hin deutet, da kombiniert postmoderne Literatur solche Elemente, multipliziert sie und verweigert eine letztgültige Interpretation. Man beobachtet dabei eine vielfältige Aufhebung von Grenzen: Der Ordnung steht die Unordnung nicht mehr gegenüber, sondern beide existieren mit- und ineinander. Geschichte ist Fortschritt und Rückschritt, Aufklärung ist auch ein Aberglaube, Schönheit ist Harmonie und Disharmonie, Kunst mischt Vollkommenes und Unfertiges usw. Die Unterscheidung zwischen Kunstliteratur und Massenliteratur ist ebenso hinfällig wie die zwischen Realität und Fiktion, zwischen den Gattungen, den Stilen, den formalen Einzelelementen literarischer Gestaltung.

Dieses Forum ist übrigens auch ein bisschen postmodern, finde ich, also Ironie, Brechungen, Ebenenwechsel, Bezüge kreuz und quer sind an der Tagesordnung, und für die eine oder den anderen hier scheint der Umgang mit Texten (eigenen & fremden) ein "heiteres Spiel", das mit höllischer Ernsthaftigkeit betrieben wird - dies als Randbemerkung eben noch dahin gesagt; aber um das zu verstehen, muss man wohl richtig drinstecken hier.

LG, zuppa

 

      Homer²



Ironie und Postmoderne

   30.11.2009, 16:03



Holla! soviele Antworten!

Vielen Dank - ich komme auf jeden Fall weiter, und der Diskurs kreist ja schon des längeren - ich persönlich mag Ironie nicht. Die Übersicht über die Ironie werde ich bei Zeit lesen, erste Hilfen sind mir auf jeden Fall gegeben worden.
Generell brauche ich die Überlegung für eine wissenschaftliche Arbeit über einen Slampoetrytext. Eigentlich nichts Schweres. smaat - piraten aus leidenschaft.
zum thema, als Jungspundler - so nehme ich an: ich denke durch mein studium versteh ich die kulturwelt(en) um mich herum ganz gut. In Frankreich habe ich gelernt erst emotional zu bewerten, dann sachlich. In meinem deutschen Studium wurde mir das vollkommen abverlernt, und ich bin froh, dass ich diese Methode wieder erlernt habe. Überhaupt erst durch sie wird ja die position zu einem Kunstwerk möglich. oder zu einem Thema. oder zu einem Sachverhalt. Verstehen kann man alles.

"Verstehe ich dich richtig: du bist dabei, irgendwie über dich selbst und den vielleicht engen Kreis deiner Herkunft hinauszuwollen, willst das Im-Saft-der-eigenen-Jugendlichtkeit-schmoren überwinden?" - nein, der ofen ist aus, so ein satansbraten bin ich nicht mehr :) -- durch ein semster ars du spectacle in caen habe ich das wohl schon überwunden. parallel arbeite ich gerade an einer inszenierung von jelinek...und ich merke schon, dass ich da vielleicht weiter drüber hinaus bin, als die Jelinek herself. :) - ich finde sie furchtbar zynisch und antimetaphysisch. ich weiß noch nicht, welcher kern dahinter steckt. aber rein werkimmanent liefert sie soo kleine schönheitskörner, die soooo durch den plastikkakao unserer Postmoderne gezogen werden , so bissig und aggressiv beharkt werden, dass ich das stück erstmal umgeschrieben habe....

vielen dank für die antworten! es wird dauern, bis ich wieder schreibe!

http://www.youtube.com/watch?v=3OpHJUJIrpU

der Rapper meint, " i life sarcasm free". das finde ich gut. davon gibt es wenige...
"times like these are up...for whatever." - schön!




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