Nachbarseelen · Elskugi · ·


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      Elskugi



Nachbarseelen

   25.11.2009, 22:05



Gefühlsfragmente umkreisen mich
doch berühren sie mich kaum.
Es ist nicht die Wärme eines Herzens die ich erspür,
vielmehr greift ihre Kälte nach meinem.
Warum fragt ihr "Wie gehts es dir?"
wenn ihr meine Antwort mit eurem Befinden erstickt..
Sagt nicht:"Wie schön endlich wieder von dir zu hören.."
wenn ihr euch niemals meldet..
eure Worte...niemals echt...
soviel von dem "was sich gehört"...
so wenig von euch.
Ihr würdet mich gern einladen,habt aber keine Zeit?
Es ist nicht das Zählbare,Fassbare,das euch aufhält,
es ist eure unfaßbare Distanz.
Fragt nicht:"Warum tust du das?",
wenn eure mißbilligende Kritik mich nicht erklären lässt.
Meine Wünsche sind Träumereien
meine Ziele werden "geduldet".
Ihr kennt nicht die Beweggründe meines Handelns,
vielleicht kenn ich sie selber nicht.
Aber ich versuche zu spüren wo euer Herz schlägt,
während ihr meines zum Stillstand bringt....

 

      Gretchen



wenn gefühlsfragmente wen umkreisen ...

   26.11.2009, 00:05 / 1 x geändert



wow, Elskugi, das sind ja 22 zeilen pure qual, aufrichtig gefühlt und ungefiltert niedergeschrieben. das trifft ins mark, das schlägt auf die seele, da wird der blutdruck weich vor mitgefühl. ich habs zwar nur ein einziges mal gelesen, bin aber so nachhaltig berührt von der vielen not, die da wort für wort reingesteckt wurde und aus jedem vers halberstickt rausklagt mit furchtbar erhobenem zeigefinger, dass mir sofort ein antwortgedicht einfiel, zwar nur 21 zeilen lang, aber auch richtig echt gefühlt, und das möcht ich dir schenken, dieses antwortgedicht, zum seelenschwesterlichen trost: weil niemand die herzensbeweggründe deines lyrich kennt, weil alle versuchen, sein herz zum stillstand zu bringen, und auch, weil wir eine wanderpokalin noch immer nicht haben. bitteschön:


so eine arme sau von einer seele

jaja, es wär alles viel besser,
wenn die mens-
hen nicht immer so böhz
wärn, so häzzlos,
so gemeeeiiin!
bahbahbah!
eye, ihr vadammtn schabrackn ihr,
gefühlskaltes mistpack,
konntet ihr nicht
bisschen netter sein
zu dem armen stück lyrich,
das da winselt,
da oben?
dann wäre womöglich
der welt
ein weiteres
grottenschlechtes,
über 22 zeilen gequältes
gedicht
erspart
geblieben, ohja ...

 

      Elskugi²



wenn gefühlsfragmente wen umkreisen ...

   26.11.2009, 13:02 / 1 x geändert



das mitleid ist ganz auf meiner seite....denn,wie schafft es DEIN lyrisches ich nur,sich immer wieder quälen zu lassen von dem meinen?....ach,natürlich,um sich schaudernd daran zu ergötzen,so wie manche das bei einem autounfall tun,nicht wahr...
oder ist es pflicherfüllung? der drang,die menschheit von solch zeilen zu befreien?
dann ist es wohl ,wie bei allen edlen taten ein endloses unterfangen...

 

      lost



Ist dieses Gedicht ein Unfall? Ja.

   26.11.2009, 15:55



Dass Gretes Kommentar Dir nicht gefällt, Elskugi, kann ich bis zu einem gewissen Grade nachvollziehen, denn es schmerzt natürlich, wenn man sehr "in den eigenen Texten lebt" und dann ganz unverblümt mit der Tatsache konfrontiert wird, dass man unterdurchschnittliche - nun, was?, von Lyrik möchte ich hier eigentlich nicht sprechen - produzierte. Andererseits willst Du ja Kommentare, nicht wahr, und stellst deshalb Deine Werke hier so eifrig ein? Da dürftest Du Dich doch freuen, überhaupt Beachtung zu finden mit einem Text, den - ich deutete dies eben schon an - als Gedicht zu bezeichnen ich mich scheue..

Was Du hier verfasst hast, erinnert mich an gewisse Notizen, die heftig pubertierende, bei der Zickenparade auf dem Pausenhof von "falschen" Freundinnen gedisste Schülerinnen um die 14, 15 in ein unter der Matratze verborgenes, schwarz oder pink eingebundes, mit Mangabilderchen verziertes Tagebuch schreiben. Den innerlich bedrängten Autorinnen verschafft dieser "schriftstellerische" Akt wohl eine kurz oder länger anhaltende Entlastung von hormoninduzierten Befindlichkeitswallungen (sei ihnen also gerne vergönnt), jedoch ist das Interesse eines auch nur ansatzweise literarisch anspruchsvollen "fremden", erwachsenen Lesers mit solch depressiv getönter, platter Schwarzweißmalerei, mit - sprachästhetisch betrachtet - solch plumpem Klagen über herz- und verständnislose "Nachbarseelen", nicht zu wecken.

Ein "Gedicht" vermag ich hier nicht zu entdecken. Die Zeilenumbrüche sind Makulatur, es fehlt der Gebrauch jedweden Stilmittels: keine Verdichtung, keine Bilder oder Bildebenen, keine Metaphern, keine rhetorischen Mittel, keine spannenden intertextuellen Bezüge, kein Interpretationsspielraum.
Dies ist ärmliche, langweilige Allerwelts-Befindlichkeitsprosa, die sich in hohlen Floskeln suhlt.


lost

 

      ruelfig



Nachbarseelen

   26.11.2009, 23:09



Hallo Elskugi,
ich feier diesen Monat Jubiläum: fünf Jahre in Lyrik/Gedichte/Textforen. Eine harte Zeit mitunter, aber auch entspannend, erfreulich, lehrreich. Ich habe wohl hunderte von Texten geschrieben (vielleicht war sogar ein Gedicht darunter, wer weiß?), aber wichtiger, ich habe tausende von Texten gelesen. Die meisten sind mir am Arsch vorbeigerauscht, einige haben mich empört, sehr wenige haben mich berührt (die Freiheit nimmt der Leser sich), aber ganz, ganz wenige fand ich so miserabel wie dieses hier. Du (also, natürlich nicht dein duiges Du, nur dein lyrisches), machst hier alles falsch. Wenn dereinst der oberste Sovjet in Brüssel ein Gesetz erlässt gegen unnötige literarische Betätigung, so wird dieses Dingens ganz oben stehen auf der Begründungsliste. Solch einen Quatsch braucht die Menschheit nicht mehr, sie hat sich herausentwickelt aus dem düsteren Zeitalter des Tagebuchs und keiner, keine hat das Recht, andere zu quälen mit solch authentizischem Tand, der sich für Lyrik ausgibt. Der Leser ist doch nicht dein Mülleimer.
Empört,
R

 

      Gretchen



Nachbarseelen

   27.11.2009, 01:56



heia, Elskugi, will ganz leise nochmal was sagen.

dein mitleid wärmt mein lyr-isch angenehm in der herzgegend, wo-ett sonz immer so verdammt kalt ist, also, da fühl ich plötzlich was, sonn' kribbeln, und ich merk schon: du bist ne premiumiksiksell-hobbypsychologin voller schrot und korn mit viel verständnis rauf bis zum rand für das, was in anderen vorgeht; hast mich durchschaut. ja, ich geb's zu, ich wühl gern in postcalamitären worthaufen rum, da hab ich richtig freude; wenn ich 'n mann wär und unverklemmt drauf, würd ich sagen: "da geht mir direkt einer ab dann".
ich find es edel-mutig von dir, dass du deine sachen in die nezzweltöffentlichkeit bringst, nur damit andere (ich) gelegenheit zum ausleben ihrer sonderbaren neigungen kriegen. da sag ich "hut ab" und "es gibt sie noch, die gute menschlichkeit". auch denk ich, wir könnten eigentlich freundinnen werden, denn - wolln wir im grunde nicht beide dasselbe, nämlich die welt besser machen? du tust es mit flachgedichten, ich mit knallkommentaren; haben also in uns diesen drang, der uns drängt zu edlen taten, auch wenn diese "endloses unterfangen" sind: seelenverwandtschaft?

naja, und noch: deinem autounfall hier in "ab 16 Zeilen" verdank ich ein weiteres werk für meine reihe Stimmen, die keiner gern hört, so was mehr experimentelles diesmal. da möcht ich mich revanchieren, vielleicht mit nem kleinen tipp zu den auslassungszeichen, weil du da schwierigkeiten hast, und das geht eigentlich so: drei punkte. drei. nur drei. 1 - 2 - 3. nicht vier oder zwei oder viele. nein, drei. und vor den drei punkten ein blank. also ein leerzeichen. manchmal. und danach eines. manchmal. manchmal aber auch nicht. es gibt regeln ...
genaueres findest du -> hier. und bei die kommas issett so, dass vor dem komma kein blank kommt, aber nach dem komma unbedingt eins. macht sich ganz gut, wenn man paar ... äääh ... basics draufhat. aber soo wichtig ist es nun auch wieder nicht.

nochmals danke für allen spazz mit dain textn.

krötchen

 

      Peter



   01.12.2009, 23:14 / 1 x geändert



Hallo Elskugi,

ich möchte sagen, dass dein Text zumindest auf ein Gedicht verweist, oder, wenn es dem Text auch nicht habhaft wird, er zumindest diesen Umraum erspürt, dass es nun also Worte geben könnte (um die „Gefühlsfragmente“), die sich passender oder vielleicht auch tragender aufhielten als die, die dem lyr. Ich begegnen.

Insofern les ich daraus doch schon den Ansatz eines Gedichts; was du schreibst, ist ja wie der Anfang eines Suchens. Um das, was unterbrochen steht, oder sich jetzt erst unterbrochen zeigt, soll sich eine (neue) Form finden. Dass dieser Aufruhr zunächst etwas "schwül" oder vielleicht pubertär klingt, liegt irgendwie in der Sache selbst beschlossen, die sich eben noch nicht zu verorten weiß.

Auf mich wirkt der Text mit jeder Zeile wie so eine Art Schilderwald. Da nicht und da nicht und da nicht will sich das Eigentliche zeigen. "Es ist nicht ... Es ist nicht ... es ist ... nicht ..." Eine nächste Erkenntnis steht ihm noch aus. Vielleicht kommt sie ja noch.

Mit lieben Grüßen

Peter

 

      Gretchen



was will Peter uns damit sagen?

   01.12.2009, 23:51



Zitat:
ich möchte sagen, dass dein Text zumindest auf ein Gedicht verweist, oder, wenn es dem Text auch nicht habhaft wird, er zumindest diesen Umraum erspürt, dass es nun also Worte geben könnte (um die „Gefühlsfragmente“), die sich passender oder vielleicht auch tragender aufhielten als die, die dem lyr. Ich begegnen.


mit dem satz stimmt was nicht. der hat sich den hals gebrochen. oder eine zehe. oder das ohr verstaucht. irgendwas stimmt mit dem satz nicht. dem wächst der linke arm aus der rechten hüfte oderso. aber macht nix. man fühlt: da ist bedeutung drin. worte, getränkt von suchender bedeutung. und das ist das wichtigste: dass man das fühlt.
oder?




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